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Nr. 285 «MWSSEMMW»»--
Samstag den 6. Oktober
BekMNtMÄchungen KöKigl- Lanörathsamts.
Die noch ausstehenden Urwählerlisten muffen sofort ringereicht werden.
Hanau am 6. Oktober 1888.
Der Königliche Landrath Gf. Bismarck.
Dem Dampfpflugbesitzer Otto H o e r e s zu Calbach ist die Erlaubniß ertheilt worden bis zum 1. September 1889 mit seiner Lokomobile Nr. 22 zum Transport eines Dampfpfluges die öffentlichen Wege im Stadt- und Landkreise Hanau zu befahren. Demselben ist unter Anderem zur Bedingung gemacht:
Die hölzerne Brücke über die Nidder bei Niederdorfelden und die kleine eiserne Brücke bei Eichen vor dem Passiren gehörig abzusprießen und die zur Sicherheit der Bauwerke nöthigen Vorkehrungen nach Anweisung der Wegebaubeamten auf eigene Kosten zu treffen und wieder zu beseitigen, und alle durch den Transport an Fahrbahn, Bauwerken und allem Zubehör der Straßen entstehenden Schäden auf Anfordern und nach Anweisung der Bauverwaltung alsbalv zu bessern bezw. derselben das Recht einzuräumen, dieselben auf seine Kosten bessern zu lassen.
Den Wegsbauunterhaltungspflichtigen bleibt es überlassen, sich mit dem Transportunternehmer über eine etwaige Vergütung für das Befahren der Wege zu einigen.
Indem ich hierbei auf die Bestimmungen der Polizei-Veroronung vom 14. Juli 1887, Amtsblatt S. 179, Hinweise, veranlasse ich die Ortspolizeibehörden jeden Fall hierher berichtlich anzuzeigen, in welchem eine Uebertretung der gedachten Vorschriften und der gestellten Bedingungen geschieht, oder sonstige Widersprüche gegen dm Verkehr der Dampfpflüge auf den öffentlichen Wegen zu erheben sind.
Hanau den 3. Oktober 1888.
Der Königliche Landrath
V. 5660_______________Gf. Bismarck.______________________
Limft-Uachrichten aus dem tetse-
Gefunden: Ein Schwanzriemen. Ein Weidenkörbchen. Ein schwarzes Strickzeug.
Verloren: 3 Mark u. 10 Pf. baar. Eine Uhrkette mit Quaste.
Abhanden gekommen: eine getiegerte (schwarzgraue) Katze; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Zugelaufen: Ein grauer junger Hund m. Geschl.
Hanau am 6. Oktober 1888. _______________
Dâmmlmkchimg.
Die Urwählerlisten für die Landtagswahl (Wahl zum Hause der Abgeordneten) sins in der Zeit vom:
Montag den 8ten bis einschlietzlich Mittwoch den lOten d. Mts.
im Geschäftslokale der staotischen L-teuerkommission (Neust. Rathhaus, eine Treppe hoch rechts) während der üblichen Dienststunden öffentlich ausgelegt.
Innerhalb dieser Frist steht es Jedem frei, Einwendungen gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Listen, über welche der Stadtrath bezw. die Gemeinde-Verwaltungsbehörde entscheidet, bei der städtischen Steueikommission schriftlich anzubringen oder daselbst zu Protokoll zu geben.
Hanau am 4. Oktober 1888.
Der Oberbürgermeister
______________Westerbur g.______________________
Ans streiken Kümgl. Staafsanmafffiftaft zu Fmnkfiui a. M.
J. 3914/86. Ueber den Aufenthalt des Schlossers Paul Karl Hübner, geb. den 1./5. 1862 zu Oberglogau, wird Auskunft begehrt.
L. 17061. — N. 849/88. Ueber den Aufenthalt des Taglöhners Friedrich Fuchs aus München, geboren am 23. Mai 1836, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 3. Oktober 1888.
J. 3311/88. Ueber den Aufenthalt der Dorothea Sinnenberg, geb. 2./1. 1856 zu Burgdorf, wird Auskunft begehrt.
1888
16715 A. — J. 3566/88. Der am 12. September 1888 gegen die geschäftslose Katharina Hohl aus Limburg a/8. und den Scheerenschleifer Joseph Süß aus Heddernheim erlassene Steckbrief ist erledigt.
Frankfurt a/M. den 4. Oktober 1888.
Kaiser Wilhelm in Wien.
