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Mittwoch den 12. September
Nr. 214.
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Amtliches.
Bei den Postagenturen in Gieselwerder, Gottsbüren und Deißel werden am 1. September Telegraphenanstalten mit Fernsprechbetrieb eröffnet.
Caffèl, 28. August 1888.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor s _______________________Zur Linde._______________________ I BâKRLMKchuugen Kömgl. Landrathsamts.
Die Herren Ortsvorstände werden hiermit darauf hingewiesen, daß ■ das Forstgeld für das für dieses Jahr bezogene sog. Loosholz ■ spätestens bis Ende dieses Monats bei der zuständigen Forstkaffe eingezahlt . sein muß und daß bei Nichteinhaltung dieser Zahlungsfrist die im §. 3 f des Forstverwerthungs-Gesetzes vom 6. Juni 1873 ausgesprochenen Nachtheile eintreten. Bei Einzahlung des Geldes durch die Post ist die Absendung so zeitig zu bewirken, daß die obige Zahlungsfrist nicht überschritten wird, denn es gilt in diesem Falle nicht der Tag der Absendung, sondern der Tag des Eingangs des Geldes bei der Forstkasse.
Das Forstgeld ist in seinem Gesammtbetrage nach §. 3 des Gesetzes vom 6. Juni 1873 aus der Gemeindekasse zu entnehmen und sind daher die Einzelbetrage von den Holzempfängern für die Gemeindekaffe einzuziehen.
Hanau am 10. September 1888.
Der Königliche Landrath.
V. 5423_________________I. V.: Baabe.__
Ans[ificei6ßti âömgt. UaaisMwalMaft zu Frankfurt a. Ä. 14658 A, — J. 3086/88. Der Steckbrief vom 26. v. M. gegen den Sattler Joh. Hch. Mann von Köppern ist erledigt.
Frankfurt a/M. den 7. September 1888.
A. 15001. — J. 3339/88. Ueber den Aufenthalt des Knechts Damian Frisch! er von Mittelkalbach wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 8. September 1888.
J. 3295/87. Ueber den Aufenthalt der Wittwe Karoline Winkler, geb. Becker, geb. 25./1. 1857 zu Coblenz, wird Auskunft begehrt.
J. 3132/88. Das am 3,/9. 1888 gegen Therese Gentner aus Neumark erlassene Ausschreiben ist erledigt.
Frankfurt a/M. den 10. September 1888.
N. 8/88. Ueber den Aufenthalt des Schlossers Hch. Göbert, geb. 20./4. 1855 zu Cassel, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 11. September 1888.__
C. 6557. — L. 100/88. Gegen den Haustier Nikolaus Münz, geboren am 1. Mai 1869 zu Aschaffenburg, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich Nachricht zu geben.
Frankfurt a/M. den 8. September 1888.
__Königliche Staatsanwaltschaft._____________________
J. 2498/88. Gegen die Privatiere Johanna Philippine Kraft, geb. Bös Wwe., früher verehel. Vogt, geb. 5./7. 1842 hier, welche flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Kuppelei verhängt.
Es wird ersucht, dieselbe zu verhaften und von der Verhaftung Nachricht zu geben.
Frankfurt a/M. den 10. September 1888.
__Königliche Staatsanwaltschaft.____________________
9537 D. — J. 3568/88. Am 9. Sept. d. I., Abends gegen 8 Uhr, ist in der Gemarkung Praunheim bei Frankfurt a/M. ein am Achtsteinweg aufgesetzter Haufen Waizen u. Hafer, versichert gegen Feuersgefahr mit 1857 Mk., niedergebrannt.
Alle Diejenigen, welche über die Entstehung des Brandes Auskunft geben können, werden ersucht, davon der unterzeichneten Staatsanwaltschaft oder der nächsten Polizeibehörde Mittheilung zu machen.
Frankfurt a/M. den 10. September 1888.
Königliche Staatsanwaltschaft._______
t Das Revolntionsjahr «nd die Konfliktszeit.
Die jüngst veröffentlichten Auszeichnungen Kaiser Wilhelms I., die nach seinem Willen erst nach seinem Hinscheiden Anderen zu Gesicht kommen sollten und die sich demnach als ein politisches Testament des
1888
großen Kaisers für die deutsche Nation darstellen, haben einem freisinnigen Blatte Veranlassung gegeben, gegen zwei darin enthaltene, auf die innere Politik bezügliche Urtheile des Heimgegangenen Monarchen Einwendungen zu erheben. Von den Jahren 1848/49 heißt es in den Aufzeichnungen, daß „Verrath und Irrungen das theure Vaterland dem Abgrund nahe brachten", und mit Bezug auf die sogenannte Konfliktszeit, also auf die Jahre 1861 — 1866, spricht der große Kaiser von einem Kampfe gegen ein „wirres Andrängen", „um die Macht der Krone zu schmälern und die Herzen der Preußen derselben zu entfremden".
