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Nr. 33.

Freitag den d. Februar

1889.

Bekanntmachungen Königs Landrathsamts.

Den Herren Bürgermeistern diene zur Nachricht, daß die in meiner Bekanntmachung vom 10. Dezember v. I., V. 7476 Nr. 294 des Kreisblatts erwähnten Entwürfe für fünf der am häufigsten vorkom­menden Banfälle für ländliche Volksschulen nebst den Erläuterungen dazu vom 18. November 1887 vervielfältigt worden sind und daß die herge- stellten Abzüge an Behörden, Gemeinden, Beamte und sonstige Interessenten käuflich überlassen werden.

Das lithographische Institut von Bogdan Gisevius in Berlin, Linkstraße 29, wird demgemäß verkaufen:

1) ein Exemplar der vollständigen Veröffentlichung (enthaltend fünf Blatt Zeichnungen und ein Heft Erläuterungen),

a) bei Abnahme von weniger ass 20 Exemplaren zu 2 M- 50 Pf.,

b) 20 und mehr 1 75

2) ein einzelnes Blatt bezw. ein einzelnes Exemplar der Erläuterungen zu 50 Pf.

Hanau am 7. Februar 1889.

Der Königliche Landrath.

V. 784__________________I. V.: Baabe._______

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein weißes Taschentuch mit Monogramm. Lrechs große Herrnkragen. Ein langer Pelzkragen.

Zugelaufen: Ein grauer Mops m. Geschl.

Vom Wasenmeister ein gefangen: ein schwarzer Jagdhund m. Geschl.

Hanau am 8. Februar 1889.

Äirsschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.

B. 2281. N. 31789. Ueber den Aufenthalt des Hausirers Karl Wöllner, geboren am 10. Juli 1871 zu Mannheim, wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a. M. den 5. Februar 1889.

2329 B. J. 3735/87. Das am 27. Januar 1888 erlassene Ausschrciben gegen die Dienstmagd Barbara Rieß von Obernau wird erneuert.

B. 2326. J. 4387/87. Das am 17./12. 1887 gegen den Taglöhner Hermann Julius Kranz von hier erlassene Ausschreiben wird erneuert.

B. 2325. N. 552 88. Das am 5./9. 1888 gegen den Sattler August Hermann von hier erlassene Ausschreiben wird erneuert. Frankfurt a. M. den 6. Februar 1889.

Tagesschau.

P. Aus dem Reichstage. Berlin, 7. Februar. In der heutigen (36.) Plenarsitzung wurde die dritte Berathung des Etats fort­gesetzt. Im Etat der Reichs-Kriegsverwaltung führte nur der Titel zu einer Debatte, welcher 500 000 M. zum Neubau einer Kaserne für drei Eskadrons Kavallerie in Darmstadt als zweite Rate (erste Baurate) fordert, und der in der zweiten Lesung gestrichen worden war. Nachdem der Kriegsminister Bronsart v. SchcUendorff die Nothwendigkeit der Verlegung des betreffenden Kasernements von Babenhausen nach Darmstadt nochmals eingehend erörtert, wurde die Position heute mit großer Majorität bewilligt. Sodann veranlaßte bei dein Etat des Rcichsschatzamtes die" Resolution der Abg. D. Helldorff und Genossen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, falls England die Initiative zur Wiederherstellung des Silbers als Wäh- rungsmetall ergreift die Bereitwilligkeit Deutschlands zu einem gemein­samen Vorgehen mit England auszusprechen, eine eingehende Debatte. Nach Begründung der Resolution durch den Abg. Grafen v. Mirbach (deutschkons.), dem zunächst Abg. Dr. Bamberger (deutschfr.) entgegentrat, erklärte Schatzsekretair Frhr. v. Maltzahn, daß in den deutschen Münzver- Hältnissen absolut kein Grund vorhanden sei, unser jetziges Währungsver­hältniß zu ändern. Deutschland werde jedenfalls abzuwarten haben, ob von Seiten der großbritannischen Regierung irgend ein Schritt in dieser Frage erfolge. In der weiteren Debatte sprachen noch die Abgg. v. Bennigsen (nat.-lib.) und Dr. Meyer-Halle (deutschfr.) gegen, die Abgg.

D. Kardorff (Reichsp.) und Dr. v. Frege (deutschkons.) f ü r die Resolution,

die übrigens inzwischen von den Antragstellern vor der Abstimmnng zurück­gezogen war, so daß die Debatte ein formelles Ergebniß nicht hatte. Es wurden dann noch bei der Tabacks-, Zucker- und Branntweinsteuer ver­schiedene Wünsche geäußert und bei der letzteren namentlich die schwierige Lage der kleineren Brennereien betont, während der Herr Schatzsekretair die Erklärung wiederholte, daß Erleichterungen innerhalb des Rahmens des Branntweinsteuergesetzes soweit als irgend möglich gewährt würden, daß aber die Zeit für eine Revision des Gesetzes noch nicht gekommen sei. Morgen: Etat; kleinere Vorlagen.

