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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 109
Freitag den 10. Mai
1889.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.
Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh des Andreas Baumeister und des Philipp Heck ir zu Bruchköbel ist erloschen.
Hanau am 6. Mai 1889.
Der Königliche Landrath
V. 2925 v. Oertze n.
Seine Majestät der Kaiser und König haben die Fortführung der Stiftung der Ehejubiläums-Medaille zu beschließen geruht.
Hanau am 7. Mai 1889.
Der Königliche Landrath
V. 2946 v. Oertzen.
Tagesschau.
Aus dem Rheinisch-Westphälischen Kohlengebiete bringt die „Köln. Ztg." folgende neue Nachrichten:
Essen a. d. R., 9. Mai. Der „Rh.-Westf. Ztg." zufolge wurde in einer gestern in Gelsenkirchen abgehaltenen Versammlung von Bergleuten, welche von den Ausständigen der Zeche „Hibernia" einberufen worden war, beschlossen an der Forderung einer Lohnerhöhung von 15 Prozent und einer siebenstündigen Schichtdauer festzuhalten. Bei den Verhandlungen in der Versammlung wurde mitgetheilt, daß eine Vcrsammlnng mit den Bergleuten in England, Belgien und Schlesien gesucht und gefunden worden fei. Der internationale Charakter der Bewegung ergebe sich aus der Vertheilung von Geldsummen unter die Arbeiter, welche von auswärts gesandt wurden.
Gelsenkirchen, 9. Mai. Auf Zeche Dahlbusch ist der Arbeiterausstand jetzt allgemein.
Bochum, 9. Mai. Heute Nachmittag findet eine große Versammlung von Bergleuten im Bochumer Schützenhof statt. Umfassende Vorbereitungen sind getroffen. Zwei Compagnieen Infanterie und eine Schwadron Cavallerie sind aufgeboten. Gestern Abend kamen kleine, leicht beseitigte Ruhestörungen junger Burschen vor; jetzt ist alles still.
Bergeborb eck, 9. Mai. Heute ist auf Zeche Carolus Magnus die Arbeit eingestellt worden. Zwei Schwadronen Husaren aus Düsseldorf sind gestern Abend in Altendorf und Rheinland angekommen.
Barop, 9. Mai. Heute Morgen ist auch auf Zeche Bruchstraße die Arbeit eingestellt worden; von allen hiesigen Zechen "ist Luise Tiefbau allein noch im Betriebe.
Dortmund, 9. Mai. Der Ausstand wird allgemeiner: ausgebrochen ist derselbe auch auf folgenden Zechen: Kaiserstuhl, Friedrich Wilhelm, Glückaus, Dorstfeld, Germania, Tremonia, Karlsglück, Borussia, Hardenberg, Stein.
Düsseldorf, 9. Mai. Hier liegen drei Werke still wegen Kohlenmangels. Man befürchtet, daß 8000 Arbeiter in Oberblik brod- los werden, wenn der Ausstand sortgeht. Drei Schwadronen Husaren und eine Schwadron Ulanen sind nach Oberhausen, Steele und Bochum abgerückt.
Essen a. d. R., 9. Mai. Der Generaldirektor der Zeche Prosper von der Arenbergischen Gesellschaft stellte 6 Arbeiterabgeordneten in zuvorkommender Weise möglichste Lohnbesserung nach aufgenommener achtstündiger Arbeitszeit in Aussicht. Die Abordnung versprach, für die Arbeitsaufnahme zu wirken.
. ?. Aus dem Reichstage. Berlin, 9. Mai. In der heutigen Sitzung des Reichstages führte die Fortsetzung der zweiten Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Alters- und Jnvaltditätsversicherung, über die 88 18 und 18a (Höhe der Rente) noch zu längerer Debatte. Schließlich wurden die genannten Paragraphen, ohne daß eine namentliche Abstimmung beantragt wäre, nach den von der Kommission jüngst gefaßten Beschlüssen mit Majorität angenommen. Die 88 18 a und c wurden ebenfalls genehmigt und sodann zu 8 84 (Höhe der Beiträge) übergegangen, der nach kurzer Debatte gleichfalls nach den Beschlüssen der Kommission zur Annahme gelangte. Damit war der seiner Zeit in die Kommission zurückverwiesene Theil des Gesetzentwurfs erledigt, und wurde nunmehr in der Berathung bei 8 101 (Streitigkeiten) fortgefahren. Die Abstimmung über einen hierzn vorliegenden Abänderungsantrag ergab die Anwesenheit von nur 166 Mitgliedern. Das Haus war also nicht be
schlußfähig. Um 4^2 Uhr beraumte daher der Präsident die nächste Sitzung zur Fortsetzung der Berathung auf morgen Mittag 12 Uhr an.
Berlin, 9. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich heute früh um 8 Uhr nach der Ausstellung für Unfallverhütung und nahmen von 11 Uhr ab die Vorträge des Kriegs-Ministers sowie des Chefs des Militärkabinets entgegen.
