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Nr. 44.

Donnerstag den 21. Februar

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Amtliches.

Bekanntmachung.

Jeder Landbriefträger führt ein Annahmebuch, in welches er die an- genommenen Sendungen mit Werthangabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Packele, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vorausbezahlten Beträge einzutragen hat. Will der Absender die Eintragung selbst bewirken, so ist diesem das Annahmebuch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buchs verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Eintragung des Landbriefträgers Kenntniß zu nehmen.

Cassel, 13. Februar 1889.

Der Kaiserliche k. Ober-Postdirektor.

______________________________Zielitze._____________________________

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein goldener Ring mit Stein. Eine Briefmarke (auf der Post liegen geblieben). Ein grüner Ziehgeldbeutel mit Reisekettchen 2C.

Vom Wasenmeister am 21. ds. Mts. eingefangen: ein schwarzer

Hofhund und ein schwarzer Spitz, beide m. Geschl.

Verloren: Eine neue Geldtasche mit ca. 6 Mark.

Hanau am 21. Februar 1889.

Ausschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zn Frankfurt a. M.

2890 B. N. 44/88. Das Ausschreiben vom 9. Febr. v. I. gegen den Schlosser Friedr. Baumann von Zürich wird erneuert.

Frankfurt a. M. den 16. Februar 1889.

3016 B. N. 532/88. Das ant 3. September 1888 erlassene Ausschreiben gegen die berufslose Marie Scherer von Zwalbach ist erledigt.

2546 A. J. 4422/88. Der Steckbrief vom 12. Nov. v. I. gegen Hartog Bakker von Amersfoort ist erledigt.

2058 D. J. 2324 88. Das am 27. August 1888 gegen die geschäftslose Anna Schumann aus Kissingen erlassene Ausschreiben wird erneuert.

Frankfurt a. M. den 18. Februar 1889.

B. 2975. J. 1706/87. Das am 12./11. 1887 gegen den Tagelöhner Fürth erlassene Ausschreiben wird erneuert.

A. 22190. J. 3261/88. Das ant 19./8. 1888 gegen den Hausburschen Wilhelm Scherer erlassene Ausschreiben wird erneuert.

Frankfurt a. M. den 19. Februar 1889.

2618 A. J. 492/89. Ueber den Aufenthalt des Hausirers Jos. Anton Hirlemann, geb. 3. Juni 1852 zu Wurzach (Würt.), wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a. M. den 20. Februar 1889.

2623 A. J. 586/89. Gegen den Hausburschen Sebastian Hermann, geb. 16. März 1872 zn Dorfprozelten, welcher stüchtig ist, ' ist die Untersuchungshaft wegen Unterschlagung verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich Nachricht zu geben.

Frankfurt a. M. den 19. Februar 1889.

Königliche Staatsanwaltschaft.

Tagesschau.

P. Aus dem Abgeordnetenhause. Berlin, 20. Febr. Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute zunächst mit dem Anträge des Abg. Rickert unb deutsch-freisinniger Genossen, die Staatsregierung zu ersuchen, dem Landtage einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen der Beginn und das Ende der Schulpflicht für den Preußischen Staat gleichmäßig ge­regelt wird, und bei dieser Gelegenheit in Erwägung zu ziehen, ob nicht der Anfangspunkt des obligatorischen Schulunterrichts hinauszuschieben sei. Nachdem der Antragsteller Abg. Rickert (dfr.) den Antrag namentlich unter Hinweis auf die Verschiedenartigkeit der auf diesem Gebiete herr­schenden Vorschriften eingehend begründet, fand in der Debatte der Antrag in seinem ersten Theile fast allseitige Zustimmung, dagegen begegnete der zweite Theil des Antrages vielfach Bedenken, auch wurde betont, daß weder päoagogische noch sanitäre Gründe eine Verlegung des Beginns der Schul­

1889.

