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Nr. 77.

Montag den 1. April

1889.

Dienst-Nachrichten auS dem Kreise.

Am 30. D. Mts. vom Wasenmeister eingefangen: ein rother Hund re. Geschl.

Gefunden: Auf dem letzten Wochenmarkt stehen geblieben: ein Regenschirm. Ein Schraubenzieher.

Hanau am 1. April 1889._________

Altsschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.

4676 A. J. 4327/88. Das am 13. März 1889 gegen den Agenten Max Magnescheff aus Melwa erlassene Ausschreiben ist erledigt.

Frankfurt a. M. den 28. März 1889.

A. 4756. J. 1101/89. Ueber den Aufenthalt des Fahrburschen Johann Ebert, geboren am 28. August 1860 zu Grünmorsbach, wird Auskunft begehrt.

5586 B. N. 1298/88. Das am 29. Januar 1889 erlassene Ausschreiben gegen die Dienftmagd Pauline Politz von Säbischdorf ist erledigt.

Frankfurt a. M. den 29. März 1889._________________________ t Fürst Bismarcks

heutiger Geburtstag ruft im Rückblick auf die seit dem 1. April vorigen Jahres vergangene Zeit alle die ernsten und schweren Verhältnisse, welche unser Vaterland seit jenem Tage durchmessen, in die Erinnerung zurück. Von dem Sarge des Großen Kaisers waren Herz und Sinn unseres tief- ^^fmgten Volkes dem Krankenzimmer Kaiser Friedrichs zugewendet; noch sorgenvollen Gemüther sich in der durch den Tod Kaiser Wilhelms ^,5 .andenen Lage zurecht gefunden, zogen bereits die düsteren Schatten uer und schmerzlicher Heimsuchung herauf. Inmitten der allgemeinen ' Unsicherheit der Verhältnisse richteten die Blicke sich voller Zuversicht auf den Kanzler, der in seiner Person als der feste Punkt für die Gegenwart und die Bürgschaft für die Zukunft erschien. In jene Zeit, wo der tiefsten Trauer sich die bange Sorge gesellte, fiel Fürst Bismarcks Geburtstag. In dem kleinen Kreise der Familie und der wenigen geladenen Gäste, welchen der Kronprinz, unser heute regierender Herr, mit seiner Anwesen­heit beehrte, hatte der Kanzler des Heimgegangenen unvergeßlichen Monarchen gedacht und die Tischgenossen gebetenin gleicher Einmüthigkeit, gleicher Treue und gleicher Liebe" in ein Hoch auf Kaiser Friedrich einzustimmen. Nachdem das Hoch verklungen, gab der Kronprinz in warmen Worten den Empfindungen Ausdruck, welche damals die Herzen beseelten. Er verglich das Reich in seiner dermaligen politischen Lage, in seinen inneren und äußeren Beziehungen, mit einem Armeekorps, welches im Feldzuge seinen Höchstkommandirenden verloren und dessen erster Offizier schwer verwundet niederliege.In diesem kritischen Augenblick sagte der hohe Herr richten sich die Blicke auf die Fahne, die der Träger hochemporschwenkt. So halten Euere Durchlaucht das Reichspanier empor. Möge es das ist unser innigster Herzenswunsch Ihnen noch lange vergönnt sein, in Gemeinschaft mit unserem geliebten und verehrten Kaiser das Reichsbanner hochzuhalten. Gott segne und schütze denselben und Euere Durchlaucht."

Seit jenen Worten Kaiser Wilhelms, die so ganz aus der Seele des deutschen Volkes empfunden und gesprochen waren, ist ein Jahr verflossen. In den schwersten Tagen, welche dem Reiche seit seiner Aufrichtung be- schieden gewesen, war Fürst Bismarck der Bannerträger, der festen Schrittes hochaufgerichtet voranging. Als dann die erlösende Hand des Todes die Augen des Königlichen Dulders geschlossen, da war es wiederum der Kanz­ler, welcher dem nunmehrigen Kaiser und König in alter Lehnstreue und Hingebung zur Seite stand und all den Bestrebungen, welche die friedliche Entwicklung im Innern zu hemmen und zu stören trachteten, mit fester Entschlossenheit und kräftiger Hand entgegentrat.

Um so freudiger wird heute weithin im Vaterlande die Wiederkehr " seines Geburtstages begrüßt werden, welchen diesmal die Aussicht auf einen für absehbare Zeit ungetrübten Frieden und die Gewißheit gefestigter innerer Verhältnisse sowie einer sicher fortschreitenden Entwickelung erhellt. Von seiner unermüdlichen Fürsorge um die öffentliche Wohlfahrt auf allen Ge­bieten hat die rastlose Thätigkeit des großen Staatsmannes anch in diesem abgelaufenen Lebensjahre Beweis an Beweis gereiht. Sowohl in der Pflege unserer auswärtigen Beziehungen wie des wirthschaftlichen und sozialen Gedeihens ist er. als des ReichesBannerträger weiter festen Fußes

vorangeschritten, und Kaiser Wilhelms Bestreben, Deutschland den äußern und innern Frieden zu wahren, hat durch die Bemühungen des Kanzlers eine Reihe schöner Erfolge zu verzeichnen. Dankerfüllt erneuert heute die Nation, mit innigem Segenswunsch für eine noch lange Zukunft, den Heilruf, welchen vor Jahresfrist der erlauchte Erbe der Krone dem Fürsten Bismarck gewidmet: Möge ihm noch lange vergönnt sein, in Gemeinschaft mit unserem geliebten und verehrten Kai­ser das Reichsbanner hochzuhalten. Gott segne und schütze denselben und Seine Durchlaucht!

