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Nr. 54
Dienstag den 5. März
1889.
Ausschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.
A. 3109. — J. 559/89. Ueber den Aufenthalt des Gypsers Christian Schreiner, geboren am 10. Juni 1865 zu Neuroth, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a. M. den 2. März 1889. ___
A. 2914. — J. 573/89. Gegen den Taglöhner Johann Fiedler, geboren am 30. März 1837 zu Kiedrich, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich Nachricht zu geben.
Frankfurt a. M. den 2. März 1889.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Tagesschau.
P. Aus dem Abgeordnetenhaus. Berlin, 4. März. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Berathung des Etats des Kultusministeriums fort und erledigte zunächst nach kurzer Debatte den Rest des Kapitels 115 „Bisthümer". Kapitel 116 „Katholische Geistliche und Kirchen" veranlaßte keine Debatte. Kapitel 116 a „Bedürfnißzuschüsse und einmalige Unterstützungen, insbesondere für einen faltkatholischen) Bischof 48,000 Mark", wurde gegen die Stimmen des Centrums und der Polen ebenfalls unverändert bewilligt. Kapitel 117 „ Provinzial-Schulkollegien" sowie Kapitel 118 „Prüfungskommissionen" gelangten debattelos zur Annahme. Eine sehr eingehende Erörterung knüpfte sich erst an das Kapitel 118 „Universitäten", die sich namentlich über die Aufgaben und Ziele der Universitäten verbreitete, wobei von den Rednern der rechten Seite des Hauses, ohne im Uebrigen die Wissenschaft zu schädigen, der Wunsch größerer Ersparnisse ausgesprochen wurde, während nationalliberalerseits es nicht im Interesse der Wissenschaft erachtet wurde, mit den Ersparnisfen gerade bei den Universitäten einzusetzen. Auch der Herr Kultusminister betonte, daß es die Aufgabe des Staates ■ und der Wissenschaft sei, den hohen Stand unserer Universitäten aufrechtzuerhalten und die Fakultäten vollständig zu besetzen. Nachdem der Zuschuß für die Universität Königsberg — an welchen sich die allgemeinen Erörterungen geknüpft hatten — bewilligt war, veranlaßte dann noch der Titel der „Universität Berlin" einige Diskussion, wobei namentlich die Zweckmäßigkeit der hygienischen Lehrkurse für Verwaltungsbeamte und Lehrer einer eingehenden Erörterung unterzogen wurde. Demnächst wurden die Zuschüsse für die Univesitäten Greifswald und Breslau ohne Debatte bewilligt. Morgen 11 Uhr Fortsetzung der Berathung des Kultusetats.
Berlin, 4. März. Se. Majestät der Kaiser und König verblieben gestern während des Tages im Arbeitszimmer, nahmen Mittags einen längeren Vortrag des Ober-Hof- und Hausmarschalls entgegen und begaben Sich um 512 Uhr mit Ihrer Majestät der Kaiserin zur Familientafel bei Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta nach dem Königlichen Palais. Von dort zurückgekehrt, arbeiteten Se. Majestät während der Abendstunden abermals allein.
Berlin, 4. März. Amtliche Anordnungen über die Feier des Sterbetages des Kaisers Wilhelm I. am künftigen Samstag dürften nicht getroffen werden. Es steht zu erwarten, daß man in Preußen wie im ganzen Reiche diesen ernsten Gedächtnißtag in feierlicher Weise begehen wird. Die parlamentarischen Arbeiten werden an diesem Tage ruhen; in den Schulen und^ Körperschaften werden Erinnerungsfeiern stattfinden. Dem Plane, den Sterbetag wie einen allgemeinen Buß- und Bettag zu begehen, ist man an entscheidenden Stellen nicht nähergetreteu. Am Hofe trifft man Vorbereitungen für den feierlichen Gottesdienst, welcher im ehemaligen kaiserlichen Palais abgehalten werden soll.
Berlin, 4. März. Der „Post" zufolge wird die Vermählung der -.Prinzessin Sophie mit dem Kronprinzen von Griechenland zunächst hierdurch Prokuration vollzogen, wobei der Bruder der Braut, Prinz Heinrich, den Kronprinzen vertritt. Die Kaiserin Friedrich und Prinz Heinrich begleiten die Prinzessin sodann nach Athen, wo die eigentliche Hochzeit stattfindet.
Berlin, 3. März. S. M. Kreuzerfregatten Stosch und Charlotte, Geschwaderchef Kontre-Admiral Hollmann, sind am 3. ds. in Port Said
eingetroffen. S. M. S.' Nixe, Kommandant Korvettenkapitän Büchsel, ist am 27. Februar in St. Thomas (Westindien) eingetroffen und beabsichtigt am 11. ds. wieder in See zu gehen.
