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Nr. 24.
Jugteich AmtLiches Kvgcrrr für StcröL- und Lcrnökveis Kcrncru.
ErschÄnt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Dienstag den 29. Januar
LieSspaltigeZcii-
30 Pfg
1889.
Dienst-Nachrichten aus dem Krerse.
Gefunden: Eine Pferdegurte. Eine Fibel. Eine weiße Denkmünze mit der Aufschrift „Königl. Zeichen-Akademie". Ein Paar Schlittschuhe. Ein Notizbuch mit der Inschrift „Casto Romer, Straßburg", nebst 2 Photographien und anderen Papieren.
Entlaufen: Ein dänischer Doggenhund m. Geschl.
Hanau am 29. Jannar 1889.
Tagesschau.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 28. Januar. Der Präsident theilte zimächst mit, daß das Präsidium bei der gestrigen Cour Sr. Majestät dem Kaiser die Glückwünsche des Reichstages zum Geburtstage dargebracht und daß Allerhöchstderselbe diese Wünsche herzlich dankend entgegengenommen habe. — Bei der Fortsetzung der Berathung des Etats der Zölle und Verbrauchssteuern gelangte zunächst der Titel „Zuckersteuer" zur Verhandlung. Abg. von Bennigsen (nl.) machte hierbei auf den bedauerlichen Umstand aufmerksam, daß durch die wenig entgegenkommende Haltung Oesterreichs und Frankreichs die Ausführung der Londoner Zuckerkonvention in Frage gestellt sei. Mit der Haltung der verbündeten Regierungen in dieser Frage erklärte er sich einverstanden. Auch Abg. Dr. Witte (dfr.) sprach ebenfalls sein Einverständniß mit der Haltung der verbündeten Regierungen aus, während Schatzsekretair Frhr. v. Maltzahn seine bereits in der Budgetkommission abgegebene Erklärung wiederholte, daß Deutschland nur unter der Voraussetzung der Londoner Konvention beigetreten sei, daß alle Staaten dieselbe loyal zur Durchführung bringen würden. Auf Anfrage des Abg. Robbe (Reichspartei) erklärte der Herr Schatzsekretair, daß die Aufmerksamkeit der verbündeten Regierungen auf den Stärkezucker und den Saccharin bezüglich etwaiger Besteuerung bereits gerichtet sei. Abg. Fürst v. Hatzfeldt (Reichspartei) machte aus die Gesundheitsschädlichkeit des Saccharins aufmerksam. Der Titel selbst wurde unverändert genehmigt, desgleichen debattelos Titel 4 „Salzsteuer". — Bei Titel 5 „Branntweinsteuer" anerkennt Abg. Blairkenhorn (nat.-lib.), daß das neue Branntwcin- steuergesetz für Süddeutschland zwar Vortheile gebracht habe, nur die Aus- sührnngsbestimmungen für die kleinen Brennereien erregten vielfach Anstoß. Abg. Frhr. v. Ellrichshausen (Reichsp.) schloß sich für Württemberg den Ausführungen an. — Schatzsekretair Frhr. v. Maltzahn erwidert, daß schon auf Anregung des Abgeordneten von Bennigsen in der ersten Lesung des Etats die hier erhobenen Beschwerden, welche sich auf den §. 13 des Branntweinsteuergesetzes, die kteinen Materialienbrennereien betreffend, beziehen, zum Gegenstände von Anfragen gemacht worden, daß indeß nach Mittheilung der verschiedenen deutschen Regierungen Klagen darüber zur Kenntniß derselben nicht gelangt seien. Darauf wurde die Berathung vertagt. Morgen: Internationaler Vertrag wegen der Unterdrückung des Branntweinhandels unter den Nordseesischern aus hoher See; Ostafrikanische Vorlage in zweiter Lesung.
Berlin, 28. Ian. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen gestern Vormittag um 10 Uhr die Glückwünsche der Königlichen Familie und demnächst die des engeren Hofes entgegen. Um lO1^ Uhr begaben Sich Se. Majestät der Kaiser niit Ihrer Majestät der Kaiserin nach der Schloßkapelle zum Gottesdienst, an welchen sich eine größere Gratulationscour anschloß. Nachmittags 123 * Uhr fuhren Se. Majestät nach dem Palais weiland Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm und legten im Fahnenzimmer daselbst, vor der Ueberführung der Fahnen und Standarten vom Palais nach dem Königlichen Schlosse, einen Lorbeerkranz nieder. Demnächst kehrten Se. Majestät nach dem Schloße zurück und wohnten hier der Ueberbringung der Fahnen und Standarten bei.
Berlin, 28. Ian., Durch Allerhöchste Kabincts-Ordrc ist der Prinz Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, Korvetten-Kapitän, unter vorläufiger Belassung in seiner bisherigen Dienststellung als AbtheilungsKommandeur bei der 1. Matrosen-Division, zum Kapitän zur See und gleichzeitig, unter Belassung â la suite des 1. Garde-Regiments z. F. und des Garde-Füsilicr-Landwehr-Regiments, zum Oberst befördert worden.
Berlin, 28. Januar. Die „Nordd. Allgem. Ztg." berichtet: Der Kaiser verlieh anläßlich seiner Geburtstagsfeier den Ministern v. Goßler und v. Scholz das Großkreuz des rothen Adlerordens mit Eichenlaub und Len Ministern Graf Herbert Bismarck und v. Herrfurth den rothen Adler
orden erster Klasse mit Eichenlaub und deni Oberreichsanwalt v. Tcsseudorff das Kreuz der Komthure des hohenzollernschen Hausordens.
