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Nr. 172. Mittwoch den 25. Juli 1888.
Dienst-Nachrichten ans dem freist.
Zugelaufen: Ein großer schwarzer Hund mit grauen Flecken, langen Ohren, weißer Ruthenspitze, m. Geschl.
Gefunden: Ein weißer Kinderstrumpf. Eine Kette mit goldenem Kreuz.
Hanau am 25. Juli 1888.
UnsfdicßiGen âömgl. KtaatsMnmlMafi zu Mnfcfuut a. M. J. 2445/88. Das am 6. Juni c. gegen die Dienstmagd Klara Krisch von Biedenkopf erlassene Ausschreiben ist erledigt.
Frankfurt a/M. den 21. Juli 1888._______________________
Tagesschau.
Berlin, 24. Juli. Ueber die festlichen Veranstaltungen zu Ehren des Besuchs Sr. Majestät des Kaisers und Königs am Kaiserlich russischen Hofe wird weiter gemeldet:
Petersburg, 23. Juli, Abends. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm wohnte heute Abend der Feier des Namensfestes Ihrer Majestät der Königin von Griechenland in Pawlowsk bei. — Morgen findet auf einem der deutschen Kriegsschiffe ein Dèjeuner statt. Die Abreise Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm wird, wie verlautet, Nachmittags 2 Uhr, erfolgen.
Petersburg, 24. Juli, Vormittags. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm ist, nachdem Sich Allerhöchstderselbe von der Kaiserin und der Kaiserlichen Familie auf das Herzlichste verabschiedet hatte, mit dem Kaiser Alexander heute Vormittag 10 Uhr nach Kronstadt abgereist.
Petersburg, 24. Juli, Vormittags. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm war gestern Abend einer Einladung zum Familiendiner bei Ihren Kaiserlichen Hoheiten dem Großfürsten und der Großfürstin Michael Nikolajewitsch in Mikhailowka gefolgt. — Se. Majestät der Kaiser Alexan- , der sowie Ihre Majestät die Kaiserin Maria Feodorowna nahmen heute ' an dem Dejeuner an Bord des „Hohenzollern" Theil. Nach dem Dejeuner erfolgt die Abreise des Kaisers Wilhelm.
Petersburg, 24. Juli. Das „Journal de St. Pètersbourg" hebt hervor, daß Kaiser Wilhelm Seinen Aufenthalt hier bis heute verlängert habe, und fügt hinzu, es sei das ein Zeugniß für die zwischen den Mitgliedern der Kaiserlichen Familie und ihren Erlauchten Gästen bestehenden herzlichen Beziehungen, die von beiden Seiten den Wunsch nach einem Aufschub der Trennungsstunde hätten entstehen lassen. Alles beweise in Wirklichkeit die überaus große Herzlichkeit dieser Beziehungen, und es könne daraus nur Gutes für die Beziehungen der beiden Regierungen und der beiden Nachbarnationen zu einander hervorgehen. ,
Berlin, 24. Juli. Der „R. u. St.-A." meldet: Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht, den Regierungspräsidenten Berthold Raffe in Trier zum Unterstaatssekretär und Direktor im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten zu ernennen.
Berlin, 24. Juli. Der „R.- u. St.-A." meldet: Der Ertrag der Getreide- und Viehzölle im Jahre 1887/88 ist mit 28 723 621 Mark ermittelt. Von den nach Abzug des der Staatskaffe zukommenden Betrages von 15 Millionen verbleibenden 13 723 621 Mark entfallen auf Hessen-Nassau 803 754 Mark.
Die „Nowoje Wremja" schreibt: Kaiser Wilhelm ist als theurer und erwünschter Gast bei uns eingezogen. Unser vaterländischer Gruß „Sei willkommen!" kann ihm entgegenschallen Seitens des ganzen Rußlands, dem es so schwer fiel sich in den letzten Jahren mit dem Gedanken vertraut zu machen, es könnten feindselige Beziehungen möglich werden zwischen beiden Nachbar - Großstaaten, die so viele Jahre in Friede und L Freundschaft mit einander gelebt hatten. Der Nachfolger Wilhelm's 1. und ' Friedrich's 111. kann davon überzeugt sein, daß der freundschaftliche Empfang, den ihm der Kaiserliche Führer des russischen Volkes bereitet hat, der Ausdruck der Stimmung aller Unterthanen des russischen Czaren ist. Der junge Herrscher Deutschlands beweist mit seiner Handlungsweise klar, daß er die Freundschaft mit Rußland von einem weit höheren und seiner hohen Stellung würdigeren Standpunkt aus betrachtet, als die ungebetenen Kommentatoren ante factum der heutigen Entrevue, deren es in Deutschland, von Oesterreich-Ungarn gar nicht zu reden, im Augenblick so viele gibt. Der Willkommensgruß des ruffischen Volkes an unseren
erhabenen Gast ist inspirirt von dem evangelischen Wort: „Selig sind die Friedfertigen!", weil in der Person unseres Herrn und Kaisers und der des Kaisers Wilhelm II., der seine Entrevuen mit dem Monarchen in Rußland begonnen hat — bei uns Jedermann die „Friedfertigen" betrachtet, die die zur Zeit beständigen Aufregungen und Rüstungen besänftigen und beseitigen wollen. Gott gebe, daß man das überall begriffe, wie wichtig es für die allgemeine Ruhe ist, daß zwischen Deutschland und Rußland hinfort mehr keine betrübende Mißverständniffe vorkämen.
