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Nr. 2^7.

Mittwoch den 19. Dezember

1888

BelaRKiWSchuNgen KörrigU SMdrathLamts. Erläuterungen zu fünf Entwürfen für einfache ländliche Schulgebäude.

(Fortsetzung.)

Anordnung der Fenster des Schulzimmers. Für die ausgiebige Beleuchtung d es Schulzimmers, welche von ebenso großer Bedeutung ist, wie die genügende Größe, gilt als Regel, dap. die lichtgebende Fensterfläche mindestens Vs der Bodenfläche des Raumes messen soll Natürlich kommt es außerdem noch aus eine zweckmäßige Anordnung der Fenster und ihre Vertheilung im Raume an. Damit das Licht in möglichst günstigem (d. h steilem) Winkel auch nach den entfernteren Plätzen einfallen sann, müssen die Fenster so doch als irgend möglich angelegt werden, so laß ihr Sturz dicht an die Zimmerdecke reicht, was bei passender Konstruktion der Letzteren sehr wohl angebt. Die Brüstungshöhe ist dagegen zweckmäßig eiwas größer, als in Wohnräumen meist üblich, etwa auf 1 Meter, anzu nehmen, da das unter Augenhöhe einfallende Licht blendend wirkt. Es wird deshalb auch nicht selten empfohlen, die unterste Fensterscheibe etwa durch Anstreichen mit Oelfarbè abzublenden Hierdurch soll zu­gleich den Schülern die Möglichkeit benommen werden, ihre Aufmerksam­keit vom Unterricht ab und nach Außen zu richten. Als bekannt darf angenommen werden, daß den Schülern das Licht nur von links, nie von rechts, oder gar von vorne zufallen darf. Rückenlicht wäre zwar in diesem Sinne nicht nachtheilig, doch empfiehlt es sich, Fenster in der Rückwand zu vermeiden, weil ihr Licht dem Lehrer lästig wirv, der vorzugsweise in der Richtung nach dieser Wand hin schauen muß, um seine Klasse zu überblicken. Die demgemäß nur auf der linksseitigen Langwand anzuordnenden Fenster werden am Besten in gleichen nicht zu großen Abständen vertheilt, damit der Raum in allen Theilen möglichst gleichmäßig beleuchtet ist. Tiefk lassen find einer guten Beleuchtung nur bei mehr als gewöhnlicher Lichthöhe unv verhältmßwäßig größerer Fensterfläche fähig. Ihre Anordnung empfiehlt sich daher im Allgemeinen für Dorfschulen nicht Da das wirksamste Licht aus den oberen Theilen des Fensters kommt, so ist es wichtig, den Sturz desselben gradlinig oder nur flachgebogen zu gestalten, da­gegen Rundvogen und andere, der Lichtgabe ungünstige, Abschlußformen bei Schulfenstern zu vermeiden.

Anlage der Thür. Die Thür des Schulzimmers liegt am Zweckmäßigsten so, daß der Eintretende im Gesicht und nicht im Rücken der auf ihren Sitzen befindlichen Schüler erscheint, weil nur so vermieden wird, daß die Kinder, sich nach demselben umwendend, die Ruhe und Ordnung in der Klaffe stören. Auch ist es für den Lehrer oder den Schulaufsichtsbeamten werlhvoll, gleich beim Eintreten die Klasse überblicken zu können. Daß die Thür des Klassenzimmers ebenso wie alle sonstigen dem Schulverkehr dienenden Thüren nach Außen aufschlagen müssen, geht schon aus den bekannten Vorschriften über Vermeidung von Feuersgefahr (vom Jahre 1884) hervor, «eiche überhaupt bei Schulbauten durchweg Anwendung finden sollen. _

Heizung und Lüftung. Der Ofen erhält am Zweckmäßigsten seine Stelle in der Mitte der den Fenstern gegenüberliegenden- Langwand. Für die östlichen Landestheile ist der hier allgemein übliche Kachelofen mit unterbrochener Feuerung im Gegensatz zu dem im Westen herkömmlichen, meistens eisernen Ofen mit dauernder Feuerung, (Windöfen, Füllöfen rc.) wohl die nächstliegende Anordnung. Doch bedarf das Schulzimmer bei diesem, den Luftwechsel so gut wie gar »icht befördernden, Heizkörper noch besonderer, wenn auch sehr einfacher Vorkehrungen, welche eine stetige Erneuerung der Zimmerluft, namentlich in der kalten Jahreszeit, bewirken, wenn die einfachste Art der LufterneuerunZ, das Oeffnen eines Fensters oder einer Fensterklappe rc., wenigstens während des Unterrichts, ausgeschlossen ist. Am Einfachsten und doch hinreichend wirksam ist die Anordnung eines Lüfrungs- tohrs, welches nahe neben dem Scho rüst ein rohr rm Mauerwerk ausgespart und von diesem angewärmt, die verbrauchte Lust über Dach feitet. Ein auf die Rohrmündung aufgesetzter Saug köpf wird dre Wirkung des Rohrs verstärken, ebenso die Einlage einer Ersenpla.te in die