Die „Germania" schließt ihren Kaisergeburtstagsartikel mit folgender Mahnung: Das deutsche und preußische Volk in ihrer immensen Mehrheit sind auch heute noch besten Willens, und die Abweichungen der Meinungen sind meist naturgemäße Folgen der historischen Erscheinungen und der Einzelverhältnisse. Möge der sachliche Gegensatz immer weniger ein persönlicher, sondern als Wettkampf der Meinungen im Ringen um des Vaterlandes Wohl erkannt werden, mögen die Verbitterungen und Ver- Hetzungeu aufhören und die Klassen und Parteien sich vertragen oder wenigstens gerechter würdigen lernen.
Hamburg, 26. Jan. Das Schwurgericht verurtheilte den Raubmörder Dauth, der ein umfassendes Geständniß abgelegt hatte, zum Tode.
München, 27. Jan. Der heutigen Festtafel der Reserveoffiziere zur Feier des Geburtstages des Kaisers wohnten die Prinzen Ludwig, Rupprecht, Leopold, Arnulf sowie Prinz Ernst von Meiningen bei. Prinz Leopold brachte das Hoch auf den Prinzregenten aus, der Oberst der Landwehr dasjenige auf den Kaiser.
Luxemburg, 26. Jan. Die Auswanderung nimmt nach dem „RH. K." im Großherzogthum eine solche Ausdehnung an, daß thatsächlich eine theilweise Entvölkerung des Ländchens befürchtet werden muß. Seit 1. Januar sind nicht weniger als tausend Personen meist nach Argentinien ausgewandert. Bedenkt man, daß die Bevölkerungszahl nur 200 000 Seelen beträgt, so wird man diese Ziffer gewiß höchst bedenklich finden.
Pest, 27. Jan. Die Laudesversammlung der ungarischen studentischen Jugend hat sich heute gegen die zwei Jahre Dienstzeit und die deutsche Prüfungssprache für die nationale Armee ausgesprochen und dem gekrönten König Treue gelobt.
Rom, 28. Jan. Die bei dem heutigen Wiederzusammentritt der Kammern gehaltene Thronrede sagt über die finanzielle Lage Italiens: „Die finanziellen Verhältnisfe legen un§ die Pflicht auf, die Ausgabeu in den engsten Grenzen zu halten und bei strenger Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen hinsichtlich der öffentlichen Arbeiten und der militärischen Maßnahmen von Unternehmungen abzusehen, welche neue Kosten auflegen. Die Regierung vertraut auf die Mitwirkung des Parlaments, um das Budget im Gleichgewicht zu erhalten." In Bezug auf die äußere Politik sagt die Thronrede: „Italien ist in Folge seiner durch Bündnisse verstärkten Kräfte nach wie vor ein Element des Friedens in der Welt, ein hoher und meinem Herzen sehr wohlthucuder Besuch ist Italien in seiner Hauptstadt gemacht worden. Dieser Besuch zeigt, wie eng die Bande sind, welche Italien und mich mit Deutschland und seinem Kaiser verbinden. Diese Bande sind ein Pfand des Friedens, dessen Erhaltung nicht nur Italien, sondern alle Staaten lebhaft wünschen, weil er nothwendig ist für die Wohlfahrt der Nationen und den Fortschritt der Civilisation, und der Friede wird, ich versichere es, von uns erhalten werden."
Paris, 28. Jan. In dem Vormittags abgehaltenen Ministerrathe wurden Maßregeln für den Fall von Ruhestörungen in Erwägung gezogen. Carnot konferirte mit vielen politischen Persönlichkeiten. Er ist entschlossen, seine Pflicht mit Entschiedenheit und Kaltblütigkeit zu thun, jede Verantwortlichkeit, welche die Lage ihm auferlegen werde, auf sich zu nehmen und die Gewalt, welche ihm von der Verfassung übertragen ist, nicht vor der festgesetzten Zeit aus der Hand zu geben. Es heißt, Floquet sei zu demis- sioniren entschlossen, wenn die Kammer die Demission im Interesse der Republik für nothwendig erachte, anderen Falls wolle er alle Maßregeln ergreifen, -die er zum Wohle der Republik für geeignet erachte. In parlamentarischen Kreisen herrscht große Erregung. Es heißt, das Kabinet sei für Auflösung der Kammer und für Ausschreibung allgemeiner Wahlen im April nach Abänderung des Wahlgesetzes in einer Weise, die allen auf ein Plebiszit gerichteten Umtrieben vorbeugen würde. Mehrere Deputirte sprechen sich für energische Maßregeln gegen Boulanger aus und empfehlen, den General Compenon mit der Bildung eines neuen Kabinets zu beauftragen. — Die Sitzung des Senats und der Kammer waren ohne Zwischenfall. Die Kammer genehmigte die Vorlagen, betreffend die Verbesserung der Kriegshäfen und einen Kredit von 42 Millionen zur Ausführung von Hafenarbeiten in Cherbourg. Boulanger zeigte an, er werde am Donnerstag der Kammersitzung beiwohnen. (Fr. R.)
Paris, 28. Januar. Die republikanischen Blätter erkennen an,