' eMwwMiti» W«s
-ihrlich e «->L j«ibj.âroPs«.
Si«teli41)tH4
I Siad 14 Pf^ Mr auileärtige Xlennrnten ,it dem betreffe». Ire P-ff-usschla». lirrtaielMeDtum.
na 10 Pig.
Ijtumucr Anzeiger.
Kugkeich Amtliches Krgcm füv SLcröi- und Fcrnökveis ^anau.
SefertfettS- »re»;
Me Ifpelttge «-rm-ndzeile eb. Beten Raum 10 W
Lie 2 [palt. Seite MW
DiebspolttgeZeil« so W
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 290.
Dienstag den 11. Dezember
1888
BekanntWLchungen Kimigl. Laudrathsamts.
Die Wittwe des Johann Heinrich Senzel zu Langendiebach, geb. Alobetanz, hat ihren Wohnort unter Zurücklassung zweier unterstützungsbedürftiger Kinder heimlich verlassen. Es wird um Fahndung nach derselben ersucht.
Hanau am 10. Dezember 1888.
Der Königliche Landrath
A. 1621 Gf. Bismarck.
Dienst-Nachrichten ans dem Kreise.
Gefunden: Ein Schulbuch mit der Inschrift: „Christian Gras- müd". Ein weißes Taschentuch. Ein weißes Häckelzeug.
Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Hund mit weißer Brust, M. Geschl.
Verloren: Ein goldener Zwicker; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein Granat-Armband.
Hanau am 11. Dezember 1888.
t Liebet die Brüder!
„Liebet die Brüder!" Diese Worte stellte der Staatssekretär von Boetticher bei der Einleitung zur Berathung der Alters- und Invalidenversicherung als die Devise auf, von welcher der Reichstag sich bei der Berathung dieses so wichtigen Gesetzes leiten lassen möge. Diese auf dem Standpunkt des wahren Christenthums beruhende Devise ist in der That diejenige, welche sich am besten eignet für die Berathung eines Gesetzes, das vielen Millionen Arbeitern Sicherheit für die Zeit der Gebrechlichkeit und des Alters schaffen soll. Es hat eine Zeit gegeben, wo die Arbeiter, wie die Arbeit selbst, nur als Waare, nur als Maschinen betrachtet wurden und wo demgemäß alle Fürsorge für das persönliche Wohl der Arbeiter verpönt war. Diese Grundanschauung, mit welcher sich gerade diejenigen etwas zugute thaten, die besonders human zu sein glaubte», wenn sie die völlige persönliche Freiheit und Gleichheit aller Menschen, also auch der Arbeiter, auf ihr Panier schrieben, existirt auch heute noch bei den blinden Anhängern des krassen Manchesterthums, welches sich kein Gewissen daraus macht, zu sehen, wie unter jenem Panier das Elend der Arbeiter sich immer mehr steigert und wie die weniger Bevorzugten im Kampfe um's Dasein untergehen. Glücklicherweise ist aber die Zahl der Anhänger jenes „humanen" Prinzips, welches nicht nur den Arbeitern, sondern dem ganzen Staate und der Gesellschaft immer gefährlicher geworden ist, im Schwinden begriffen, Dank der Thatkraft des unvergeßlichen Kaisers, welcher die Fürsorge für die arbeitenden Klassen als „eine der höchsten Aufgaben jedes Gemeinwesens, welches auf den sittlichen Fundamenten des christlichen Volkslebens steht", hingestellt hat. Mit dem Gesetzentwurf über die Alters- und Invalidenversicherung ist seitens der Regierung von Neuem der Ernst der Absicht bekundet worden, für die Hilfsbedürftigen einzutreten und ihnen größere Sicherheit und Ergiebigkeit des Beistandes zu schaffen, auf den sie Anspruch haben. Der Entwurf aus dem Geiste, welchen die Worte „Liebet die Brüder" enthalten, hervorgegangen, und er wird nur vollendet werden können, wenn alle detheiligten Faktoren sich von demselben Geiste leiten lassen.
Am ersten Tage der Berathung des Gesetzentwurfs bethätigte Herr von Boetticher durch seinen einleitenden Vortrag, daß die Alters- und Invalidenversicherung auf diesem schönen edlen Grundsatz beruht. Er 18168 nach, wie schwierig es gewesen sei, den Stoff in die praktischste Form bringen, erklärte aber auch, daß die Bundesregierungen für bessere -Vorschläge durchaus zugänglich seien. Er legte die Schwierigkeiten ander-
Organisationen dar, z. B. der Heranziehung der Berufsgenossen- Men oder der Krankenkassen als Träger der Versicherung und der Zündung einer Reichsversicherungèanstalt, und begründete des Näheren sowohl den Vorschlag der Heranziehung der Kommunalverbände als ^âger der Versicherung, sowie im Anschluß hieran die Errichtung be- er Versicherungsanstalten, ferner die Einführung von Quittungs- die Höhe der Renten, die Abstufung der Beiträge. Alles das lernen anderen Zweck, als dem Gedanken „Liebet die Brüder" prak- Ichè Verwirklichung zu verschaffen.
