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Hamner Anzeiger.

Kugteich Arntttches @>rgon für Staöt- und Lanökveis Kcrnau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die Ispalttge Sarmendzeile »d. deren Raum 10 Psg.

Die ZfbalU Seite 20 Psg.

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Nr. 82

Samstag den 6. April

1889.

Bekanntmachungen Komgl. Landrathsamts.

Wegen der hier und in mehreren Ortschaften in der Nähe der Stadt konstatirten Maul- und Klauenseuche findet der auf den 9. ds. Mts. fest­gesetzte Viehmarkt dâhier nicht statt.

Hanau am 5. April 1889.

Der Königliche Landrath

P. 2127 v. Oertzen.

Montag den 8. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, sollen im Polizei- Gefängniß-Gebäude im Frohnhof hier 6 ausrangirte eiserne Oefen öffentlich gegen Baarzahlung meistbietend verkauft werden, wozu sich Kaustustige an Ort und Stelle einfinden wollen.

Hanau am 5. April 1889.

Der Königliche Landrath

D. Oertze n.__________________________________

Dienst-Nachrichtett aus dem Kreise.

Vom Wasenmeister ein gefangen: Ein gelber Spitz und zwei grau-gelbe Möpse, sämmtliche m. Geschl.

Gefunden: Ein Rcchnenheft mit der AufschriftWilhelm List". Ein weißer flockiger Kinder-Halskragen. Eine schwarz-seidene Glocke. Ein Notizbuch mit Cigarren-Etui.

Hanau am 6. April 1889.

§ 1 der Alters- und Jnvallditätsversicherung.

Der Reichstag hat den §. 1 der Alters- und Jnvaliditätsversicherung in zwei Sitzungen durchberathen und schließlich mit 157 gegen 72 Stimmen den Kommissionsbeschlüfsen entsprechend angenommen. Dafür stimmten die Konservativen, die Reichspartei, die Nationalliberalen und elf Mitglieder des Centrums, während der überwiegende Theil der letzteren Partei mit den Freisinnigen und Sozialdemokraten in der Minorität blieb.

Diese Abstimmung kann als ein Symptom für das Schicksal des ganzen Gesetzes angesehen werden. Bei der Berathung wurden die ver­schiedensten Gesichtspunkte für und wider, selbst über den Inhalt des §. 1 hinaus, geltend gemacht, und wenn auch mit der Annahme des §. 1 nicht zugleich über die sämmtlichen Kommissionsbeschlüssc Entscheidung getroffen ist, so weist die Abstimmung doch auf die Bereitwilligkeit der Majorität hin, das Gesetz unter Dach und Fach zu bringen, sowie darauf, welche Parteien entschlossen sind, es alsbald zum Abschluß zu bringen.

Die Verhandlung drehte sich hauptsächlich um die Frage, ob nunmehr die mühsame Arbeit mit einem gesetzgeberischen Erfolge zu krönen sei oder ob man die Angelegenheit auf die lange Bank schieben solle. Die Stellung der verbündeten Regierungen hierzu wurde in nachdrücklicher Weise sowohl von dem Fürsten Bismarck wie von dem Staatsminister von Boet- t ich er vertreten: beide legen hohen Werth auf das baldige Zustandekommen des Gesetzes, und erklären alle gegentheiligen Gerüchte für haltlos und aus der Luft gegriffen. Insbesondere nahm Minister von Boetticher wie­derholt Gelegenheit, die Versuche, für ein weiteres Hinausschieben der An­gelegenheit Stimmung zu machen, entschieden znrückzuweisen und den Nach­weis zu führen, daß hierfür kein ersichtlicher Grund vorhanden sei. Die Vorlage ist mit größter Sachkenntniß vorbereitet und mit größtem Eifer in der Kommission durchgearbeitet worden. Sie ist spruchreif. Seit einem halben Jahre sind keine Vorschläge und Ideen auf diesem Gebiete aufge­taucht, und wenn man die Verabschiedung des Gesetzes auf ein oder zwei Jahre hinausschiebt, würde man in Bezug auf Erfahrung und Sachkenntniß nicht weiter, sondern gerade so klug wie jetzt sein. Alle die gefährlichen Konsequenzen, welche man der Vorlage andichtet, dürfen uns nicht abhalten, mit Muth vorwärts zu gehen und jetzt etwas wirklich und thatsächlich zu leisten, um endlich den Arbeitern die Wohlthaten zukommen zu lassen, die ihnen schon so lange zugedacht sind. Treffend bemerkte zur Vertretung dieses Standpunkts auch der badische Bundesbevollmächtigte Freiherr von Marschall:Die Theorie hat geleistet, was sie konnte; von jetzt an gibt es in dieser Sache nur eine Lehrmeisterin, die praktische Erfahrung."

