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Nr. 185.
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Donnerstag den 9. August
Bekanntmachungen Königl. Landrathchamts.
Das unterm 19. März d. I. gegen die Wittwe des Korbmachers Peter Zeller, Marie, geb. Sack, geboren am 26. September 1852 in Elberfeld, erlassene Ausschreiben (Hanauer Anzeiger Nr. 71) wird hiermit erneuert.^ lMWM.
HanauZam 4. August 1888.
Königliche Landrath
P.4962______________Gf. Bismarck.____________________
Tügesschan.
Berlin, 8. August. Der „R. u. St.A." Nr. 202 veröffentlicht: Verordnung, betreffend die Rechtèverhältniffe der Landesbeamten in den Schutzgebieten von Kamerun und Togo.
Berlin, 8. August. Se. Majestät der Kaiser und König kamen gestern früh mit dem um 7 Uhr 28 Min. von Potsdam abgehenden Zuge nach Berlin, verließen bei Bude 4 den Zug und begaben Sich, begleitet von den General- und Flügel ° Adjutanten zu Pferde auf das Tempelhofer Feld, um dort die Besichtigung des von dem Major Menges vom Kriegs - Ministerium nach dem neuen Reglement exerzierten Füsilier - Ba- taiHonf vom Kaiser Franz- Garde-Grenadier- Regiment Nr. 2 abzunehmen. Nach der Besichtigung begaben Sich Se. Majestät in das Schloß und hörten um 9^4 Uhr den Vortrag des Chefs des Militärkabinsts, General- Adjutanten v. Albedyll, sowie des General-Adjutanten v. Hahrke, empfingen um 111/a Uhr den General der Infanterie und kommandirenden General des 10. Armeekorps, v. Caprivi, nahmen um 12 Uhr militärische Meldungen entgegen und empfingen um 12^8 Uhr den kommandirenden Admiral Grafen v. Monts. Darauf folgten Se. Majestät der Kaiser einer Einladung des Offizierkorps des Kaiser Franz Garde - Grenadier. Regiments zum Frühstück und verweilten dort bis gegen 5 Uhr. Se. Majestät übernachteten im Schlöffe zu Berlin.
Berlin, 8. August. Wie verlautet, hat der Kaiser Wilhelm den Befehl gegeben, daß ihm vom Minister des Innern alle auf die Ueber- schwemmungen bezüglichen Nachrichten sofort übermittelt werden. Der Minister des Innern wird nach der „K. 3" gleich nach seiner Rückkehr dem Monarchen über seine Wahrnehmungen im schlesischen Ueberschwem- mungsgebiete Bericht erstatten.
Berlin, 8. August. Die „Nationalzeitung" vernimmt, Fürst Bismarck habe sich in ungemein befriedigter Weise über das Ergebniß der Petersburger Kaiserzusammenkunft ausgesprochen. Das positive Ergebniß derselben sei die Knüpfung eines Verhältnisses gegenseitigen Vertrauens zwischen den Herrschern beider Reiche, womit nach menschlichem Ermessen eine Periode der Beruhigung und eines auf Jahre gesicherten Friedens eröffnet sei. (Rh. K.)
Berlin, 8. August. Der deutsche Gesandte am portugiesischen Hofe, Frhr. v. Wäcker-Gotter, der bereits von hier auf seinen Posten nach Lissabon zurückzukehren gedachte, wird wegen des auf Sonntag erwarteten Besuchs des Königs von Portugal bis zur nächsten Woche in Berlin verbleiben.
Berlin, 8. August. Die „Norddeutsche Allg. Ztg." bleibt dem Artikel des „Nord" über die Massauah-Frage gegenüber bei der Behauptung, daß die Initiative zu der Störung des französisch-italienischen Ein- vernehmeus auf französischer Seite zu suchen sei. Frankreich habe so gut wie keine Handelsinteressen in Massauah, welche die Dahinsendung eines Konsuls nothwendig gemacht hätten; es habe, indem es die Griechen in Massauah unter seinen Schutz nahm und zum Piotest gegen die Besteuerung bewog, sich nur an Italien reiben wollen. Der Vorgang zeige, daß Frankreich am wenigsten von allen Mächten Werth auf die Erhaltung des Friedens in Europa lege, im Gegentheile eifrig bemüht sei, denselben zu stören.
Berlin, 8. August. S. M. Kreuzer-Fregatte „Bismarck" ist am 7. August cr. in Gibraltar eingetroffen und beabsichtigt am 9. defl. Mts. die Heimreise fortzusetzen. — S. M. Kanonenboot „Cyclop" ist am 7. ^âust cr. auf St. Thomä eingetroffen und beabsichtigt am 19. dess. Mts. wiener in See zu gehen.
Auf der Strecke Schwelm-Elberfeld hat sich am Sonntag tn einem dicht besetzten Wagen 4. Klasse zwischen einer Harfenspielergesellschaft, aus drei Herren und mehreren Damen bestehend, eine ernste Prügelei entwickelt. Da schließlich das Messer Verwendung fand, so geriethen die Mitreisende n in große Bedrängniß und selbst den Schaffnern
1888.
wurde mit Erstechen gedroht. In Opladen wurde ein Harfenspieler angeblich todt ausgeladen, während die widerspenstigen Kollegen gefesselt der Polizeibehörde übergeben wurden. „Wo man singt, da laß Dich ruhig nieder 2c." (Dfz.)