pflicht rechtfertigen. Der Kultusminister v. Goßler erklärte, daß die Handhabung der Schulpflicht in neuerer Zeit viel weniger streng gehand­habt werde als früher, daß aber, wie man auch die Grenze für die Schul­pflicht fixiren wolle, man doch nach oben und nach unten hin der Schul­verwaltung einen freien Spielraum werde gewähren müssen. Im klebrigen würden schon jetzt sehr weitgehende Dispensationen ertheilt. Der Antrag wurde schließlich mit sehr großer Majorität der Unterrichtskommission über­wiesen. Demnächst kam der gleichfalls von der deutschfreisinnigen Fraktion eingebrachte Antrag auf Erlaß eines Gesetzes, betreffend den Schutz der Landwirthschaft gegen den Wildschaden, zur Berathung. Der Gesetzentwurf hat das Haus schon im vorigen Jahre beschäftigt und ist jetzt in ver­schärfter Form wieder eingebracht. Die Debatte ließ darüber keinen Zweifel, daß die Regelung der Materie sehr große Schwierigkeit bietet. Dem all- genieinen Wunsche, den Antrag an eine Kommission von 21 Mitgliedern zu verweisen, stellte Abg. v. Mcper-Arnswalde (wild-konf.), welcher dem Anträge einen agitatorischen Charakter beimißt, die Behauptung entgegen, daß es besser wäre, wenn der Minister für Landwirthschaft bezw. Fürst Bismarck ein solches Gesetz vorlegte, dann hätte man es wenigstens aus einem Kopf, nicht aus 21 Köpfen. Der Antrag geht indeß an eine be­sondere Kommission von 21 Mitgliedern. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr (Denkschrift betr. Maßregeln zur Abwehr von Ueberschmemmungs- gèsahren ; Novelle zum Nothstandsgesetz für den Regierungsbezirk Oppeln; Etat der Bauverwaltung).

Berlin, 20. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König arbeiteten gestern mit dem stellvertretenden Chef der Admiralität und demnächst mit dem Chef des Militärkabinets. Allerhöchstdieselbeu empfingen die Meldungen zahlreicher Offiziere, sahen den Minister des königlichen Hauses und nahmen am Nachmittage einen längeren Vortrag des Reichskanzlers entgegen. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin besuchten am Abend Ihre Majestät die Kaiserin Augusta.

Berlin, 20. Februar. Se. Majestät der Kaiser haben Aller- gnädigst geruht: den Präsidenten des Kanimergerrchts, von Oehlschläger, zum Staatssekretär des Reichs-Justizamts unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rath mit dem PrädikatExcellenz" zu ernennen.

Berkin, 20. Febr. DieK. Z." schreibt: Wie man sich erinnern wird, hatte der Kaiser zugesagt, anfangs d. Mts. an mehreren Festessen theilzunehmen, die u. a. der österreichische und russische Botschafter am hiesigen Hofe und der Oberst Truchseß Fürst Radolin zu geben beabsich­tigten. Die Feste mußten jedoch mit Rücksicht auf den plötzlichen Tod des Kronprinzen Rudolf abgesagt werden. Nunmehr hat der Botschafter Graf Schuwalow Einladungen zu einem Essen auf den 23. d. Mts ergehen lassen, und der Kaiser hat sein Erscheinen zugesagt. Die Zahl der Einge- ladeneu beläuft sich auf etwa 30 Personen, unter denen sich der Chef des Generalstabes Graf v. Waldersee mit Gemahlin, der Generalfeldmarschall Graf v. Blumenthal, Graf Herbert v. Bismarck, der Oberceremonienmeister Gras zu Eulenburg, der Oberhofmarschall v. Liebenau, die Oberhofmeisterin Gräfin v. Brockdorff, die Hofdamen Gräfin v. Keller und v. Gersdorf sowie die Mitglieder der russischen Botschaft befinden.

Kaiser Wilhelm wird am Montag beim Reichskanzler zu Tische sein; als Gäste find die sämmtlichen preussischen Minister sowie die beiden Chefs des Militär- und Civilkabiuets gebeten; morgen Mittag werden der Erbprinz und die Frau Erbprinzesfin von Meiningen beim Reichs­kanzler speisen.

Berlin, 19. Februar. Die bereits vor Wochen erfolgte Verhaftung eines hiesigen angesehenen Sportsman hat, wie in hiesigen Blättern berichtet wird, in den beseitigten Kreisen der Residenz peinliches Aufsehen erregt. W., Mitglied vieler Jagdklubs und als Schütze und Jäger weit über das Weichbild Berlins hinaus bekannt, verwaltete hier schon seit Jahren den gewaltigen Häuserkomplex eines bekannten Großkapitcüisten, des Herrn K. Seiner Verwaltung unterstanden nicht weniger als neun der bedeutendsten Miethspaläste Berlins. Da er sich der besonderen Freundschaft seines Prinzipals erfreute, so entstand gar kein Verdacht gegen ihn, bis plötzlich in seiner Kasse ein Defizit von etwa 100,000 Mark entdeckt wurde. Jahre lang hatte er dasselbe durch falsche Eintragung und andere Kniffe auf geschickte Weise zu verbergen gewußt, bis ihn schließlich ein reiner Zufall entlarvte. Verhaftet wurde er von Beamten des Polizeipräsidiums gerade