Berlin, 9. Mai. Heute Nachmittag 23Äi Uhr fand unter dem Vorsitze des Reichskanzlers eine Sitzung des Staatsministcriums im Reichstage statt. In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß man sich in der Sitzung auch mit dem Streik der Kohlenarbeiter beschäftigt hat. (Rh. K.)
Berlin, 8. Mai. (K. Z.) Nach dem unfreiwilligen Schluß der heutigen Reichstagssitzung und der unwiderleglichen Feststellung der Beschlußunfähigkeit des Hauses machte sich auf allen Seiten Unzufriedenheit geltend. Man äußerte laut, diese auffallende Theilnahmlosigkeit für ein so hochwichtiges Gesetz sei für dessen Freunde betrübend, für die Gegner aber beschämend, da diese nicht einmal den Muth hätten, ihre Meinung, und wenn auch nur durch ihr Erscheinen, zu vertreten. Der Abg. v. Kardorff, der heute die Auszählung beantragte, erklärte laut, er werde fortan die Auszählung täglich wiederholen, bis die Beschlußfähigkeit erreicht sei, an welcher heute ja nur 23 Mitglieder fehlten. Die Regierung ließ übrigens durch ihre Freunde wissen, daß sie fest entschlossen sei, sich durch solche Hemmungs- versuche in keiner Weise behindern zu lassen und die Session nicht zu schließen, bevor nach einer oder der andern Richtung ein Ergebniß erzielt sei.
Berlin, 9. Mai. Wie die „Berl. Pol. Nachr." erfahren, tritt die Wirkung des Streikes im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier selbst in dem Eisenbahnwesen hervor, indem auf verschiedenen Linien der Verkehr auf das unbedingt nothwendigste Minimum beschränkt wird, weil die Betriebsleitungen auf die möglichste Schonung der vorhandenen Kohlenvorräthe Bedacht nehmen müssen. Es stehe zu erwarten daß die Einschränkung weitere Dimensionen annehme, welche alle Gesellschaftskreise fühlen werden.
Metz, 9. Mai. Der Statthalter Fürst Hohenlohe ist mit dem Staatssekretär, Unterstaatssekretär und fast sämmtlichen Mitgliedern des Landcsausschusses heute Mittags hier angekommen. Die Stadt ist bestaggt. Auf dem Bahnhof war Empfang durch den Gouverneur, die Behörden und den Gemeinderath; dann erfolgte die Fahrt nach der Kathedrale und deren eingehende^Besichtigung unter Führung des Dombaumeistcrs, darauf Frühstück im Stadthause, von der Stadt gegeben. 130 Personen nahmen theil. Der^ Statthalter brachte den ersten Toast auf den Kaiser aus, welcher Toast enthusiastisch ausgenommen wurde. Darauf wurde stehend die Nationalhymne gesungen. Der Bürgermeister dankte für die Ehre des Besuches und brachte ein Hoch auf den Statthalter und den Landesausschuß aus. Der Statthalter erwiederte mit einem Hoch auf Metz. Präsident Schlumberger toastete auf. den Bürgermeister und Gemeinderath, der Gouverneur toastete auf Elsaß Lothringen, das, mit so vielem theuren Blut gewonnen, für immer mit Deutschland wieder vereinigt sei. — Der Statthalter bewilligte zehntausend Mark zu dem Fonds für das Kaiser Wilhelm- Denkmal in Metz. (Fr. N.)
Stuttgart, 9. Mai. (K. Z.) Der König und die Königin, welche am Freitag Mittag um 12 Uhr hier eintreffen, haben sich jede Empfangsfeierlichkeit verbeten. Der König hat während der letzten Zeit an einem starken Katarrh, verbunden mit heftigen Huftenanfällen, gelitten. Die Königin hat sich vollständig von der Erschütterung des neulichen Unfalls erholt.
Paris, 8. Mai. Die Generaldirektion der Ausstellung traf Vorkehrungen, daß bis zum 15. Mat die vollständige Aufstellung aller Abtheilungen der Ausstellung "vollendet sein kann. Heute Morgen brach in dein Ausstellungspavillon der Republik San Salvador Feuer aus, welches von der Feuerwehr aber schnell unterdrükt wurde und nur unbedeutenden Schaden angerichtet hat. (Fr. N.)
Paris, 9. Mai. Wie aus Tours gemeldet wird, hat der dortige kommandirende General gegen eine Anzahl Soldaten des 66. Infanterie- Regiments, welche am Vorabend der Säkularfeier beim Zapfenstreich bou- langisttsche Lieder gesungen und gemeinsam mit Leuten der Civilbevölkerung Lebehochs auf Boulanger ausgebrächt haben, die Untersuchung angeordnet. Die Mehrzahl der betreffenden Soldaten ist verhaftet worden.
Nottingham, 9, Mai: In einer gestern abgehaltenen konserva- tiven Versammlung drückte Beresford seine Genugthuung über das Potum