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Hanauer Anzeiger.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 208

Mittwoch den 5. September

1688

Bekanntmachungen Künigl. Landrathsamts.

Mit der kommissarischen Verwaltung der Bürgermeisterstelle in Fechenheim ist bis auf Weiteres der Bezirksfeldwebel Baumert aus Frankfurt a/M. betraut worden.

Hanau am 3. September 1888.

Der Königliche Landrath.

A. 1104_____________In Vertretung: Baabe.__

Faselmarkt zu Seligenstadt.

Zur Förderung der Rindviebzucht findet Mittwoch öen 19. September 1888, Vormittags 9 Uhr beginnend, zu Seligenstadt vor dem Mainthor ein Faselmarkt

statt, auf welchem zugleich die Ankörung verkäuflicher Thiere von im Kreis Offenbach wohnenden Viehzüchtern durch die Kreiskör- Kommission erfolgen wird. (Faselhaltungsgesetz vom 26. Oktober 1887.) " Indem wir das landwirthschaftliche Publikum innerhalb und außer­halb des Kreises zur Beschickung des Marktes mit schönen Thierexemplaren, zum Besuche und zur Benutzung der günstigen Ankaufsgelegenheit hier­durch einladen, wird bemerkt, daß sämmtliche vorgeführten Bullen von fia einer Sachverständigen-Kommission besichtigt, nach ihrer Güte gewürdigt fe und daß für die vorzüglichsten Thiere Geldprämien zuerkannt werden.

Die Preise werden nur für wirklich preiswürdige Thiere, jedoch ohne Rücksicht darauf gewährt, ob der Bulle auf dem Markt verkauft wurde oder nicht, sowie darauf, ob derselbe von dem Eigenthümer und w innerhalb des Kreises gezüchtet wurde oder nicht.

n Die Thiere müssen längstens um 9 Uhr auf dem Platze, an den r Vorderbeinen mit starken Schlingen gefesselt und von zwei Mann geführt " sein. Im Gegenfalle ist Wegweisnng zu gewärtigen.

" Da verschiedene Gemeinden des Kreises Thiere rein Simmenthaler ® Raye zu kaufen beabsichtigten, ist die Zufuhr von solchen Fasel besonders * erwünscht.

Von allen Verkäufen bittet man dem auf dem Platze anwesenden 7 Bürgermeisteister Wolz Kenntniß zu geben. Für etwa gewünschte Proto- kollirung der abgeschlossenen Kaufgeschäfte wird Sorge getragen.

Offenbach a. M., den 23. August 1888.

> Grobherzogliches Kreisamt.

8452 Haas. '(! ---------------------------------'-------------------------------------------------------1-------------------------------------------------------------------------------------------

H t Die Sehnsucht nach demalten Bismarck".

In einer Berliner Wählerversammlung sagte der freisinnige Ab- geordnete Alexander Meyer kürzlich Folgendes:Wenn ein (von den Konservativen) herausgegebenes Flugblatt sage, daß man deshalb für die " freisinnige Partei nicht stimmen könne, weil sie unserem großen Staats- mann Schwierigkeiten mache und die Parole ausgebe:Fort mit Bis- marck!", so seien dies baare Unwahrheiten. Die freisinnige Partei gehe gegen den Fürsten Bismarck nicht so feindselig vor, wenn sie auch der Meinung sei, daß diejenigen sich an dem großen Staatsmanne versündigten, welche glaubten, ihm in allen Dingen unbesehen Recht geben und auf die eigene Kritik verzichten zu müssen. Die freisinnige Partei kämpfe für den 1 alten Bismarck gegen den neuen, sie rufe nicht:Fort mit Bismarck!" 'sondern:Her mit dem alten Bismarck".

. Wenn wir Herrn Meyer trauen können, bestände also bei den Frei­sinnigen eine gewaltige Sehnsucht nach demalten" Bismarck. Das wird l Allen, die sich während der letzten zwanzig Jahre an dem politischen Leben ; in irgend einer Weise beteiligt haben, gewiß neu sein, vermuthlich sogar den Freisinnigen selbst. Daß die Freisinnigen absolut nichts von dem

. WorteFort mit Bismarck 1" wissen wollen, ist zwar recht erfreulich, è aber stimmt gar nicht mit ihrem bisherigen Verhalten überein. Wir er- t innern uns eines Wortes der damals echt fortschrittlichenVolkszeitung" ^aus dem Jahre 1879, welches lautete:Es gibt keine andere Hülfe als daß man angesichts der Lage des Landes sich aufrafft zu dem, was wir sein sollen, zu Männern, die furchtlos und frei aussprechen, was das

Land empfindet: der Herr Reichskanzler Fürst Bismarck muß fort von seinem Platze." Und dieses ThemaFort mit Bismarck" hat auch Herr Eugen Richter wiederholt in Reichstagsreden variirt.

