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Beilage zu Nr, 3 des Hanauer Anzeiger.

Deutschland im Jahre 1888.

In einem Artikel derMecklenbu rgischen Nachrichten": Deutschland im Jahre 1888" heißt es:

Was die gesetzgebenden Körperschaften in der Herbstsession berathen haben, ist erst vor so kurzer Zeit der Gegenstand eines Rückblicks an dieser Stelle gewesen, daß Wiederholung nicht geboten scheint. Dagegen gilt es, einen besonderen Rückblick auf unsere koloniale Entwicklung zu werfen.

Am 15. März vollzog der Kaiser eine Kolonialnovelle, welche das Gesetz vom 17. April 1886 über die Aechtsverhältnisse in den deutschen Schutzgebieten wesentlich abänderte, indem sie das Kaiserliche Verordnungs­recht bedeutend erweiterte und die Regelung einer Reihe Fragen (Naturali­sation von Ausländern, Führung der Reichsflagge durch Eingeborene, die Aufsicht über die Kolonialgesellschaften mit Korporationsrechten rc.) der Be- fugniß des Reichskanzlers unterstellte. Gleichzeitig mit der Novelle erschien in dem Reichs-Gesetzblatt eine Bekanntmachung des Reichskanzlers, durch welche, gemäß Artikel 111 des neuen Gesetzes, nunmehr der ganze Text der die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete bestimmenden Normen im Zusammenhang veröffentlicht wurde. Diese Bestimmungen waren vereinzelt in den Gesetzen vom 17. April 1886, 6. Juli 1887 und 15. März 1888 enthalten. Unter dem 2. Juli folgte eine Verordnung für Kamerun und Togo, welche die Rechtsverhältnisse dieser. Schutzgebiete regelte.

Was die materielle Entwickelung der Kolonien betrifft, so war neben Erfreulichem auch von manchem Widrigen zu berichten, und es sind Rück­schläge eingetreten, wie sie erwartet werden mußten und noch bei keiner Kolonialpolitik eines Landes im Beginn derselben ausgeblieben sind. Am ruhigsten und günstigsten scheinen sich die Dinge in Kamerun und Togo zu gestalten. Der Handel befestigt sich und die wissenschaftliche Erforschung der Hinterländer ist hier im Auftrage des Reichs mit Eiser und Erfolg betrieben worden. Auch die Neu-Guinea-Kompagnie ist zwar von äußeren Stürmen verschont geblieben, allein die Unterhaltung von drei Dampfern zum Verkehr zwischen Cooktown und den Neu-Guinea-Häfen legt ihr große Lasten aus, so lange die Thätigkeit der Gesellschaft noch aus die Küsten beschränkt bleibt, wo es einstweilen an lohnenden Ausfuhrartikeln fehlt.

Im Hererolande sind im Herbst des Jahres Schwierigkeiten ent­standen, über welche genaue Nachrichten noch fehlen. Die Hereros sind im Ganzen friedliche Leute; der mißlungene Versuch, eine Schutztruppe zu bilden, hat aber wahrscheinlich den König ermuntert, eine unsichere Haltung anzunehmen.

Viel schlimmer stehen die Dinge in Ost-Afrika. Im April war der Vertrag zwischen dem Sultan von Zanzibar und der Ostafrikanischen Ge­sellschaft zu Stande gekommen, nach welchem Letztere den vor der deutschen Zone gelegenen Küstenstrich unter der Hoheit des Ersteren mit allen Ver­waltungs-, Zoll- und Polizeirechten abpachtete. Bei der Uebernahme der Verwaltung im September brachen Unruhen aus und das ganze Küstenge­biet wurde nach und nach in Aufruhr versetzt. Das Vorgehen der Gesell­schaft war nicht ohne Fehler, sie hatte keine ausreichenden Mittel und glaubte, mit möglichst großer Energie ihrer Beamten durchdringen zu können. Der Aufstand wurde jedoch namentlich im Süden aus dem Innern genährt und charakterisirte sich immer mehr nicht nur als eine Auflehnung gegen die Herrschaft des Sultans, sondern als eine ausgedehnte Machtent­faltung des arabischen Elements an der Küste und der Sklavenhändler im Innern gegen das Eindringen europäischer Kultur. Trotz der tapferen Haltung der Gesellschaftsbeamten und des Eingreifens dreier deutscher Kriegsschiffe mußte die Mehrzahl der Hafenplätze in den Händen der Auf­ständischen gelassen werden. Die deutsche Regierung veröffentlicht in einem Weißbuche die Berichte unseres General-Konsuls in Zanzibar und die mit England und anderen Mächten gepflogenen diplomatischen Verhandlungen, welche zur Eröffnung der Küstenblockade gegen den Sklavenhandel geführt haben. Wie das Reich auf der Küste eingreifen soll, darüber wird erst das neue Jahr entscheiden.

Tagesschau.

