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Nr. 198 Freitag den 24. August 1888.
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Amtliches.
Bekanntmachung.
Bei den Postagenturen in Meimbressen und Calden werden am 11. August Telegraphenanstalten mit Fernsprechbetrieb eröffnet.
Cassel den 10, August 1888.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor
Zur Linde.
Hetatmtâchungen Kömgl. Larrdrathsamts.
Bewerber um die neugegründete 7te Lehrerstelle an der evangel. Schule zu Fechenheim werden aufgefordert, ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen alsbald einzureichen. Mit der Stelle ist ein Einkonimen von 900 Mk. nebst freier Wohnung und eine Feuerungsentschädigung von
90 Mk. verbunden.
Namens des Schulvorstandes:
V. 4880___________Der Landrath : Gf. Bismarck.
T K 8 e s s ch a u.
Berlin, 23. August. Der Chef des Generalstabes der Armee, General der Kavallerie Graf v. Walversee, Generall Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs, ist von Urlaub hierher zurückgekehrt.
Berlin, 23. August. Der „Nationalzeitung" zufolge schenkte der Kaiser von Rußland dem Minister Grafen Herbert Bismarck sein Bild.
Berlin, 23. August. Der Vizepräsident des Staatsministeriums, Staatssekretär des Innern v. Bötticher, welcher am Samstag zur Theilnahme an dem Binnenschifffahrtskongreß sich nach Frankfurt a. M. be- j geben hatte, wird heute Abend hier zurückerwartet. Anfangs September wird Herr v. Bötticher Berlin wieder verlassen, um sich auf einige Wochen in ein Bad zu begeben.
Berlin, 23. Aug. Der Botschafter v. Schweinitz wurde heute Nachmittags von der Kaiserin Friedrich und darauf von der Kaiserin . Augusta in Babelsberg empfangen, welche ihn auch mit einer Einladung zur Tafel beehrte. Der König von Griechenland trifft nächsten Samstag hier zu einem mehrtägigen Aufenthalt ein. (F. N.)
Berlin, 22. Aug. Nach einem Erlasse des Finanzministers soll das zur Beaufsichtigung der Zuckerfabriken demnächst zu verwendende Wachtbeamtenpersonal in Anbetracht der Kürze der Zeit, für welche dasselbe jedes Jahr in Thätigkeit tritt, nicht etats mäßig ar gestellt, vielmehr sollen dafür Hülfsbeamte und zwar solche Civil- und Militärpensionäre in Aussicht genommen werden, welche zuverlässig sind und körperlich noch die erforderliche Rüstigkeit besitzen. Die Dauer der Beschäftigung wird alljährlich 2V2 bis 4 Monate betragen und die einberufenen Personen erhalten als Vergütung außer den persönlichen Reisekosten einen Tagegeldersatz von 3 Pf. (K. Z.)
Son«enburg, 23. August. Kaiser Wilhelm traf, nach den „Fr. N." mit den Prinzen Heinrich heute Vormittag 10 Uhr, von einer zahlreichen Bevölkerung enthusiastisch begrüßt, hier ein. Nachdem dem Kaiser um 103/a Uhr im Kapitelsaale die Insignien des Johaniterordens feierlichst überreicht worden waren, begab der Kaiser sich mit den Kom- mendatoren, Ordensbeamten, Ordensmarschällen und den zu investirenden Ehrenrittern in feierlichem Zuge, welchen der Herrenmeister mit Gefolge schloß, nach der Ordenskirche, wo der Ritterschlag erfolgte. Nach Beendigung der Zeremonie sprach der Kaiser folgende Worte: „Hier, an der i heiligen Stätte, wo vor fünf Jahren mein seliger Vater stand, und im Sinne meines in Gott ruhenden Großvaters als Protektor des Ordens L erkläre und gelobe ich als König von Preußen, ein Schirmherr und Schützer zu sein, so wahr mir Gott helfe." — Nachmittags 2 Uhr besichtigte der Kaiser das Ordenskrankenhaus, das, wie alle Häuser der Ltadt, festlich geschmückt war. Nach der Rückkehr fand um 2 Vs Uhr V das Diner im Rittersaale statt. Prinz Albrecht brachte den Toast auf I Kaiser aus, welchen letzterer mit einer Ansprache und dem Hoch auf - den Herrenmeister erwiderte. Nachmittags 5 Uhr trat der Kaiser mit seiner Begleitung, von der Bevölkerung mit begeisterten Zurufen begrüßt, ; he Rückreise nack Potsdam an.
Kaiser Wilhelm beabsichtigt, nach den „K. Z.", an einem der nächsten Wochen den König von Sachsen zu besuchen.
Friedrichsruh, 23. Aug. Crispi reiste mit dem um 8 Uhr 30 Minuten von Hamburg abgehenden Schnellzuge, der ausnahmsweise in Friedrichsruh anhielt, ab. Fürst Bismarck geleitete seinen Gast an den i
Eisenbahnwagen und verabschiedete sich herzlichst von demselben. Crispi wird dem Vernehmen nach in Leipzig übernachten und die Reise nach Karlsbad morgen fortsetzen.
