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Nr. 39 Freitag den 15. Februar 1889.
Amtliches.
Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Auf Grund der §§. 11 und 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wirb das am 27. und 28. v. M. in den Gemeinden Grefrath, Kempen und St. Tonis verbreitete Flugblatt mit der Ueberschrift: „An die Wähler des Kreises Kempen! Arbeiter! Weber! Kleinbauern! Wähler des arbeitenden Volks!" beginnend: „Durch den Tod des früheren Vertreters unseres Kreises" ..." und endigend: „Das Arbeiter-Wahlcomitö des Kreises Kempen", am Schluß bezeichnet: C. Peters. Guelpen — verboten.
Düsseldorf den 6. Februar 1889.
Der Regierungs-Präsident. In Vertr.: Koenigs.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Die hiesigen Hauseigenthümer bezw. die deren Stelle vertretenden Personen werden auf Grund der Polizei-Verordnung vom 4. Dezember 1876 und 30. Dezember 1879 hiermit aufgefordert, den Bürgersteig längs ihrer Häuser und Hofraithen vom Schnee und Eis alsbald vollständig zu reinigen bezw. mit Sand, Asche oder einem anderen geeigneten Material zu bestreuen.
Das Schleifen und Schlittenfahren auf den für die Fußgänger bestimmten Theilen der Straße, sowie das Werfen mit Schneebällen ist untersagt.
Zuwiderhandlungen werden zur Anzeige gebracht und bestraft werden. Hanau am 13. Februar 1889.
Der Königliche Landrath.
P. 1009 I. V.: Baabe.
Die Räude unter der Schafheerde des Anton Nieder aus Herings- Hassen, welche in Kilianstädter Gemarkung weidet, ist erloschen und wird die angeordnete Schutzmaßregel hiermit aufgehoben.
Hanau am 11. Februar 1889.
Der Königliche Landrath.
V. 1009 I. V.: L. v. Deines.
Landwirtschaftlicher Kreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Somstag den 16. Februar, Nachinittags
2 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.
Tagesordnung:
1) Geschäftliche Mittheilungen.
2) Besprechung über das Ergebniß der im vergangenen Jahre neu ein- geführten Saatkartoffeln.
3) Beschaffung von Saatgetreide und Saatkartoffeln.
Alle Mitglieder, welche in der Lage sind, gutes Saatgut in Frucht und Kartoffeln abzugeben, werden ersucht, Proben mitzubringen, damit An- und Verkauf oder Umtausch desselben ausgeführt werden kann.
4) Ausstellung eines neuen Kartofsclsortirers, derselbe soll in der Versammlung probirt und bei genügender Leistungsfähigkeit für den Verein erworben werden.
, Der Vor st and.
Ausschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.
2549 B. — J. 340 89. Ueber den Aufenthalt des Knechts Mich. Anton Amrhein von Sulzbach, auch Aulbach genannt, richtig Joh. Ebert von Haibach, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a. M. den 12. Februar 1889.
2727 R. — N. 70 89. Ueber den Aufenthalt des Metzgers Friedrich Christoph Wagner aus Niederhofen wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a. M. den 13. Februar 1889.
A. 2112. — J. 334/89. Gegen den unten beschriebenen Kaufmann Franz Mert Walz, geboren am 23. April 1863 zu Bronnacker in Baden, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Unterschlagung verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich Nachricht zu geben.
Frankfurt a. M. den 12. Februar 1889.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Beschreibung: Walz ist 26 Jahre alt, etwa 1,65 Meter groß, hat schwarzes Haar und kleines schwarzes Schnurrbärtchen. Auf der rechten Backe hat er Narben, das linke Augenlid ist geröthet und etwas heruntergezogen.
T a g e s s ch a u.