Berlin, 6. Febr. Im runden Saale des kaiserlichen Palais wurde heute der 25jährige Stiftungstag des preußischen Rothen Kreuzes festlich begangen. Eine glänzende Versammlung hatte sich in dem Fcstraum zu- sammengcfunden; man erblickte da u. a. den Kriegsminister, den Chef des Civilkabinets Dr. v. Lucanus, den Bischof Aßmann, den Oberpräsidenten Grafen v. Behr-Negendank, den General v. Wulffen, den Prinzen Reuß Heinrich X!ll., auf dessen Anregung die Gründung des Vereins zurück­zuführen ist. Vertreter Württembergs, des bairischen und vieler andern Landesvereine. Kurz vor 11 Uhr erschien die Kaiserin Augnsta, bald darauf der Kaiser und die regierende Kaiserin, die bei der von ihnen ehr­furchtsvollst begrüßten hohen Protektorin Platz nahm. In Vertretung des erkrankten Vorsitzenden, des regierenden Grafen Otto zu Stolberg-Werni­gerode, eröffnete der Regierungsrath Haß die Festsitzung mit einer kurzen Ansprache, in welcher er den allerhöchsten Herrschaften und den Vertretern der Vereine dankte. Der Kabinetsrath von bem Knesebeck verlas hierauf folgendes Schreiben der allerhöchsten Protekterin:

Wenn Ich auf die Jahre seit der Stiftung des Rothen Kreuzes in Preußen am 6. Februar 1864 zurückblicke, so gewährt mir der heutige Tag die Genugthuung, im Bewußtsein des bisher erreichten Erfolges dankbar und anerkennungsvoll derer gedenken zu können, welche an jenem Tage für die gute Sache handelnd eingetreten sind. Unaufhörlich verbunden mit einer großen denkwürdigen Zeit ist der Segen der stillen Arbeit, welche unter diesem von allen Nationen anerkannten und hochgeachteten Wahrzeichen gegenseitigen Schutzes und gemeinsamer Pflege der Humanität der Nächsten- liebe gewidmet ist, unzertrennlich aber auch von unsern Erinnerungen auf diesem Gebiete ist das geheiligte Andenken des ersten königlichen Schutz­herrn, dessen milde und menschenfreundliche Gesinnung jene Arbeit ermög­licht, ihre Früchte gezeitigt sei. Sein Vorbild des Ausharrèns bis zum Ende sei der Leitstern für alle, die diesem Werke treu bleiben oder neu für dasselbe gewonnen werden. Nur dauernde selbstlose und vielseitige Be­theiligung der Männer- und Frauenvereine kann in Friedenszeit die Hülfs- bereitschast nutzbringend gestalten, welche die Erfüllung einer ernsten Pflicht gegen unsern König und Herrn, gegen die Armee und gegen das gefammte Vaterland bedeutet. Gott helfe weiter!

Berlin den 6. Februar 1889. Augu st a."

Nachdem dann noch der bairische Vertreter, General v. Nylander den herzlichen Glüchwünschen Ausdruck gegeben, erhoben sich der Kaiser und seine erhabene Gemahlin, um mit den erschienenen Mitgliedern des Bnndcs- raths die Versammlung zu verlassen, da der feierliche Empfang der ma­rokkanischen Botschaft die hohen Herrschaften in das Schloß zurückrief. Im weiteren Verlauf der Sitzung nahm der Geh. Sanitätsrath Brinckmann das Wort zur Festrede, in der er in länger denn einstündiger Ausführung ein Bild gab von der Organisation, der Wirksamkeit und den immer mehr wachsenden humanitären Aufgaben des Vereins. Nach der Festrede verließ auch die Pretektorin die Versammlung, welche hierauf den Bericht des Vor­sitzenden über die Thätigkeit des letzten Jahres entgcgennahm.

Berlin, 7. Febr. Von Monarchenbesuchen in Berlin ist es lange Zeit still gewesen. Daß die Souveräne, denen der Kaiser im vergangenen Sommer Besuche abgestattet, diese legern erwidern würden, wie dies der König von Schweden bereits gethan hat, darf als selbstvei ständlich gelten. Man hat denn auch am Hofe dem Besuche des Zaren, des Königs von Italien und des Kaisers von Oesterreich in den Fnühlingsmonaten dieses Jahres entgegengesehen und die gleichzeitige Anwesenheit mehrerer Souveräne am diesseitigen Hofe wurde thatsächlich e-wartet. Wenn nun englische Be­richterstatter angeblich aus Petersburg zu melden wissen, der Zar werde im April dem Kaiser einen Gegenbesuch in Stettin machen und dort mit 16 Kriegsschiffen entliessen, so ist am hiesigen Hofe davon nichts bekannt.