e , Emen um so unangenehmeren Eindruck muß es machen, wenn der Paldemokrat Grillenberger in seiner Erwiderung Zeugniß davon ablegt,
von welchem Haß er und seine Gesinnungsgenossen gegen ihre Mitmenschen erfüllt sind. Es ist nicht nur Gewohnheit der Sozialdemokraten, sondern auch der Freisinnigen, jeder guten und von den besten Absichten geleiteten Maßregel ein Schlagwort anzuhängen, welches geeignet ist, sie verächtlich zu machen. Wie die freisinnigen Blätter die Höhe der Rente als ein „Butterbrod", als ein „Linsengericht", für welches der Arbeiter seine Freiheit verkaufen solle, bezeichnet haben, so hat Herr Grillenberger für den großartigen Plan der Alters- und Invalidenversicherung kein Wort der Anerkennung übrig, sondern er glaubt sie bei den Seinigen damit dièkreditiren zu können, daß er in ihr „eine andere Regelung der Armenpflege" erblickt. Natürlich steigert er seine Ansprüche in's Ungemessene: Herabsetzung der Altersgrenze von 70 womöglich auf 56 Jahre, Befreiung der Arbeiter von der Verpflichtung, einen Theil der Versicherungsbeiträge aufzubringen, Erhöhung der Rente, Abschaffung des Quittungsbuchs, dessen wegen nach seiner Ansicht die Arbeiter lieber ganz auf das Gesetz verzichten würden, weil ihnen dadurch die individuelle und politische Freiheit genommen werde.
Den Ausführungen Grillenberger's trat der badische Bundesbevoll« mächtigte, Frhr. von Marschall, besonders in dem Punkte entgegen, daß die Alters- und Invalidenversicherung nichts anderes als eine andere Regelung der Armenpflege sein solle. Und in der That ist es nothwendig, diesem tendenziösen Schlagwort die Lebensfähigkeit zu benehmen. Die Armenpflege beruht auf der Gewährung von Almosen, auf der Gewährung von Unterstützungen, deren Erstattung sogar von dem Unterstützten, wenn er wieder Vermögen erwirbt, oder aus seinem Nachlaß gefordert werden kann. Mit dem neuen Gesetz erhalten die Arbeiter aber einen klagbaren Rechtsanspruch aus ganz bestimmte Leistungen unter aller Wahrung der politischen Integrität der bürgerlichen Rechte. Es ist, wie Herr von Marschall mit Recht ausführte, eine Beleidigung des Arbeiter st andes, wenn behauptet wird, daß dem Arbeiter der Unterschied zwischen Almosen und klagbarem Rechtsanspruch gleichgültig sei. Der Entwurf schützt den Arbeiter vor der Armenpflege und vor der untersten Stufe der sozialen Stellung eines Almosenempfängers.
Der Reichstag wird sich durch die geringschätzige Kritik, welche Grillenberger an dem Entwurf versucht hat, wie wir überzeugt find, ge- * wiß nicht von dem Grundsätze „Liebet die Brüder" abdringen lassen. Wenn den Sozialdemokraten mit gleicher Münze, wie sie sie zahlen, begegnet werden sollte, würde freilich schon längst dieser Grundsatz keine Anwendung mehr haben finden können, denn sie selbst sind weit davon entfernt, danach zu handeln.__
Tagesschau
Berlin, 10. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König erledigten gestern von 9 bis 10 Uhr Vormittags Regierungsgeschäfte, wohnten alsdann dem Gottesdienst im Dome bei und empfingen um 11V, Uhr den Oberhof- und Hausmarschall v. Liebenau zum Vortrage. Um 123/4 Uhr hatte der Kommandeur des 1. Garde-Regiments z. F. vie Ehre, Sr. Majestät das Modell eines neuen Infanterie-Offizier -Seitengewehrs vorzulegen. Am Nachmittage verblieben Se. Majestät der Kaiser und König im Arbeitszimmer. Um 591 Uhr begaben Sich Beide Majestäten zum Familiendiener bei Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta und und kehrten gegen 7 Uhr Abends in das Königliche Schloß zurück.
Berlin, 10. Dez. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht das Telegramm des Kaisers Wilhelm an Kaiser Franz anläßlich dessen Regierungs- Jubiläums. Dasselbe lautet: Es ist mir ein aufrichtiges Herzensbediirf- niß, Dir nochmals meine wärmsten und innigsten Glückwünsche auszusprechen. In herzlichster Dankbarkeit gedenke ich der treuen Freundschaft, die Du mir bewiesen hast. Gott erhalte Dich unseren beiden Völkern und dem europäischen Frieden zum Nutzen noch recht lange. Tausend Grüße von der Kaiserin. — Kaiser Franz antwortete: Die erste Zeit nach meiner Rückkehr aus Miramare gehört der Erfüllung der Herzenspflicht, Dir für Deine erneuten Glückwünsche mit gleicher Innigkeit zu danken und Dich zu bitten, meiner treuen Freundschaft ebenso versichert zu sein, wie ich der Deinen unter allen Verhältnissen fest vertrau«, überzeugt, daß unser unerschütterlicher Freundschastèbund den Frieden sichern und dem Reiche Segen bringen werde. Die Kaiserin erwidert die Grüße auf das herzlichste.