DieK. Z." schreibt: Die Friedensaussichten zur Jahreswende werden allseitig bestätigt. Mehrforderungen für Militärzwecke des Reiches sind mindestens vertagt. Die sranzösischen Krisen werden zwar aufmerksam verfolgt, lassen aber Frankreich noch mehr vereinzelt erscheinen und können daher vorerst keinen sehr bedrohlichen Eindruck machen. Auch im Orient nehmen noch immer die Dinge den vorhergesehenen regelmäßigen Verlauf. Aus Wien datirte Telegramme französischer Blätter wissen zwar schon wieder einmal von einem diplomatischen Siege Rußlands in Konstantinopel zu erzählen, das den Sultan zu sich herübergezogen habe. Ein Ministerwechsel in diesem Sinne solle bevorstehen. Und das alles habe der Erfolg der russischen An­

leihe in Frankreich bewirkt, der in den türkischen Negierungskreisen ein außerordentliches Aussehen gemacht hätte. So sieht man nämlich die Sache in dem bekannten Pariser Preßbureau an, woher derartige Darstellungen stammen. In Wahrheit wird sich die Pforte gewiß wie bisher gegen Niemanden verpflichten. Die ungünstigen Nachrichten aus Kreta sind nicht neu. Griechische Beschwerden von jener Seite mögen eine gewisse Berech­tigung haben, kehren zeitweilig wieder, werden aber bedenkliche Aufstände schwerlich veranlassen. Die Griechen auf der Insel wissen durch Erfahrung, was ihnen Unruhen einbringen, und sehen sich damit vor. Die östlichen Wetterzeichen deuten also für jetzt nirgend auf Sturm, was der Festfeier in diesen Tagen ebenfalls zu statten kam. Auch im Innern werden keine sehr lebhaften Kämpfe erwartet. Die Vermuthungen über die Regierungs­vorlage wegen der Landblockade in Ostafrika haben sich ziemlich erschöpft und von einer ganzen Reihe verfrühter Gerüchte ist es still geworden. Be­rathungen mit den Führern der verschiedenen Parteien sonnten um so weniger schon stattgefunden haben, als die Persönlichkeiten, die sie unter­nehmen oder die dazu mitwirken sollten, gar nicht einmal in Berlin ge­wesen sind. Die Aufregung über das Unternehmen des Emin Pascha in gegnerischen Organen ist aber schon deswegen unbegreiflich, weil es bekannt­lich zu dem einen oder anderen Zweck für sich selber sorgt, eine Reichshülfe keineswegs in Anspruch nimmt, das Reich dem Unternehmen, wie Jeder- mann weiß, vielmehr fern steht. Die Bekämpfung des bezüglichen Vor­gehens ist daher sozusagen noch doctinärer als die anderweitige der Kolonial­pläne im allgemeinen. Bei diesen kann man die Gegnerschaft wenigstens äußerlich durch die Besorgniß wegen der Kosten erklären, so übertrieben das in Wirklichkeit ist, während man bei der künstlichen Erregtheit über die Pläne zu Gunsten Emin Paschas zu sehr verräth und kennzeichnet, welche Bewandtniß es mit diesen haltlosen Ausfällen hat.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Flntzverunreinigitng und ärztliche Schulaufsicht. Vom 24.26. Oktober hatte die wissenschaftliche Deputation für das Medizinal­wesen unter Zuziehung von 12 Vertretern der Aerztekammern über Fluß- verunreinigung die Schularztfrage verhandelt und Beschlüsse gefaßt. In ersterer Beziehung stellte die Deputation eine Reihe von motivirten Grund­sätzen auf, welche von den Verwaltungsbehörden bei den Anordnungen zur Verhütung einer gemeinschädlichen Verunreinigung der öffentlichen Wasser­läufe (nicht bloß im Sinne des Allg. Landrechts, welches darunter die im Eigenthum des Fiscus stehenden Flüsse versteht, sondern in dem Umfange aller fließenden Gewässer, welche von Menschen benutzt werden können) zu beachten sein sollen. In Bezug auf den zweiten Punkt beschloß die Depu­tation, daß zur Sicherung einer ausreichenden Beachtung der seitens der Schulhygiene zu stellenden Forderungen es nothwendig ist, ärztliche Sach­verständige in größeren: Maße als bisher an der Ausführung der Schul­aufsicht zu betheiligen, und stellte für die ärztliche Schulaufsicht besondere Bestimmungen auf.

Der über diese Verhandlungen aufgesetzte Bericht der Deputation ist jetzt auf Verfügung des Kultusministers den oberen Verwaltungsinstanzen zur Kenntnißnahme mitgetheilt worden.

Verloosungen.

Sachsen-Meininger 7 fl.-Loose von 1870. Ziehung vom 2. Jan. Gewinnziehung 1. Februar. Gezogene Reihen: 113 126 303 482 488 553 570 684 762 858 873 967 1059 1075 1333 1685 1704 1807 1883 2068 2106 2148 2179 2198 2297 2319 2378 2447 2455

2482 2617 2621 2832 2995 3063 3242 3275 3306 3430 3634

3664 3675 3721 3781 3890 3997 4041 4081 4141 4149 4164

4280 4423 4456 4610 4630 4822 4865 5005 5057 5087 5175

5184 5226 5247 5308 5622 5644 5748 5901 6164 6233 6366

6370 6683 6692 6801 6951 6963 7005 7081 7172 7217 7236

7302 7646 7730 7740 7854 7959 8070 8212 8250 8319 8408

8418 8503 8635 8881 8927 9059 9161 9438 9494 9660.

Oesterr. 250 fl.-Loose von 1854. Ziehung vom 2. Januar. Ge­winnziehung am 1. April. Gezogene Reihen: 164 177 211 369 522 523 610 682 704 748 828 845 930 1105 1158 1517 1765 1832 1900 1903 1969 2029 2118 2279 2314 2511 2522 2564 2662 2680 3001 3041 3100 3126 3168 3179 3282 3299 3306 3392

3435 3470 3478 3529 3548 3570 3599 3659 3718 3924.

Stuhlweißenburg-Raab-Grazer Prämien - Antheilscheine. Ziehung am 1. Januar 1889. Gezogene Serien: Nr. 570 880 1369 2017 2507 2835 2975 3646 4287 4554 4830 4839 5319 5427 5860 6256 8741 8991 9508 9676. Die Prämienziehung findet am 1. April statt.

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