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Nr. 266.
Dienstag den 13. November
1888
OekarmtAschuKgen Kömigl. LsKdraLhsamts.
In der Zeit vom 9. bis 17. d. Mts. ist auf der Hanau-Philipps- ruher-Straße und in der Nußallee eine Dampfstraßenwalze in Thätigkeit.
Seitens der kommunalständischen Bauverwaltung werden an den betreffenden Straßenstrecken Warnungstafeln ausgestellt werden.
Behufs Vermeidung von Unglücksfällen durch Scheuen von Pferden empfiehlt es sich, den Wagenverkehr von genannten Straßenstrecken, während die Maschine arbeitet, abzulenken
Dies wird hiermit zur Kenntniß des Publikums gebracht.
Hanau am 9. November 1888.
Der Königliche Landrath.
V. 6794 In Vertr.: Baabe.
Die Schafheerde des Konrad Zieger, welche in der Gemarkung Großauheim die Weide bezogen, ist der Räude verdächtig. Dies wird iermit veröffentlicht.
Hanau am 9. November 1888.
Der Königliche Landrath.
V. 6778 In Vertretung: Baabe. __
Kerck-ttachrWen aus dem Kreise-
Zugelaufen: Ein großer schwarzer Hund mit gestutzten Ohren, langer Ruthe, m. Geschl.; Empfangnahme bei Emanuel Berberich zu Großkrotzenburg.
Gefunden: Drei Schlüffel. Zwei Portemonnaies mit je einigen Pfennigen.
Hanau am 13. November 1888. ______________________ Äasftilien lönigL Staatsanuiasffdiaff zu fcanfcfnrf a. M.
D. 11844. — J. 4480/88. Ueber den Aufenthalt des Maschinenführers Fay, zuletzt bei der Lokalbahn in Eschersheim, wird Auskunft begehrt.
A. 18777. — L. 97/88. Der am 21./3. 1888 gegen den Cigarrenmacher Karl Wendt aus Friedewald erlassene Steckbrief ist erledigt.
Frankfurt a/M. den 10 November 1888.___
f Der Niedergang des Freisinns.
Wenn eine Partei trotz größter Kraftanstrengungen bei den Wahlen in stetiger Folge von Stufe zu Stufe sinkt, so wird jeder denkende Politiker hierin etwas mehr erblicken muffen, als die Wirkung von Zufällig- ititen oder Aeußerlichkeiten. Im Jahre 1882 erhielten die Parteien, die stch später zu der „freisinnigen" Partei zusammenschloffen, also Fortschritt Mb Secession, trotz der in der damaligen Wahlbewegung selbst von den Rationalliberalen gepflegten Idee der einigen liberalen Partei zusammen nur 58 Sitze, d h. sie blieben trotz ihres im Jahre 1881 bei den Reichstag-wahlen gemachten Aufschwungs auf ihrem alten Standpunkt. Rach der Zusammenschmelzung beider Parteien ging der Freisinn bei den Landtagèwahlen des Jahres 1885 auf 44 zurück und nunmehr ist er bei der Zahl 29 angelangt. Die „Nat.-Ztg." berichtet von einem Witze, den st» alter Fortschrittèmann jüngst im Galgenhumor gemacht habe, indem seine Befriedigung über die fünfjährigen Wahlperioden aussprach: denn — so kalkulirte er — durch die Verlängerung der Wahlperiode habe die freisinnige Partei, nach dem Maßstabe ihrer bisherigen Mandats- verluste berechnet, noch 15 Jahre vor sich, bevor alle ihre Wahlkreise Waren seien, während dies bei der dreijährigen Legislaturperiode schon 'n 9 Jahren der Fall sein würde. So viel ist sicher, daß wenn der Freisinn bleibt, wie er ist, diese Berechnung auf den Punkt stimmen Ard. Er befindet sich in einem ständigen unaufhaltsamen Niedergang, ^aè wird namentlich auch durch die Thatsache bewiesen, daß er die Meren Gründe dieses Niedergangs nicht zu erkennen vermag.
Eines seiner Hauptorgane führt die Niederlage der Partei auf Agende Ursachen zurück: sie habe bei den anderen Parteien, Centrum Mb Nationalliberalen, jetzt nicht mehr die Unterstützung wie früher ge- Mben, namentlich nicht bei den Nationalliberalen, dre noch nie so feind- Afg geg n sie aufgetreten seien, wie diesmal; ferner sei „die Einmischung Beamten in die Agitation zu Gunsten gouvernementaler Wahlen duèmlll an Umfang und Lebendigkeit noch über diejenige von 1885 und
1887 hinausgegangen." Ohne diese äußeren, für die Freisinnigen „ungünstigen Verhältnisse wären von diesen drei Parteien nicht Mann noch Maus übrig geblieben".
