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Samstag den ^. Februar

Nr. 34.

Bekanntmachungen König?. Landrathsamts.

Das nachstehende Ausschreiben des Kgl. Bezirksamts zu Alzenau wird veröffentlicht.

Hanau am 7. Februar 1889.

Der Königliche Landrath.

P. 894 J. V.: Baabe.

Nach Gendarmerie-Anzeige vom 5. ds. Mts. hat sich der Bauer Ferdinand Eisert von Dettingen am 3. ds. Mts. Abends von zu Hause entfernt, ohne bis jetzt zurückgekehrt zu sein und liegt die Vermuthung nahe, daß derselbe int Maine verunglückt sei bezw. den Tod gesucht habe, da Fußspuren bis dahin entdeckt wurden.

Ferdin. Eisert ist 45 Jahre alt, ziemlich groß, hat dunkelblonden Vollbart, kurz geschnittenes Haar und war mit älterer schwarzer Tuchhose, brauner Unterjacke, abgetragenem schwarzen Ueberzieher, schwarzem Filzhut, neuem grau-baumwollenen Hemde und brauner baumwollenen Unterhose bekleidet.

Ich ersuche im Falle der Auffindung der Leiche des rc. Eisert der Gemeindebehörde Dettingen Nachricht zukommen zu lassen.

Alzenau am 6. Februar 1889.

Der k. Bezirksamtmann

Fuchs. ___ _ _______

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise

Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Hund mit weißen Abzeichen, m. Geschl.

Gefunden: Baares Geld.

Hanau am 9. Februar 1889.

Diekatholische Pressel

Unter den Katholiken macht sich immer mehr Unzufriedenheit mit der Centrumspresse geltend, welche vielfach nur um des Kampfes willen den Kampf schürt. Dieser Mißstimmung ist auch die Gründung einer von dem Pfarrer Feldhaus zu Bornheim rcdigirten Zeitung entsprungen, die sich „Kirchlich politisches Correspondenzblatt für den katholischen Klerus" betitelt. Das Blatt macht gegen die Verletzungen der fundamentalen Grundsätze, auf denen das Staatsleben und das Regiment des Kaisers beruhen, durch das Centrum Front und sagt über die Centrumspresse: „Mag die katholische politische Presse, d. h. die Centrumspresse, immerhin auf dem Gebiete der Politik Erfolge aufzuweisen haben, eine echt christlich gebotene patriotische Gesinnung, einen gediegenen, ernsten Bürgersinn, eine verständige christliche Verträglichkeit unter allen christlichen Konfessionen, eine wahrhaft christliche, sittliche Volksbildung in Haus, Familie und öffent­lichem Leben der Katholiken hat sie, wie cs wegen ihrer hohen Stellung und ihres Einflusses Pflicht gewesen wäre, keineswegs gefördert, vielmehr selbst dem verderblichen modernen Zeitgeist in Mißbrauch aller Freiheiten vielfach bedeutend Vorschub geleistet!" Das Urtheil ist nicht zu hart. Ohne Zweifel steht die Centrumspresse lange nicht mehr auf der früheren geistigen Höhe, und es ist kein Wunder, wenn ihr verwilderter Ton auch den einsichtigen und besonnenen Katholiken zum Aergerniß wird.

Tagesschau.

P. Aus den Parlamenten. Berlin, 8. Februar. Der Reichstag hielt heute eine kurze Plenarsitzung und beendigte die dritte Lesung des Etats. Im Etat der Post- und Telegraph enverwal- t u n g^ wurde, abweichend von dem Beschlusse zweiter Lesung, die erste Rate von 70 000 Mark für ein Postgebäude in Aurich bewilligt. Der Staatssekretair von Stephan konnte dem Hause die erfreuliche Mittheilung machen, daß mit dem 1. April der direkte telegraphische Dienst zwischen dem Reich und England eintreten werde, nachdem die zwischenliegenden Privatkabel nunmehr beide in staatlichen Besitz übergegangen seien. Da­durch werde die Schnelligkeit des telegraphischen Dienstes und eine Er­mäßigung des Tarifs ermöglicht. Nachdem der Etat sowie das Etats- nebst Anleihegesetz im Ganzen angenommen, veranlaßte noch der Gesetz­entwurf, betr. die Geschäftssprache der gerichtlichen Behörden in Elsaß- Lothringen, kurze Debatte, in welcher der Abg. Johannsen (Däne) denselben bekämpft, während der Abg. Dr. Hartmann kurz die Nothwendigkeit des Gesetzes betonte. Dieser Gesetzentwurf wird ebenso wie der vom Abg. Rickert eingebrachte Gesetzentwurf, — der die Militairgerichtsbarkeit für die

1889.

verabschiedeten Offiziere aufheben will, und der im Hause eine wohlwollende Aufnahme sand, — ohne kommissarische Berathung im Plenum erledigt werden. Schließlich wurde der Präsident ermächtigt, Tag und Tagesord­nung der nächsten Sitzung nach eigenem Ermessen festzusètzen.

