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Nr. 22. Samstag den

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Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gesunden: Eine weiße Damenjacke mit Spitze.

Verloren: Eine weiße Weste mit Goldstickereien und goldenen Knöpfen.

Hanau am 26. Januar 1889.________________________________

Altsschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.

1509 B. N. 194/88. Das Ausschreiben vom 20. Sept. v. I. gegen den Koch Friedr. Hesse von Jestädt wird erneuert.

1542 B. J. 333/89. Ueber den Aufenthalt des Taglöhners Heinrich He erd aus Edelsbach wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a. M. den 24. Januar 1889.

t Zum 27. Januar.

Zum ersten Male begeht unser Volk heute Kaiser Wilhelms des Zweiten Geburtstag. Ernste Hoffnungen und freudige Zuversicht grüßten aus allen Gauen des Reiches den jungen Monarchen, als vor sieben Mo­naten Gottes Rathschluß ihn auf den Thron seiner Väter rief. Jene Hoffnungen sind nicht enttäuscht, jene Zuversicht ist durch die Thaten des jungen Regiments nicht widerlegt worden, der bisherige Verlauf desselben ist ein Bild rastloser Thätigkeit im Dienste des Vaterlandes, entschlossenen und kräftigen Handelns für das öffentliche Wohl auf allen Gebieten gewesen.

Noch klingen in den deutschen Herzen die zündenden Worte wieder, mit denen der Kaiser in der Stunde der Thronbesteigung Heer und Flotte grüßte, sie tönten nach den bangen schweren Sorgen des vorjährigen Früh­lings wie heller Trompetenklang durch das deutsche Land, ein herzerhebender Weckruf des anbrechenden Morgens.Als treuer Fürst eines treuen Volkes, beide gleich stark in der Hingebung für das gemeinsame Vaterland", verkündete drei Tage später, an dem verheißungsvollen Tage von Fehrbellin und Bcllc-Alliance, der junge Herrscher in der AnspracheAn mein Volk" die Grundsätze seiner Regierung, die in den Thronreden vom 25. und 27. Juni ihre im gejammten In- und Auslande freudig begrüßte Erläuterung fanden. Mit hoher Befriedigung sah die Nation die Gesammtheit ihrer Fürsten bei der Eröffnung des ersten Reichstages den Kaiser umgeben, eine erlauchte Versammlung, wie der Weiße Saal des Berliner Schlosses sie noch nicht gesehen. Ihre Anwesenheit bürgte für die volle Uebereinstimmung der deutschen Bundesgenossen mit der in der Thronrede dargelegten innern und äußern Reichspolitik.

In praktischer Bethätigung der Letzteren rüstete nach wenigen Wochen der Kaiser sich zum Besuch zunächst der nordischen Höfe. Bald bot der Welt sich das bisher noch nie gesehene Schauspiel: zwei stattliche Ge­schwader der deutschen Flotte geleiteten den Deutschen Kaiser über die Wo­gen der Ostsee. Während in Erfüllung seiner fürstlichen Pflicht der Kaiser fern vom Vaterlande weilte, ward ihm zu Potsdam der fünfte Sohn, Prinz Oskar, geboren, welchen der unserm Königshause in inniger Freund­schaft verbundene König von Schweden über die Taufe hielt. Nach wenigen Tagen traulichen Familienlebens an der Seite der allverehrten Kaiserin folgten die Müncheberger Manöver, die Reisen durch Süddeutschland nach Oesterreich und Italien. Mit herzlicher Huldigung grüßten unsere süd­deutschen Reichsgenossen den dritten Träger der Kaiserkrone, mit warmer Sympathie das uns verbündete Ausland den erhabenen Repräsentanten der friedlichen Macht des geeinten Deutschen Reichs. Dieselbe freudige Be­geisterung, die den Kaiser in Süddcutschland umbraust hatte, umfing ihn bald darauf in Hamburg, als die alte und freie Hansastadt in ihren Zoll­anschlußbauten dem deutschen Handel und der deutschen Schifffahrt eine neue Heimstätte gewaltigen und unabsehbaren Aufschwungs übergab. So konnte der Monarch die gegenwärtige Session des Reichstags mit einer begründeten frohen Zuversicht auf die Erhaltung des Friedens und mit dankendem Rückblick auf die Gesinnungen eröffnen, die ihm überall im Reiche entgegengebracht worden waren, und zwei Monate später der gleichen Zuversicht bei der Eröffnung des Landtags Ausdruck verleihen. Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens im Reiche wie in Preußen ein unverkenn- - barer erfreulicher Aufschwung, wachsendes Gedeihen in Finanzen, Handel und Verkehr, kräftige Fürsorge für die allseitige Entwickelung des letzteren ainb für die Förderung des heimischen Gewerbefleißes unter gleichzeitiger

26. Januar 1889.

planmäßiger Fortentwickelung der sozialpolitischen Gesetzgebung und mög­lichster Erleichterung der arbeitenden Klassen, so bietet sich verheißungsvoll das Bild des friedlich arbeitenden Deutschland dar an dem Tage, an wel­chem wir zum ersten Male Kaiser Wilhelms II. Geburtstag begehen. Da­neben rastlose Thätigkeit in Heer und Flotte, dem starken Schutz und Schirm dieser erfreulichen nationalen Wohlfahrt, die Ueberzeugung bei Freund und Feind, daß die schweren Erschütterungen des vergangenen Jahres unsere nationale Kraft nur enger verbunden und gefestigt haben!

