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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 98

Samstaq den 27. April

1889.

Amtliches.

Bekanntmachung.

In einer Anzahl von Exeniplarcn des unserer Bekanntmachung vom 1. d. Mts. beigefügten Verzeichnisses der in der 7. Verloosung gezogenen, zur bacuen Einlösung am 1. Juli d. I. gekündigten 30-prozentigen Staatsschuldscheine vom 2. Mai 1842 ist zwischen den Nummern Lit. F. 203 490 nnd 203 494 der Strich (das Zeichen fürbis") nicht mitge- druckt worden.

Wir machen hierdurch besonders darauf aufmerksam, daß die Nummern Lit. F. 203 490 bis 203 494 über je 100 Thaler gezogen worden sind.

Berlin den 28. März 1889.

Hauptverwaltung der Staatsschulden.

I. 584. gez. Sydow.

Wird im Anschluß an die in Nr. 88 des Hanauer Anzeigers abge­druckte Bekanntmachung der Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 1. Mürz d. I. hierdurch veröffentlicht.

Hanau am 24. April 1889.

Der Königliche Landrath

V. 2613 v. Oertzen.

Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.

Der Metzger Karl Kreis zu Großauheim beabsichtigt auf seinem daselbst belegenen, die Parzellen 148 und 149 der Karte Q. umfassenden Grundstücke Brandversicherungs-Nummer 91 eine Schlächterei ein- zurichten und zu betreiben. Es wird dies gemäß §. 17 der Gewerbe- Ordnung in der Fassung vom 1. Juli 1883 mit dem Hinzufügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Einwendungen gegen diese Anlage innerhalb 14 Tagen im Büreau des Unterzeichneten, woselbst auch Zeichnung und Beschreibung der Schlächterei einzusehen sind, schriftlich angebracht oder zu Protokoll erklärt werden können.

Nach Ablauf der 14tägigen Einspruchsfrist können Einwendungen nicht mehr berücksichtigt werden.

Zur Erörterung der rechtzeitig eingegangenen Reklamationen wird Termin auf Freitag den 17. Mai d. Js., Vormittags 10 Uhr, im landräthlichen Büreau hierselbst anberaumt.

Die Betheiligtcn werden zu diesem Termine unter dem Bemerken hiermit eingeladen, daß bei ihrem Ausbleiben gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.

Hanau am 23. April 1889.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses

A. 772 v. Oertzen.

Tagesschau.

Berlin, 26. April. DerR. u. St.-A." Nr. 100 veröffentlicht: Gesetz, betreffend die Abänderung des Vercinszollgesetzes vom 1. Juli 1869, vom 18. April 1889.

Berlin, 26. April. Se. Excellenz der Staats-Minister und Mi­nister der öffentlichen Arbeiten, v. Maybach, ist vom Rhein und Se. Excellenz der Staats- und Kriegs-Minister, General der Infanterie von Verdy du Vernois, von Straßburg i. E. hier angekommen.

Berlin, 26. April. Se. Majestät der Kaiser und König wohnten gestern Morgen von 8 Uhr ab den Truppenübungen auf dem Tempelhofer Felde bei und hörten nach der Rückkehr von 10% Uhr ab den Vortrag des Ministers des Königlichen Hauses, v. Wedell, von 11% Uhr ab den­jenigen des Kriegs-Ministers und von 11% Uhr ab den des Chefs des Militärkabincts. Um 1 Uhr nahmen Se. Majestät militärische Meldungen entgegen.. Um 3 Uhr empfingen Allerhöchstdieselbcn den bisherigen amerika­nischen Gesandten Pendleton, welcher sein Abberufungsschreiben überreichte. Um 6'/, Uhr erschien der Reichskanzler zu einem längeren Vortrage bei Sr. Majestät. Heute Morgen haben Sich Se. Majestät der Kaiser und König mittels Extrazuges nach Weimar zum Besuch am dortigen Groß­herzoglichen Hofe begeben.

Berlin, 26. April. In Saft ein soll im Mai das Kaiser- Wilhelm-Denkmal auf der Kaiserpromenade enthüllt werden. Das von dem hiesigen Hoflieferanten Herrn Abesser gestiftete Denkmal besteht nach der N. Fr. Pr." aus einem giebelgekrönten Aufbau, welcher in einer Bogen- uische die bronzene Kolossalbüste des Kaisers in Civil, gegossen von Schäffer

und Walcker in Berlin, aufnimmt und auf seiner Spitze die deutsche Kaiser­krone trägt. Das Material zu dem Denkmal besteht aus im Kötschachthal gebrochenem Granit, die Nische, in welcher die Büste steht, ist innen mit polirtem röthlichen Marmor belegt. Die Vorderseite des Giebels zieren als Sinnbild des Freundschaftsbundes zwischen Oesterreich und Deutschland das deutsche und das österreichische Wappen.