Tagesschau.

Berlin, 30. März. DerR. u. St.-A." Nr. 78 veröffentlicht: 1) Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts- Etat für das Etatsjahr 1889'90, vom 27. März 1889. 2) Gesetz, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltung des Reichsheeres, vom 27. März 1889. 3) Bekanntmachung, betr. Aus- führungsbestimmungen zu dem Gesetze über die Einführung der Gewerbe­ordnung in Elsaß-Lothringen vom 27. Februar 1888 (Reichs-Gesetzbl. S. 57), vom 4. März 1889.

Berlin, 30. März. Die Admiralität gibt unterm Heutigen im R. u. St.-A." folgendes bekannt: Nach telegraphischer Meldung des ältesten Offiziers der australischen Station sind in einem Orkan am 16. März S. M. KreuzerAdler" und S. M. KanonenbootEber" in Apia gestrandet. S. M. KorvetteOlga" ist ebendaselbst auf den Strand ge­laufen und wird vielleicht wieder abgebracht werden können. Von S. M. KanonenbootEber" sind ertrunken: Kapitän-Lieutenant Wallis, Lieute­nants zur See Eckardt, v. Ernsthausen, Assistenz-Arzt l. Klasse Dr. Machen­hauer, Unter-Zahlmeister Kunze und die ganze Mannschaft bis auf 9 Mann. Von S. M. KreuzerAdler" sind 20 Mann ertrunken. S. M. S. Olga" hat keine Verluste gehabt.

DiePost" schreibt: Die KorvetteOlga", das größte der dortigen deutschen Kriegsfahrzeuge, ist 2169 Tonnen groß, hat 12 15 en -Gesch., 2100 Pferdekr. und 267 Mann Besatzung. Der Stab des Schiffes be­steht aus: Kommandant Korv.-Kapt. Frhr. v. Erhardt, 1. Offizier Kpt.- Lieut. Jäckel, Kapt.-Lieut. Ehrlich II., Lieuts. z. S. Emsmann, Schirmer, Sieger, Unter-Lieut. z. S. Burchard, Stabsarzt Elste, Unter-Zahlmeister Thiede, Ober-Maschin. Großmann. Der KreuzerAdler" ist 884 Tonnen groß, hat 650 Pferdekr., 4 Gesch. und 128 Mann Besatzung. Stab des Schiffes: Korv.-Kapt. Fritze, 1. Offiz. Kapt.-Lieut. v. Arend, Lieuts. z. S. Caesar, Souchon, Oelsner, Assist.-Arzt 1. Kl. Dr. Tereszkiewicz, Unter- Zahlm. Szczodrowski, Ob.-Masch. Goetze. Das KanonenbootEber" ist 570 Tonnen groß, hat 700 Pferdekr., 3 Gesch. und 87 Mann Besatz. Schiffsstab: Kommandant Kapt.-Lieut. Wallis, 1. Offiz. Lieut. z. S. Eck­hardt, Lieut. z. S. v. Ernsthaufeu, Unt.-Lieut. z. S. Gaedeke, Assist.-Arzt 1. Kl. Dr. Machenhauer, Unt.-Zahlm. Kunze, Ob.-Masch. Teuber. Fünf von diesen sieben Offizieren sind ertrunken. Die KorvetteOlga" befindet sich schon mehrere Jahre im Auslande und sollte im Herbst d. I. durch die KreuzerkorvetteAlexandrine", welche am 1. April ^in Diensts gestellt wird, abgelöst werden. Ueber die drei verunglückten amerikanischen Schiffe sind wir in der Lage, folgende Angaben zu machen: dieTrenton" ist eine große Kreuzerkorvette von 3900 Tonnen, aus Holz gebaut, aber mit einem mächtigen Rammbug versehen. Ihre Armirung besteht aus 11 elfzölligen Gaff und 2 Zwanzigpfünderw DieVandalia" ist ebenfalls eine Korvette von 2080 Tonnen, 1132 Pferdekr. und 3 schweren Geschützen. Diese beiden Schiffe find als Vollschiffe getakelt. Das dritte Schiff, dieNispic", ist eine kleine Korvette der Adamsklasse, von denen die amerikanische Marine 5 Stück besitzt. Sie ist 1375 Tonnen groß, hat 800 Pferdekr. und hat eine Armirung von 1 11-, 4 9-Zöllern und einem 60-Pfüuder.

Berlin, 30. März. Der Minister des Innern beabsichtigt anläß­lich der Hochwassernath in Posen, noch heute Abend dorthin abzureisen. Kaiser Wilhelm gab nach denFr. N.", die Absicht kund, sich persönlich an Ort und Stelle zu begeben. Diese Absicht dürfte morgen, e-onntaq, zur Ausführung gelangen.

An Stelle des vor einigen Wochen VetfiOtWttttt Geh. Raths i). Prollius ist der Ministerialrath v. Oertzen zu Schwerin zum mecklen­burgischen Gesandten und Bundesbevollmächtigten hierselbst ernannt worden.

Der Gesetzentwurf betreffs Verwendung der Sperrgelder ist, wie man derK. Vz." meldet, im Kultusministerium festgestellt worden und