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Nr. 204.

Freitag den 31. August

1888.

BeZarmtMschungen Königs LaNdraLhsamts.

Das nachstehende Ausschreiben des Kgl. Bezirksamts zu Markt­heidenfeld wird veröffentlicht.

Hanau am 28. August 1888.

Der Königliche Landrath

P. 5521 Gf. Bismarck.

Am 26. ds. Mts., Vormittags 98s Uhr, ertranken beim Baden im Maine bei Stadtprozelten die nachgenannten beiden Söhne des Lehrers K. Sotier in Stadtprozelten:

1) Josef Oskar, 14 Jahre alt, mit hellblonden Haaren und weißer Gesichtsfarbe,

2) Eugen, 11 Jahre alt, mit schwarzen Haaren und bräunlicher Ge­sichtsfarbe.

Die beiden Leichen werden nur mit einer Badehose bekleidet sein.

Ich ersuche, die k. Gendarmerie und die am Maine gelegenen Ge­meinden entsprechend zu verständigen und beim event. Auffinden der Leichen den Vater, Lehrer Sotier in Stadtprozelten, gefälligst telegraphisch zu verständigen.

Marktheidenfeld den 27. August 1888.

_________________________Königliches Bezirksamt._________________________

Mns[ificei6en Kömgl. SfaafsanmKfdiaff zu Frankfurt a. K.

J. 996/88. Das am 8./6. c. gegen den Kürschner Martin Fischer von Neustadt erlaffene Ausschreiben ist erledigt.

B. 14999. J. 1520/87. Ueber den Aufenthalt des Bäckers Friedrich Johann Hartmann, geboren am 21. Juni 1849 zu Nieder­tiefenbach, wird Auskunft begehrt.

14047 A. J. 3392/88. Ueber den Aufenthalt der Arbeiterin Babette Mehling, geb. Kuhn, von Obernheim, wird Auskunft begehrt.

J. 1476/87. Das am 30./5. l. I. gegen den Tagelöhner Jakob Ziegenhain aus Ramroth erlassene Ausschreiben ist erledigt.

6268 C. M. 107/88. Das Ausschreiben vom 20. d. M. gegen Stephan Gust. Hal ein von Mainz ist erledigt.

Frankfurt a/M. den 28. August 1888.

A. 14273. J. 3339/88. Ueber den Aufenthalt des Knechts Damian F r i s ch l e r von Mittelkalbach, 22 Jahre alt, wird Auskunft begehrt.

14669 B. J. 3423/88. Ueber den Aufenthalt des Taglöhners Jakob Schmidt, geboren am 17. Dezember 1849 zn Eichelsachsen, wird Auskunft begehrt.

J. 3277/88. Der am 21./8. l. I. gegen den Konrad Witzel aus Vilbel und Hch. Konrad Kuhn von Homburg v/H. erlassene Steck­brief ist erledigt.

Frankfurt a/M. den 29. August 1888.__________________________

J. 3170/88. Gegen den Taglöhner Konrad Merz, geb. 22./4. 1860 zu Hattersheim, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 28. August 1888.

, Königliche Staatsanwaltfchaft.

14355 A. J. 3365/88, Gegen den Metzgerburschen Isaak Reis, geboren am 6. Dezember 1867 zu Langendiebach, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Unterschlagung verhängt.

Es wiro ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich hierher Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 30. August 1888.

____Königliche Staatsanwaltschaft._____________________

Der Einfluß der heutigen Produktionsweise aus, die Lage der Arbeiter.

NR. Nach den neuesten statistischen Ermittelungen übertrifft die Kraft der gegenwärtig in allen Ländern des Erdballs thätigen Dampf­maschinen einschließlich der Lokomotiven die Arbeitskraft der gesammten Menschheit um das Doppelte. Alle jetzt für die Erzeugung und den Vertrieb von Gütern zusammenwirkenden Kräfte betragen daher schon jetzt, wo doch ein sehr großer Thei der Erde der Civilisation noch nicht

