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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 28h

Freitag den 30. November

1888

Vienst-Nachrichten aus dem Lreife-

Entlaufen: Am 20. ds. Mts." ein schwarzer langhaariger Hund (Bernhardiner) w. Geschl.

Gefunden: In einem Spezereiladen liegen geblieben: eine neue Mütze. Eine schwarze Broche. Eine Mastpe (auf der Post liegen ge­blieben).

Zugelaufen: Ein junger weiß-gelber Jagdhund m. Geschl.

Hanau am 30. November 1888.

Astsslkreikm âömgl. KiaatsMwatislkafi zu Frankfurt a. K.

B. 20433. J. 3034/87. Das am 23. /5. 1888 gegen den Taglöhner Nikolaus Nauheimer aus Winkel erlassene Ausschreiben wird erneuert.

Frankfurt a/M. den 27, November 1888.

12633 D. M. 333/88. Ueber den Aufenthalt des Musikers Johann Bonaventura aus Pelegrino wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M. den 28. November 1888.______________________

t Die Thronrede im In- nnd Anslande.

Kaiser Wilhelms Thronrede hat überall im In- und Auslande einen hochbefriedigenden und beruhigenden Eindruck hervorgerufen. Eine Ausnahme davon macht im Inland« natürlich die Berliner Fortschritts- presse, zum Theil im Gegensatz zur Fortschrittspresse der Provinz. Geht doch dieVosstsche Zeitung" soweit, daß sie dem Inhalt der Thronrede nichts anhaben kann, denStyl" des Aktenstückes zu bemängeln, die mehrfache Anwendung der Bezeichnungchristlich" für die Auffassung unserer Staatsaufgaben und Staatspflichten sowie die wiederholte An­rufung Gottes zu tadeln. Die BerlinerVolkszeitung", welche neuer­dings den Brustton demokratischer Ueberzeugung mit einer in hohem Grade herausfordernden und agitatorischen Sprache vertauscht hat, theilt das Bestreben ihrer Kollegin, die Bedeutung der Thronrede herabzusetzen, und fordert die freisinnigen und sozialdemokratischen Abgeordneten zu einem gemeinschaftlichen Handeln auf, zueinem rücksichtslosen, aber auch völlig rücksichtslosen Kriege"; dann werde diese Reichstagssessioutrotz alledem nicht ohne erheblichen Nutzen für die Interessen des Volkes verlaufen, deren thatsächliche Förderung von dem Kartell-Reichstage natürlich nicht zu erwarten ist." Eine befriedigende Finanzlage, die innere Festigung Deutschlands, die äußere Sicherung seines Friedens, Genossenschaftswesen, Krankenversicherung, Alters- und Invalidenversicherung alle solche Kleinigkeiten rechnet dieVolkszeitung" selbstredend nicht zu denVolks­interessen", dagegen scheint es ihr von Wichtigkeit, daßder letzte Rest von Volksrechten, welcher noch vorhanden ist, nicht zu sehr verwüstet werde." Zu diesem Behufe sollen die verbündeten Fortschrittler und Sozialdemokraten ihre geringe Zahl durch um so größere Rücksichtslosig­keit des Auftretens ersetzen. Fortschrittliche Provinzblätter, z. B. in Königsberg, sind der Ansicht,die Friedensversicherung der Thronrede werde überall im Vaterlande mit hoher Genugthuung ausgenommen wer­den", und während dieVosstsche Zeitung" in dem Aktenstück die Leistung einer in der Entwerfung solcher Kundgebungen noch ungeschickten Feder erblickt, rühmt dieKönigsberger Hartung'sche Zeitung" diegeschickte diplomatische Form" desselben.

Im Auslande findet diefreisinnige" Berliner ^Presse für ihre Kritik nur Verbündete in jenen deutschfeindlichen französischen und rus- stschen Zeitungen, deren Aufgabe es natürlich ist, der Beruhigung, welche die Thronrede zu verbreiten bestimmt ist, Möglichst eutgegenzuarbiiten. Im Gegensatz dazu ist die gesammte übrige europäische Presse in Oester­reich-Ungarn, Italien, England, der Schweiz u. s. w. über die bündigen Versicherungen, welche diese offizielle Darlegung der deutschen Politik ent­hält, hoch befriedigt, mehrfach wird, namentlich in Wiener Blättern, als bedeutsam hervorgehoben, daß der gewaltige Waffenapparat des deutschen Reiches gar keine Erwähnung gesunden hat, und allerdings ist diese Thatsache nicht ohne Bedeutung gegenüber dem Umstande, daß für die französische Kammer eine Vorlage von einer halben Milliarde zu Zwecken der Neubewaffnung bevorsteht und eine mindestens ebenso große, wenn nicht höhere Summe, in den letzten beiden Jahren für Armeezwecke extra- ordinär verausgabt worden ist. Tas Ordinarium des französischen Mi- ulärbudgets für 1889: 550 Millionen Francs - 480 Millionen Mark

ist in l1/» Kammersttzungen glatt erledigt worden; der deutsche Militär- Etat (einschließlich Bayern) beläuft sich auf 367 Millionen.