Ueber die Anwesenheit unseres Kaisers in Wien berichtet der „R. u. St.-A." weiter:
Wien, 4. Okt. Der große Redoutensaal der Hofburg war anläßlich des Galadiners zu Ehren des Deutschen Kaisers prächtig geschmückt; alle Wände entlang sowie in allen Ecken und Nischen und am Eingang waren farbenreiche prächtig duftende Blumen und Gebüsche aufgestellt und die Galerien mit kostbaren Gobelins bekleidet. Die Tafel war in Hufeisenform aufgestellt. Auf derselben standen mächtige, von prächtigen Tafelbouqets umschlossene Girandolen. Der Einzug des Hofes erfolgte in nachstehender Ordnung: Kaiser Wilhelm, die Kaiserin Elisabeth am Arm führend, der Kaiser Franz Joseph mit der Kronprinzessin, der Kronprinz mit der Erzherzogin Maria Theresia, die anderen Erzherzöge mit den Erzherzoginnen, die anderen geladenen Gäste. Kaiser Wilhelm trug österreichische Un form; Kaiser Franz Joseph, der Kronprinz, die Erzherzöge Carl Ludwig, Albrecht und Wilhem hatten preußische Uniform angelegt. Die Kaiserin trug ein silberfarbenes Kleid, mit Silberstickerei bedeckt, in dem offenen, gewellten Haar ein Brillantdiadem. Die Kronprinzessin trug ein Kleid von rothem Brokat, in dem hochfrisirten Haar ein aus zwei Reihen bestehendes Brillantdiadem und ein Perlenhalsband mit Diamantschloß. Kaiser Wilhelm nahm in der Mitte der Tafel, an der kurzen Seite des offenen Rechtecks, zwischen dem Kaiser Franz Joseph und der Kaiserin Elisabeth Platz. Rebn der Kaiserin saß der Kronprinz, neben dem Kaiser Franz Joseph die Kronprinzessin. Nach dem vierten Gang erhob sich Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph und sprach Folgendes :
„Ich gebe Meiner innigen Freude und Meinem Dank Ausdruck, daß es Mir gegönnt ist, Se. Majestät den Kaiser Wilhelm in Unserer Mitte zu begrüßen Mit den Gesühlen jener herzlichen, treuen, unauflöslichen Freundschaft und Bundesgenossenschaft, welche Uns zum Besten Unserer Völker vereint, trinke Ich auf das Wohl Unseres Kaiserlichen Gastes. Der Allmächtige geleite Ihn auf der Bahn, die Er mit jugendlicher Kraft und männlicher Weisheit und Entschiedenheit betreten. Se. Majestät der Deutsche Kaiser und König von Preußen, Ihre Majestät die Kaiserin und Königin und das Königliche Haus leben hoch!"
Beide Monarchen ließen daraus Ihre Gläser aneinanderklingen, und die Musik intonirte die preußische Volkshymne.
Se. Majestät der Kaiser Wilhelm erwiderte:
„Ew. Kaiserlichen Königlichen Majestät spreche Ich für die huldvollen Worte aus gerührtem Herzen Meinen innigsten Dank aus und freue Mich besonders, dies an Ew. Majestät Namenstag thun zu können. Nicht als Fremder bin Ich hierher gekommen, sondern, schon seit Jahren durch Ew. Majestät Güte ausgezeichnet, führe Ich ein heiliges Vermächtnis Meines in Gott ruhenden Großvaters aus. In dem Gefühle bewährter, unverbrüchlicher Freundscha t erhebe Ich Mein Glas und trinke auf das Wohl Meines hochverehrten Bundesgenossen, Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich und Königs von Ungarn, Ihrer Majestät der Kaiserin und des gesammten Kaiserlichen Königlichen Hauses!"
Die Musik intonirte die österreichische Volkshymne. Alle anwesenden höchsten und hohen Herrschaften hatten die Toaste stehend angehört und nahmen nun wieder ihre Plätze ein, erhoben sich jedoch sofort aufs Neue, als der Kaiser Franz Joseph nochmals das Glas ergriff und sprach:
„Gestatten Mir Ew. Majestät, daß Ich das Glas erhebe auf Ew. Majestät Armee uno auf das leuchtendste Muster aller militärischen Tugenden ein Hoch ausbringe. Unsere preußischen und deutschen Kameraden, sie leben hoch, hoch, hoch!"
Jeder der Hochrufe wurde von der gesammten Tafelrunde stürmisch wiederholt.
Kaiser Wilhelm verneigte Sich, ließ Sein Glas an dasjenige des Kaisers Franz Joseph anklingen, verbeugte Sich vor der Kaiserin und erwiderte:
„Ich trinke auf das Wohl der österreichisch-ungarischen Armee.