Doch die Bekehrung kann ja inzwischen ein getreten sein. Nunmehr also ist die Parole der Freisinnigen:Her mit dem alten Bismarck!" Ob der, nämlich der alte Bismarck, ihnen wirklich gefallen würde? Wie sieht denn der alte Bismarck aus? Freilich befolgte er früher noch nicht die wirthschaftlichen Grundsätze, deren Anwendung sich erst später in Folge der Krachzeit als eine unbedingte Nothwendigkeit heraus­gestellt hat. Aber schon damals wie heute war er wer gedenkt nicht seines heldenhaften Widerstandes gegen die Machtansprüche des Parlaments in der Konfliktszeit? ein wackerer Vorkämpfer des Königthums und ein ebenso entschiedener Gegner der parlamentarischen Herrschaft. Er protestirte kräftig dagegen, daß man die Krone zu einem ornamentalen Schmuck und zu einem todten Maschinentheil in dem Verfassungsgebäuee herabdiücke. Und reden wir von der Folgezeit: hat denn der alte Bis­marck bei dem Fortschritt Unterstützung gefunden, als er die norddeutsche Bundesverfaffung zur Abstimmung brachte, als die Reichsverfassung ein­gerichtet wurde, als er im Jahre 1874 unsere Heeresverfassung auf das Septennat gründete, als die Justizreform zum Abschluß gebracht, das Wucher-, das Sozialistengesetz vorgelegt wurde?

Doch was braucht man sich mit den Beweisen abzumühen, daß der Ruf nach dem al en Bismarck jetzt nichts weiter als eine Maske ist. Weder der alte noch der neue Bismarck hat sich je der Gunst des Fort­schritts zu erfreuen gehabt, und wenn er heute wie früher diese selben Männer zu Gegnern hat, so beweist das am besten, daß überhaupt zwischen demalten" und demneuen" Bismarck kein Unterschied besteht. Und wenn jetzt Herr Meyer sagt, die Freisinnigen wären gar nicht so feind­selig gegen Bismarck, daß sie seinen Rücktritt forderten, so weiß alle Welt, warum jetzt eine solche Mäßigung; denn früher waren sie nicht so be­scheiden und zurückhaltend: die Trauben sind nämlich den Herren zu sauer geworden!_______________________

TüßesschsN.

Berlin, 4. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich heute früh zu den Uebungen der Kavallerie Division des III. Armee- Corps nach der Gegend bei Jüterbog. Mittags kehrten Se. Majestät zurück und fuhren alsbald nach Potsdam weiter.

Berlin, 3. Sept. Am heutigen Tage hat zu Potsdam die Ver­lobung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Sophie Dorothea Ulrike Alice von Preußen, Schwester Sr. Majestät des Kaisers und Königs, mit Sr. Königlichen Hoheit dem Kronprinzen Constantin von Griechen­land, Herzog von Sparta, Sohn Sr. Majestät des Königs der Hellenen und Ihrer Majestät der Königin der Hellenen, Olga Constantinowna, Großfürstin von Rußland, mit Bewilligung Sr. Majestät des Kaisers und Königs sowie unter Zustimmung Ihrer Majestäten der Kaiserin und Königin Friedrich und der Kaiserin und Königin Augusta stattgefunden.

Berlin, 4. Sept. (K Z.) Es darf jetzt als feststehend angesehen werden, daß der kaiserliche Hof im Spätherbst nach Charlottenburg ver­legt wird. Nur wenn wider Erwarten sich die jetzt in Angriff ge­nommenen Erneuerungsarbeiten verzögern sollten, würde die Residenz nach Berlin verlegt werden, wo gleichfalls im königlichen Schlosse die Wohn­räume des Kaisers einer Erweiterung unterzogen werden. Wie verlautet, plant der Kaiser überhaupt für die Zukunft Erweiterungen der hiesigen Residenzschlösser. Ein älterer Plan, das sogenannte Prinzessinnenpalais, neben dem ehemals kronprinzlichen Palais, abzutragen, einen angrenzenden Baugrund zu erwerben und auf diesem erweiterten Grundstück einen neuen Schloßbau aufzuführen, ist wegen entgegenstehender Hindernisse endgültig aufgegeben. Dagegen ist man der Absicht näher getreten, an der Wasser­seite des alten königlichen Schlosses, indem die Frontseite des Baues aus geschichtlichen Rücksichten erhalten wird, einen größeren Neubau aufzu- führen, namentlich um größere Gesellschaftsräume, z. B. einen Festsaal von bedeutendem Umfange, zu gewinnen. Diese Pläne sind jetzt Gegen-- stand der Erört rung; wie weit ihre Ausführung möglich sein wird, ist jetzt noch nicht zu bestimmen.

Im nichtamtlichen Theile desReichs Anzeigers" wird mitge­theilt : Auf Veranlassung des Staatssekretärs des Innern ist im kaiser­lichen Gesundheitsamt eine Anleitung zur Gesundheitspflege an Bord von