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Nr. 9.

Freitag Yen 11. Januar

1889.

Brkanntmachungen König!. Landrathsamts.

Metropolitan Ullrich zu Windecken ist auf seinen Antrag vom Amte eines Lokalschulinspektors entbunden und Pfarrer Henß daselbst zum Lokalschulinspektor in Windecken bestellt worden.

Hanau am 8. Januar 1889.

Der Königliche Landrath

V. 7936________________Gf. Bismarck._______________________

Tagesschau.

P. Aus dem Reichstage. Berlin, 10. Januar. Der Reichstag trat heute mit sehr großer Majorität und ohne jede Debatte dem Anträge der Geschäftsordnungskommission bei, das Mandat des Abg. von Wedell-Piesdorf durch dessen Ernennung zum Minister des Königlichen Hauses nicht erloschen zu erklären. Eine sehr lange Debatte veranlaßte der Bericht der Wahlprüfungskommission über die Wahl des Abg. Götz (nat.-lib. 13. Sachsen). Die Wahlprüfungskommission beantragte die Gültigkeit der Wahl. Diesen Antrag bekämpfen mit Rücksicht aus die in dem angezogenen Wahlproteste angeführten Unregelmäßigkeiten und Gesetz­widrigkeiten die Abgg. Singer (Sozialdemokrat) und Rickert (dfr.). Die sächsischen Bundesbevollmächtigten Graf von Hohenthal und Oberstlieutenant von Schlieben wiesen die von den Vorrednern aufgestellte Behauptung ent­schieden zurück, daß die sächsische Regierung bei der Wahl 1887 den Mi­litärvereinen eine Uebertretung des Gesetzes zugelassen habe. Abg. Zeitz (nat.-lib.) wies die Angriffe auf das Militärvereinswesen überhaupt und speziell gegen den sächsischen Militärverein als vollständig unbegründet zurück. Die sozialdemokratischen und antimonarchistischen Elemente dürften als Mit­glieder in die Kriegervereine nicht ausgenommen werden; das widerspreche der Bestimmung: Treue gegen Kaiser und Reich! Er beantragte die Gültig­keit der Wahl des Abg. Götz auszusprechen. Der Referent Abg. Veiel rechtfertigte die Kommissionsbeschlüsse. Abg. Träger (dfr.) hätte nichts gegen die Kriegervereine an sich; dieselben dürften aber keine politische Agitation betreiben. Die Parole für Kaiser und Reich gehöre nicht in den Wahl­kampf, soweit diese Parole als Unterscheidungsmittel nicht blos gegen die Sozialdeinokratie, sondern auch gegen andere Parteien zur Anwendung ge­kommen sei. Staatssekretär des Innern, Staatsminister von Boetticher sprach sein Befremden darüber aus, daß Abg. Träger an dem Erlaß des sächsischen Ministers des Innern vom 17. Febr. 1887 Anstoß genommen; die sächsische Regierung habe lediglich ihre Schuldigkeit gethan, indem sie das unbegründete Gerücht, daß es sich bei dem Septennat um die Ver­längerung der Dienstzeit der Soldaten um 7 Jahre handele, amtlich als unwahr bezeichnete. Abg. Frhr. v. Friesen (deutschkons.) sprach im Sinne der Kommissionsbeschlüsse. Abg. Frhr. v. Huene (Centr.) stellt den Antrag, die Wahl noch einmal in die Kommission zurückzuverweisen, da sich heute ein Beschluß noch nicht fassen lasse. Schließlich wurde indeß mit Majorität die Gültigkeit der Wahl beschlossen. Morgen: Wahlprüfungen re.

Berlin, 10. Jan. Se. Maj. der Kaiser, welcher gestern Mittag den dentschen Botschafter in London Graf Hatzfeld noch einmal mit einer Einladung zur Tafel ausgezeichnet hatte, hat heute in besonderer Audienz den katholischen Feldprobst der Armee Bischof Dr. Aßmann empfangen.

Berlin, 10. Januar. Fürst Bismarck ist, nach denFr. N." heute Abend 9 9 s Uhr hier eingetroffen.

Berlin, 10. Jan. Der Gesundheitszustand auf den deutschen Schiffen, welche die Blockade der Zanzibarküste ausführen, ist nach den neuesten hier eingetroffenen Berichten durchaus nicht so schlimm wie es die kolonialfeindlichen Zeitungen darstellen. Ein Theil der Mannschaften ist allerdings am Fieber erkrankt, dasselbe ist aber durchweg leichter Natur und rasch wieder zu heben; auch nicht ein einziger der Matrosen ist dem Fieber erlegen. Die schwere Erkrankung des auf der Rückreise in die Heimath in Aden verstorbenen Korvettenkapitäns Donner ist darauf zurückzusühren, daß der tapfere Offizier bei einem Landungsmannöver bis nahe zum Halse ins Wasser gesprungen und dann nach der Landung noch lange Zeit in seinen nassen Kleidern geblieben ist.

Berlin, 10. Jan. S. M. Kreuzer-KorvetteOlga", Komman­dant Korvetten-Kapitän Freiherr v. Erhardt, ist am 14. Dezember v. I. in Apia eingetroffen. S. M. KanonenbootWolf", Kommandant i Kapitän - Lieutenant Credner, ist am 7. Januar er. in Hongkong ange- Tommen.