Wilhelmshafen, 23. Aug. (K. Z.) Heute Mittag ging der neue Kreuzer B glücklich vom Stapel. Capitän z. S. Mensing taufte denselben Sperber.
Köln, 23. August. Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Leopold traf im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers und Königs zum Besuch der Internationalen Gartenbau - Ausstellung heute Vormittag hier ein und wurde von einer zahlreichen Menschenmenge auf das Herzlichste begrüßt.
Die „Nordd. Nllgem. Ztg." belehrt in ihrem leitenden Artikel den „Reichsboten", daß seine Behauptung, die Negierung wäre zu den Konservativeen gekommen, nachdem die liberale Gesetzgebung Schiffbruch gelitten, falsch sei; wohl aber hätten Konservative, nachdem sie eingesehen, daß die konservative Fraktion sich auf dem vom „Reichsboten" noch immer verfolgten Wege festgefahren, eine Wiederannäherung an die Regierung gesucht und ein deutschkonservatives Programm entworfen, wodurch die Reform der konservativen Partei sich vollzogen habe. Als Ergebniß dieser Reform bezeichnet die „Nordd. Allgem. Zeitung" das steigende Wachsthum der konservativen Fraktion im Reichs- und Landtage durch die seit 1874 erfolgten Wahlen.
Das „Posener Tageblatt" bemerkt: Unsere Parteifanatiker, die nichts höheres zu kennen scheinen, als Programmtifteleien und Fraktionsweisheit, möchten sich ihrerseits einmal die Fragen vorlegen, ob sie es vor ihrem nationalen Gewissen verantworten können, angesichts der ernsten Zeitläufte, in denen wir uns befinden, wo jeder Augenblick die straffste Zusammenfassung aller lebendigen Kräfte des Volks nothwendig machen kann, Zwietracht und Fehde wegen verhältnißmäßig untergeordneter Nebendinge zu predigen und dadurch das Ausland in dem Wahne bestärken zu helfen, daß die Uneinigkeit der Deutschen den Feinden des Reiches Chancen biete. Der Frieden ist ein uns anvertrautes Kapital, dessen Zinsen uns zu Gute kommen sollen, dessen Bestand selbst aber nicht angetastet werden darf. Wir sind stark durch unsere wunderbare Wehrverfassung, stärker aber noch durch die Achtung, welche die moralische Autorität der deutschen Politik aller Welt abnöthigt, und die ihrerseits wieder bedingt wird durch das Maß unserer Hingabe an den nationalen Gedanken und dessen Konsequenzen. Ter Ernst der Zeit wird durch die Macht des nationalen Gedankens zwar nicht verscheucht, aber doch in möglichst enge Schranken gebannt. Je ein-"üthiger sich daher das Volk, unter bewußter Zurückweisung aller parteiegoistischen Tendenzen, um den Thron schaart, um so wirksamer wird es zu seinem Theil daran Mitwirken, daß die erste Signatur der Zeit in keine den Frieden un ittelbar bedrohende Spitze auslaufe, desto getreulicher handelt es im Sinne Kaiser Wilhelm's und seines großen Kanzlers.
Hamburg, 23. August. Ein gestern in der Holzbearbeitungs- sabrik von F. H. Schmidt in Altona ausgebrochenes Feuer ist nock nicht gelöscht. Da der Brand unmittelbar an der Hamburg - Altonar Verbindungsbahn um sich greift, müssen die Züge zwischen Hamburg und Altona über die Pinneberger Strecke fahren.
München, 23. Aug. Der König von Portugal ist Morgens 1 Uhr hier ein getroffen- Der portugiesische Gesandte Marquis v. Pena- fièl war ihm bis Simbach entgegengereift.
Pest, 23. August. Vierzig Bauern der rumänischen Gemeinde Bombest welche in Folge der Grènzregulirung an Ungarn fällt, widersetzten sich der ungarisch-rumänischen Grenzregulirungs-Kommission; der rumänische Telegirte stellte, falls die Bauern ihren Widerstand nicht gütlich aufgeben, ein bewaffnetes Einschreiten in Aussicht.
Haag, 23. Aug. Im Befinden des Königs ist heute eine wesentliche Besserung eit getreten.
Dem „Temps" wird aus Madrid gemeldet, daß dort wiederum eine Militärverschwörung entrech worden sei, welche in etnem bei Madrid zu Villovaro garnisonirenden Artillerie Regiment ihren Hauptsitz habe. Sechs Sergeanten und verschiedene Militär-Reitlehrer, darunter der Chef der königlichen Manege, sind bereits verhaftet/ sechszig zur Artillerie und zum Genie in Madrid kornmandirte Subalternoffiziere in ihre Regimenter zurückgeschickt. In der Provinz soll auf Offiziere sowohl, wie Sergeant m die größte Achtsamkeit gerichtet werden. In Madrid schlafen höhere Offi-