Das Abgeordnetenhaus berieth heute den Gesetzentwurf, be­treffend die Erweiterung, Vervollständigung und bessere Ausrüstung des Staatseisenbahnnetzes. Wie in früheren ähnlichen Fällen, wurden auch in Bezug aus die gegenwärtige Vorlage aus der Mitte des Hauses mehrfache Wünsche geäußert, beziehungsweise ähnliche für künftige Vorlagen zur Be­rücksichtigung empfohlen. Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten nahm hieraus Veranlassung ausdrücklich zu betonen, daß die Regierung auch ohne besondere Anregung den Bedürfnissen des Landes in Bezug auf den Ausbau neuer Eisenbahnlinien soweit entgegenzukommen suche, als dies nur irgend möglich sei. Wenn in dem Betriebsmaterial in neuerer Zeit ein Mangel hervorgetreten sei, so treffe die Verwaltung dafür kein Vorwurf, da niemand den eingetretenen Aufschwung des Verkehrs voraussehen konnte. Ein der­artiger Mangel habe sich übrigens in noch stärkerem Maße bei den Eisen­bahnverwaltungen unserer Nachbarstaaten geltend gemacht. Im klebrigen dürfe man sich versichert halten, daß die Staatsbahnverwaltung hinsichtlich ihrer Leistungssähigkeit hinter derjenigen der Privatbahnen gewiß nicht zu­rückstehen, sondern hoffentlich sehr bald in der Lage sein werde, den Ver- kehrsbedürfnisscn vollauf Rechnung zu tragen. Eine Anfrage über seine Stellung zu den sogenannten schinalspurigen Eisenbahnen beantwortete der Minister dahin, daß dem Hause im nächsten Winter eine Vorlage zugehen werde, welche dazu bestimmt sei, eine gesetzliche Basis für diese Bahnen dritter Ordnung zu schaffen. Die Debatte, welche sich sehr weit ausdehnte, wurde heute noch nicht zu Ende geführt und soll morgen fortgesetzt werden. Außerdem steht für morgen auf der Tagesordnung: Erhöhung der Kron­dotation ; Etatberathung.

Berlin, 8. Febr. Se. Majestät der Kaiser und König arbeiteten gestern Morgen von 8O2 bis 10 O2 Uhr allein, hörten von IO1/? bis 11 Uhr den Vortrag des Kriegs-Ministers, arbeiteten dann von 11 bis 1202 Uhr mit dem Chef des Militärkabinets und nahmen demnächst mehrere militärische Meldungen entgegen. Um 1 Uhr ertheilten Se. Majestät dem Rektor der Technischen Hochschule, Professor Schlichting, und dem Abge­ordneten, Freiherrn von Schorlencer-Alst, die nachgesuchte Audienz. Zum Frühstück, um 1 'M Uhr, waren die Erbprinzlich nieiningischen Herrschaften und der Graf Dork geladen. Nach dem Frühstück verblieben Se. Majestät bis zum Diner im Arbeitszimmer. Um 6 Uhr fand in der Bildergalerie des Königlichen Schlosses ein Diner zu Ehren der hier anwesenden anßer- ordentlichen marokkanischen Botschaft statt.

Berlin, 8. Februar. Der „Post" zufolge wird Prinz Friedrich Leopold nächsten Mittwoch seitens der großen Landesloge in den Freimaurer­orden eingeführt. — Nach einem der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft aus Zanzibar heute Vormittag zugegangenen Telegramm ist es den Bemühungen der Generalvertretung der Gesellschaft gelungen, die Befreiung der von dem Rebellenchef Buschiri gefangenen Rrtholifchcn Bencdilnner- Missionare gegen ein Lösegeld herbeizuführen. (F. N.)

Berlin, 8. Febr. Die marokkanische Botschaft wurde gestern nach dem „Rh. K." von dem Reichskanzler empfangen und überreichte bei dieser Gelegenheit die für denselben bestimmte Geschenke des Sultans.

Berlin, 7. Febr. Die Kommission für das Polizcikostengesetz nahm den Antrag der Nationalliberalen, wonach Berlin 1,50 M., die Stadtgemeinden von mehr als 50 000 Einwohnern 70 Pf., die Stadtge- meinben von weniger als 50 000 Einwohnern 40 Pf. für jeden Kopf der Bevölkerung zu zahlen haben, mit 27 gegen 1 Stimme an. §. 4 mürbe in der Fassung der Vorlage gutgeheißen. Der Staat und die Stadtge- meinben sind also verpflichtet, die ihnen gehörigen Grundstücke und Gebäude, welche gegenwärtig den Zwecken der königlichen Ortspolizeiverwaltung dienen, auch ferner für die Dauer des Bedürfnisses für diese Zwecke unentgeltlich herzugeben.

Berlin, 8. Febr. In der heutigen Verhandlung wegen des großen Berliner Post-Diebstahls sind verurtheilt worden: bet Arbeiter Schröder zu 4 Jahren Gefängniß und 4 Jahren Ehrverlust, der Brauknecht Brunn zu 9 Jahren und 10 Monaten Zuchthaus, entsprechendem Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht, der Schneidergeselle Fritsch zu 4 Monaten