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Nr. 189.

BekarmtMachrmgen Körrigl. LaRdrathsamts.

Nachstehendes Ausschreiben wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß diejenigen Personen, welche über Bergmann Auskunft zu geben im Stande sind, dieses hier thun und sich die Photographie ansehen können.

Hanau am 10. August 1888.

Der Königliche Landrath

P. 5092 Gf. Bismarck.

Dienstag den 14. August

Am 21. v. Mts. wurde bahièr der am Schluß signalisirte Unbe­kannte unter dem dringende Verdachte festgenommen, in der hiesigen Stadt und in anderen Gegenden Deutschlands zahlreiche Einbruchsdiebstähle an Silber- und sonstigen Werthsachen verübt zu haben.

Der Unbekannte nennt sich Oekonom Karl Bergmann und will im August 1842 oder 1843 zu Danzig als unehelicher Sohn der Katharina Bergmann geboren sein.

Derselbe wohnte hier seit Januar 1884 mit der von ihrem Ehe­mann, dem Maler Karl Wilhelm Bergmann von Cöln, getrennt leben­den Maria Elise Bergmann, geborene Schmidt, geboren am 3. Mai 1841 zu Stürzelbach, zusammen, welche er als seine Ehefrau ausgab.

Die Letztere, welche jetzt zugibt mit dem Rubrikaten nicht verheirathet zu sein, ist wegen Hehlerei festgenommen worden. Dieselbe will den wirk­lichen Namen des Rubrikaten nicht kennen, sie gibt an, daß sie nur wisse, daß derselbe denselben Ramen führe, wie ihr Ehemann und daß er auch zu Cöln, wo derselbe etwa vom Jahre 1882 bis zu ihrem Umzuge hierher, schon mit ihr gelebt habe, auch von dritten Personen mit dem Namen Bergmann angeredet worden sei. Der Genannte führt unzweifel­hast einen falschen Namen und scheint ein schon schwer Bestrafter, oder . ein noch verfolgter Verbrecher zu sein.

Der angebliche Bergmann hat dahier eine Beschäftigung nicht ge- W habt, er besuchte täglich mehrere, meistens anständige Wirthschaften, theils allein und theils mit seiner angeblichen Ehefrau zusammen. Dieselben verkehrte» dort ausschließlich mit anständigen Leuten aus dem mittleren Bürgerstande und zechten flott drauf los. Der Genannte gab sich als kleiner Rentner und Besitzer zweier Häuser in Cöln aus, deren Miether- trag eine namhafte Summe repräsentire, er prahlte auch viel mit seinem Gelde und zeigte hin und wieder seinen Bekannten größere Papierscheine oder ein mit Gold gefülltes Portemonnaie. Beide trugen viel Gold und Schmucksachen am Körper. Dieselben bewohnten hier zwar bescheidene, aber dennoch gut möblirte Räume. Bei ihren Bekannten galten dieselben als brave, gut situirte Leute und ist wohl auch von Niemand vermuthet worden, daß man es mit einem Verbrecher-Paar zu thun hatte.

Beide haben, wie jetzt ermittelt worden ist, mehrfach kurze Reisen unternommen, deren Ziel noch nicht bekannt ist, deren Zweck aber jeden­falls der war, entweder gestohlene Sachen zu veräußern oder nute Dieb­stähle auszuführen.

Bei der Festnahme des angeblichen Bergmann, bei welcher er sich zwei nicht ungefährliche Messerstiche in die Herzgrube beibrachte, fand man in dessen Wohnung eine verschlossene lederne Umhängtasche mit gelbem Bügel, in welcher außer 39 Schlüssel für alle möglichen Behälter und Thüren, eine große Anzahl Dietriche, eine Winde zum Auseinander­biegen von eisernen Traillen, ein ziemlich langes Seil und ein geladener Revolver sich befanden. Ferner wurden noch eine ganze Anzahl von Br chwerkzeugen und Geräthen zum Anfertigen oder Umändern von solchen, . ein Probirstein und eine Flasche Scheidewasser in der Wohnung vorge­funden. Auch einiges Schuhmacherwerkzeug fand sich dort vor und ist es wohl nicht unmöglich, daß er das Schuhmacher-Handwerk früher betrie­ben hat.

' An anscheinend von Diebstählen herrührenden Sachen sind, außer den bereits rekognoszirten, die hierunter verzeichneten Gegenstände be­schlagnahmt worden. Hiervon scheint ein großer Theil von auswärtigen Diebstählen herzurühren.

Frankfurt a/M. den 4. August 1888.

Der Polizei-Präsident von Koeller.

1888.

Signalement des angeblich en Bergmann:

Größe 1,67; Haare dunkelblond; Stirn breit und hoch; Augen grau; Augenbraunen dunkelblond; Nase gewöhnlich; Mund desgl.; Zähne gut; Kinn rund; Gesichtsbildung rund; Bart: dunkelblonder langer Schnurrbart; Gesichtsfarbe gesund; Statur gesetzt; Sprache deutsch; be­sondere Kennzeichen: Narbe auf dem rechten Unterarm.

Verzeichnitz der bei dem verhafteten Silberdieb C. L. Bergmann erhobenen und noch nicht rekognoszirten Gegenstände.

