bezeichnen können, im Gegentheil, er ist in zahlreichen Geschäftsbranchen — Sprit, Tabak u. s. to. — üblich, ja gar nicht zu entbehren. Und daß gerade Hamburg in letzter Zeit einen lebhaften Aufschwung genommen hat und dies nicht zum Wenigsten der bedeutenden Zunahme des Kaffeehandels zu verdanken hat, darf wohl als bekannt vorausgesetzt werden. Hamburg war geradezu genöthigt, den Kaffee-Terminhandel bei sich einzuführen, nach- bem New-Jork, holländische Handelsstädte und Havre damit vorgegangen waren und die Gefahr vorlag, daß Havre mit dem Termingeschäft auch das Effektivgeschäft ganz an sich ziehen würde.
Vom 151 d. Mts. ab ist übrigens, soviel diesseits bekannt, an der Hamburger Kaffee-Börse ein neues Regulativ eingeführt, welches bestimmt, daß bei Kaffee-Abschlüssen der Verkäufer berechtigt ist, an Stelle des bisher allein lieferbaren Santos-Kaffee, andere Kaffees unter gewissen Bedingungen zu liefern.
Wir sind überzeugt, daß durch diese Bestimmung die Konsolidirung des Kaffeegeschästs wesentlich gefördert wird.
Daß die wilde Spekulation sich bei Einführung des Kaffee-Termin- Handels in Hamburg mit aller Kraft auf die Branche geworfen hat, darf nicht überraschen, haben wir doch in früheren Jahren — wenn auch nicht in so beklagenswertstem Maße — Gelegenheit gehabt, ähnliche Verhältnisse beim Sprit an der Berliner Börse rc. zu beobachten.
Wir glauben aber, daß mit Palliativmaßregeln gegen die in Rede stehenden Uebclstände nichts auszurichten sein wird, vielmehr dürfen wir hoffen, daß auch ohne besondere, das normale Geschäft mitbeengende Maß- nahmen der Gesetzgebung die ungesunde und unlautere Spekulation in sich zusamnienbrechen wird und das solide Geschäft auch bei den Kaffee- Abschlüssen in Hamburg wieder die Oberhand gewinnen wird.
Verbrauchs-Abgaben. Im Laufe des Monats Januar 1889 wurden im hiesigen Schlachthause geschlachtet:
91 Ochsen, weniger gegen den Monat Janu ar 1888 3 Stück
106 Kühe, mehr „
ft
1t
ff
„ 24
110 Rinder, weniger „
854 Schweine, mehr „
ff
ff
ff
„ 17
ff
11
ff
ff
„ 41
11
416 Kälber, „
120 Hämmel, weniger „
11
ff
11
„ 16
11
11
ff
ff
„ 21
11
2 Ziegen, mehr „
11
ff
11
„ 2
11
Die Accis-Einnahme hiervon beträgt
. Mk.
4174.80
An eingeführten Fleischwäaren rc. wurden versteuert:
15 312 Kilogramm weniger gegen den Monat Januar 1888
511 Kilogramm.
Hiervon die Accis - Einnahme mit ...... Mk. 491.38
Summa Mk. 4666.18
Gesammt-Accis-Einnahme im Monat Januar 1888 „ 4574.39
Mithin mehr gegen den Monat Januar 1888 . . . Mk. 91.79 Accis-Einnahme vom 1. April 1887 bis 31. Januar 1888 Mk. 40 492.54 „ „ „ 1. „ „ „ 31. „ 1889 „ 44 880,02
Mithin mehr gegen die gleiche Zeit des Vorjahres . . Mk. 4387.48
Schwurgericht. Die Sache gegen den Schneidergesellen Franz Desch von Oberndorf wurde unter Ausschließung der Oeffentlichkeit verhandelt, da ein am 29. April v. J. auf der Dorfstraße dortselbst verübtes Sittlichkeits-Verbrechen — gewaltsame Vornahme unzüchtiger Handlungen an einer Frauensperson — den Gegenstand bildete. Das Urtheil lautete in Berücksichtigung mildernder Umstände auf sechs Monat Gefängniß. Dasselbe ergab auch, daß dem Angeklagten, geb. 30. April 1870, nur ein Tag an der sog. Strafmündigkeit fehlte, welche mit 18 Jahren beginnt. Er selbst hatte früher den 20. April als Geburtstag angegeben, was die Verweisung des Falls vor das Schwurgericht veranlaßt hat, während derselbe eigentlich vor die Strafkammer gehörte.
