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Nr. 106.
Dienstag den 7. Mai
1889.
Dienst-Nachrichten auS dem Kreise.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 20 Mark und 2 Zweimarkstücke, je mit dem Gepräge Kaiser Friedrichs.
Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.
Vom Wasenmeister am 5. d. Mts. eingefangen: Ein gelber Hund m. Geschl.
Gefunden: Ein Taschentuch. Eine Brille. Ein Kindertaschentuch mit etwas Geld. Ein Hundemaulkorb. Ein gelber Strohhut.
Hanau am 7. Mai 1889.
Ausschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.
6515 A. — J. 3869/87. Das Ausschreiben vom 1. Nov. 1888 gegen den Schuhmacher Ferdinand Hartmann von Gersfeld wird erneuert.
D. 5208. — M. 306/88. Das am 21. September 1888 erlassene Ausschreiben gegen die Näherin Elise Endres von Conradsreuth wird erneuert. x
Frankfurt a. M. den 3. Mai 1889.
B. 7693. — N. 140/89. Das am 22. März 1888 erlassene Ausschreiben gegen den Kellner Karl Joseph Kicnhöfer von Dewangen wird zurückgcnommen.
A. 6619. — J. 1694/89. Ueber den Aufenthalt des' Spenglergesellen Christian Roßner, geboren am 21. März 1869 zu Ansbach in Bayern, wird Auskunft begehrt.
A. 6535. — J. 1388/89. Ueber den Aufenthalt des Friseurs August Gieger aus Hanau, geb. 2./10. 1867, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a. M. den 4. Mai 1889.
5222 D. — J. 1627/89. Gegen den unten beschriebenen Spezereihändler und Fuhrmann Peter August Bickel, geb. am 9. Januar 1855 zu Ilbenstadt, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Urkundenfälschung verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich hierher Nachricht zu geben.
Frankfurt a. M. den 4. Mai 1889.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Beschreibung: Alter 34 Jahre, Größe 170—172 cm, Haare blond, blonder Schnurrbart, Nase länglich spitz, Gesicht schmal; Kleidung: grau und weiß mclirter Sackanzug, schwarzer flockiger Winterüberzieher, Zugstiefel und dunkelblauer weicher eingedrückter Filzhut. Besondere Kennzeichen: ein Oberarm ist durch einen Bruch etwas schief.
A. 6623. — J. 1839/89. Gegen den Ausläufer Karl Behnken, geb. 16./7. 1866 hier, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Urkundenfälschung re. verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung Nachricht zu geben.
Frankfurt a. M. den 4. Mai 1889.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Steckbrief.
3741 C. — L. 5/89. Der Tapezierer Albert Franz Niemann von Merseburg, geb. 15. Nov. 1867, ist durch Urtheil der Strafkammer des hiesigen Königlichen Landgerichts vom 25. Febr. 1889 wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnißstrafe von 4 Monaten rechtskräftig verurtheilt worden und hat sich dem Vollzüge dieser Strafe durch die Flucht entzogen.
Es wird ersucht, auf denselben zu fahnden, ihn im Betrctungsfalle zu verhaften und Nachricht zu geben.
Frankfurt a. M. de« 3. Mai 1889.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Tagesschau.
Berlin, 6. Mai. Ihre Durchlaucht die Prinzessin Amalie zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg hat gestern Nachmittag Berlin verlassen und Sich nach Dresden begeben.
Berlin, 6. Mai. Am Kaiserlich-Königlichen Hofe wurde heute der 7. Geburtstag des Kronprinzen Wilhelm gefeiert. Die öffentlichen und
viele Privatgebäude der Hauptstadt hatten zu Ehren des Tages Flaggenschmuck angelegt.
Berlin, 6. Mai. S. M. Fahrzeug „Loreley", unter Kommando des I. Offiziers, Lieutenants zur See von Bassewitz, ist am 4. Mai er. in Alexandria eingetroffen und beabsichtigt, am 12. dess. Mts. wieder in See zu gehen.
Berlin, 6. Mai. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge wird seitens der schweizer Regierung jetzt zugegeben, daß auf Veranlassung der deutschen Sozialisten in Basel durch deren Gesinnungsgenossen Lutz dem Polizei- Inspektor Wohlgemuth die Falle gestellt worden ist.
