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Nr. 220

Mittwoch den 19. September

1888

BekanNtmachungen Kömgl. Lamdrathsamts.

Die Herren Bürgermeister und 'Gutsvorsteher werden hierdurch veranlaßt, etwa noch in Händen habende Fouraqe Quittungen über ge­lieferte Marsch-Fourage bis längstens den 25. d. Mts. mir einzu­senden oder Vakat-Anzeige zu erstatten.

Hanau am 8. September 1888.

Der Königliche Landrath.

M. 6162 I. V.: Baabe.

Die Hafer-Einkäufe bei dem König!. Proviantamt zu Bockenheim sollen in nächster Zeit beginnen und soviel als möglich durch direkten Handel mit den Produzenten bewirkt werden. Ueber die Qualität, An­sprüche und die je nach den Handels-Konjunkturen zu gewährenden Preise ist das Amt stets bereit, spezielle Auskunft mündlich oder schriftlich zu ertheilen, wenn Seitens der Produzenten bemusterte Offerten vorgelegt werden.

Hanau am 14. September 1888.

Der Königliche Landrath.

M. 6195 In Vertretung: Baabe.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises werden hierdurch erinnert, die in doppelter Ausfertigung aufzustellenden Klassen­steuer Zu- und Abgangslisten pro I. Semester 1888/89 nebst Belägen an die Königliche Steuertaffe und die Listen der zu den Klaffensteuerstufen 1 und 2 durch Zugangsstellung neu veranlagten in keine Rolle aufgenommenen Personen ebenfalls in duplo sofort hierher einzusenden, eventuell Vakat-Anzeigen zu erstatten.

Hanau am 19. September 1888.

Der Königliche Landrath.

8t. 1766________________In Vertr.: Baabe._______________________

Vienft-Uachrichten aus dem Kreise.

Verloren: Am 30. v. Mts. auf dem Wege von Hanau über Keffelstadt nach Wilhelmsbad ein seidener Damenregenschirm; dem Wieder­bringer eine Belohnung. Ein Zwicker.

Gefunden: Zwei Zeugnisse, ausgestellt auf den Namen Hafner Jakob Heid.

Hanau am 19. September 1888.__________________________

Bekanntmachung.

Wir machen darauf aufmerksam, daß an unserer Gerichtstafel, an der zu öffentlichen Bekanntmachungen bestimmten Stelle der Obersörsterei Hanau und in dem Anzeiger des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Cassel Behufs Grundbuchregulirung in der Gemarkung Gutsbezirk Obersörsterei Hanau ein Aufgebot von uns erlassen ist.

Hanau den 17. September 1888.

Königliches Amtsgericht III.

8971 Bartels. Jordan. âuZ streiken âmigt. Kiaaisallwottsckafi zu Fmuksuri tu Ä 16031 B. J. 4164/87. Das Ausschreiben vom 23. Jan. d. I- gegen den Gärtner Herm. Dreyer von Brodnica ist erledigt.

15926 B. J. 3654/88. Ueber den Aufenthalt des Schneiders Melchior Wallraff von Köln wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M. den 15. September 1888.

M. 77/88. Der am 7./5. 1688 gegen den Hausirer Valentin Burkhäuser aus Gemünden erlassene Steckbrief ist erledigt.

J. 3604/88. Ueber den Aufenthalt des Kellners Friedrich Alberty, geb. 1./10. 1861 zu Gronau, wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M. den 17. September 1888.

Steckbrief.

6788 C. L. 98/88. Der Koch Josef Bernhard Schultheis von hier, geb. 1. Jan. 1863, ist durch Urtheil der Strafkammer des hiesjgen Königlichen Landgerichts vom 29. Mai 1888 wegen Beihülfe zur Entführung zu einer Gefängnißstrafe von 6 Monaten rechtskräftig verurtheilt worden und hat sich dem Vollzüge dieser Strafe durch die Flucht entzogen.

Es wird ersucht, auf denselben zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zu verhaften und Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 15. September 1888.

Königliche Staatsanwaltschaft.

t Sozialdemokraten und Franzosen.