Knabenhort. Ein Besuch in dem hiesigen Knabenhort lohnt wirklich der geringen Mühe. In zwei großen hellerleuchteten und gut durchwärmten Schulsälen sind 90 Jungen an breiten langen Tischen untergebracht. Alle sind vergnügt, denn sie haben eben die Schularbeiten vollendet und die Singübungen nehmen ihren Anfang. Die darnach noch übrige Zeit wird theils mit Lesen hübscher Märchenbücher ausgefüllt, während ein anderer Theil sich mit Spielen von Dammbrett, Gänsespiel, Baukasten u. dergl. beschäftigt. Es herrscht ein äußerst munterer TorObei der kleinen Gesellschaft. Alle sind vergnügt und heiterer Dinge und Alle sind gerne im Knabenhort! Leider können nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden, da der Raum es nicht zuläßt. Auf Ostern werden einige Plätze frei, wofür jetzt schon Anmeldungen vorliegen.
Dank den edlen Gebern ist durch den Knabenhort eine Einrichtung getroffen, welche unserm Arbeiter sehr zu Statten kommt. Er weiß seine Kinder in bester Hand und Aufsicht! Wer sein Scherflein zu diesem edlen, humanen Zweck noch beitragen will, dem ist nächster Tage Gelegenheit geboten, sich in die Beitrags-Erhebeliste einzuzeichnen. Mit dem Jahresbeitrag von Mk. 3 kann man Mitglied werden.
Turnerisches. In der gestern stattgehabtcn Generalversammlung der „Turngemeinde" erstattete der Vorstand Bericht über den Stand und die Thätigkteit des Vereins im verflossenen Jahre. Aus dem Bericht über
den Turnbetrieb ist zu ersehen, daß an 234 Abenden geturnt wurde. Auf das Riegenturnen der Jugendabtheilung entfallen 96 Turnstunden mit einem - Durchschnittsbesuche von 61 Theilnehmern; auf das Riegenturnen der Männcrabtheilung 90 Turnstunden mit durchschnittlich 13 Theilnehmern; die Kür- und Vorturnerstunden fanden an 48 Abenden mit einem Durchschnittsbesuche von 30 Turnern statt. Der stärkste Besuch der Jugendabtheilung war am 15. Mai mit 81 Theilnehmern, der stärkste Besuch der Männerabtheilung am 18. Januar, 7. März und 18. April mit je 24 Theilnehmern. — Die Turngemeinde bethciligte sich im Laufe des Jahres: an der gemüthlichen Gauversammlung in Dietesheim an 15. Jan.; Gauvorturnerstunde in Hanau am 12. Febr.; Gauturntag in Offenbach am 4. März; Gauvorturnerstunde in Hanau am 8. April; Feldbergturntag in Frankfurt am 15. April; Gauanturnen in Rumpcnhcim am 6. Mai; Gau- - turnfest in Kl.-Steinheim am 5. und 12. August; Krcisturntag in Mainz * am 26. Aug.; und veranstaltete: Turnfahrt nach Hainstadt am Char- freitag; Abendunterhaltung zum Besten der Ueberschwemmten in Gemeinschaft mit dem Gesangverein „Eintracht" und der städtischen Kapelle am 25. April; Schauturnen am 9. Sept. ; Turnfahrt nach Windecken am 23. Sept, und Abendunterhaltung am 26. Dezember. — Die laufenden Geschäfte fanden Erledigung in 2 Generalversammlungen, 10 Monatsversammlungen, 49 Vorstandssitzungen und 7 Sitzungen der Vorturnerschaft. Der Mitgliederstand' ist der gleiche wie zu Anfang des Jahres 1888 :396. Eingetreten sind 107, ausgetreten 43, abgereist und in Militärdienst getreten 56, ausgeschlossen 3 und gestorben 5 Mitglieder. Wie aus vorstehenden Berichte zu ersehen, war die Turngemeinde auch im verflossenen Jahre aufs eifrigste bestrebt ihre Ausgabe zu erfüllen und wünschen wir derselben auch fernerhin den besten Erfolg und die thatkräftige Unterstützung unserer Einwohnerschaft, denn leider versäumen es immer noch sehr Viele aus Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit die gesundheitfördernden Turnübungen am eigenen Körper zu erproben.
