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Mittwoch den 23. Januar
Nr. 19.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts. Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Ein Buch mit dem Titel „ein verwaistes Herz".
Gefunden: Ein Post-Einlieferungsbuch für die Firma: S. I. Scheuer in Gelnhausen. Eine eiserne Wagenbrille. Sechs viereckige Kupferblättchen, vier mit den Buchstaben L. P. und zwei mit R. L. durchschlagen.
Vom Wasenmeister ein gefangen: Ein junger weißer Pinscher mit braunen Abzeichen, m. Geschl.
Hanau am 23. Januar 1889.________________________________
Attsschreiben Königlicher Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M.
A. 967. — L. 136/88. Der am 2./10. 1888 gegen den Gärtner Angelius Klüh von Dipperz erlassene Steckbrief wird erneuert.
Frankfurt a. M. den 19. Januar 1889.
B. 1226. — 0. 299/88. Ueber den Aufenthalt der Näherin Mathilde Berthold, geb. 29./7. 1859 zu Homburg v/H., wird Auskunft begehrt.
1043 A. — J. 1823/88. Das Ausschrcibcn vom 12. Mai7v. I. gegen den Konditor Jakob Buxbaum von Wien wird erneuert.
10 44 A. — J. 3108/88, Der am 14. August 1888 gegen die Dienstmagd Dorothea Dingeldein aus Michelstadt erlassene Steckbrief wird erneuert.
Frankfurt a. M. den 20. Januar 1889.
Tagesschau.
P. Aus dem Abgeorduetenhause. Berlin, 22. Januar. Das Abgeordnetenhaus ertheilte seinem Präsidium zunächst die Ermächtigung, zu dem bevorstehenden Geburtstage Sr. Majestät dem Kaiser, sowie anläßlich der Verlobung Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Leopold die Glückwünsche des Haufes auszusprechen, und trat dann in die erste Berathung des Etats ein. Abg. Frhr. v. H u e n e (Centr.) bezeichnete als erfreulich am vorliegenden Etat hauptsächlich die Regelung der Wittwen- und Waisengeldbeiträge, sowie im Etat der Eisenbahnverwaltung die Aufbesserung der Gehälter einzelner Beamtenkategorien, wobei er indeß die Nothwendigkeit einer Gehaltsaufbesserung auch der unteren Beamten betonte. Im Uebrigen verbreitete er sich über die Reform der direkten Steuern und die Nothwendigkeit der Erleichterung der Kommunen durch lleberweisung der Grund- und Gebäudesteuer. — Abg. Hobrccht (nat.- lib.) konstatirte mit Genugthuung, daß die Regierung die von seinen Parteifreunden als dringend bezeichneten Aufgaben ohne außerordentlichen Kredit in Angriff genommen habe. Andererseits harren noch eine Reihe unab- weislicher Aufgaben der Erledigung. Eine Reform der lex Huene sowie die Schaffung einer ^tandgemeindeordnung sei unabweisbar. Ebenso bestehe die Forderung, die Schulunterhaltungspflicht in gesetzliche Form zu bringen, fort. Hoffentlich werde wenigstens die Reform der direkten Steuern in dieser Session ihren endlichen Abschluß finden. — Abg. Rickert (deutschfreis.) ging sehr ausführlich auf die einzelnen Theile des vorliegenden Etats kritisireud ein und trat dann insbesondere der Behauptung des Herrn Finanzministers in der Weise entgegen, daß wesentlich der Wirthschaftspolitik des Herrn Reichskanzlers der wirth- schaftliche Aufschwung zu verdanken sei. Beim Etat der Eisenbahnverwaltung regte er eine weitere Reform der Personen- und Gütertarife an und bemängelte dann, daß die ganze Unterrichtsverwaltung ohne gesetzliche Unterlage sei. Bezüglich der Reform der direkten Steuern halte er die Quoti- sirung für nothwendig, um eine Ueberlastung der Steuerzahler zu vermeiden. Er schloß mit einer Verurtheilung der gegenwärtigen Finanzpolitik. — Der Herr Finanzminister widerlegte im Einzelnen die Ausführungen des Vorredners ; er habe nichts von dem zurückzunehmen, was er neulich namentlich in Bezug auf die heilsame Wirkung der Reichsfinanzpolitik gesagt habe. Daß bei der Erhöhung der Beamteybesoldungen die unteren Beamten in erster Reihe berücksichtigt werden müßten, könne er nicht anerkennen ; alle Bedürfnisse auf einmal zu befriedigen, dazu reiche das vorhandene Plus im .Etat nicht aus.. Die großen Schwierigkeiten, welche der gesetzlichen Regelung eines Theiles der Lehrerbesoldungen (Alterszulagen) entgegenstehen, seien nicht zu unterschätzen. Der Herr Minister ging dann auch aus einige
1889.
Ausführungen der anderen Vorredner näher ein und betonte namentlich, daß der Rückgang in unseren finanziellen Verhältnissen zum Reich ausgeschlossen erscheine. Darauf wurde die Berathung auf morgen vertagt.
