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Nr. 63.
Freitag den 15. März
1889.
Bekanntmachungen König!. Landrathsomts.
Der am 9. Dezember 1863 zu Niederdorfelden geborene Schreiner- Iohannes Schilling hat um Entlassung aus dem Preußischen Unter- thanenverbande behufs dauernder Niederlassung im Großherzogthum Hessen nachgesucht.
Hanau am 1-4. März 1889.
Der Königliche Landrath.
V. 1538________________In Vertr.: Baabe.__
Ausschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.
2228 C. — M. 379/88. Ueber den Aufenthalt des Schuhmachers Daniel Schweikert, geb. am 26. Febr. 1840 zu Eberbach i/B., wird Auskunft begehrt. "
Frankfurt a. M. den 12. März 1889.
B. 4524. — J. 2359/88. Das am 7./7. 1888 gegen den Schmied Martin Henninger erlassene Ausschreiben wird erneuert.
A. 3881. — J. 4345/87. Das am 9./3. 1888 gegen den Ausläufer August Konrad Jungheim aus Nordenbeck erlassene Ausschreiben wird erneuert.
3771 A. — J. 2803/87. Ueber den Aufenthalt des Kellners Friedrich Karl Kreiß aus Hettenhausen wird Auskunft begehrt.
3943 A. — J. 4327/88. Ueber den Aufenthalt des Agenten Max M a g n e s ch e f f von Melwa (Rußland) wird Auskunft begehrt.
B. 4205. — J. 850/89. Ueber den Aufenthalt des Dienstmädchens Marie Keber, geboren am 13. September 1871 zu Kreuznach, wird Auskunft begehrt.
__ Frankfurt a. M. den 13. März 1889._________________________
Steckbrief.
2245 C. — L. 85/88. Der Schlosser, jetzt Gastwirth Karl Ignaz Gottschalk, geb. am 24. Nov. 1838 zu Königstein, ist durch Urtheil der Strafkammer des hiesigen Königlichen Landgerichts vom 8. Februar 1889 wegen Diebstahls zu einer Gefängnißstrafe rechtskräftig verurtheilt worden und hat sich dem Vollzüge dieser Strafe durch die Flucht entzogen.
Es wird ersucht, auf denselben zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich hierher Nachricht zu geben.
Frankfurt a. M. den 13. März 1889.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Tagesschau.
P. Aus den Parlamenten. Berlin, 13. März. Der Reichstag nahm heute Nachmittag 2^4 Uhr seine Plenarberathung vor mäßig besetzten Bänken wieder aus. Der Abg. Antoine hat sein Mandat niedergelegt. Zu längerer Debatte führte zunächst der Gesetzentwurf, betr. die im Interesse Hamburgs vorzunehmende Abänderung des Vereins-Zollgesetzes vom 1. Juli 1869, doch wurde eine kommissarische Berathung des Entwurfs nicht beschlossen. _ Hauptgegenstand der Tagesordnung ist die Berathung des über die auf Grund des § 28 des Sozialistengesetzes von der preußischen, sächsischen, hessischen und hamburgischen Regierung getroffenen Anordnungen vorgelegten Rechenschaftsberichts. Abg. Sabor (Sozialdem.) suchte nachzuweisen, daß die getroffenen Maßnahmen durch die Denkschrift nicht gerechtfertigt erscheinen, und beklagte die bei der Ausführung vorgekommenen unnöthigen Härten. Abg. Dr. Meyer-Jena (nat.-lib.) konstatirte gegenüber einer Aeußerung des Abg. Sabor, daß seine nationalliberalen Freunde in der vorigen Session erklärt hätten, für die zweijährige Verlängerung des Sozialistengesetzes stimmen zu wollen, um inzwischen ein dauerndes Gesetz zu ermöglichen; daß dieses Gesetz aber auf dein Boden des gemeinen Rechts beruhen müsse, hätten sie nicht erklärt. Abg. Frohme (Sozialdem.) bestreitet, daß die Sozialdemokraten Strikcs zu Propagandazwecken benutzten. Abg. Liebknecht betont, daß die gemachten Thatsachen in der Maßregel selbst ihre Erklärung fänden. Im klebrigen sei es feinen Freunden gleichgültig, ob man das Sozialistengesetz zu einer dauernden Institution macheil oder in das gemeine Recht überführen wolle. — Vor der Abstimmung über einen Schlußantrag bezweifelte Abg. Singer (Sozialdem.) die Beschlußfähigkeit des Hauses; da die Beschlußunfähigkeit von dem Bureau anerkannt wurde, so mußte die Verhandlung abgebrochen werden. — Morgen: Anträge, Petitionen.