Berlin, 26. April. Der General - Inspekteur der 4. Armee - In­spektion und Chef des Reitenden Feldjäger-Corps, General-Feldmarschall Graf v. Blumenthal, hat einen sechswöchentlichen Urlaub nach Baden-Baden angetreten.

Berlin, 26. April. Der heute publizirte Ausweis der Reichsein­nahmen für 188889 ergibt, daß die Börsensteuer gegen das Vorjahr erheblich gestiegen ist und den Voranschlag weit überschritt. Auch die Ein­nahmen aus den Zöllen belaufen sich in Folge der vermehrten Getreide- einfuhr beträchtlich höher als veranschlagt wurde. Die Zucker- und die Branntweinsteuer weisen, wenn schon betreffs ihrer die Ucbergangssiadien noch nicht überwunden sind, gleichfalls durchaus günstige Ergebnisse auf. (Fr.N.)

Berlin, 26. April. Der frühere Justizminifter v. Bernuth, Mit­glied des Reichstages und des Herrenhauses und Kronsyndikus, ist gestern Abend gestorben.

Görlitz, 25. April. Ein furchtbares Gewitter wüthete heute in der Umgegend. Der Blitz erschlug den Lehrer Glötsch in Eisenberg, zwei Arbeiter in Kupper, eine Dienstmagd in Eckersdorf und eine Besitzers­tochter in Kunnersdorf.

Aus dem Königreiche Sachsen. DieK. Z." schreibt: Die diesjährige Landesversammlung des Nationalliberalen-Vereins für Sachsen wird am 19. Mai voraussichtlich in Dresden abgehalten werden. Dresden liegt besonders günstig für die in der Obcrlausitz wohnenden Partei-Ange­hörigen, die sich für ihren harten Kampf mit dem Deutschfreisiyn von dem Parteitage neue Anregung und Ermunterung versprechen. Es handelt sich in dieser Beziehung besonders um Zittau, das der letzte Zufluchtsort der sächsischen Fortschrittler Richtcr'schen Glaubens geworden ist. Die letzten Reichstagswahlen haben diese deutschfreisinnige Hochburg in ihren Grund­festen erschüttert, und es ist mehr als wahrscheinlich, daß Herr Buddeberg ein Eugen Richter im kleinen, besonders in der Zittauer Stadtverord­netenversammlung bei dem nächsten Ringen seines Mandats verlustig geht, sobald nur die Zittauer Parteigenossen ihre Organisation im Gange erhalten. Die bevorstehende Dresdner Landesversammlung wird sich mit der Besprechung und Vorbereitung nicht sowohl der im Herbste bevorstehen­den Ergänzungswahlen für die Zweite Kammer, sondern auch der nächsten RcichstagSwahlkN zu befassen haben, und jedenfalls wird anch bereits über die Kandidateufrage und die Frage der Anwendung des Kartells auf die Landtagswahlen verhandelt werden. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß sich die Versammlung wie bei den Landtagswahlen des Jahres 1887 für diese Ausdehnung aussprechen wird.

SÖdmat, 26. April. Kaiser Wilhelm ist Mittags 12% Uhr ein­getroffen unb nach denFr. N." unter Kanonendonner, Glockengeläute unb dem Jubel der Bevölkerung in die prachtvoll geschmückte Stadt eingezogen. Vereine, Innungen und Schulen bildeten Spalier bis zum Schlosse, wo die Großherzogin den Kaiser empfing. Der Großherzog war dem hohen Gaste bis Sulza entgegengefahren. Auf die Begrüßungsrede des Ober­bürgermeisters erwiderte der Kaiser, er freue sich sehr, in Weimar zu sein, der Heimath seiner theueren Großmutter. Er habe schon lange gewünscht, die Stadt kennen zu lernen, die durch ihren Ruhm in Kunst nnd Wissen­schaft eine so bevorzugte Stelle in deutschen Landen einnehme, die Stadt, die berufen gewesen sei, die Heimstätte der großen Dichter der Nation zu sein. Der festliche Empfang erfreue ihn sehr und er bitte der Bürgerschaft seinen Dank auszusprechen. Nachmittags besuchte der Kaiser das Göthe- museum.

Bern, 26. April. Der Polizei-Inspektor Wohlgemuth wurde aus der Haft entlassen.

London, 25. April. Boulanger wiederholte heute mehreren Zeitungs­Berichterstattern gegenüber, daß er sich dem Staatsgerichtshof nicht habe stellen wollen, da derselbe aus seinen offenkundigen Feinden bestehe. Wenn seine Sache einem Appellations-Gerichtshöfe ober dem Schwurgericht über- geben wurde, so würde er schon mit dem nächsten Zuge sich nach Frank­reich zurückbegeben. Ein neues Manifest werde er jetzt nicht erlassen, son­dern erst dann, wenn er die Zeit dazu für gekommen erachte.