P. Aus dem Abgeordueteuhaufe. Berlin, 14. Februar. Das Abgeördnetenhau s führte heute zunächst den Etat der Justizverwaltung zu Ende. Bei demselben wurden noch zahlreiche Wünsche, insbesondere in Bezug auf die Vermehrung der etatsmäßigen Richtcrstellen, die Besoldungsverhältnisfe der zur Vertretung von Richterstellen beauftragten Gerichtsassessoren, sowie auch wegen Gehaltsaufbesserung der Unterbeamten und Verbesserung der Lage der Lohnschreiber zum Ausdruck gebracht, die theilweise sofortige Beantwortung Seitens der Regierungsvertreter fanden. Der Etat selbst wurde im Ordinarium überall nach den Vorschlägen der Budgetkommission genehmigt und analog den neulichen Beschlüssen auch für 4 Staatsanwälte beim Landgericht Berlin I. statt der geforderten Gehaltserhöhung nur eine Funktionszulage von je 600 Mark bewilligt. Beim Extraordinarium, daS im klebrigen unverändert genehmigt wurde, erklärte auf eine Anregung aus dem Hause der Regierungsvertreter, daß die Verwaltung unausgesetzt bemüht sei, in dem Ressort des Gefängnißwesens Ersparnisse herbeizuführen. Demnächst wurde in die Berathung des Etats des Ministeriums des Innern eingetreten. Die längere Debatte, welche fii\ dabei an den Titel „Ministergehalt" knüpfte, betraf in der Hauptsache d schon oft genannte Rheinbrohler Glockenaffaire beziehungsweise die in dieser Angelegenheit gegen den Bürgermeister Conrad in Hönningen erhobenen Beschuldigungen. Der Herr Minister des Innern wies indeß aus dem vorliegenden AkteMatcrial eingehend und mit unwiderleglicher Klarheit nach, daß die Grundlosigkeit der gegen den Bürgermeister erhobenen Angriffe sich vollständig herausgestellt habe. Darauf wurde die Berathung abgebrochen und auf Sonnabend 11 Uhr vertagt.
Berlin, 14. Febr. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den Kaufmann Edward Ferro zum Konsul in La Valette (Malta), den Kaufmann Thomas I. Templeman zum Vize-Konsul in Weymouth (England), sowie an Stelle des auf sein Ansuchen entlassenen früheren Vize-Konsuls Henderson den Kaufmann Adam P. Scott zum Vize-Konsul in Amble (England) zu ernennen geruht.
Im Centrum ist es, wie gemeldet wird, zu ernsten Auseinandersetzungen wegen der Abstimmung zweier Abgeordneten (des Gymnasialdirektors a. D. Rudolphi und des Rentners Dr. jur. Virnich) gegen die Erhöhung der Krondotation gekommen. Auch die „Korrespondenz Falkenberg" verräth etwas davon. Sie schreibt — sicherlich in höherem Auftrage, da sie selbst immer zur Linken neigt —: „Da das Centrum keinen Abstimmungszwang in politischen Dingen kennt, stand ben Betreffenden dieses gegenteilige Votum frei, doch waren sie sicher verpflichtet, in diesem Falle die Fraktion vorher davon in Kenntniß zu setzen."
München, 14. Febr. (K. Z.) Die klerikale Mehrheit des Gemeinde- kollegiums hat mit 27 gegen 26 Stimmen den Zuschuß zum Bau der altkatholischen Kirche abgelehnt. Selbst die von den Liberalen geforderte Ausschußberathung wurde von der Mehrheit abgelehnt, welche Vergewaltigung der Kommerzienrarh Hänle Namens der Liberalen entschieden rügte.
Lübz i. Meckl., 12. Febr. Einer Mutter in dem Dorfe Benzin wurde gerathen, ihrem 20 Wochen alten Kinde zur Erleichterung des Zahnens einen Kaulbarsch in den Mund zu stecken, der auch den überflüssigen Schleim im Munde des Kindes aufjaugen würde. Die Mutter that es, aber der noch nicht fingerlange Fisch entschlüpfte ihrer Hand und war mit seinen Stacheln nicht wieder aus dem Halse des armen Kindes zu entfernen. Als der herbeigerufene Arzt kam, war das Kind bereits erstickt.
Wien, 14. Febr. Die Kronprinzessin - Wittwe reist morgen nach Schloß Miramar ab. Graf Kalnoky begibt sich heute Nachmittag nach Pest zurück.