1 goldene Herren-Savonette-Remontoir-Ankeruhr No. 11690; auf dem Staubdeckel der Name der FirmaPerres & Fils. Geneve". 1 kleine golvene Damen-Remontoir-Uhr No. 40635; auf dem vorderen Deckel ein roth emaillirter Zahlenkreis mit blauen Zahlen. 1 kleine goldene Damen-Remontoir Uhr No. 64799; im RückendeckelAnden ken von Großmama" eingravirt; Rückdeckel ciselirt. 1 kleine goldene Damen- Remontoir-Uhr; auf dem Zifferblatt ist der Zahlenkreis blau emaillirt; auf dem Rückdeckel ein Wappen mit schwarzen Punkten. 1 große stark- gliedrige mattgoldene Damenuhrkette mit 2 Quasten. 1 mattgoldene Halskette, woran eine goldene Vorrichtung zur Anbringung eines Me­daillons oder Kreuzes sich befindet. 1 mattgoldene ovale Broche, auf welcher erhaben eine lyrasörmige Figur, umschlossen von 2 goldenen Zweigen sich befindet; in der Mitte der Lyra befindet sich 1 größerer Brillant, umgeben von 6 kleineren Brillanten; am unteren Ende der Broche ein Halbmond mit kleinem Brillant und Goldsransen. 1 schwerer goldener Ring mit großem Brillant, umgeben von Brillantsplittern. 1 goldener Ring mit grünem Brillant (Smaragd), umgeben von 15 weißen Brillanten in länglicher Form. 1 Paar goldene Ohrringe mit Smaragdsteinen, umgeben von 6 Brillanten in Roseltenform; an den Ohrringen kleine Anhänger in Sternform, mit je einem kleinen Brillant. 1 goldener Ring mit Brillant. 1 großer Siegelring mit Amethyst. 1 starker Trauring. 1 goldener Ring mit Brillant. 1 goldener Trauring. 1 Paar goldene Ohrringe mit Brillanten. 1 goldener Schmuck, bestehend aus: 1 Glieder­armband, die einzelnen Glieder Blätter darstellend; 2 Brochen mit rothen Steinen, umgeben von 4x3 weißen Perlen, daran an einer Seite 2 Quästchen, an einer Broche eine Haarkette; 1 Paar lange 2theilige Ohr­ringe mit je einem rothen Stein, 1 Tuchnadel mit 2 herabhängenden Eicheln; sämmtliche Schmuckgegenstände sind blau und weiß emaillirt. 1 goldener Zwicker. 1 goldener feiner Damenring mit Brillant. 1 gol­dener 4reihiger Damenring mit milchblauem länglich 4edigtn Stein. 1 österr. Dukaten vom Jahre 1793 mit Ring. 1 Broche, hergestellt von 1 Frankfurter Schützenfestthaler aus dem Jahre 1852 und 3 kleinen Münzen. 1 große goldene geschlungene Broche mit schwarzem Stein, worauf goldener Zweig mit 2 weißen Perlen, dazu 2 gleiche Ohrringe. 1 goldenes Me. daillon, schwarz emaillirt in Buchform. 1 österr. Dukaten vom Jahre 1723 mit Ring. 1 kleine goldene Vorstecknadel mit weißem Stein. 1 Paar goldene Ohrringe mit Brillanten. 1 goldene Brille. 6 Theelöffel (unächt) mit der FirmaBerndorf A. S." Div. unächte Messer, Ga­beln und Löffel. 1 Theesieb mit gebogenem Griff (unächt). 1 Theesieb ahne Griff (unächt). 1 Trinkbecher von Nickel. 4 aufeinander gelöthete Sousflücke (1855) mit unächter gelber Kette, woran ein Korallenzweig. 1 kleines Opernglas aus Schildpatt. 1 kleines Schmuckkästchen mit ge­bogenem Deckel aus Schildpatt. 1 braunledernes Necessaire mit Spiegel, Kamm, Zahnstocher und Handschuhknöpfer. 1 Bernstein-Halskette mit goldenem Schloß. 1 Damenportcmonnaie von blauem Sammt (Täschchen­form) mit gelbem Bügel und Kettchen. 1 Broche aus schwarzem Stein, darauf eine Schüssel mit 4 Träubchen in buntem Mosaik ausgeführt. 1 Notizbuch, aus 5 Elfenbeinblättern zusammengesetzt. 1 Haarbürste mit schwarzledernem Etui und kleiner Stickerei. 1 goldener Damenring, zwei­reihig mit einer Anzahl weißer Perlen und Türkisen besetzt. 1 goldener Ring mit kleinem milchblauen Stein. 1 schwarzes Armband. 1 Nadel­büchse aus Elfenbein. 1 Nadelbüchse aus Metall, worauf der Palast der Londoner Weltausstellung v. 1851. 1 rothlederne Brieftasche. 2 roth­lederne Portemonnaies. 2 schwarzlederne Portemonnaies. 1 anscheinend »nachte Uhrkette. 1 goldener Hemdeknopf. 1 goldener Manschettenknopf. 1 BuchJmmermann, Werke", Prachteinband. 1 Holzkästchen, hell polirt mit Rosenbouquet.