Die beifällige Aufnahme der Thronrede in dem friedlich gesinnten Auslande ist zugleich ein neues und werthvolles Zeugniß des Vertrauens, welches die Mitbewohner unseres Welttheils Deutschland und der deutschen Politik ausstellen. Wiederholt die Thronrede in womöglich noch bestimm­teren Worten die Friedenszuversicht der gleichen Kundgebung vom 25. Juni d. I., so ist der Eindruck diesmal ein um so bedeutenderer, nachdem die Völker unsern Kaiser an der Arbeit, Oesterreicher und Italiener, Russen, Dänen und Schweden ihn sogar in ihrer Mitte gesehen haben. Die so geartete Politik Deutschlands macht es unsern Bundesgenossen und Freunden leicht, dem Reiche jenes so werthvolle Vertrauen zu be­wahren, welches eine der stärksten Stützen unserer Friedensbestrebungen ist, deren ungestörte Erfüllung wiederum zu den wesentlichsten Voraus­setzungen der Vollendung unserer Sozialgesetzgebung gehört. Die Berliner Fortschritts Presse hat anscheinend in der Befürchtung, daß die allgemeine Harmonie eine zu volltönige werden könnte, sich nicht entgehen lassen wollen, Mißklänge in dieselbe hineinzubringen. Diese Mißtöne machen zum Glück im Inlands keinen Eindruck, weil unser Volk des unfrucht­baren Haders müde ist und seinen Aufschwung nicht länger durch klein­liche Fraktionspolitik gehemmt sehen will; aber auch im Auslands nicht, weil dort alle ernsthaft denkenden Politiker die Verdienste besser zu würdigen wissen, welche Deutschland sich um den Weltfrieden erworben hat, und daher am besten in der Lage sind, das Geschrei der Fortschritts- männerFort mit Bismarck" nach seinem wahren Werthe zu ermessen.

NR. Unsere sozialdemokratischen Agitatoren haben es bekanntlich nothwendig, um ihr Gefolge unter ihren Fahnen zu halten, unsere politischen und sozialen Verhältnisse nicht blos grau in grau sondern schwarz in schwarz zu malen. Wenn man ihren Aeußerungen Glauben schenken wollte, so müßte die deutsche auswärtige Politik stets auf der Konfliktssuche mit anderen Staaten sich befinden, es müßten unsere wirthschaftlichen Zustände infolge unserer wirthschaftspolitischen Gesetzgebung sich in der traurigsten Lage befinden und unsere sozialen Verhältnisse so verrottet sein, daß der Arbeiter von den mehrbesitzenden Klassen in einem dem Verhungern nahen Zustande erhalten werde. Diese und andere Phantasiegebilde lieben die sozialdemokratischen Führer ihren Hörern und Lesern stets auszumalen, und man kann überzeugt sein, daß der Farbenton der Bilder immer schwärzer ist, je mehr einzelne Theile der Gefolgschaft den Führern den Gehorsam auskündigen oder aufzukün­digen sich anschicken.

Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, kann auf die staatser­haltenden Parteien und auf diejenigen Arbeiter, welche eine soziale Revo­lution, eine vollständige Umkehrung aller unserer Verhältnisse verabscheuen, die Rede, welche am Mittwoch dieser Woche der sozialdemokratische Abge­ordnete Liebknecht im deutschen Reichstage hielt und welche an schwarzen Bildern überreich war, nur einen erfreulichen Eindruck machen. Die sozialdemokratischen Führer, und unter ihnen Herr Liebknecht, müssen zu solchen Reden durch irgend welche Vorgänge gedrängt sein, welche eine Abschwenkung im sozialdemokratischen Lager befürchten lassen. Und wenn man die Abweisung in Betracht zieht, welche unsere sogenannten Arbeiter­führer von der englischen Arbeiterschaft erfuhren, als sie die letztere durch Theilnahme an dem Londoner Arbeiterkongreß in die internationale Re- volmionspartei hinüberzuziehen versuchten, wenn man ferner bedenkt, daß unsere sozialpolitische Gesetzgebung durch die Einbringung der großen Alters- und Jnvaliditätsversicherungsvorlage zu einem bedeutsamen Ab­schluß zu kommen sich anschickt, dann kann man es allerdings begreifen, und wird es mit Freuden begrüßen, daß den Demagogen um den ver­ständigen Theil der ihm jetzt noch folgenden Arbeiter bange wird, daß sie fürchten, dieser Theil werde, wenn er sich entscheiden soll zwischen den Phrasen der Sozialdemokraten und den praktischen materiellen Gaben der Reichsgesetzgebung, den letzteren den Vorzug geben.

Herr Liebknecht leugnete in seiner Reichstagsrede jeden Erfolg der deutschen Sozialpolitik und that die Kranken-, Unfall-, Alters und Jn- validitätèversicherung mit einigen überlegenen Worten seiner Meinung nach gründlich ab. Wenn unsere Sozialpol tik ihn aber veranlaßt, eine solche Rede zu halten, wie er sie hielt, so ist dies ein Erfolg derselben, der gar nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Unsere verständigen Arbeiter