Während so auf der Seite der Regierung mit Wärme und Hingabe für die endliche Erreichung des Zieles eingetreten wurde, machte sich auf Seiten des Freisinns und des größeren Theils des Centrums, der von Herrn Windthorst geführt wurde, das Bestreben geltend, die Sache so dar­zustellen, als ob man mit der Erledigung des Gesetzes ruhig noch ein paar Jahre warten könne. Man klagte über lleberstürzung und meinte, die Sache habe keine Eile, ein Standpunkt, der sonst wenig dem politischen Charakter dieser Parteien entspricht. Insbesondere bot Herr Windthorst

seine ganze Beredtsamkeit auf, um den Hemmschuh anzulegen, indem er zu­gleich die Wirkungen des Gesetzes als außerordentlich gefahrvoll schilderte. Er will das Volk hierüber sprechen lassen und erst, wenn Zeitungen und Versammlungen dazu Stellung genommen haben, soll nach Jahresfrist der Reichstag sein Votum abgeben. Das würde, sollten wir meinen, einer Bankerotterklärung der Volksvertretnng gleichbedeutend sein, und das ist ein Mangel an Selbstvertrauen, wie ihn bisher gerade diese Parlamentarier, welche für das Parlament sonst mehr die Rolle eines Vormundes gegenüber dem Volke in Anspruch nehmen, noch nicht bethätigt haben. Pflicht des Reichstags ist es, nach bestem Wissen und Gewissen das Volk auch in dieser Hinsicht zu vertreten, nicht aber an das Urtheil der Massen zu appelliren.

Der Freisinn hat in der Bekämpfung der Vorlage aber noch einen anderen Bundesgenosten: die Sozialdemokratie. Die Vertreter beider Par­teien haben es offenbar angesichts der voraussichtlich guten Wirkung, welche dieses sozialpolitische Reformwerk ausüben wird, darauf abgesehen, die Un­zufriedenheit der Arbeiter gegen die Vorlage zu erregen. Sie suchen den Arbeitern vorzureden, daß ihnen mit der Vorlage doch noch nicht geholfen sei; die Renten seien zu niedrig, die Betheiligung der Arbeiter an der Organisation der Versicherung zu gering, das Lebensalter, mit welchem die Altersrente fällig wird, zu hoch, es fehle der Arbeiterschutz, es fehle die Wittwen- und Waisenversorgung, und die Vorlage belaste den Arbeiter mehr, als er ertragen könne. Von freisinniger Seite wurde als Heilmittel wieder die freiwillige Versicherung, der Weg der individuellen Freiheit empfohlen, obwohl dieser, der den Arbeitern von Anfang des Jahrhunderts bis heute offenstand, doch wahrlich nicht zum Heile geführt hat. Sozial­demokratischerseits wurde überdies der Rahmen der Vorlage für zu eng erklärt und. eine weitere Ausdehnung der Vcrsicherungspflicht auch auf die selbstständigen Handwerker gefordert. Natürlich fehlte auch der Vorwurf nicht, daß die ganze Vorlage so, wie sie ist, wenn sie nicht nach den über­triebenen Ansprüchen der Sozialdemokratie verändert würde, den Arbeitern nurSand in die Augen" streuen solle.Das könnten wir billiger haben", bemerkte Minister von Boetticher treffend, indem er zugleich den Stand­punkt der Sozialdemokratie richtig dahin kennzeichnete, daß ihr das Gesetz unbequem sei, weil es die Arbeiter Gifriedener machen werde, daß sie aber trotzdem Versuche machten, das Gesetz zu korrigiren, weil sie bei den Ar­beitern nicht in den Verdacht gerathen wollen, die Gelegenheit, wirklich etwas für sie zu thun, unbenutzt gelassen zu haben.

Der Theil des Centrums, welcher von Windthorst geführt wird, be­fürwortete eine Beschränkung des Gesetzes allein auf die Arbeiter der Großindustrie, indem er die Bedürfnißfrage für die anderen Berufszweige bestritt. Auch dieser Einwand wurde vom Minister von Boetticher mit dem richtigen Hinweis widerlegt, daß dann die landwirthschaftlichen Arbeiter und die Handwerker mit Recht über die Bevorzugung jener unzufrieden werden würden und daß sich die Grenzen dieser Berufszweige nicht aus- einanderhalten lasten, weil viele Arbeiter heute in der Industrie, morgen in der Landwirthschaft und übermogen im Handwerk beschäftigt sein können. Wirksam wurde der Standpunkt der Regierung von Herrn von Francken- stein, dem Führer des andern Theils des Centrums, welcher erklärte, den Arbeitern nicht mehr das vorenthalten zu können, was ihnen in der Kaiser­lichen Botschaft vom 17. November 1881 versprochen worden, sowie von zahlreichen Rednern der nationalen Parteien unterstützt, und so trat schließ­lich eine große Majorität für das Gesetz ein, welches den ganzen Kreis aller gegen Lohn beschäftigten Arbeiter beinahe 12 Millionen gegen Alter und Invalidität sicher stellen soll.Ein Gesetzgebungswerk ohne Beispiel" mürbe es von verschiedenen Seiten ge­nannt. Die Einen wollten hierdurch ihre Zaghaftigkeit und ihren Wider­spruch entschuldigen. Den Anderen aber war es aus dem Herzen gesprochen, wenn Minister von Boetticher meinte, Deutschland sei auch in vielen anderen Dingen, ohne ein Beispiel zu haben, anderen Staaten vorange­gangen, und bisher stets mit Erfolg. Das wird für die Majorität nicht ein bedrückendes Gefühl sein, sondern sie nur noch ansporueu, 'muthig auf der betretenen Bahn vorwärts zu schreiten und an's Ziel zu gefangen!

Tagesschau.

P. Aus den Parlamenten. Berlin, 5. April. Der R e ichs tag, welcher gestern in einer Abendsitzung den Gesetzentwurf, betr. die Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften, in dritter Lesung er­ledigte und schließlich im Ganzen mit sehr großer Majorität annahm, setzte heute Mittag die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Alters­und Jnvaliditätsversicherung bei §. 14 (Reichszuschuß) fort, dessen erster