Im Befinden des commandirenden Admirals Grafen v. Monts ist eine leichte, wenn auch nicht wesentliche Besserung eingetreten. Nach dem Hofbericht wird er zur Zeit durch den Contre-Admiral Paschen, den Vorstand des Hydrographischen Amtes der Admiralität, vertreten. Derselbe ist heute in dieser Eigenschaft vom Kaiser empfangen worden.

Für das Fortbildungs- und gewerbliche Schulwesen wird im preußischen Etat demF. I." zufolge ein sehr erheblicher Mehrbetrag für 1889/90 eingestellt sein.

Kiel, 9. Jan. Der KanffahrteidampferSchwan" ist von der Admiralität gechartert, um Materialien und einige Mannschaften zum Er­satz nach Zanzibar hinüberzubringen. Das Schiff wird in Wilhelmshafen befrachtet und geht von dort in etwa 10 Tagen dem Bestimmungsorte zu.

München, 10. Jan. (K. Z.) Das Stadtverordneten-Kolleg ge- nehmigte mit 31 liberalen und konservativen gegen 29 klerikale Stimmen den vom Magistrat abgelehnten Zuschuß von 10 000 Mk. für den Bau einer ältkatholischen Kirche und hierauf mit 52 gegen 8 Stimmen die übri­gen Kirchenbauzuschüsse. Der erstere Beschluß bedarf nun noch der Zu­stimmung des Magistrats.

Aus Bayreuth wird demFr. Kur." unterm 9. ds. Mts. gemeldet: Es ist nunmehr der endgültige Beschluß gefaßt worden, 1889 keine Festspiele abzuhalten.

Stuttgart, 10. Jan. Bei den gestrigen Landtagswahlen gewann die Regierung 6 Sitze: Stuttgart (Stadt), Backnang, Maulbronn, Neckar­sulm, Riedlingen und Sulz, und verlor einen Sitz in Neuenbürg. Vier- Stichwahlen sind erforderlich: in Eßlingen, Besigheim, Hall und Heilbronn (Amt). In Tübingen unterlag Payer (Demokrat), dagegen wurden Hauß­mann (Demokrat) und Gröber (Centrum) gewählt. Die Staatsminister v. Mittnacht und v. Schmid siegten mit großer Majorität.

Wien, 10. Jan. DerPolit. Corr." wird aus Berlin gemeldet: Die Voruntersuchung gegen Geffcken ergab, daß unter den Persönlichkeiten, welche Geffcken brieflich zur Veröffentlichung des Tagebuchs aufstachelten, um gegen den Reichskanzler einen Schlag zu führen, sich auch Morier be­fand. Die von verschiedensten Seiten gegen den Kanzler gesponnenen In­triguen würden demnächst systematisch zum Gegenstand politischer Erörte­rung gemacht werden.

Die am 5. jedes Monats von Bordeaux und am 8. von Lissa­bon nach dem La Plata abgehenden französischen Schiffe werden bis auf Weiteres auf der Ausreise nicht mehr in Rio de Janeiro anlegen und können mithin nicht mehr zur Beförderung von Briefsendungen nach Bra­silien benutzt werden.

Paris, 10. Januar. Der Marineminister theilte im heutigen Ministerrathe ein Telegramm des Gouverneurs von Obok mit, worin gemeldet wird, daß der Gouverneur mit dem Kommandanten des französischen SchiffesMeteore", übereingekommen sei, Maßregeln zur Unterdrückung des Sklavenhandels zu treffen. (Fr. N.)

Wie dieAutoritè", das Blatt Cassagnac's, versichert, war Boulanger gestern in der Absicht, seine Entlassung als Abgeordneter des Nord zu nehmen, nach dem Palais Bourbon gekommen, aber er mußte deren Ausführung bis nach der vollständigen Wahl des Vorstandes, bis morgen vertagen.Diese Demission", fügt dieAutoritä" hinzu,ist ein neuer Fcdehandschuh, den der General Boulanger der parlamentarischen Majorität in's Gesicht wirft. Dadurch zeigt er, daß er seiner Wahl in Paris ganz sicher ist und nicht erst das Resultat der Abstimmung abwarten will, ehe er seinen Sitz für das Nord-Departement niederlegt."

London, 10. Jan. Eine Meldung des Reuter'schen Bureaus" aus Bombay besagt: Ein Seapoy von der Herater Infanterie schoß auf den Emir Abdurrahman während der Truppenparade in Mazari Sharif. Der Emir blieb unverletzt, der Seapoy wurde sofort niedergehaucn.

New-Uork, 10. Januar. In Pennsylvanien wüthete gestern ein furchtbarer Zyklon, der beträchtlichen Schaden anrichtete. Aus Keading ,ftnb 50 Todesfälle gemeldet. In Pittsburg wurde ein im Bau begriffenes Gebäude niedergerissen ; die Trünimer fielen auf die nahestehenden Häuser, welche dadurch theilweise zerstört wurden. Bisher sollen 28 Personen, von denen 4 todt und mehrere schwer verletzt sind, aus den Trümmern heraus­geschafft sein. (Fr. N.)

Bremen, 9. Januar. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Weser" ist gestern in Montevideo eingetroffen.