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Hanauer Anzeiger.
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Nr. 175.
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Samstag den 28. Juli
1888.
Bekanntmachungen Kömgl. Landrathsamts.
Der Tagelöhner Johann Peter, gebürtig aus Oberrodenbach, diesseitigen Kreises, hat sich unter Zurücklassung eines Hülfsbedürftigen Kindes von hier entfernt, angeblich nach Friedberg in Hessen. Es wird ersucht nach demselben zu fahnden und im Auffindungsfalle Nachricht hierher zu geben.
Hanau am 19. Juli 1888.
Der Königliche Landrath
A, 949 Gf. Bismarck.
Dienstag den 31. d. Mts. findet auf den Bruchwiesen von dem hier garnisonirenden Infanterie-Regiment Nr. 80 ein gefechtsmäßiges Schießen mit scharfen Patronen statt- Die Schußrichtung ist nördlich und nordöstlich. Das gefährdete Terrain wird durch Sicherheitsposten abgesperrt werden. Diesen Posten ist bei Meidung einer Strafe bis 9 Mark subs. 3 Tage Haft unbedingt Folge zu leisten.
Die interessirten Wiesenbesitzer, mit welchen bereits Rücksprache genommen ist, werden aufgefordert, sich am 30. d. Mts., 12Vs Uhr Mittags, auf den Bruchwiesen einzufinden.
Die Herren Ortsvorstände der umliegenden Gemeinden haben dies sofort in ortsüblicher Weise veröffentlichen zu lassen.
Hanau am 27. Juli 1888.
Der Königliche Landrath
M. 3032 _______________Gf. Bismarck._______________________
Vienst-Nachrichten aus dem Kreise-
Gefunden: Ein weißes Kettenarmband mit Kugel. Ein goldener Ring mit Stein. Eine Peitsche, Ein Paar weiße Gummi-Manschetten (in einem Laden liegen geblieben). Eine kleine Pfeife. Ein einzelner rother Kinderschuh von Safianleder.
Zugelaufen: Am 26. ds. Mts. ein junger schwarzer Hund mit weißer Brust und 4 weißen Pfoten, w. Geschl.; Empfangnahme bei Herty zu Kleinsteinheim, Hauptstraße Nr. 160.
Hanau am 28. Juli 1888,____________________________________
Hns[dim6en lönigL UaaisMwalWaft zu Frankfurt u. M. 13074 B. — N. 414/88, Ueber den Aufenthalt des Metzgergesellen Heinrich Ripps von hier wird Auskunft begehrt.
___Frankfurt a/M. den 25. Juli 1888._____
12137 A. — J. 2907/88. Der Postasststent Haag aus Homburg v/H. ist nach Unterschlagung von 15 250 Mk. flüchtig. Es wird gebeten, auf den Verbrecher zu fahnden. Festgesetzte Belohnung: 750 Mk.
Beschreibung des Haag: Alter 24 Jahre, schlank, klein, frisches Gesicht, helle Augen, schiefer Blick, blondes Haar, Schnurrbart mit sog. Kinnmücke, flache Brust, schlenderiger Gang; H a a g trug bei der Abreise schwarzen Kammgarnanzug, weichen breitkrämpigen schwarzen Filzhut, Zugstiefel, kurze metallene Uhrkette mit abwechselnv gelben und weißen breiten Gliedern. Wahrscheinlich ist Haag von seinem aus Mainz desertirten Bruder begleitet.
Frankfurt a/M. den 26. Juli 1888.
_ _____________Königliche Staatsanwaltschaft._____________________
Tagesschau.