Berlin, 6. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." stellt in ihrem politischen Tagesberichte die einzelnen Thatumstände zusammen, welche sich aus dem von der Schweiz in Sachen Wohlgemuth mitgetheilten Aktenmateriale ergeben und konstatirt auf Grund derselben: Die Verhaftung Wohlgemuths entbehrte jeden Rechtsgrundes und widerspricht dem im völkerrechtlichen Verkehre zwischen befreundeten Staaten üblichen Herkommen. Der Bezirksamtmann in Rheinfelden, welcher die Denunziation erhielt, bot die Hand, den deutschen Beamten auf schweizerischen Boden zu locken, ihn daselbst verhaften und 9 Tage lang wie einen Verbrecher behandeln zu können.
Kiel, 6. Mai. Kaiser Wilhelm kehrte an Bord der „Irene" um 5*Al Uhr unter den Salutschüssen der im Hafen ankernden Kriegsschiffe zurück. — Die Kaiserin empfing heute Mittag die Prinzessin Irene und Nachmittags drei Uhr die Damen der schleswig-holsteinischen Ritterschaft. — Die Kaiserin beobachtete von dem Schloßthurnr die Abfahrt der „Irene" und die Flottenparade, begab sich dann mit ihrem Gefolge nach der festlich geschmückten Barbarossabrücke und machte bis 4 Uhr eine Rundfahrt um den Kieler Hasen. Morgen geht die Kaiserin nach Eckernförde und von dort nach Grüneholz zum Besuch des Schleswig-Holstein-Glücksburger Herzogspaares. (Fr. N.)
Kiel, 6. Mai. Die gestern Abend veranstaltete Illumination der Stadt bot ein überraschend schönes Bild. Die elektrische Beleuchtung des Hafens und der Schiffe, die ebenfalls elektrisches Licht und farbige Signalfeuer spielen ließen, fiel glänzend aus.
Kiel. Briefsendungen für Schiffe der kaiserlichen Marine sind wie folgt zu richten: für das Kommando der Manöverflotte, Schiffe „Baden", „Sachsen", „Oldenburg", „Wacht", Geschwaderchef Kontre-Admiral v. Kall, bis auf weiteres nach Kiel; für das Kommando des Uebungsgeschwaders Schiffe „Kaiser", „Deutschland", „Friedrich der Große", „Preußen", „Ziethen", Geschwaderchef Kontre-Admiral Hollmann, bis auf weiteres nach Kiel; für das Komniando der Torpedobootsflottille, Schiffe „Blitz", Divisionsboote D2, 0 3 sowie Torpedoboote S 24, 25, 28, 29, 30, 31, 34, 35, 36, 39, 40, 41, bis 12. Juni nach Kiel, vom 13. bis 28. nach Neufahrwasser, vom 29. Juni bis auf weiteres nach Kiel.
Braunschweig, 6. Mai, (K. Z.) Am hiesigen Hofe gilt jetzt als der Tag der Ankunft des Kaisers Wilhelm mit Sicherheit Samstag den 11. ds. Nach den großartigen Vorbereitungen zu urtheilen werden sich die Empfangsfeierlichkeiten wie die Ausschmückung der Stadt überaus glänzend gestalten.
Jena, 6. Mai: In dem Prozesse gegen die deutsche Lebensversicherungsbank zu Gotha, betreffend die Aenderung der Bankverfassung bezüglich der Kriegsversicherungsfrage, entschied das hiesige Oberlandesgericht unter Aufhebung des erstinstanzlichen Erkenntnisses zu Gunsten der Bank.
München, 6. Mai. Der heutige Krankenbericht von Hohenschwangau lautet: Die Königin-Mutter verweilte gestern eine 1/i Stunde im Garten, zeitweise tritt noch immer Erbrechen auf, der Kräftezustand ist ungebessert.
Brüssel, 5. Mai. Die belgische Regierunng verbot die Einfuhr von Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen aus Deutschland und Luxemburg vom 8. d. Mts. ab. Ausgenommen sind Schafe, welche über Blcyberg nach Antwerpen gesandt und dort behufs Wiederausfuhr geschlachtet werden.
Paris, 5. Mai. Als Präsident Carnot heute Mittag 12 Uhr in geschlossenem Wagen das Elyste verließ, um sich zur Theilnahme an der hundertjährigen Erinnerungsfeier an das Zusammentreten der Generalstaaten nach Versailles zu begeben, wurde von einem dem Palais gegenüber auf dem Trottoir stehenden anscheinend dem Arbeiterstande angehörigen Menschen ein Revolverschuß auf den Wagen abgefeuert. Es scheint niemand verletzt