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i Nr. 272.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Dienstag den 20. November
1888
Äienft-Uachnchteu aus dem inift.
Verloren: Eine dunkelblaue Knabenmütze (Matrosenkäppchen).
Gefunden: Ein Köcher. Ein s. g. Bettelarmband mit Münzen
rc. Zwei Knabenmützen. Zwei einzelne Handschuhe.
Hanau am 20. November 1888._____________________________
Anssäreibm Königl. ^taafsanmaK^aft zu Frankfuri a. K. 12173 D. — J. 4454/88. Das am 14. November 1888 gegen den Maschinenführer Wilh. Fay und den Heizer Ferdinand Gottfried Fröse erlassene Ausschreiben ist erledigt.
Frankfurt a/M. den 16, November 1888.
19758 B. — J. 4293/88. Ueber den Aufenthalt des Vorarbeiters Franz Kers eck von Soliakowo wird Auskunft begehrt.
A. 19538. — L. 1/88. Das am 10. April 1888 erlassene Ausschreiben gegen den Tüncher Franz Müller aus M-inz wird zurückgenommen.
Frankfurt a/M. den 17. November 1888. ____________________
Tagesschau
Berlin, 19. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König sind, am Sonntag früh von Breslau wieder hierher zurückgekehrt.
Berlin, 19. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König begaben! Sich heute um 9 Uhr nach dem Stadtschloß in Potsdam und empfingen! daselbst die Deputation der Königlich schwedischen Seeoffiziere. Um 10 Uhr wohnten Allerhöchstdieselben den Vereidigungen der Rekruten in der Garnisonkirche und der Katholischen Kirche bei und hörten um 12 Uhr den Bortrag des Kriegs-Ministers sowie des General-Adjutanten d. Hahnke. Anschließend daran nahmen Se. Majestät den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. v. Lucanus entgegen. Um lVs Uhr begaben Se. Majestät Sich abermals nach dem Stadtschloß und empfingen im Beisein des Staatsministers Grafen Bismarck den schwedischen Gesandten von Lagerheim, welcher Sr. Majestät die Kette des Seraphinen-Ordens überreichte. Um 1*/* Uhr fand ein Diner zu Ehren der schwedischen Offiziere daselbst statt, welchem Se. Majestät beiwohnten.
Berlin, 19. Novbr. Dem zum Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Aachen ernannten Herrn J. Russel Parsons jr. ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.
Potsdam, 19. Novbr. Se. Majestät der Kaiser wohnte, gefolgt von einer zahlreichen Suite, heute Vormittag der Vereidigung der Rekruten des 1. Garde - Regiments z. F. und des Garde-Jäger-Bataillons in der Garnisonkirche sowie in der Katholischen Kirche bei. Se. Majestät ertheilte beide Male persönlich den Befehl zum Einrücken der Fahnen in die Kirche. Das gesammte Offizier. Corps der Garnison wohnte der Feier bei. In der Garnisonkirche hielt der Hofprediger Rogge, in der Katholischen Kirche der Erzpriester Beyer die Rede.
Durch die jüngst erfolgten Beförderungen zum Generalmajor sind sämmtliche Obersten mit Patent vom 14. Juli 1885 zur Beförderung gelangt; es kommen nunmehr die Obersten mit Patent vom 3. Dezember 1885 an die Reihe, da der einzige Oberst mit dem dazwischen liegenden ’ Patent vom 16. September 1885, als welcher in der Rangliste Prinz Wilhelm von Preußen, des jetzigen Kaisers Majestät aufgeführt ist, bereits j am 27. Januar d. I., als an seinem Geburtstage, unter gleichzeitiger Ernennung zum Commandeur des 2. Garde-Jnfanterie-Brigade, zum Generalmajor befördert worden war.
Die Deutsche volkswirthschaftliche Korrespondenz schreibt: Haben wir schon mehrfach Gelegenheit genommen, darauf hinzuweisen, daß ber gegenwärtig noch geführte Kampf für unsere freihändlerischen Gegner nichts Anderes als ein recht eigentlicher Verzweiflungskampf ist, weil sie das Volk nicht zur Ruhe kommen und es nach ihrer Meinung nicht geschehen lassen dürfen, daß die neue Wirthschaftspolitik fortgesetzt ihre Früchte zeitige, weil sie ferner im richtigen Gefühl die Gefahr für eine zu große halten, daß die unerbittliche Logik der Thatsachen uns und nicht ihnen Recht gebe, so lehrt ein nur einigermaßen eingehender Blick auf die Zahlen unserer Ein- und Ausfuhr seit dem Jahre 1880,, daß in der That aller Grund für unsere Gegner vorhanden ist, den Kampf, den sie kämpfen, mehr und mehr für einen verlorenen zu halten. Wenn wir auch zugeben, baß jene Zahlen, die die fortgesetzte Besserung ersehen lassen, nicht als !
eklatant und in die Augen springend zu erachten sind, so stellt esIsich doch langsam und sicher heraus, daß auf allen Gebieten sich eine stetige Besserung herausbildet. Dabei ist die allgemeine handelspolitische Lage eine derartige, daß, wenn unsere Gegner am Ruder wären, sie sicherlich für ein Darniederliegen unserer heimischen Gewerbsthätigkeit in der Konkurrenz mit dem Auslande wohlfeile Gründe in Masse bereit haben würden. Nun aber geht es vorwärts, langsam zwar aber unzweifelhaft, und wir sind also völlig berechtigt, diese Besserung zu einem ansehnlichen Theil auf Rechnung der neuen Wirthschaftspolitik zu setzen.