Berlin, 22. Jan. Der Bundesrath genehmigte, nach den „Fr. N.", die Ostafrikânische Vorlage.
Berlin, 22. Jan. Das „Armee-Verordnungsblatt" veröffentlicht eine Verordnung, wonach bei denjenigen Infanterie-Regimentern, deren drei Bataillone sämmtlich schwarzes Lederzeug führen, die Bezeichnung „Füsilier- Bataillon" in „3. Bataillon" umgeändert wird. Die Besetzung der Stellen der Kommandeure der Füsilier-, bezw. 3. Bataillone und der Kompagniechefs der Füsilier-Kompagnieen, bezw. der Kompagnieen der 3. Bataillone bedarf künftig nicht mehr der Bestätigung der kommandirenden Generäle, bezw. Divisions-Kommandeure. Ferner veröffentlicht das „Armee-Verordnungsblatt" eine Kabinetsordre betreffs Abänderung des Paragraphen 14 der Disziplinar-Strafordnung für das Heer, wonach der komniandirende General bis zu 14 Tagen, der Divisions-Kommandeur und der Kommandant einer großen Festung bis zu 10 Tagen und der Brigade-Kommandeur bis zu 8 Tagen Stubenarrest verhängen dürfen.
Berlin, 22. Jan. Die Trauerfeier für sden Vizeadmiral Grafen Monts fand im Sterbehause statt, wo der Sarg auf einem Katafalk im Saale ausgebahrt war. Vor dem Trauerhause war die nom General von Knesebeck kommandirte Trauerparade ausgestellt, bestehend aus einem Bataillon des dritten Garderegiments mit Fahne und Musik, je einer Schwadron Gardekürassiere und Gardeulanen, einer Batterie und einer Kompagnie Marineartillerie. Der Sarg war mit Trauerkränzen und kostbaren Blumenspenden und Palmenwedeln über und über bedeckt. An der Spitze der den ganzen Saal und den Vorplatz füllenden Trauerversammlung befand sich der Kaiser in Marineuniform, sowie die Prinzen Heinrich, Leopold, Georg und Alexander, der schwedische Gesandte im Namen des Schwedenkönigs, Staatsminister Graf Bismarck mit einer Deputation des Auswärtigen Amts und den Mitgliedern des Bundesrathes, das Neichstagspräsidium, zahlreiche Abgeordnete, eine Deputation des Offizierkorps der Marine, mit den Admiralen Heusner, Goltz, Knorr und Paschen an der Spitze, mit 50 Matrosen und Unteroffizieren, sowie die gesammte hier anwesende Generalität. Nachdem der Kaiser bei seiner Ankunft ehrfurchtsvoll begrüßt worden und der Wittwe fein Beileid ausgesprochen hatte, hielt Feldprobst Richter die Gedächtnißrede. 12 Unteroffiziere des Seebataillons trugen den Sarg, die vier jüngsten Marineoffiziere die Orden des Verstorbenen. Der imposante Zug bewegte sich unter den Klängen eines Trauermarsches nach dem Matthäifriedhof, wo die Beisetzung mit militärischen Ehren erfolgte. (F.N.)
Ttrasjbttrg, 22. Jan. (K. Z.) Heute Vormittag um 10 Uhr brach im Dachstuhl des Seitenflügels der Manteuffel-Kaserne Feuer aus. Dasselbe wurde sofort kräftig bekämpft; nach zwei Stunden war die Gefahr des Weiterbrennens beseitigt und das Feuer blieb auf seinen Herd beschränkt.
Leipzig, 22. Jan. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Staatsanwaltes gegen das Erkenntniß des Landgerichts zu München vom 2. November 1888, wonach 13 Personen von der Anklage, einer geheimen Verbindung angchört und verbotene Drucksachen verbreitet zu haben, freigesprochen worden waren.
Bern, 22. Jan. Die Auswechslung der Ratifikationen zu dem von der Schweiz mit den Vereinigten Staaten von Amerika, Belgien, Brasilien, Italien, Portugal, Serbien und Spanien abgeschlossenen Internationalen Vertrag betreffend Austausch der amtlichen Erlasse und Veröffentlichungen ist in Brüssel erfolgt.
Brüssel, 22. Jan. In Luxeinburg hält man für wahrscheinlich, daß, wenn im Haag die Einsetzung einer Regentschaft erfolgen sollte, der Herzog von Nassau unverzüglich zum Regenten über das Großhcrzogthum Luxemburg ernannt werden wird. (K. Z.)
Rom, 21, Jan. Nach hier eingegangener Meldung sind in Casola bei Ravenna infolge Erdsenküng vier Häuser cingestürzt. Aus den Trümmern find bereits 10 Todte hervorgezogen. Ebensoviel Personen werden noch vermißt.
Paris, 22. Jan. Die „K. Z," schreibt: Gestern Abend fanden wieder einige stürmische Wahlversammlungen statt. In einer Versammlung in der Victoriastraße warf ein Boulangist einen Pflasterstein durch das