Wendungen vor dem unterzeichneten Vorsitzenden des Stadtausschusses wird hiermit anberaumt auf
Dienstag den 23. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, im Sitzungssaal des Rathhauses.
Im Falle des Ausbleibens der eventuell Widersprechenden wird gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden.
Hanau am 2. Oktober 1888.
Der Vorsitzende des Stadtausschusses:
Westerburg. _____ .
AüMcân Königs. Stnutsanwaitfiiiaff zu Frankfurt a. Ä. 16877 B. — N. 1079/87. Ueber den Aufenthalt des Dienstmädchens Henriette Klei von Ruhla wird Auskunft begehrt.
B. 16877. — N. 1079/87. Das am 26. August 1888 erlassene Ausschreiben gegen die Arbeiterin Theresia Weißenberg er aus Schwabenrieth wird zurückgenommen.
16450 A. — J. 2805/88. Das Ausschreiben vom 17. Aug. d. J. gegen die Dienstmagd Marg. Barbara Maier von Aschaffenburg wird erneuert.
16531 A. — J. 3261/88. Ueber den Aufenthalt des Hausburschen Wilhelm Scheerer, zuletzt hier wohnhaft, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 2. Oktober 1888.___________________________
Steckbrief.
7218 C. — M. 168/88. Der Tagelöhner Adam Reifschneider, geboren am 27. Oktober 1858 zu Leisenwald, ist durch Urtheil der Strafkammer des hiesigen Königlichen Landgerichts vom 17. August 1888 wegen Körperverletzung u. Sachbeschädigung zu einer Gefängnißstrafe von zwei Monaten u. zwei Wochen rechtskräftig verurtheilt worden und hat sich dem Vollzüge dieser Strafe durch die Flucht entzogen.
Es wird ersucht, auf denselben zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zu verhaften und Nachricht zu geben.
Frankfurt a/M. den 2. Oktober 1888.
_____________________Königliche Staatsanwaltschaft._____________________
Kaiser Wilhelm in Wien.
Der heutige „R. u. St.-A." schreibt:
Wien, 4. Okt. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm stattete heute früh Sr. Majestät dem Kaiser Franz Josef einen Besuch ab, um ihn zu seinem Namensfest zu beglückwünschen, und nahm hierauf den Vortrag des Grafen Herbert Bismarck entgegen. Gegen O1^ Uhr fuhr Kaiser Wilhelm an der Seite des Kaisers Franz Josef, in Begleitung der General- Avjutanten und Ehren-Kavaliere bei dem neuen Burgtheater vor, um dasselbe zu bestchtigen. Im Entröe erwarteten der Oberst - Hofmeister Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfürst, der General-Intendant der Königlichen Schauspiele und der Erbauer des Theaters, Baron v. Hasenauer, die Majestäten, welche Beide in österreichischer Uniform erschienen. Das Innere des Prachtbaues erstrahlte in elektrischem L-cht.
Weiter lesen wir in den „Fr. N." folgendes:
Wien, 4. Oktbr. Lange vor dem Besuch des Burgtheaters durch den Kaiser Wilhelm II. hatte sich ein zahlreiches Publikum vor dem Theater eingefunden. Bald nach 9 Uhr fanden sich vor dem Portile der Obersthofmeister, der deutsche Botschafter, General-Intendant Beczenp, Oberbaurath Hasenauer und die Hausbeamten ein. Mit dem Schlage 91/« Uhr trafen die beiden Kaiser ein, gefolgt von den Generaladjutanten Grafen Paar und v. Hahnke, dem General v. Ramberg, v. Pokorny und Steininger. Nach ehrfurchtsvoller Begrüßung durch den Obersthofmeister und die übrigen Anwesenden wurden die Monarchen in das elektrisch beleuchtete Haus geleitet. Kaiser Wilhelm betrachtete bei seinem Eintritt zunächst die glänzende Halle. Sodann folgte ein Rundgang. Die beiden Kaiser wurden in die Festloze geleitet. Auf der großen Bühne wurde die Dekoration einer Scene aus „Götz von Berlichingen" zur Ansicht gebracht. Um die Arbeiten der Bühnenmaschinerie darzustellen, wurde bei offener Scene eine Verwandlung vorgenommen. Das stille und "überraschende Funktioniren fand vollen Beifall. Die Kaiser begaben sich in den Bühnenraum, wo Direktor Sonnenthal und Regierungsrath Wlassak zur Begrüßung anwesend waren. Sodann wurden alle Gänge durchschritten. Kaiser Wilhelm sprach sich wiederhblt anerkennend über den Bau und die Ausschmückung aus. Der Besuch dauerte eine halbe Stunde. Kaiser Wilhelm warf noch einen Blick in den Zuschauerraum zur Gewinnung des Gèsammteindruckes und verabschiedete sich mit Worten huldvollsten Lobes und Dankes um IO1/* vom Oberbaumeister Hasenauer. Die Kaiser kehrten dann mit ihrem Gefolge in die Hofburg zurück. Zahlloses Publikum begrüßte die Monarchen enthusiastisch.