Die Thorheit dieser Argumente liegt auf der Hand. Wenn eine Partei, um sich über Wasser zu halten, der Unterstützung anderer Parteien bedarf, so hat sie bereits den Todeskeim in sich, und wenn die Kraft und Stärke einer Partei lediglich von dem Gelingen amtlicher Wahlbe- einflufsung — ganz abgesehen davon, daß die behauptete Thatsache mit der Wahrheit in vollständigem Widerspruch steht — für abhängig erklärt wird, so wird damit der Charakter und die Ueberzeugungstreue der Wählerschaft im Allgemeinen in einer Weise verdächtigt, welche ein schlechtes Licht wirft auf eine Partei, die die Majorität der Wähler und die öffentliche Meinung als das A und O aller Politik betrachtet.
Nein, diese Wahlen haben ebenso wie die früheren eine steigende Abneigung der Wählerschaft gegen die Grundsätze der freisinnigen Partei bekundet. Diese Partei lebt noch immer in den Anschauungen der revolutionären Aera: sie arbeitet systematisch an der Schwächung des königlichen Ansehens, sie will das Parlament zu dem ausschlaggebenden Faktor im Staatsleben machen, sie widersetzt sich der Sorge für die gesellschaftlichen und wirthschaftlichen Bedürfnisse durch die Staatsgewalt, sie reizt die unteren Klaffen zur Unzufriedenheit gegen die oberen auf, sie hat kein Herz für die Leiden des Handwerks und der Landwirthschaft, sie zieht alles Große und Erhabene herab und ist überall bestrebt, den nationalen Jntereffen Steine in den Weg zu legen. Es gab eine Zeit, wo die Wähler sich durch die hochtönenden Phrasen des Fortschritts und der Demokratie hinreißen ließen. Aber das, was ihnen von dieser Seite vorgezaubert wird, das hält, wie sie sich von Jahr zu Jahr immer mehr überzeugt haben, keinen Vergleich aus mit dem, was das Königthum in Preußen-Deutschland wirklich geschaffen, mit den Zuständen, die sich aus langjähriger, gewissenhafter und mühsamer Arbeit für die gesellschaftliche und wirthschastliche Entwicklung des Volkes ergeben haben, mit der werk- thätigen Fürsorge des Staats für den armen Mann, für den Bauer, für den Handwerker, mit der glänzenden Stellung, welche Dank einer weisen Pflege der nationalen Jntereffen Deutschland jetzt in der Welt einnimmt. Die Verunglimpfer unserer nationalen Größe und staatlichen Macht, die Gegner einer steten, ruhigen und friedlichen Entwicklung sind in den Wahlen auf's Haupt geschlagen. Von ihnen hat sich das Volk abgewandt. Sorgen wir, daß es Tag bleibe!
Tagesschau
Berlin, 12. Novbr. Sc. Majestät der Kaiser und König empfingen gestern Morgen, bald nach 9 Uhr, Se. Majestät den König von Sachsen und besichtigten hierauf eingehend die neueingerichtete, demnächst zu beziehende Kaiserliche Wohrung. Gegen 10 Uhr hielt der Ober- Ceremonunmeister Graf zu Eulenburg nebst dem Heroldsmeister, Kammerherrn D. Borwitz, Sr. Majestät kurzen Vortrag. Daran" schloß sich bie militärische Meldung Sr. Hoheit des Erbprinzen von Sachsen Meiningen sowie der Empfang Sr. Hobest des Prinzen Albert von Sachsen-Altenburg und der des Flügel - Adsn anten, Oberst Lieutenants Prinzen Heinrich XVI I. Reuß, Durchlaucht, an. Nach 1S1/» Uhr fuhren Sè. Majestät in Begleitung Sr Majestät des Königs und Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Georg von Sachsen nach Potsdam, wo um 2 Uhr im Marmor-Palais gemeinschaftlich mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin das Diner eingenommen wurde. Um 31/* Uhr begaben Sich Se. Majestät der Kaiser mit den Fürstlichen Gästen nach dem Offizier- Kasino des Leib-Garde-Husarer-Regnnents, welches eingehend in Augenschein genommen wurde, und iodann nach dem Bahnhof. Von dort er- fol&te die Abfahrt der sächsischen Herrschaften nach Berlin. Se. Majestät der Kaiser kehrten hierauf nach dem Marmor-Palais zurück und verblieben bis zum Abend im Arbeitszimmer. Zum Souper erschien Se. Hoheit" der Herzog Ernst Günther zu Schleswig - Holstein, welcher auch an dem Diner Theil genommen hatte.
Berlin. Man darf annkhmen, daß die gejammten Etatsgruppen zum Reicksha -èhalt für 1889/90 dem Bundesrath fitzt vorliegen, da für die Fertigstellung des Etats, der ja beim Zusammentritt des Reichs- tag-s vorgeleot werden soll, nicht viel mehr als eine Woche übrig ist. Dem Vernehmen nach haben die bisherigen Berathungen über einzelne