Die Einfuhr von Rohprodukten steigt; das bedeutet, daß unsere eigene Verbrauchsthätigkeit sowohl, wie unsere Verarbeitungsfähigüit zugenommen hat. Ein großer Theil unserer Industrie beruht auf der Verwendung ausländischen Rohmaterials, wie der Wolle, der Baumwolle, der Jute, des Flachses u. s. w. ; steigt hierin die Einfuhr, so findet offenbar ein industrieller Fortschritt statt. Ebenso beweist aber die Zunahme der Einfuhr an Kolonialwaaren u. s. w , daß die Zahlungsfähigkeit im Allgenleinen wächst.
Tie Einfuhr von Industrie-Erzeugnissen, welche wir ebenso gut selbst Herstellen könnten, nimmt fast durchgehends ab. Da nun offenbar der Grund hierfür nicht in verminderter Verbrauchsfähigkeit liegt, so muß er darauf beruhen, daß diese ausländischen Waaren mehr und mehr von unseren eigenen verdrängt werden. Ist auf diesem Gebiet auch die geringe Zahl derjenigen Artikel, welche nur eine unbedeutende Abnahme oder eine Zunahme zeigen, eine immer noch zu große, so tritt doch auch hierbei deutlich zu Tage, daß eine fortschreitende Besserung stattfindet.
Unsere Ausfuhr von Industrie-Erzeugnissen steigt; das heißt nichts Anderes, als daß unsere Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmärkte zugenommen hat, und nicht daß dieselbe, wie uns vor Jahren hoch und theuer versichert wurde, sich vermindert habe. Es gibt kaum einen erheblicheren Industrie-Artikel, welcher nicht hierbei betheiligt wäre; und wenn gewisse Eisenfabrikate in diesem Jahre eine Verminderung der Ausfuhr gezeigt haben, so ist dies einfach dadurch entstanden, daß ihr Konsum im Inlands eine derartige Steigerung erfuhr, welche einen Wettbewerb im Auslande bei dessen verminderter Nothlage auch weniger dringend nothwendig erscheinen ließ. Im Uebrigen ergibt sich aber, daß die Zölle nicht ein „Faulbett", wie unsere1 Gegner in Aussicht stellten, gewesen sind, sondern unserer Industrie diejenige Unterstützung gewährt haben, deren dieselbe bedurfte um dem Auslande ebenbürtig und mit der Zeit siegreich gegenübertreten zu können.
Heißt es trotzdem aus gegnerischer Seite noch, die Besserung habe mit den Zöllen nichts zu thun, sie sei nicht wegen, sondern trotz derselben erfolgt, so können wir derartigen Insinuationen schließlich dasjenige Wort des Staats^ Ministers von Boetticher entgegenhalten, welches derselbe vor einigen Jahren im Reichstage bei der Zolldebatte sprach: Möge die Besserung wegen oder trotz der Zölle erfolgt sein, wenn sie nur da ist!
Unsere Gegner haben eben nicht ein einziges Argument, um die Richtigkeit ihrer Ansicht beweisen zu können, mögen sie es sich also endlich ruhig gefallen lassen, daß wir die neue Wirthschaftspolitik und die thatsächlich eingetretene Besserung im Lichte von Ur ache und Wirkung betrachten.
Zur ostafrikanischen Frage bemerkt der „Schwäbische Merkur". Die Anfänge der deutschen Koloniegründungen hatten sich bisher in sehr leichter und glatter Weis- vollzogen; aber daß solche Unternehmungen unter Umständen auch Schwierigkeiten, Opfer und Gefahren mit sich bringen würden, konnte sich von vornherein Niemand verhehlen. Mit welchen Schwierigkeiten haben erst andere europäische Völker auf diesem Thätigkeitsselde zu kämpfen gehabt und noch jahraus jahrein zu kämpfen, ohne daß sie dadurch in ihrer Unternehmungslust irre würden oder kleinmüthig das kaum begonnene Werk im Stich ließen! Wem würde es in England einfallen, alsbaldigen Rückzug zu fordern, wenn irgendwo einmal ein Krawall mit wilden Eingeborenen oder wiederschlichen Sklavenhändlern ausbricht? Nein, cin. Gebiet, von welchem der deutsche Unternehmungsgeist einmal Besitz ergriffen hat und für welches der Schutz von Kaiser und Reich feierlich verheißen worden ist, darf nicht bei dem ersten Auitauchen einiger Schwierigkeiten und Mißhelliokeiten preis gegeben werden. Das würde der Todesstoß für alle deutschen Kolonialunternehmungsn sein und würde weit darüber hinaus die ganze