Krokodile-Ausstellung. Der Naturfreund versäumt es sicher nicht die Krokodile-Ausstellung im Gartensaale der Restauration zur „Eisenbahn" zu besuchen und sich die prächtigen Exemplare des in der Freiheit mit Recht gefürchteten Reptils zu betrachten. Für die Schuljugend kann der Besuch nur belehrend sein und werden deshalb, wie wir hören, auch die Schulen abtheilungsweise dieser interessanten Ausstellung einen Besuch abstatten. Es sind Thiere aus Kamerun, aus dem Nil, aus dem Missisippi rc. vertreten und wird der Unterschied zwichen den verschiedenen Arten und ihrer Lebensweise eingehend erklärt. Die Thiere werden aus ihrem Elemente, dem Wasser gezogen, so daß man sie in eingehendster Weise betrachten kann. Wie gesagt, der Besuch dieser seltenen Ausstellung kann ♦, nur empfohlen werden.
Für Bijouterie-Fabrikanten re. Wir machen alle Bijouterie-Fabrikanten und Vertreter verwandter Berufszweige, an dieser Stelle auf die Einladung des prov. Comitâ's zur Gründung eines Central-Verbandes (siehe Inserat) hierdurch aufmerksam. Die Versammlung findet heute (Mittwoch) Abend 8 Uhr in der „Centralhalle" statt.
Schneefall. „Alleweil hat der Spaß uffgeheert" wird mancher Hanauer in seiner Mundart ausgerufen haben, als er heute Morgen der Bescheerung des Schneemanns ansichtig wurde. Vermerkten wir seither hier und da einen unbedeutenden sog. „Hasenschnee", so zeigt uns der vergangene Nacht eingetretene und bis zur Stunde (10 Uhr Vormittags) anhaltende Schneefall, daß wir noch „dicke" im Winter sitzen und daß mir noch ebensogut von dem Schlitten wie seither von den Schlittschuhen Ge- j brauch machen können.
Aufgepatzt an den Gebäuden, deren Dächer nicht mit Schneefang- gittcr versehen sind; es wird an niederfallenden Lawinen nicht fehlen.
Versteigerungs- und Verpachtungs- re. Kalender für Donnerstag den 7. Februar.
Von Nachmittags 2 Uhr ab versteigert Herr Taxator C. Meerbott 1 im Gasthaus zu den „3 Gänsen" eine große Anzahl Weiß- und Kurz-, Manufaktur- und Schuhwaaren rc. gegen Baarzahlung.
Für heute. Hanauer Stadttheater: DWk^ Zum Benefiz für Herrn Adam Korb: „Kean" oder „Leidenschaft und Genie", Schauspiel in 5 Auszügen nach dem Französischen des Alexander Dumas; Anfang 7 Uhr. — Kaufmännischer Verein Hanau : Vereinsabend im Nebenzimmer „zur großen Krone". — Turn- und Fecht-Club : Abends Va 9 Uhr Turnen der Männerriege. — Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 1 im „goldnen Herz"; Steiger-Corps bei Beck; Männerabtheilung der Turngemeinde: Turnen.
Frankfurt a. M., 6. Februar. Eine hiesige Brauerei klagte gegen einen Zäpfer aas Zahlung einer Bierschuld. Der Zäpfer erhob Widerklage und verlangte 1000 Mark Entschädigung, weil das gelieferte Bier so schlecht gewesen sei, daß ihm die Gäste vertrieben worden seien. Er produzirte auch das Gutachten eines Chemikers, wonach das ihm zur Prüfung übergebene Bier Ungenießbar sein sollte. Wenn seine Wirthschaft nicht ganz zu Grunde gegangen sei, erklärte der Zäpfer, so sei dies lediglich seiner Liebenswürdigkeit gegen die Gäste zuzuschreiben. Nach den Büchern der Brauerei hat nun aber der Konsum ihres Bieres in der betreffenden *- Wirthschaft nicht ab-, sondern zugenommen. Auf die Frage des Gerichtsvorsitzenden, wie sich dies erklären lasse, erwiderte der Zäpfer: „Ei, ich