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Nr. 57.
Freitag den 8. März
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1889.
Bekanntmachungen König!. Landrathsümts.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises werden hierdurch veranlaßt, die in doppelter Ausfertigung aufzustellenden Klassen steuer-Zu- nnd Abgangslisten pro II Halbjahr 1888/89 nebst Belägen alsbald und spätestens bis zum 20. d. Mts. an die betreffende Königliche Steuerkasse und die Liste der zu den Klassensteuer- stufen 1 und 2 durch Zugangsstellung neu veranlagten — in keine Rolle aufgenommenen — Personen in gleicher Frist hierher einzusenden, eventuell Vacat-Anzeige zu erstatten.
Hanau am 6. März 1889.
Der Königliche Landrath
St. 422 v. Oertzen.___________________________
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise
Gefunden: Ein Täschchen mit Handarbeit rc. Ein Theelöffel. Ein Uhrgehäus. Ein Portemonnaie mit Konsummarken. Ein weißer Handschuh (rechter). Ein schwarzer Kinderhandschuh. Ein Hundemaulkorb.
Zugelaufen: Ein junger schwarzer Hund m. Geschl.
Verloren: Ein Arbeitstäschchen von Pelz, enthält Häkelarbeit, ein goldenes Armband und ein silbernes Münzenarmband, sowie etwas einzelnes Geld.
Hanau am 8. März 1889. _____
Ausschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu ^tanffuti a. M.
A. 3444. —■ J. 769/89. Ueber den Aufenthalt der Arbeiterin Elise Sippel, geb. 13./10. 1862 zu Schlitz, wird Auskunft begehrt.
3455 A. — J. 207/89. Ueber den Aufenthalt des Bierbrauers Theodor Büttner von Münnerstädt wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a. M. den 5. März 1889.
T Der neunte März.
Zum ersten Male kehrt der Tag wieder, an welchem unser großer Kaiser Wilhelm I. sein ehrwürdiges Haupt zur ewigen Ruhe gelegt und für immer die Augen geschlossen hat, die so unablässig und so segensreich über Preußen und Deutschland gewacht haben. Noch empfinden wir unvermindert die Größe des Verlustes, welchen der 9. März des Vorjahres uns auferlegte, deu Schmerz, welcher — wie unser regierender Herr es so schön und wahr ausgesprochen — bei dem lebenden Geschlechte nie ganz verlöschen wird. Noch klingt in unseren Herzen das Wort des greisen Kaisers wieder, wenige Stunden zuvor gefallen, ehe sein Odem erlosch: „Ich habe keine Zeit müde zu sein", es wird widerhallen von Geschlecht zu Geschlecht, so lange es ein Deutschland und eine deutsche Geschichte gibt.
Seit jener Stunde, da die Weltenuhr still zu stehen schien, und alle Völker des Erdballes sich in einer wahrhaften Welttrauer mit uns zusammenfanden, sind ernst und schwer die Geschicke über das Vaterland dahingerollt. Aber inmitten ihres Ernstes leuchtete nur um so heller und glänzender der Bau aus, der sich über dem Sarge unseres ersten Kaisers wölbt: der Bau der deutschen Einheit. Fürst Bismarck hat in den unvergeßlichen Worten, mit welchen er dem Reichstage das Hinscheiden Kaiser Wilhelms anzeigte, hervorgehoben, daß der entschlafene Herrscher auf die Entwickelung, welche diese seine Lebensaufgabe genommen, mit einer Befriedigung zurückgeblickt habe, welche den Abend seines Lebens verschönt und beleuchtet hat. „Die seltene Einstimmigkeit aller deutschen Dynastien, aller verbündeten Regierungen, aller Stämme Deutschlands, aller Abtheilungen des Reichstags in der Sicherstellung des Reiches gegen jede Gefahr hin" hat den Kaiser noch sterbend mit großem Trost erfüllt und ihn am letzten Tage seines Lebens noch auf diesen Beweis der Einheit der Nation, der ihn erfreut und gestärkt hatte, Bezug nehmen lassen.
Ein frommer Volksglaube gönnt Sterbenden einen Blick in die Zukunft, um wievielmehr einem Monarchen, der durch die Lebensweisheit seines hohen Alters, seinen klaren schlichten Sinn und die Pflichttreue einer langen Regentenlaufbahn zu einem Blick in die Zukunft seines Volkes mit voller Urtheilskraft ausgestattet war. Die Einheit, die ihn sterbend mit Trost erfüllte, erfreute und stärkte, hat sich nach ihm in der schwersten Zeit, die bem jungen Reiche auferlegt worden, als echt und fest erwiesen: als unzerreißbares Band der deutschen Fürstenhäuser, Regierungen und Wolksstämme. Was den Kaiser sterbend erhob, tröstet heute, am Jahres- I
tage seines Hinscheidens, sein Volk, das mit andachtsvollem Erinnern?auf die seitdem durchlebte Zeit zurückblickt, tröstet die Seinen, die sich heute zu stiller Gedächtnißfeier vereinen, tröstet vor Allem die ehrwürdige Kaiserin Augusta, welche ihr Leben einzig der Pflege eines so großen Andenkens gewidmet hat.