Berlin, 4. März. S. M. Kreuzer-Fregatten „Moltke" und „Gneisenau", Geschwader-Chef Contre-Admial Hollmann, sind am 3. März er. in Port Said eiugetrosfen.
Berlin, 3. März. Noch in dieser Tagung werden, den „B. P. N." zufolge, dem Abgeordnetenhauss Gesetzentwürfe zugehen, welche die Frage der Präcipualleistungen der Fabriken für Wegebau in derselben Weise für die Rheinprovinz und den Regierungsbezirk Wiesbaden regeln, wie die dem Landtage bereits unterbreitete Vorlage es für Schlesien thut. Für den Regierungsbezirk Wiesbaden steht auch die Erfüllung eines anderen Wunsches der dortigen kommunalen Körperschaften auf dem Gebiete des Wegebaues in Aussicht.
Berlin, 4. März. Auf der Tagesordnung der morgigen Bundes- raths-Sitzung steht der Nachtragsetat, das Anleihegesetz und das Zuckersteuergesetz.
Eine goldene Medaille wird dein deutschen Kaiser in den nächsten Tagen durch eine Abordnung aus Neapel zugestellt werden. Der dortige Ausschuß der Signori (CorniUto dei sinnon napolitani) hatte einen bedeutenden Künstler dieser Stadt beauftragt, zum Andenken an den Kaiserlichen Besuch in Neapel eine Gedächtnißmedaille aus reinem Golde Herzu- stellen. Dieselbe, jetzt vollendet, ist handgroß und zeigt auf der einen Seite das Bildniß Kaiser Wilhelms und König Humberts, auf der anderen eine längere Widmung in italienischer Sprache, in der das innige Freundschaftsverhältniß der beiden Fürsten erwähnt wird. Außer der Medaille wird von der Abordnung eine kostbare, auf Pergament ausgeführte Adresse überreicht werden, welche die Unterschriften der vornehmsten Mitglieder des Ge- burts- und Geistesadels Neapels trägt.
Der Centralausschttß der Jnnungsverbände beim Kaiser. Der Kaiser empfing am Freitag Nachmittag den Centralausschuß der vereinigten Jnnungsverbände Deutschlands, welcher dein Kaiser eine Huldigungsadresse überreichte. Auf die Ansprache des Schorusteinfegermeisters Herrn Faster erwiderte der Kaiser nach einem Berichte der „Staatsbg.-Ztg.", daß er ja als junger Mann nicht das Vertrauen beanspruchen könne, das sein Großvater erworben habe, er werde aber das Möglichste thun, den Frieden zu wahren, damit auch das Handwerk unter den Segnungen desselben gedeihen könne. Er wünsche den Handwerkerverbändeu, daß auch das religiöse und sittliche Gefühl dieselben beleben möge.
Königsberg i. Pr., 3. März. Das hiesige Königliche Eisen- bahnbetriebsamt macht bekannt: Die Strecken Johannisburg—Lyck und Marggrabowa—Kowahlen sind seit heute Morgen in Folge Schneetreibens unfahrbar.
Görlitz, 4. März. Die Stadtbehörden beschlossen, nach der „K. Z." Moltke zum Ehrenbürger zu ernennen, und ihm zum seinem Dienstjubiläum am 8. März eine Adresse zu überreichen.
Bromberg, 4. März. Die Königliche Eisenbahn-Direktion macht bekannt: In Folge von Schneeverwehungen ist die Strecke Mehlsack— Perwilten gesperrt. Betriebsstörungen von kürzerer Dauer haben außerdem auf den Strecken Berent—Schöneck, Ostaszewo—Kulmsee und Gr. Koslau —Neidenburg stattgefunden. (R. u. St.-A.)
Stuttgart, 4. März. Der hiesige österreichische Gesandte, Freiherr von Herbert-Rathkeal, ist heute Nacht in Folge eines Schlag anfalls gestorben.
Karlsruhe, 2. März. Einem hiesigen Goldwaarenhändler wurden, der „B. L." zufolge, in der Nacht vom 27. auf den 28. vor. Mts. mittelst Einbruchs 16 Armbänder, 2 Halsbänder und ein kurzer dreireihiger Uhrenanhäuger entwendet. Der Gesammtwerth des Gestohlenen beträgt 420 Mark. Der großh. Staatsanwalt dahier bittet um Mittheilung von Anhaltspunkten an ihn öfter an die Kriminalpolizei.
Kopenhagen, 4. März. Der Sund ist, nach den „Fr. N.", zugefroren und die Verbindung mit Schweden hat aufgehört. Mehre, e Dampfer liegen im Eise. Der Postverkehr zwischen Korsör und Kal erleidet wegen des Eises Verspätung. Die Postdammpfer stellten des Eises wegen heute die Fahrten auf der Linie Kiel-Korsör ein.
Rom, 3. März. Aus bem Bahnhöfe von Sampierdarena bei Genua, wo am 10. März 1888 die letzte Begegnung des Königs Humbert