Wien, 4. Okt. Nach der Besichtigung des Burgtheaters empfing Kaiser Wilhelm die in Wien befindlichen österreichischen Generale. Gegen 12 Uhr fuhren der Kaiser Wilhelm und der Kronprinz Rudolf in das deutsche Botschaftspalais zum Dejeuner bei dem Botschafter Prinzen Reuß. Die Geladenen versammelten sich im großen Speisesaal des ersten Stockes, wo in der Mitte eine große runde Tafel aufgestellt war. Eine Hochwildjagd darstellende Gruppe zierte dieselbe. Den Ehrenplatz in der Mitte der Taselordnung nahm Kaiser Wilhelm ein, rechts saßen der Kronprinz, links die Prinzessin Reuß, dieser gegenüber, zwischen den Generälen Ram
berg und Beck, Prinz Reuß, rechts vom Kronprinzen der Obersthofmeister, die Generäle Wittich und Windischgrätz, Generalkonsul v. Plessen u. s. w. Neben der Prinzessin Reuß saßen Kalnoky, Bismarck, Vizeadmiral Sterneck, v. Brauchitsch, Graf Pückler, v. Raschdau, Legationsrath v. Tschirschky, Botschaftsrath Monts u. s. w. Nach 121/s Uhr begann das einstündige Dejeuner. Darauf nahm Kaiser Wilhelm im Botschaftspalais die Vorstellungen der Chefs der ausländischen Missionen am hiesigen Hof entgegen. Nachmittags empfing Kaiser Wilhelm daselbst die Abordnungen des deutschen Hilfsvereins und des Vereins „Niederwald".
Die sozialdemokratischen Blätter in Brüssel, welche bekanntlich nichts anderes als Ableger der Pariser revolutionär» Presse sind, erheben aus Anlaß der Wahl Liebknecht's im 6. Berling ' Reichstags-Wahlkreise ein wahres Triumphgeschrei. Die „Röforme" er- blickt in der Wahl die Antwort des deutschen Volkes auf die Rede v« Frankfurt a. O., indem die Bevölkerung Berlins den Vertreter derjenige Partei in den Reichslag entsendet habe, welcher allein seiner Zeit gegen die Annexion von Elsaß-Lothringen zu protestim gewagt habe und welcher allein den Muth besitze, gegen die Unterdrückung seitens der Krautjunker, Säbelschlepper und Büreaumenschen Front ju machen. „Die Berliner Wahl", fährt das Blatt fort, „ist ein Akt bei Friedens, wie die Frankfurter Rede eine Brandfackel des Krieges war: Die Franzosen müssen sich sagen, daß das deutsche Volk nicht ihr Feind, sondern vielmehr ihr Genosse im Unglück ist, der mit ihnen auf den Schlachtfeldern im Jahre 1870 besiegt worden ist. Das deutsche Volk hat mit der Wahl Liebknecht's aufs Neue bezeugt, daß es die französische Nation als eine Schwester ansieht, mit der es gern einen dauerhaften Frieden schlösse. Die einzigen Schuldigen sind die Regierungen, welche die beiden zum friedlichen Wetteifer bestimmten Völker getrennt haben, täglich den gegenseitigen Haß stürm und Mißverständnisse und Uebelwollen großziehen, wir meinen die gegenwärtige kaiserliche Regierung in Deutschland und die verflossene kaiserliche Negierung Frankreichs. — Frankreich muß sich wahrlich sagen, daß es jenseits der Vogesen keinen andern Feind hat, als die Regierung in Berlin und die von derselben zur Ausbeutung des Volkes auf gemeinschaftliche Rechnung unterstützten privilegirten