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Nr. 58. Samstag

Amtliches.

Bekamrtmachitngen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.

Auf Grund des §. 11 des Reichsgesetzes gegen die gemeingesähr- lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 ist die Druckschrift:

Ein Mahnwort an die arbeitenden Klassen!

Von A. B.

Verlag von H. Molkenbuhr in Kellinghusen.

Druck von F. Kühn in Bant", verboten worden.

Schwerin am 1. März 1889.

Großherzoglich Mecklenburgisches Ministerium des Innern.

Im Auftrage: S chmibt_____

Aus der künstlichen Fischerbrütungsanstalt des landw. Central-Vereins zu Hahlingsmühle, Postexpedition Hofbieber, können wie in den Vorjahren im Monat März und Anfangs April 200 000 Stück Forellensetzlinge be­zogen werden. Bestellungen beliebe man an den Mühlenbesitzer Anton Reinhardt zu Hahlingsmühle zu richten. Desgleichen können Karpfen- und Schleiensetzlinge sowie einige Hechtsetzlinge ebendaher bezogen werden. Die Bestellungen für letztere Fischarten richte man an den Anstaltsvorstand, Herrn Gutsbesitzer Herrlein zu Margrethenhaun, Post Fulda.

Cassel den 23. Februar 1889.

Der Vorstand des landwirthschastlichen Central-Vereins.

Wendel st adt.

Landwirtschaftlicher Kreis-Verein Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 16. März, Nachmittags 2 U^r, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.

Tagesordnung:

1) Gemeinsame Beschaffung von Zuchtvieh und Besprechung über die Wahl der Ra^e. Alle Mitglieder, welche sich betheiligen wollen, müssen bis längstens zur Versammlung ihre Anmeldung machen.

2) Auswahl der neu zu beschaffenden Sorten Saatkartoffeln und Gratis- vertheilung an Mitglieder, welche sich verpflichten, dieselben sorgfältig zu pflanzen und im nächsten Herbst genau über den Ertrag nach Fläche und Gewicht zu referiren.

3) Die Bereitung von Süßpreßfutter in Feimen. Referent: L. Spa­mer, Kinzigheimer-Hof.

4) Berichterstattung über .die 33. General-Versammlung des Central- Vereins in Cassel. Referent: H. Jung, Hanau.

5) Verkauf der Vereins-Drillmaschine und Trieur unter den Mitgliedern.

V. 1711______________________________________D e r V o r st a n d.

Vekanntmachrmg.

Am 14. Februar d. I., Abends 7 Uhr, wurde im Hofe des Hauses Zeil Nr. 20 die Leiche eines neugeboreneir lebensfähigen Kira- bens, welcher sein Leben nach der Geburt durch selbstständiges Athmen fortgesetzt hat und welcher an Erstickung gestorben ist, aufgesunden. Die Leiche war in ein Exemplar derKleinen Presse" undGeneral-Anzeigers" vom 29. Januar d. Js. eingewickelt.

Um Anzeige wird ersucht, falls über die Mutter des Kindes etwas bekannt sein sollte.

Frankfurt a. M. den 28. Februar 1889.

Der Polizei-Präsident

P. 1518__________________von Köller.______________________

Ausschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.

1532 B. N. 1040/87. Das Ausschreiben vom 16. Juni v. J. gegen den Kellner Nikol. Karpf von Wieliczka ist erledigt.

Frankfurt a. M. den 5. März 1889.

3506 A. J. 3546/88. Ueber den Aufenthalt der Dienstmagd Dorothea Ernst aus Fischbach und des Hausburschen Johann Georg Nürnberger aus Happurg wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a. M. den 6. März 1889.

3531 A. J. 983/89. Ueber den Aufenthalt des Goldar­beiters Christian Adolf Büchner von Heubach wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a. M. den 7. März 1889.

den März , 1889.

Zum 9. Warr.

Den Mauen Kaiser Wilhelm's des Siegreichen.

Ein Jahr ist um, es fängt ein and'res an, Geduld, die Jahre ziehen ohn' Ermatten."

Sie wälzen immer neue Räume zwischen uns und das Vergangene, es ist die Zeit, die nimmer müde, die heilende, die alles ausgleichende Zeit.

Aber machtlos steht sie dem Andenken der Großen der Menschheit, der nationalen Helden gegenüber, dieses vermag sie nicht zu erschüttern, nicht das Leben derselben im Volke zu ertödten. Klar und plastisch heben sich die Gestalten der sieghaften Recken der Vorzeit ab vom dunklen Grunde der Geschichte und die nachfolgenden Geschlechter denken ihrer als der Ihrigen.