Das Abgeordnetenhaus erledigte vom Etat des Kultusministeriums zunächst das Kapitel 123 (Technisches Unterrichtswesen), nachdem Abg. Graf Douglas den Wunsch geäußert, auch auf den Lehrerseminarien Samariterkurse einführen zu wollen. Eine etwas eingehendere Debatte knüpfte sich an den Titel 1 des Kapitels 124 (Zum Neubau und zur Unterhaltung der Kirchen rc.), bei welchem die vorgeschlagene Erweiterung des demselben beigefügten Vermerks, der die Möglichkeit gewähren soll, mit Zustimmung des Landtages neue fiskalische Patronate zu übernehmen, im Hause sowohl verfassungsmäßigen wie airch finanziellen Bedenken begegnete. Der Herr Kultusminister trat dieser Auffassung entgegen und legte im Weiteren dar, daß ausschließlich praktische Erwägungen die Erweiterung des Vermerks veranlaßt hätten. Der Titel wurde schließlich zur schriftlichen Berichterstattung an die Budgetkommission zurückverwiesen. Bei dem Titel 2 dieses Kapitels (Zur Verbesserung der äußeren Lage der Geistlichen aller Bekenntnisse 5 500 000 Mk.) beantragt die Budgetkommission im Absatz 2 des beigefügten Vermerks: statt der Worte „für die katholischen Geistlichen von zehn Jahren auf 2000 Mk., fünfzehn Jahren auf 2200 Mk. und zwanzig Jahren auf 2400 Mk. steigt" zu setzen: „für die katholischen Geistlichen von je fünf Jahren um je 150 Mk. bis zum Höchstbetrage von 2400 Mk. steigt." Es liegen hierzu Anträge vor, und zwar von dem Abg. Frhrn. v. Huene (Eentr.), die gesperrt gedruckten Worte durch folgende Worte zu ersetzen: „von je fünf Jahren um je 300 Mk. bis zum Höchstbetrage von 2700 Mk." — und vom Abg. v. Strombeck (Eentr.), die staatlich anerkannten Misstonspfarrer den übrigen Geistlichen gleichzustellen und dementsprechend den Vermerk zu Titel 2 zu erweitern. Nach längerer Debatte, in welcher sich der Herr Kultusminister gegen alle Abänderungsanträge und für die Beschlüsse der Kommission erklärt, wurde zunächst in namentlicher Abstimmung ein Antrag der Abgg. v. Rauchhaupt (kons.), Frhr. v. Zedlitz-Neukirch (sreikons.), Dr. Enneccerus (nat.-liber.) mit Rücksicht auf die Geschäftslage über den Antrag v. Strombeck zur Tagesordnung überzugehen, — mit 179 gegen 99 Stimmen angenommen. Der Antrag von Huene wurde abgelehnt und darauf der Antrag der Kommission unverändert genehmigt. Nachdem dann noch die Titel 3 bis 6 erledigt waren, wurde die weitere Berathung auf morgen vertagt.
Berlin, 14. März. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den bisherigen General-Konsul in Konstantinopel, v. Treskow, zum General-Konsul in Kapstadt zu ernennen geruht.
Berlin, 14. März. Sc. Majestät der Kaiser und König unternahmen gestern Morgen um 9 Uhr eine Spazierfahrt nach dem Thiergarten, kehrten gegen 11 Uhr nach dem Schlöffe zurück, arbeiteten von 11 bis 12^2 Uhr mit dem Chef des Civilkabinets und hörten demnächst den Vortrag des Ober-Hof- und Hausmarschalls v. Liebenau. Gegen 1 Uhr empfingen Se. Majestät den Regierungs-Präsidenten v. Arnim und den Hof- Bnchhändler Dr. Toeche. Um 23/4 Uhr unternahmen Beide Majestäten eine Spazierfahrt, beehrten das Atelier des Landschafts- und Marinemalers Saltzmann sowie das des Malers Kiesel und kehrten um 5 Uhr nach dem Schlosse zurück. Se. Majestät der Kaiser verblieben demnächst im Arbeits- zimmer und hörten von 53 * bis 7®4 Uhr einen kriegsgeschichtlichen Vortrag des General-Adjutanten v. Wittich.
Berlin, 14. März. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog, der Erbgroßherzog und Ihre Großherzogliche Hoheit die Prinzessin Alix von Hessen sind heute früh hier eingetroffen und im Königlichen Schlosse abgestiegen.
Berlin, 12. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt:. Der Kaiser richtete an den Reichskanzler eine Kabinetsord?vom 13. d., worin es heißt: „Ich habe von dem Bericht, welchen Sie mir unter dem 4. d. über die Verwaltung der Reichsbank pro 1888 erstattet, eingehend Kenntniß genommen. Mit großer Befriedigung habe ich daraus ersehen, in welch' erheblichern Umfange die Geschäfte in den meisten Zweigen des Bankverkehrs und dem entsprechend die Umsätze gestiegen sind. Von besou- derem^ Interesse war für mich die bedeutende Entwickelung des Giroverkehrs und die dadurch herbeigeführte Umgestaltung des Geldumlaufs in Deutschland. Auch die jetzigen finanziellen Ergebnisse, obwohl nicht unerheblich hinter den Erträgnissen früherer Jahre zurückgeblieben, sind hinsichtlich der anbau ernben Geldflüssigkeit und des niederen Zinsfußes verhältnismäßig als günstige zu bezeichnen. Im Ganzen aber legen die Entwickelung des Geschüftverkehrs der Reichsbank und die auf verschiedenen Gebieten ihrer