Berlin, 27. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König sind gestern Mittag zum Besuch Sr. Majestät des Königs von Schweden und Norwegen in Stockholm eingetroffen. Dem „R. u. St.-A." liegen über den Sr. Majestät daselbst bereiteten Empfang folgende Telegramme vor:
S t o ck h o l m, 26. Juli. Se. Majestät der König und Se. Königliche Hoheit der Kronprinz halten sich mit dem deutschen Gesandten, Dr. Busch, welcher von dem Legations - Sekretär Prinzen Lichnowsky begleitet war, sowie mit den zum Ehrendienst bei Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm und Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich kommandirten Offizieren heute früh 6Vi Uhr auf der Königlichen Dacht „Drott" ein= geschifft, um dem deutschen Geschwader entgegenzufahren. Ein Theil des schwedischen Geschwaders war schon gestern Abend in See gegangen, um
das deutsche Geschwader bei Sandhamn zu erwarten. Heute Vormittag 8*/, Uhr wurde das deutsche Geschwader bei Gälman, in den äußeren Scheeren, sichtbar. Demselben voran segelte ein aus drei Torpedobooten, dem Panzerboot „Svea" und drei Kanonenbooten bestehender Theil des schwedischen Geschwaders ; dann folgte die Kaiserliche Dacht „Hohenzollern" an der Spitze des deutschen Geschwaders. Nachdem die „Hohenzollern" den Königssalut abgegeben hatte, begaben sich der König (in Admirals- Uniform) und der Kronprinz (in der Uniform des preußischen Neumärkischen Dragoner-Regiments Nr. 3, dessen Chef derselbe ist), Beide mit dem Bande des Schwarzen Adler - Ordens geschmückt, nebst den Herren der veutschen Gesandtschaft und den zum Ehrendienst kommandirten Offizieren auf einer Schaluppe an Bord der „Hohenzollern". Kaiser Wilhelm, welcher das Band des Seraphinen Ordens angelegt hatte, begrüßte den König und darauf den Kronprinzen auf das Herzlichste mit Umarmung und Kuß, während die Dacht „Drott" den Salut abgab und das auf derselben befindliche Mustkkorps „Heil Dir im Siegerkranz" spielte. Die Batterie des deutschen Panzerschiffs „Baden" erwiderte den Salut, und das Musikkorps desselben spielte die schwedische Nationalhymne. Nach etwa halbstündigem Aufenthalt auf der „Hohenzollern" begaben sich der König und der Kronprinz wieder an Bord der „Drott" und kehrten, während das Salutschießen fortdauerte, nach Stockholm zurück, um den Kaiser Wilhelm bei der Landung zu empfangen. — Zahlreiche Privatdampfer mit Zuschauern waren dem deutschen Geschwader entgegengefahren, und alle Villen an den Ufern hatten festlich geflaggt.
Se. Majestät der König traf um ll3/* Uhr wieder hier ein. Kurz nach ll3/i Uhr fuhr auch die deutsche Kaiserliche Jacht „Hohenzollern" unter dem Salut der Geschütze in den hiesigen Hafen ein. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich fuhren mit dem Staatssekräler Grafen Herbert Bismarck und dem übrigen Gefolge in einer Schaluppe nach der Landungsbrücke bei Skeppbron, wo eine prachtvolle, reich mit Flaggen geschmückte Ehrenpforte mit dem deutschen Reichswappen in der Mitte errichtet war. Hier empfingen Se. Majestät der König und Ihre Königlichen Hoheiten der Kronprinz, die Kronprinzeffin, die verwittwete Herzogin von Darlekarlien, von den höchsten Hof- und Staatswürdenträgern umgeben, den Allerhöchsten Gast. Der Empfang war ein äußerst herzlicher. Zwei bei der Ehrenpforte aufgestellte Musikkorps spielten die preußische Nationalhymne; die hier garnisonirenden Truppen waren in Parade aufgestellt. Nachdem der König dem Kaiser Wilhelm, Prinz Heinrich der Kronprinzeffin den Arm gereicht hatte, begaben sich Allerhöchst- und Höchstdieselben mit dem ganzen Gefolge auf einer zu diesem besonderen Zweck erbauten Brücke nach dem gegenüber gelegenen Königlichen Schloß. Die Kopf an Kopf gedrängte Bevölkerung begrüßte Se. Majestät den Kaiser mit lebhaften Hurrahrufen; der Kaiser dankte unausgesetzt nach allen Seiten auf das Huldvollste. Kurz nach der Ankunft im Königlichen Schlosse trat der König mit dem Kaiser auf den Balkon heraus; die versammelte Volksmenge begrüßte die Monarchen enthusiastisch. Der ganze in der Nähe des Schlosses gelegene Stadttheil ist reich, theilweise großartig, dekorirt, die Haltung des Publikums eine äußerst sympathische.
Nachmittags 41/« Uhr unternahm der König mit den Allerhöchsten Gästen eine Spazierfahrt durch den anläßlich des „Bellmans-Tages" mit Menschen überfüllten Thiergarten. Die Begrüßung der Monarchen durch das Publikum war abermals eine sehr enthusiastische.
Stockholm, 26. Juli, Abends. Heute Abend 7^2 Uhr fand im Königlichen Schlosse ein Galadiner statt, wozu 115 Einladungen ergangen waren. Beim Erscheinen der Allerhöchsten und Höchsten _ Herrschaften spielte das Musikcorps des Svea-Leibgarde-Regiments einen eigens komponirten Festmarsch: „An den Kaiser Wilhelm II." Se. Majestät der Kaiser Wilhelm saß zwischen Ihrer Königlichen Hoheit der Kronprinzessin und Sr. Majestät dem Könige; links vom König hatte Ihre Königliche Hoheit die Herzogin- Wittwe von Darlekarlien und neben Höchstderselben Se. Königliche Hoheit der Kronprinz Platz genommen. Tie Kronprinzessin hatte Se. Königliche Hoheit den Prinzen Heinrich zur Rechten. Gegenüber dem Kaiser saß der Staatsminisier Graf Herbert-Bismarck. Während des Diners brachte Se. Siajeftät der König einen Toast auf seinen^aiser-