Beilage zu Nr. 29 des Hanauer Anzeiger.
Tagesschau.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 1. Februar. Der Reichstag erledigte heute den Etat der Marineverwaltung. Zunächst wurden bei dem Titel „Gehalt des Chefs der Admiralität" einige allgemeine Bemerkungen gemacht. Auf Anfrage erklärte der Bundesbevollmächtigte, Kontreadmiral Heusner, daß über die Gefechte auf Samoa erst Mitte dieses Monats nähere Berichte zu erwarten seien, daß der Gesundheitszustand unserer Marinemannschaften in überseeischen Stationen und namentlich auch auf Zanzibar im Allgemeinen ein befriedigender sei, und daß die Frage über eine Trennung der Verwaltung von dem Oberkommando der Marine zwar in Erwägung gezogen, aber noch nicht zum Abschluß gelangt sei. Die Namen der auf Samoa verwundeten Mannschaften würden veröffentlicht werden, sobald die Listen eingegangen. In der Hauptsache drehte sich die fernere Debatte über die im ordentlichen Etat der einmaligen Ausgaben geforderten ersten Raten von je 800 000 M. für vier neue Panzerschiffe A. B. C. D. Sowohl von freisinniger Seite wie von Seiten des Zentrums wurde die Bereitwilligkeit ausgesprochen, die entsprechende Rate zunächst für ein Panzerschiff zu bewilligen, um kostspielige Experimente zu vermeiden, aber eine weitergehende Bewilligung abgelehnt. Den: gegenüber betonte der Bundesbevollmächtigte, Kontreadmiral Heusner, daß die Bewilligung nur eines Panzerschiffes die Bedeutung haben würde, daß die Verwaltung erst nach 4 bis 5 Jahren sich über den Weiterbau von. Panzerschiffen schlüssig machen könnte, während das Bedürfniß der Marineverwaltung und das Interesse des Reichs ein schnelleres Vorgehen rechtfertige. Vorrednern gegenüber betont er, daß es sich nicht um eine Systemänderung, sondern lediglich um eine kräftigere Küstenvertheidigung handeln, die event, auch eine Entlastung der Armee herbeiführen würde. In gleicher Weise traten die Abgg. v. Frege (deutschkons.), Graf v. Behr-Behrenhof (Reichsp.) und Dr. Hammacher (nat.-lib.) für die volle Forderung der. Regierung ein. Bei der Abstimmung wurde zunächst die erste Rate für das Panzerschiff A. mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten bewilligt, während die übrigen drei Raten mit Majorität (beide konservative Frationen und Nationalliberale) bewilligt wurden. Es wurde dann noch eine Reihe einzelner Etatstheile, sowie das Etats- und Anleihegesetz debattelos erledigt und damit die zweite Berathung beendigt. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr: Fortsetzung der Berathung über den Antrag, betreffend die Aufhebung der Getreidezölle und Antrag Windthorst, betreffend die Freiheit der Kulte in den deutschen Schutzgebieten.