Görlitz, 7. August. Tas Königliche Eisenbahn-Betriebsamt macht bekannt: Heute Mittag wird der Bahnhof Lauban für den Personenverkehr wieder eröffnet. Die Strecke Greiffenberg—Löwenberg ist von Greiffenberg bis Schmoltseifen für Personen und Güter wieder fahrbar.
München, 8. Aug. Die heutige Versammlung des deutschen Kunstgewerbetages wurde von dem Staatsrath Dillis und dem Bürgermeister Horscht begrüßt. Es wurde beschlossen, dem nächsten Kongreß Arbeilssteff über die bisher unzureichenden Erfolge des Musterschutzgesetzes vorzulegen, ferner wurde der Nutzen der Kleinmotoren und der Ausfuhrmusterlager erörtert.
Wien, 8. Aug. Ter Polit. Corr, zufolge hat die deutsche Regierung dem von Crispi in seinen Noten vom 25. Juli dargelegten Standpunkte Italiens in der Massauah-Frage zugestimmt. Die Meldung von schwebenden oder bevorstehenden Unterhandlungen der Kabinette von Wien, London und Rom über Bulgarien finden in hiesigen Kreisen keine Bestätigung.
Kopenhagen, 7. August. Dem Kronprinzen ist durch Allerhöchste Verordnung vom gestrigen Tage die Führung der Regierung während der Abwesenheit des Königs übertragen worden.
Paris, 8. August. An der Beerdigung des Generals Eudes nahmen 15,000 Personen theil, die Jnimortellenbouquets und rothe Blumen im Knopfloch trugen. Der Zug setzte sich unter dem Rufe: „Es lebe die Kommune" um 11 Uhr in Bewegung. Die streikenden Erdarbeiter, Kellner und Friseurgehilfen nahmen am Zuge Theil. Ein Zwischenfall am Bonlevard Voltaire verursachte ein lebhaftes Handgemenge. Auf den Polizeikommissär, welcher eine rothe Fahne wegnehmen wollte, wurde ein Revolverschuß abgegeben, welcher fehlging. Ein anderer Kommissär erhielt einen Stockschlag. Da die Polizeibeamten nicht stark genug waren, eilte die vor der Prinz Eugenkaserne zusammengezogene Gensdarmerie herbei. Ein Angriff auf die Menge mit Kolben schaffte der Polizei Luft. Ein weiteres Handgemenge entstand, als der Zug vor der Mairie des elften Arrondissements anlangte. Hier wurde ein Revolverschuß abgegeben und eine Bombe nach dem Polizeiposten geschleudert, die aber nicht explodirte. Tie an dem Polizeiposten in Reserve gehaltenen Stadtgardisten griffen die Menge mit blankem Säbel an. Es gaben mehrere Verwundungen, und zahlreiche V rhastungen wurden vorgenommen. Der Zug setzte sich sodann weiter in Bewegung, war jedoch weniger zahlreich, da viele Theilnehmer sich zerstreut hatten. Auf dem Friedhofe ertönten vielfach Rufe: „Es lebe die Kommune, es lebe die Revolution! " Die Polizei widersetzte stch hier der Entfaltung rother Fahnen. Am Grabe wurden viele Reden gehalten. — Tie Theilnehmer des Leichenzuges verließen den Friedhof ohne ernsteren Zwischenfall. Den Blättern zufolge sind etwa fünzig Personen, darunter mehrere Gensdarmen und Stadtgardisten, verwundet und etwa 25 verhaftet worden. Rochefort wurde nach der Beerdigung von der revolutionären Gruppe ausgepfiffen, welche rief : Nieder Rochefort, nieder Boulanger!
Paris, 8. August. Nach weiteren Meldungen fanden am gestrigen Abend noch zu später Stunde auf den Boulevards Rochechouart und Belleville Ruhestörungen statt, wobei zwei Kaffeehäuser geplündert und mehrere Ruhestörer und Polizisten verwundet wurden. — Eine Versammlung der Glasarbeiter zu Lyon beschloß, am nächsten Samstag eine allgemeine Arbeitseinstellung vorzunehmen, falls die Glasfirmen Mesmer und Jayet sich weigerten, ihre Glühöfen in einer einzigen Fabrik zu kon- zentriren. (Rh. K.)
London, 8. August. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Durban, von gestern: Dinizulu und Andabuko befänden sich mit etwa 2000 Mann in Ceza Buh. Die Transvaal-Regierung habe dem englischen Gouverneur des Zululandes, Havelock, erneut versichern lassen, sie werde energische Maßregeln ergreifen, um eine Unterstützung der Aufständischen durch die Boeren zu verhindern.
Petersburg, 8. August. Das „Journal de St. Petersbourg" konstatirt in Uebereinstimmung mit der Berliner Presse über die politische Tragweite der Reise des Kaisers Wilhelm, daß die Entrevue in-Peterhof ein vollständig friedliches Resultat ergeben hat.