Daß die Franzosen in allen Schichten und Klassen von einem blinden Haß gegen Alles, was deutsch ist, erfüllt sind, ist eine zu bekannte Thatsache, als daß man sie noch unter Beweis zu stellen brauchte. Sie schmähen alle unsere Verhältnisse und Einrichtungen, unseren Charakter, Alles, was uns theuer ist, selbst bis in die höchsten Spitzen, zu denen Deutschland mit Liebe und Vertrauen emporblickt; ein Deutscher oder Preuße braucht sich in Frankreich nur als solcher zu erkennen zu geben, so wird er beschimpft und mißhandelt, selbst die Gerichte verw igern dem also Behandelten Rechtshilfe, und wenn das gegen einen Deutschen ver­übte Verbrechen allzu augenfällig ist, dann beeilt sich die Presse, den Uebelthäter für verrückt zu erklären, nur um ihn vor der verdienten Strafe zu schützen und Deutschland eine Genugthuung vorzuenthalten. In diesem Verhalten sind alle Parteien einig, und selbst anarchistische und sozialdemokratische Blätter ziehen mit den anderen an einem Strange.

Wenn nun einmal französische Stimmen sich in überschwenglichen Lobeserhebungen über eine deutsche Persönlichkeit oder einen Vorgang in Deutschland ergehen, dann muß Jeder, in dessen Busen noch ein deutsches Herz schlägt, stutzig werden. In einem solchen Ausbruch französischer Liebes, und Zustimmungserklärungen wird man den besten Beweis dafür erblicken, daß etwas bei uns faul ist und daß gerade deshalb der Haß sich drüben in Liebe verwandelt; denn den Franzosen ist nur das ange­nehm, was uns schädlich ist.

Die Wahl des Sozialdemokraten Liebknecht im 6. Berliner Reichs­tagswahlkreis ist es, welche einen solchen auffallenden Stimmungswechsel hervorgerufen hat. Davon geben sozialdemokratische Blätter in Brüssel Kunde, die nichts weiter sind als Ableger der Pariser revolutionären Presse. Eins dieser Blätter, dieResorme", erblickt in dem sozialdemo­kratischen Wahlresultat eine Antwortdes deutschen Volks" auf die Frankfurter Rede des Kaisers Wilhelm, in welcher der Kaiser der Opfer- bereitschaft des deutschen Volkes und dem festen Entschluß, nichts von dem, was wir errungen haben, wieder herauszugeben, einen begeisterten Aus­druck gab. Die Wahl Liebknechts erscheint dem Blatte als ein Protest gegen die Annexion von Elsaß-Lothringen, da die sozialdemokratische Partei allein seiner Zeit gegen jene Annexion im Reichstage gestimmt habe. Die Reforme" sieht ferner darin eine Auflehnung des Volks gegenKraut­junker",Säbelschlepper",Büreaumenschen" und gegen die Kaiserliche Regierung und glaubt, daß eine Verbrüderung der Deutschen mit den Franzosen ganz leicht sei, wenn nur die Regierung nicht wäre, und daß, wenn es einmal zum Kriege käme, das deutsche Volk sich durch die Fran­zosen gern befreien lassen werde von derAusbeutung" undUnter­drückung" durch seine Regierung: Frankreich werde nicht gegen, sondern für das deutsche Volk gegen seine Unterdrücker zu Felde ziehen. Und ein anderes Blatt, derPeuple", ist außer sich vor Freude, daß die Hauptstadt Deutschlands einen derjenigen Männer in den Reichstag schickt, welche die Verbrüderung der Völker mittels der Zertrümmerung aller Throne erstreben.

Das deutsche Volk, speziell Berlin, kann aus diesem Jubel der französisch-revolutionären Presse entnehmen, wie es die Wahl e-nes So­zialdemokraten zu beurtheilen hat. Auch bei jener Wahl hat sich viel Gleichgültigkeit und ein völliger Mangel an Bewußtsein von der Pflicht gemeinsamer, thatkräftiger, vor keinem Opfer zurückscheuender Abwehr gezeigt, ja die von manchen Seiten ausgesprochene Annahme erscheint nicht ungerechtfertigt, daß die eine Partei sogar aus Parteirücksichten dem So­zialdemokraten zum Siege verhelfen wollte. Alle, die mittelbar oder unmittelbar an diesem Siege Schuld sind, -rhalten nun von der französisch- sozialdemokratischen Presse wohlverdienten Dank: denn nach ihrem Zeugniß hat sich in Berlin etwas zugetragcn, was den Franzosen, was der inter­nationalen Sozialdemokratie, was der Revolution Wasser auf ihre Mühle ist; der alte Haß gegen alles Deutschthum hat sich mit einem Male in Schmeicheleien für das deutsche Volk verwandelt, der loziaidemvkraiische Sieg hat den Hoffnungen auf Wiedereroberung Elsaß-Lothringens und