Klassen. Frankreich dürfe deshalb Deutschland gegenüber nur noch Worte der Solidarität und der Ermunterung haben, denn der Tag der Besreiuung Elsaß-Lothringens wird nichts anderes als der Tag der friedlichen, aber gewaltsamen Befreiung des ganzen deutschen Volkes sein. Und sollte ein neuer Krieg zwischen beiden Staaten ausbrechen, so wird das französische D'otk nicht gegen das deutsche Volk, sondern für dasselbe gegen seine Unterdrücker zu Felde zu ziehen haben. Der glückliche Ausgang dieses Kampfes kann keinem Zweifel unterliege „da ihn die Gefühle der großen Massen des deutschen Volkes im Voraus gann- . tiren."
Der sozialistische „Peuple" erblickt in der Liebknecht'schen Wahl et^ nen wahren Triumph der internationalen Sozialdemokratie. „Liebknecht"^ schreibt das Blatt, „ist ein ausgesprochener Atheist, Republikaner und Kommunist. Von diesem Gesichtspunkte aus kann es nichts Bezeichnenderes als seine Wahl geben. Die Hauptstadt des von aller Welt gefürchteten Kaiserreichs in der Mitte Europas, welches die universelle ■ Reaktion in sich zu verkörpern schien, von Millionen Bajonnetten starrt und die Geschicke der Welt leiten will, schickt in das deutsche Parlament als den würdigsten Vertreter der öffentlichen Wünsche und des Volkswillens einen Mann, der vor versammeltem Reichstage die Politik der Eroberungen verdammt und die Annexion von Elsaß-Lothringer verurtheilt hat, einen derjenigen Männer, welche die Verbrüderung der Völker mittels der Zertrümmerung aller Throne erstreben. Von by “ sein Gesichtspunkte aus muß man der Wahl Liebknecht's die höchste poi- tische und soziale Bedeutung beimessen. Sic bedeutet die Verurtheil/ng der ganzen Bismarck'schen Politik und des Kaiserthums der Hohenzvuern. Und das ist noch nicht Alles. Wie Paris und London, so will auch die Hauptstadt des dritten unter den drei europäischen Reichen, die an bet Spitze der Zivilisation marschiren, den Sozialismus; was diese Städte wollen, das werden nach nur natürlichem Gesetze früher oder später auch die betreffenden Länder wollen."
Die angeführten Artikel werden auch dem harmlosesten Leser die Augen über die internationale Bedeutung einer Persönlichkeit wie Liebknecht öffnen, so sehr die Partei, der er angehört, bisher auch bestrebt gewesen ist, ihre vaterlandslosen Tendenzen zu verschleiern. Die StM welche sich auf Elsaß-Lothringen beziehen und darin gipfeln, daß die Wâ Liebknecht's geradezu als eine Bürgschaft für die Erfüllung der franzbst' , schen Wünsche auf Rückgewinnung der Rsichslânder zu betrachten seien- - bezeugen es unverblümt, daß die Wahl den vollen Beifall der Franzosen findet, weil diese fest darauf rechnm, bei einem Kriege zwischen Frankreich und Deutschland hülfsbereite Landesverräther unter den deutschen Sozialdemokraten und deren sonstigem Anhang zu finden. — Ein besserer Kommentar zu der Wahl wird kaum geschrieben werden können. DU Wahl des Abgeordneten Liebknecht inBerlin bleibt eine französische.