Man sollte glauben, daß es im preußischen und deutschen Volke, nachdem sich sein Urtheil durch die reichen Erfahrungen der Vergangenheit geläutert hat, Niemanden mehr gibt, der nicht mit dem Urtheil des großen Kaisers über jene Zeiten und Kämpfe übereinstimmt. Das gedachte Blatt aber meint, daß eine spätere Geschichte schwerlich das Urtheil des Kaisers über die Jahre 1848/49 bestätigen werde, und weiter behauptet es, daß das Abgeordnetenhaus in der Konfliktszeit keineswegs eine Schmälerung der Macht der Krone erstrebt habe, daß, wenn es nach seinem Willen gegangen wäre, die militärische Tüchtigkeit in den Kriegen von 1866 und 1870/71 keine geringere gewesen wäre, daß ein „Ausgleich" auf der vom Abgeordnetenhaus betreffs der Heeresorganisation gewollten Grundlage die Durchführung der deutschen Politik in hohem Maße erleichtert haben würde u. s. w. So werden des entschlafenen Kaisers Aufzeichnungen von freisinniger Seite „richtig gestellt".
Die Ausführungen des gedachten Blattes sind nicht nur eine an- maßliche Kritik, sondern fälschen die Geschichte und stellen sie geradezu aus den Kopf. Daß Preußen durch Verrath und Irrungen in den Jahren 1848/49 dem Abgrund nahe gebracht war, kann für Niemanden zweifelhaft sein, der die Geschichte dieser für das Vaterland traurigsten Zeit auch nur ganz oberflächlich kennt. Das preußische Volk hatte Dank der Jahrhunderte lang bethätigten Königlichen Fürsorge für seine wirklichen Interessen keinen Grund, nach einer Erweiterung seiner Macht zu streben: es wurde von der französischen Revolutionsidee in's Schlepptau genommen und glaubte, nach der dort ausgegebenen Parole der „Volkssouveränetät" sich am besten selbst •regieren zu können. Und als König Friedrich Wilhelm IV. dem Drängen nachgebend eine Nationalversammlung einberufen hatte, entwickelte sich in derselben bei Berathung der Verfassung ein von dem Terrorismus politischer Klubs so abhängiger Geist, daß wir nicht nur der Republik, sondern der Anarchie zugesteuert wären, wenn nicht der König wieder Zucht und Ordnung hergestellt hätte. Wenn nun aber die Freisinnige Zeitung auf das nationale Bewußtsein jener Zeit hinweist und bemerkt: „Die Idee des deutschen Kaiserthums bei den Hohenzollern ist gerade in der Bewegung jener Jahre geboren worden", so weiß sie offenbar von der vorhergehenden Geschichte nichts. Die preußischen Könige haben das Ziel einer nationalen Einigung nie aus dem Auge verloren: wir erinnern nur an Friedrichs des Großen „Fürstenbund", an die Idee eines norddeutschen Kaiserthums unter König Friedrich Wilhelm III., an die Proklamation, mit welcher die Befreiungskriege eingeleitet wurden.
Sollte dieses Ziel endlich zur Durchführung kommen, so mußte Preußen ein starkes Heer haben, und diesem einzigen Mittel, das Ideal zu verwirklichen, hat sich das Abgeordnetenhaus der Konfliktszeit beharrlich widersetzt. Wenn Fürst Bismarck einmal später sagte, das Abgeordnetenhaus habe nicht wissen können, wo die Politik schließlich hinausgehen solle, so hatte diese versöhnliche Entschuldigung gewiß nicht den Zweck, die damalige Opposition reinzuwaschen: sie bezeugt nur, daß das Parlament nichts wußte, obwohl es nach der ganzen geschichtlichen Entwicklung wissen mußte, worauf die Politik des Königs von Preußen abzielte. Wenn aber das fortwährende Versagen der nothwendigen Mittel, das Verlangen, daß sich der König der parlamentarischen Majorität unterwerfe, daß er die neugeschaffenen Bataillone nach Hause schicke und den Minister von Bismarck- Schönhausen entlasse, keine „Schmälerung der Macht der Krone" bedeuten soll, so wissen wir nicht, was eine solche sonst wäre: vermuthlich ist nach freisinniger Auffassung eine solche überhaupt nicht möglich. Zu behaupten aber, wenn Alles nach den Köpfen des Fortschritts gegangen wäre, wären wir heute ebenso weit wie wir jetzt sind, ist, wenn es nicht zu frivol wäre, mehr als lächerlich. Das ist eine Herabsetzung des Andenkens des großen Kaisers, welchem wir nicht nur die Einigung Deutschlands, sondern auch die Wiederherstellung des Ansehens und die Befestigung der Macht der Krone zu verdanken haben.