Möchte, das ist der Wunsch, in welchem an diesem Kaisergcburtstage alle Deutschen sich vereinen, dem Kaiser vergönnt sein, diese nationale Ent­wickelung friedlicher Arbeit in einer langen, glücklichen Regierung zu großen Zielen zu führen, als Erbe der Kaiserwürde und der großen auf ihr ruhenden Hoffnungen, aber auch als Erbe und Vollstrecker des Gelöbnisses, mit welchem Kaiser Wilhelm l. am 18. Januar 1871 die Wiederaufrich­tung von Kaiser und Reich verkündete: allzeit Mehrer des Reichs sein zu wollen an Gütern und Gaben des Friedens!

Tagesschau.

P. Aus dem Abgeordnetenhause. Berlin, 25. Januar. Das Abgeordnetenhaus berieth heute zunächst den Gesetzentwurf, betreffend die Beseitigung der durch die Hochwasser des vorigen Jahres herbeigeführten Verheerungen. In der längeren Debatte bemängelten die Redner aus der Provinz Schlesien hauptsächlich die Unzulänglichkeit der zu diesem Zweck bewilligten Mittel und betonten die Nothwendigkeit, derartigen Verheerungen durch geeignete Maßregeln für die Zukunft vorzubeugen. Minister der Landwirthschaft Frhr. Lucius v. Ballhausen erklärte, daß noch reichliche Mittel vorhanden seien, um dein akuten Nothstände zu begegnen, und daß, was die Vorbeugungsmaßregeln anlange, dem Hause demnächst eine Denk­schrift zugehen werde, welche eine Darstellung der thatsächlichen Verhältnisse sowie Vorschläge enthalten werde, wie dergleichen Mißständen vorzubeugen sei. Gegenüber dem Einwande, daß die bewilligten Gelder nicht gänzlich aufgewendet seien, bemerkte der Minister des Innern Herrfurth, daß die Regierung von der Ermächtigung, Staatsmittel bis zu einer gewissen Höhe zur Verwendung zu bringen, hauptsächlich deshalb nicht zuni vollen Betrage Gebrauch gemacht, weil die Privatwohlthätigkeit sich in einer Weise bethätigt habe, wie man sie nicht erwartet hatte. Andererseits fei aber auch hier die Begehrlichkeit, der Neid und die Mißgunst in erhöhtem Grade hervorgetre­ten, so daß man sagen könne: die Nothstandsvorlage habe den Staat selbst in eine Nothlage gebracht. (Heiterkeit.) Die Vorlage wurde der Budget- kommission überwiesen. Eine eingehende Debatte, knüpfte sich an die Vor­lage, betreffend die Theilung des Regierungsbezirks Schleswig, die bei den Mitgliedern aus der Provinz Schleswig-Holstein nur getheilt Zustimmung fand.^ Nachdem der erste Redner, Abg. Christophersen (freikons.), Vertreter von Schleswig, sich sehr entschieden gegen die Vorlage ausgesprochen hatte, erklärte der Herr Minister des Innern, daß er zwar Widerspruch aus lokalen, aber nicht aus politischen Gründen erwartet hätte, die der Vorredner dargclegt hätte. Die Theilung des Regierungsbezirks Schleswig sei noth­wendig in Folge der Einführung der neuen Verwaltungsorganisation; es sei der Landtag auf diese Nothwendigkeit schon früher aufmerksam gemacht, auch sei im Jahre 1887 bei Verhandlungen mit Vertrauensmännern aus der Provinz die administrative Nothwendigkeit anerkannt. Wenn der Vor­redner auf die Devise:Up ewig ungcdeelt" hingewiesen, so komme diese Devise zur vollen Bedeutung einzig und allein in der Vereinigung der Herzogthümer mit der preußischen Monarchie und dem Reiche. Nachdem sich die Abg. Hansen (freit), v. Rauchhaupt (kons.), Peters (nat.-lib.), für, andererseits die Abg. Krah (freit), v. Meyer-Arnswalde (fraktions­los), Reimers (nat.-lib.) gegen deu Gesetzentwurf ausgesprochen hatten, wurde derselbe einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Nächste Sitzung Dienstag: Etatberathung.

Berlin, 25. Jan. Se. Majestät der Kaiser und König unternah­men gestern Morgen 8/« Uhr mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Kö­nigin eine längere Spazierfahrt, hörten nach der Rückkehr von 10', Uhr ab den Vortrag des Kriegsministers sowie von 11 Vs Uhr ab den des Chefs des Militärkabinets und arbeiteten von 1202 Uhr ab mit dem Mi­nister der geistlichen rc. Angelegenheiten, Dr. v. Goßler. Um 1 Uhr hatte der Erzbischof Dr. Krementz die Ehre des Empfanges. Derselbe war