So sind sie alle unser Eigenthum geworden, mögen sie nun Siegfried, Armin, Karl, Otto, Friedrich oder Wilhelm heißen.

Denkmäler, Lieder, darstellende Dichtungen und Geschichtsbücher feiern ihren Ruhm und erzählen ihre Thaten. Im Volk der Deutschen wird keiner vergessen, der ihm jemals Gutes gethan, sei es mit Worten oder Waffen.

Wie gedenkt der Deutsche seiner lieben Gefallenen auâ dem großen nationalen Kriege, wie schmückt er alljährlich ihre Gräber?! Und nun ist auch der große Führer schon ein Jahr hingegangen zu seinen Truppen und voll und warm regt sich die Erinnerung in unserem Herzen an den ersten Kaiser der Deutschen, ben lieben Vater seines Volkes.

Wir wußten ja, daß es einmal kommen müsse, als es aber kam, traf es uns doch unvorbereitet, traf es uns in einer Zeit, die dem deutschen Volke Unheil brütete in der Krankheit des Kronprinzen. Wir erinnern uns noch lebhaft, wie uns damals zu Muthe war. Schon rüsteten wir die Feier für das Geburtsfest des hohen Verblichenen, da schwankte die Waage des Lebens und das Loos Wilhelm's sank tief hinab. Wir kurzsichtigen Menschen vermochten es freilich noch nicht zu erkennen und klammerten uns krampfhaft an Strohhalmen, als ob wir das entfliehende Leben aufhalten wollten. Es hat nicht sollen sein: Der hochbetagte Monarch schied aus unserer Mitte, der Vormittag des neunten März nahm ihn hinweg, ohne daß er eigentlich einen Augenblick seine Pflicht als Herrscher und Vater des Volkes verabsäumt hatte.

Ich habe keine Zeit müde zu sein" konnte er noch am Tage vor seinem Hinscheiden sagen, und dieses Wort charakterisirt ihn in seiner Pflichttreue besser, als es je ein Historiker vermögen wird. Und wirklich hat er nie Zeit gehabt müde zu sein, denn sein ganzes Leben war eine Kette ernster Arbeit und rastlosen Ringens. Trüb gestaltete der Einbruch des fränkischen Eroberers seine Kindheit, der kaum entwachsen, er schon dem Heere nach Frankreich folgte und im Donner der Schlachten früh zum Manne reifte. Das Kreuz von Bar-sur-Aube ist das beredteste Zeugniß seines persönlichen Muthes, den er in seinem späteren Leben noch oft zu bethätigen Gelegenheit hatte.

Begünstigt vom Glücke, bestieg er, ursprünglich nicht dazu bestimmt, den preußischen Thron und bald riß ihn das Geschick in schwere Kriege, die die erste Stufe bildeten zur späteren Einigung des deutschen Reiches, die sich in dem gewaltigen nationalen Kriege 1870/71 vollzog. In einer Zeit, in der die Jahre schon Bequemlichkeit fordern, bestieg er noch einmal das Streitroß und begab sich hinaus in die Unbilden des Krieges. Standhast ertrug er an der Spitze seines Heeres, das er von Sieg zu Sieg führte, alle Beschwerden, der 73jührige Greis. Aber diese Aufopferung wurde belohnt, der Traum der Dichter eines halben Jahrhunderts ging in Er­füllung: Deutschland war wieder einig und hatte einen Kaiser!

Nun hätte er genug gethan haben können, aber nein, im Inneren waren noch viele Zwiespalte auszngleichen, religiöse Differenzen zu beseitigen und vor allem die Wunden, die der Krieg geschlagen, zu heilen. Es ge­lang ihm im weitesten Umfang, er hat sein Volk groß und glücklich ge­macht, und es war ihm noch beschieden, sich zu freuen an dem Glück seiner Unterthanen, denen er alles, ihr Vaterland wiedergegcben hatte.

Trotz dieser auffallenden Begünstigung des Glückes blieb der Kaiser immer nüchtern, immer ernst, fest und gütig. Wer je das freundliche Antlitz des greisen Monarchen gesehen, wer jemals in diese treuen liebevollen Augen geblickt, der ist mit der Ueberzeugung von bannen gegangen, daß in diesem Herzen nur die Liebe wohnen könne.

So stand er unter uns, einer der Unsrigen, der Vater seiner Völker,