Ueber die Einfuhr deutscher Waaren in die Schweiz bringt ein im „Deutschen Handelsarchiv" veröffentlichter Bericht aus Genf Folgendes: Was die Einfuhr deutscher Artikel nach der Westschweiz betrifft, so lassen sich bestimmte Zahlen nicht anführen, da eine kantonale Kontrole der eingehenden Waaren nicht besteht. Es läßt sich indeß im Allgemeinen etwa Nachstehendes sagen: Trotz des hier vorwaltenden französischen Geschmacks, der Nähe von Frankreich und der guten Eisenbahnverbindungen mit diesem Lande hat die deutsche Einfuhr doch in den meisten Artikeln regelmäßig zugenommen. War man früher gewohnt, von Deutschland nur die geringeren Artikel zu kaufen, weil sie sehr wohlfeil waren, so erkennt man jetzt schon die deutschen Erzeugnisse als den französischen und englischen ebenbürtig, oft als vollkommen an und zieht sie wegen der mäßigen Preise vor. Ja, bei verschiedenen Industriezweigen tritt bereits die erfreuliche Thatsache zu Tage, daß man den deutschen Ursprung der Waaren nicht mehr verschweigt, sondern sogar als eine Empfehlung erwähnt. Dies ist besonders bei Erzeugnissen des Kunstgewerbes, Bronzegegenständen, feineren Metallgußwaaren, Lampen, Ziergegenständen, geschnitzten Möbeln und Musik-Instrumenten, wie Pianinos, Flügeln und Harmoniums, den Erzeugnissen der Eisenindustrie, gewebten halbseidenen, wollenen und halbwollenen Stoffen, Borden und Knöpfen, bei chemischen Produkten, Anilinfarben, Fleisch- und Wurstwaaren, frischen, gesalzenen und marinirten Fischen und vor allem auch bei den verseht denen Biersorten der Fall, welche Deutschland der Schweiz zuführt.
Kiel, 23. Juli. Nach der in jeder Beziehung hoffentlich erfolgreichen Seereise unseres Kaisers wird Sr. Majestät kurz vor dem Betreten des Festlandes im Kieler Hafen noch ein maritim - militärisches Schauspiel geboten werden. Es wird beabsichtigt, die Kunstfertigkeit im Minensperren zu erproben. Zu diesem Zweck soll das Kanonenboot Drache gesprengt werden. (K. Z.)
Hamburg, 23. Juli. Die Verhaftung des Litteraten Dr. Car- lotta erfolgte nicht om§ politischen Gründen, sondern wegen Verdachts des Betrugs. (Magd. Ztg.)
Hamburg, 24. Juli. (K. Z.) Der Präsident der CongoMegie- rung, General Strauch, scheidet, wie die „Hamburger Börsenhalle" vernimmt, aus der Congo: Regierung in Brüffel und wird Jntendanturchef der Armee. — Dr. Carlotta ist als unschuldig aus der Haft entlasten.
Dresden, 24. Juli. Das Ministerium des Innern hat eine Verordnung über die Maßregeln zum Schutze gegen die Trichinenkrankheit erlassen.
Bayreuth, 24. Juli. Die Aufführung der „Meistersinger" ohne jeden Strich erzielte einen großartigen Erfolg. Reichmann als Hans Sachs, Gudehus als Walther, Frau Sucher als Eva, Friedrichs als Beckmesser waren vorzüglich, die kleineren Rollen glänzend besetzt, die Chöre wie die eines rheinischen Musikfestes. Die vollendete Darstellung war lebendig abgerundet. Die letzte Decoration, die Pegnitzwiese mit Nürnberg, war wunderschön. Als nach dem schließlichen Beifallssturm das Schlußbild nochmals sichtbar wurde, folgte unendliches Klatschen und Rufen nach dem Kapellmeister Richter, niemand erschien.
Der ehemalige badische Hauptmann A. v. Ehrenberg hat zu seiner „Rechtfertigung" eine in Hagen in Westfalen gedruckte Schrift gegen die Schweiz, insonders gegen die „Lasterhöhle" Zürich losgelasten. Die Bevölkerung ist darüber sehr in Zorn gerathen und der Bundesrath wird ersucht, Klage gegen diese Beschimpfung zu erheben.
Kopenhagen, 24. Juli. (K. Z.) Dem Kaiser Wilhelm werden während seines Aufenthalts am hiesigen Hofe zum Ehrendienst bet kommandirende General Generallieutenant Kauffmann, der Adjutant des Königs Baron v. Guldencrone, der Kammerherr Stallmeister v. Scheele