erschlossen ist, das Dreifache dessen, was an Menschenkraft dafür auf der ganzen Erde vorhanden, aber weitaus nicht in vollem Umfange nutz­bar gemacht ist. Die Annahme läge nahe, daß eine so bedeutende Kon­kurrenz der Maschinenkraft den Werth der menschlichen Arbeitskraft und damit den Arbeitslohn erheblich herabdrücken werde, sie ist in der That im Anfang der gegenwärtigen Wirthschaftsperiode gehegt worden. Die Erfahrung aber hat gelehrt, daß, von einigen Ausnahmen abgesehen, die Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft in dem Zeitalter der Maschinen sich nicht vermindert, sondern gehoben hat und eben dasselbe gilt von dem Arbeitslohn. Wohl ist die Art der Beschäftigung im Großen und Ganzen eine andere geworden, zwischen den verschiedenen Arbeitszweigen haben mannigfache Verschiebungen stattgefunden und der Uebergang von dem Hand- zum Maschinenbetriebe hat sich öfter nicht ohne Schwierig­keiten und vorübergehende Nachtheile für die Arbeiter vollzogen. Ver­gleicht man aber die Gesammilage unserer Arbeiter in der Gegenwart mit der vor 50 oder gar vor 100 Jahren, so wird man der Ueber­zeugung sich nicht verschließen, daß sehr, sehr bedeutende Fortschritte gemacht sind. Dasselbe, was hinsichtlich der zeitlichen Unterschiede Platz greift, gilt aber nicht minder bezüglich der räumlichen. Die Arbeiter in den civilifirten Staaten, welche zugleich die Sitze der Verwendung von Maschinenkraft sind, befinden sich in ungleich besserer Lage, als die Arbeiter in den zurückgebliebenen, wesentlich noch auf dem Standpunkte des Handbetriebes stehenden Ländern. Man vergleiche z. B. den Arbeitslohn und die Lebenshaltung eines Arbeiters in der rheinisch - westfälischen Industrie mit der Lage der chinesischen Arbeiter, der Kulis, der Neger u. s. w. Ja, in den zivilistrten Länder selbst wieder­holt sich die Erscheinung. Nicht nur die absolute Höhe des Lohnes, sondern auch das ganze Lebensniveau der Arbeiter in den Jndustriege- genden und Großstädten Deutschlands übersteigt wesentlich die Einnahme und Lebenshaltung der Arbeiter in den industriearmen Gegenden des Ostens. Der Zug nach dem Westen und den Großstädten hat hierin seine Hauptursache. Der Maschinenbetrieb seinerseits hat sich so großartig nur durch die Intelligenz und Energie der Unternehmer und die ihm zur Verfügung stehenden Kapitalien entwickelt. Weit entfernt also, die Lage der Arbeiter zu verschlechtern, ist die heutige von den Sozialdemokraten als kapitalistisch bezeichnete Produktionsweise die Ursache und Voraus­setzung der günstigen Lage unserer Arbeiter im Vergleich mit früheren Zeiten und den Ländern, wo diese Produktionsweise noch nicht besteht.

T a g e s s ch ü N.

Berlin, 30. August. Se. Majestät der König haben Allergnä- digst geruht den Ober Präsidenten v. Leipziger in Hannover in gleicher Amtseigenschaft in die Provinz Westpreußen zu versetzen und zugleich dem­selben den Königlichen Kronen-Orden 1. Klasse zu verleihen.

Berlin, 30. August. Zum Ehrendienst sind Allerhöchst komman- dirt worden: zu Sr. Majestät dem König von Sachsen der General der Infanterie, General Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Gouverneur von Berlin, v. Werder, sowie der Oberst-Lieutenant Graf v. Keller, Abtheilungs Chef im Großen Generalstabe ; zu Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin der General - Major Graf v. Schliessen, General â la suite Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Kommandant von Berlin.

Berlin, 30. August. Der König von Schweden ist heute Nach­mittag mit Begleitung hier eingetroffen und vom Kaiser, dem Prinzen Heinrich, den zum Ehrendienst befohlenen Grasen Monts und General­major v Brauchitsch empfangen worden. Nach herzlicher Begrüßung be­gaben sich der Kaiser und der König ins Schloß unter Vorantritt und gefolgt von je einer Schwadron Gardes-du-Corps. Um 4^2 Uhr findet ein Diner von 24 Gedecken mit den angekommenen Gästen statt. Das sächsische Königèpaar ist heute Abends 7 Uhr hier eingetroffen und vom Kaiser und den Prinzen Heinrich und Leopold empfangen worden, auf dem ganzen Wege nach dem Schlosse von der dichtgedrängten Volksmenge jubelnd begrüßt. (Fr. N.)

Berlin, 29. Ang. Betreffs der Herbstübungen des Gardekorps und des 3. Armeekorps ist jetzt folgendes festgestellt: nachdem über dns Gardekorps am 1. September die große Parade auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin abgehalten, rücken die Truppentheile desselben am 3. und 4. zu den Brigade- und Divisionsübungen in die Gegend nordöstlich