Inmitten der Kämpfe des Tages ist unserem deutschen Volke der 9. März ein Tag der Einkehr und der Sammlung. Wir hören im Geiste wieder die Glocken klagen, sehen die schwarzen Fahnen sich entfalten und die Blicke haften wehmuthsvoll auf dem verehrten Angesicht. Die Einheit der Trauer und der Erinnerung umfängt wieder die Herzen und sie gedenken der mit Kaiser Wilhelm bem Ersten in Glück unb Unglück, in Leid und Freud, in Harren und Sieg durchlebten Jahre. Wir sehen wieder ihn ausziehen zum Kampf für die heiligsten Güter seines Volkes und heimkehren als ben edlen, demüthigen, menschenfreundlichen Sieger, wir hören die Freudeicklänge, die seinen achtzigsten und neunzigsten Geburtstag umbrausten, sehen sein mildes Greisenantlitz an dem Fenster, an welchem es nie met)r leuchten wird, und endlich den düsteren Zug vorüberschreiten, der den im Leben Unbesiegten zur letzten Ruhe geleitete.
Ein Natioualdenkmal dem Begründer des deutschen Reiches in seiner Hauptstadt zu errichten, haben die deutschen Fürsten und Stämme beschlössen, und aller Reichthum der deutschen Kunst wird aufgeboten, dieses Denkmal würdig zu gestalten. Außer diesem werden sich noch hunderte von Kaiser- Wilhelms-Denkmälern in den deutschen Landen erheben, in allen größeren Städten, an den Usern des Rheines, aus dem Kyffhäuser und dem Hohen- ftaufen, in der von ihm zurückgewonnenen Reichs- und Grenzveste Metz. Aber das schönste Denkmal wird das Denkmal der Liebe bleiben, das er selbst in Millionen Herzen sich ausgerichtet hat, ein Denkmal, welches sich forterben wird als ein heiliges Vermächtniß an sein Haus von Geschlecht zu Geschlecht. Dieses Denkmal in den Herzen wird die lebenden wie die kommenden Generationen immer von Neuem daran, mahnen, das große Werk Kaiser Wilhelms, Deutschlands Einheit, treu zu bewahren, und wird für Jahrhunderte den Nachruf erneuern, welchen Fürst Bismarck am 9. März 1888 in das Buch der Geschichte unauslöschlich einschrieb: „Die heldenmüthige Tapferkeit, das nationale hochgespannte Ehrgefühl und vor allen Dingen die treue, arbeitsame Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes und die Liebe züm Vaterlande, die in unserm dahingeschiedenen Herrn verkörpert war, mögen sie ein unz erst ö rb a r e 8 Erbtheil unserer Nation sein, welches der,aus unserer Mitte geschiedene Kaiser uns hinterlassen hat!"
Tagesschau.
P. Aus dem Abgeordnetenhause. Berlin, 7. März. Das Abgeordnetenhaus erledigte bei Fortsetzung der Berathung des Etats des Kultusministeriums zunächst den Rest des Kapitels „Höhere Lehranstalten", nachdem noch einige aus der Mitte des Hauses angeregte Fragen Seitens der Vertreter der Staatsregierung Beantwortung gesunden, und ging dann zu dem Kapitel „Elementar-Unterrichtswesen" über. Bei demselben wurden Wünsche in Bezug auf die Ertheilung des Religionsunterrichts in der Muttersprache (wallonischen bezw. polnischen Sprache), dann in Bezug auf die Besoldungsverhältnisse der Seminarlehrer unb Hilfslehrer an den Seminarien, ferner in Bezug auf den konfessionellen Religionsunterricht in den Volksschulen geäußert. Bezüglich des letzeren Punktes bemerkte der Herr Kultusminister, daß nur auf ausdrückliches Verlangen der Eltern der Kinder diese zu dem Religionsunterrichte einer anderen Konfession jugelaffen winden. Eine eingehende Debatte veranßte dann noch der Titel betreffend die Schulaufsichtskosten, bei welchem die Klagen über Bevorzugung des protestantischen Elementes bei der Schulaufsicht wiederholt wurden. Der Herr Kultusminister wies indeß nach, daß prinzipiell die Kreisschulinspektoren nach der Konfession ausgewählt werden; daß er aber bei Durchführung des Prinzips vielfach aus Schwierigkeiten stoße. Die Debatte über diesen Gegenstand wurde noch einige Zeit fortgeführt und dann nach Genehmigung der auf die Schulaufsicht bezüglichen Titel die Berathung abgebrochen. Morgen: Kleinere Vorlagen und namentlich dritte Berathung des Schullastengesetzes.
Berlin, 7. März. Der „R. u. St.-A." Nr. 59 veröffentlicht: 1) Gesetz, betreffend die Feststellung des Reichshaushalts- Etats für da r Etatsjahr 1889/90, vom 4. März 1889. — 2) Gesetz, betreffend die