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Hessenland. Ein eigenartiges Unternehmen ist das „Hcssenland", Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, das in Cassel unter Redaktion und Verlag von F. Zw enger erscheint. Die uns vorliegende Nr. 1 des dritten Jahrganges beweist durch ihren Inhalt, daß die Redaktion bemüht ist, in literarischer wie historischer Beziehung den Lesern Anziehendes und Werthvolles zu bieten. Nr. 1 enthält ein den Jahreswechsel behandelndes, schwungvolles Leitgedicht von Carl Preser, dem bekannten Lyriker und Epiker; ferner an poetischen Beiträgen ein Neujahrssonett von Gustav Kastropp, dessen Namen nicht minder guten Klang hat, sowie ein feinsinniges und gemüthvolles Liedchen von Meister Julius Rodenberg. Außerdem zwei ungedruckte Beiträge aus dem Nachlasse Verstorbener, nämlich Ernst Koch's, des genialen Dichters von „Prinz Rosa- Stramin" und Eugen H ö f l i n g 's , des Sängers von „O alte Burschenherrlichkeit." Einen novellistischen Beitrag spendet Frau Keller-Jordan, die hochbegabte Tochter des hessischen Verfassungskämpfers in der Erzählung „Unter dem Madonnenbilde", welche beiläufig einige wohlgezielte Hiebe gegen den Naturalismus in Kunst und Literatur führt. Fr. v. Hohenhausen, die Verfasserin von „Berühmte Liebespaare", schildert anziehend einen Besuch bet Geibel und Jos. G r i n a u, fesselt durch eine interessante Schilderung der Amalie Hassenpflug, der Freundin von Annette von Droste- Hülshoff. In „Konrad von Bemelberg" liefert E. Sten dell die historische Würdigung eines hessischen Landsknechtsobersten, eines wackern Schülers des großen Frundsberg und I. Schwank gibt kurze Notizen aus dem Kriegsleben hessischer Offiziere. In der Rubrik aus „Heimath und Fremde" wird noch manches Wissenswerthe, das für den hessischen Leser von Interesse ist, mitgetheilt, während in der „Hessischen Bücherschau" die neuesten von Hessen herrührenden literarischen Erzeugnisse kritische Besprechung finden. So bietet das „Hessenland" ein getreues Spiegelbild der geistigen Bestrebungen der Hessen und verdient gewiß die Unterstützung aller hessischen Landsleute.
Theater-Repertoire zu Frankfurt a. M.
Opernhaus. Dienstag, 5. Febr.: „Der Wildschütz". — Mittwoch, 6.: „Der Zigeunerbaron". — Donnerstag, 7.: „Silvana". — Freitag, 8.: Geschlossen. — Samstag, 9.: „Am Wörthersee". „Die verwandelte Katze". — Sonntag, 10.: „Die Walküre".
Schauspielhaus. Dienstag, 5. Febr.: „Judith". — Mittwoch, : „Hans Lange". — Donnerstag, 7.: „Madame Bonivard". Vorher:
„Der dritte Kopf", — Freitag, 8.: Fest-Vorstellung zu Ehren des 70. Geburtstages Wilhelm Zordan's. Festspiel von Böcker. Hierauf: „Durch's Ohr". — Samstag, 9.: „Hans Lange". — Sonntag, 10., Nachmittags 00- Uhr: „Madame Bonivard". Vorher: „Der dritte Kopf". Abends 7 Uhr: „Der Erbonkel".
F^unkfuA a. M., 2. Februar. Ein Gerichtsvollzieher sollte gestern Mittag bei einem Hundehändler eine Pfändung vornehmen. Als derselbe das betreffende Haus betrat, war es ihm nicht möglich, bis zu dem zu Pfändenden vorzudringen: große und kleine Hunde fielen ihn an und zerrten ihn am Rock, schließlich fand er in der Flucht sein Heil. Bald daraus erschien der Gerichtsvollzieher mit drei Dienstmännern wieder, doch auch die Vier vermochten nichts auszurichten : 16 Hunde fielen über sie her, so daß sie gezwungen waren, sich zurückzuziehen.