Mauergänge zwilchen Schornstein- und Abluft-Rohr. Verschließbare Oeffnungen nächst dem Fußboden und der Decke geben Ge­legenheit, je nach Bedarf die Abluft unten oder oben abzusaugen. In der Regel wird während der Heizperiode der untere Schie­ber geöffnet sein, währ nd der obere wesentlich den Zweck hat, bei zu hoch gesteigerter Temperatur die wärmsten Luftschichten, welche sich an der Decke sammeln, unmittelbar entweichen zu lassen. Um die als Ersatz für die Abluft von Außen kommende frische Luft nicht ganz so kalt, wie sie im Freien ist, eintreten zu laffen, hat man auch eine einfache Vorwärmung derselben angeordnet, indem man durch den Ofen ein oben offenes Rohr führt, dessen unteres Ende mit der freien Lust in Verbindung steht. Die im Rohr befindliche Lust steigt, durch den Dien angewärmt, aufwärts und tritt durch die obere Rohrmündung ins Zimmer aus, die Außenluft vom Freien her nachsaugend. Es ist jeeoch dringend zu empfehlen, den Theil dieser Rohrleitung, welcher die Luft von Außen dem Vorwärmerohr im Ofen zuführt, so kurz wie möglich, und zugleich so zu gestalten, daß es stets ohne besondere Schwierigkeit von dem in demselben sich nievewchlagenden Siaub befreit und überhaupt rein gehalten werden kann, damit nur unverdorbene Luft dem Zimmer zugeführt wird. Auch das im Ofen liegende Wärme­rohr muß sich leicht reinigen lassen. Wie diese Anordnung in jedem Einzelfall zu treffen ist, muß nach örtlichen Verhältniffen bestimmt werden.

Anordnung der Decke. Die Decke des Schulzimmers wird am Zweckmäßigsten so angeordnet, daß nicht die Balken, sondern Unterzüge auf der Fenster- und der Orenwand lagern, wäh­rend dre Balken mit diesen Wänden gleichlaufend gestreckt sind. Hierdurch wird erreicht, daß die Fenstersturze fast unmittelbar an die Balkenlage reichen können, und so dem Zimmer den möglichst günstigen Lichteinsall sichern. Da die Unterzüge natürlich auf die Zwischenpfeiler der Fensterwand treffen, so können sie so angeordnet werden, daß ihre Oberkanre annähernd mit dem Fenstersturz in gleicher Höhe liegt. Die Zweckmäßigkeit einer solchen Anordnung im Interesse der Beleuchtung ist schon oben erörtert worden.

Umfassungswände. Als empfehlenswerth ist zu bezeichnen, daß in Schulzimmern alle vorspringenden Mauerecken soviel als möglich vermieden werden, um jede Gelegenheit zum Ab­stoßen des Putzes thunlichst zu vermeiden. Daher ist es zweckmäßig, die Fensterbrüstung en nicht, wie sonst üblich, einzunischen, sondern mit der Innenwand bündig auszusühren.

(Fortsetzung folgt.)

Das Ausschreiben vom 7 d. Mts., A. 1621, gegen die Wittwe Senzel in Langendiebach ist erloschen.

Hanau am 15. Dezember 1888.

Der Königliche Landrath

A. 1712 Gf. Bismarck.

Da der bevorstehende erste Weihnachtsfeiertag und der Neujahrstag auf Dienstag fallen, wird der Neustädter Wochenmarkt auf Montag den 24. und Montag den 31. d. M verlegt.

Hanau am 14. Dezember 1888.

Der Königliche Landrath

P. 8683 Gf. Bismarck.

Es wird in nächster Zeit eine weitere Anzahl an gebundenen Exemplaren des Statuts für die Hessen Nassauische landwirthschaftliche Berufsgenoffenschaft vom 5. Dezember 1887, sowie des Reichsgesetzes vom 5. Mai 1886 und des Preußischen Aussührungsgesetzes vom 20. Mai 1887 zur Ausgabe gelangen. Bei der früheren und augenblicklich ver­griffenen Ausgabe stellte sich der Preis des Exemplars auf 40 Pfennige und es ist anzunehmen, daß die neue Auflage nicht theurer werden wird. Bestellungen auf dieses für jeden Landmann wichtige Buch können inner­halb 14 Tagen hier im Büreau Zimmer Nr. 5 angebracht werden. Die Herren Bürgermeister wollen für die Verbreitung dieser Bekanntmachung in ihren Gemeinden Sorge tragen.

Hanau am 15. Dezember 1888.

Der Königliche Landrath

A. 1677 Gf. Bismarck.