Frankfurt a. M., 3. Februar. Vor dem hiesigen kgl. Landgericht klagte ein Landmann, der zwei Töchter nach Frankfurt verheirathet hat, die hier in guten Verhältnissen leben, gegen diese beiden Kinder auf Gewährung eines standesgemäßen Unterhalts und verlangte zu seiner Lebsucht mindestens 800 Mark jährlich in Baar. Die eine der beiden Töchter bezahlte schon seit längerer Zeit für ihn die Miethp, während die andere ihm das Essen gewährte, und zwar an ihrem eigenen Tische. Das Letztere wurde ihn: aber mit der Zeit lästig, da man von ihm Erscheinen in sauberer Kleidung, namentlich mit reinem Schuhwerk, sowie gesittetes Benehmen beim Essen verlangte. Er zog vor, sich nicht mehr zum Essen einzufinden, sondern Klage auf standesgemäßen Unterhalt in baarem Gelde zu erheben, wurde aber gestern mit seiner Klage abgewiesen. Der Gerichtshof erklärte, die Beklagten hätten seither mehr gethan, als wozu sie pro rata sämmtlicher Kinder verpflichtet gewesen wären. Baargeld zum Wirthshausbesuch, für Tabak und bergt brauchten sie nicht zu geben. Ueberdies sei es nicht nothwendig, daß Kläger in der Stadt wohne, er könne sich auf dem Lande ebenso gut aufhalten, wo seine übrigen Kinder wohnten, die ihn nicht unterstützten. (Fr. N.)
Offenbach, 2. Febr. In der heutigen Schöffengerichtsverhandlung wurde ein Metzger aus Mühlheim wegen Zusatz von Stärkemehl zur Fleischwurst und Verkaufs solcher Wurst zu einer Geldstrafe von 120 Mark verurtheilt. Wie durch die chemische Untersuchung festgestellt wurde, hatte die Wurst einen Wassergehalt von mehr als 60%. Allerdings etwas starker Tabak. (O. Z.)
Berloosangen.
Berlin, 1. Febr. Preußische Klassenlotterie. (Ohne Gewähr.) Bei der gestern fortgesetzten Ziehun g der 4. Klasse 179. Königl. preußischer Klassenlotterie fielen in der Nachmittags-Ziehung:
1 Gewinn von 50 000 Mk. auf Nr. 176753.
1 Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 43239.
2 Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 103729 151541.
34 Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 5337 7667 7670 8744 16252 20395 27017 29041 32055 48947 101628 110112 110515 117661 123073 129772 134734 144265 146214 151732 152826 153495 154942 165211 179748 182559 182882.
44 Gewinne von 1500 Mk. auf Nr. 3102 12785 18337 27207 33938 39548 42762 43747 43940 45965 48044 51389 64039 66231 69173 76242 85955 87911 96918 102528 103886 104752 106085 111028 111030 111155 113624 114333 115240 117721 127742 133951 138839 142256 144098 144272 145497 146155 146761 148117 157523 172908 174101 175983.
Bei der heute fortgesetzten Ziehung fielen in der Vormittags- Ziehung :
2 Gewinne von 10 000 Mk. auf Nr. 23595 148039.
1 Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 21473.
37 Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 786 5168 13015 13363 17531 23540 42582 42958 43594 45069 49004 54671 57587 62619 75020 85079 87897 88577 102486 105288 108799 109618 112146 116034 120779 131733 134904 140083 143099 147226 153427 160353 162780 165441 169890 182155 185613.
39 Gewinne von 1500 Mb auf Nr. 2798 7796 10288 20407 21716 21735 31231 32919 34372 34612 38123 40521 43687 46902 51662 64491 64560 65050 68583 85467 87686 96699 97562 99235 99370 108333 109149 122799 139865 144159 145278 146476 152212 153301 157199 158960 165073 175524 184180.
Köln-Mindener 3'/spCt. 100 Thl.-Loose von 1870. Ziehung vom 1. Februar. Auszahlung 1. April. Hauptpreise: 55000 EH. Nr. 2253, 8000 Thl. Nr. 23943, 3000 Thl. Nr 26441. 2000 Thl. Nr. 16375 je 1000 Thl. Nr. 7300 24286 43828, je 500 Thl. Nr. 73984 143810 je 200 Thl. Nr. 7294 23867 35325 43027 51772 100989 136915 140012 140131 188098 193543.
Bukarester 20 Fr.-Loose von 1869. Ziehung vom 1. Febr. Auszahlung 5. März. Gezogene Reihen: 312 486 622 627 738 801 818