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f Nr. 169.

Samstag den 21. Juli

1888.

Amtliches.

Warnung.

In Läden und Geschäften, welche als Lotterie-Komtor, Lotterie- Einnahme oder Lotterie-Kollekte bezeichnet sind und deren Inhaber sich als Lotterie-Einnehmer resp. Kollekteur bezeichnen, werden Loose der Preußischen Klaffen-Lotterie und Antheilscheine auf solche Loose, oft unter Benennung als Antheilloose, für Preise angeboten, welche die im Lotterie­plan bestimmten Preise sehr weit übersteigen und ferner noch dadurch erhöht werden, daß in den Antheilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinnabzüge für sich ausbedingen.

Die Antheilscheine begründen niemals Ansprüche an die Lotterie-Verwaltung auf Looseerneuerung und auf Ge­winnzahlung.

Vielfache gerichtliche Verurtheilungen von Loosantheilschein-Ver- käufern haben heraus gestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch ver­fahren, indem sie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen oder auf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheine aus­geben, als der Umfang ihres Loosebesitzes erlaubt, oder indem endlich sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.

Zur Unterscheidung der Loosantheilscheine vonden ächten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren stets einen Stempel mit der inneren UmschriftKoen. Pr. Gen. Lotterie-Direktion" tragen.

Zur Unterscheidung zwischen den sich alsLotterie- Einnehmer" benennenden und ihr Geschäft alsLotterie- lEinnahmen" oderLotterie-Komtor" bezeichnenden Pri- , vatverkäufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie-Einnehmern andererseits aber machen wir darauf aufmerksam, ^ die letzteren allein alsKönigliche Lotterie-Einnahmen" oder Königliche Lotterie-Einnehmer" sich namhaft machen.

Berlin am 8. Juli 1882.

Königliche General-Lotterie-Direktion.

; ____________________ Dammas. Liliental.__________________

: BekarmtAmchuugen Königl. Landrathsamts.

r Unter der Diehl'schen Schafheerde zu Dottenfelder-Hof ist die

I Räude ausgebrochen.

- Hanau am 19. Juli 1888.

l Der Königliche Landrath

j V. 4237_________________Gf. Bismarck.____

5 Dienst-Nachrichten aus dem steife.

Gefunden: Am 14 ds. Mts. ein Sack mit Heu. r Hanau am 21. Juli 1888.____________________________________

j Mssdiceißen âömgt. AanigaiWalMasi zu Frankfurt a. M. 12669 B. J. 2528/88. Ueber den Aufenthalt des Friseur- gehülfen Wilhelm Wittenburg aus Stralsund wird Auskunft begehrt. ff J. 1953/87. Ueber den Aufenthalt der geschäftslosen Maria Lotz, geboren den 10. Mai 1869 in Freiendiez, wird Auskunft begehrt.

; Frankfurt a/M. den 18. Juli 1888.

j A. 11605 M. 165/88. Ueber den Aufenthalt der Ehefrau zdes Schlossers Engler, Juliane, geb. Götz, von hier wird Auskunft begehrt.

" Frankfurt a/M. den 19, Juli 1888._____________________________

C 8 g t s s ch a it.

} Berlin, 20. Juli. Ueber die Ankunst Sr. Majestät des Kaisers und Königs in Kronstadt und Peterhof, sowie die Begegnung Allerhöchst-

' desselben mit Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland sind u. a. folgende Meldungen eingegangen:

Petersburg, 20. Juli. Die Theilnahme des Publikums an dem gestrigen Empfange des Kaisers Wilhelm war eine außergewöhnlich große; ^mele Tausende wohnten demselben auf Schiffen bei und noch weit mehr hatten sich an den Ufern und auf dem Wege nach Peterhof angesammelt;

von Allen wurde der Kaiser äußerst warm und herzlich begrüßt. Die Damen des Kaiserlichen Hauses und Hofes, welche den Kaiser an der Peterhofer Landungsbrücke erwarteten, trugen sämmtlich hellfarbige Toi­letten, die Kaiserin erschien in Weiß. Bei dem Familiendiner in Peter­hof erschienen alle Damen in großer Toilette; die Tafelmusik wurde von der Hofkapelle unter Leitung des Kapellmeisters Fliege ausgeführt. Nach dem Diner wurde auf dem Balkon der Kaffee eingenommen; im Garten concertirte ein Trompeter-Corps. Ein Toast wurde bei der Tafel nicht ausgebracht. Nach derselben machten die Kaiserin und Kaiser Wilhelm eine Rundfahrt im Parke.

Petersburg, 20. Juli. Ueber den gestrigen Empfang Sr. Ma­jestät des Kaisers Wilhelm wird weiter gemeldet: Außer Ihren Majestä­ten dem Kaiser und der Kaiserin von Rußland wohnte bie gesammte Kaiserliche Familie, mit Ausnahme der Mitglieder, die verreist sind, fer­ner der Erbprinz und die Erbprinzeffin von Schaumburg-Lippe der ersten Begegnung bei. Von Ministern waren Graf Worontzow Daschkow, Giers und Wannowsky, ferner die Botschafter von Schweinitz und Graf Schu- waloff, die Militär - Bevollmächtigten Graf Kutusaff und Oberst von Villaume erschienen. In dem Wagen des Großfürsten Wladimir hatte der Staatsminister Graf Bismarck Platz genommen. An der Spitze der beim Palais aufgestellten Ehrenwache des Leibgarde-Grenadier-Regiments zu Pferde empfing den Hohen Gast der Chef dieses Regiments, Großfürst Michael der Aeltere.

Berlin, 20. Juli. DerSoleil" hatte die Kaiserreise als die letzte Anstrengung, Rußland zu versöhnen, bezeichnet und von einem Er­folg der russischen Diplomatie gesprochen, welche nunmehr die Absetzung des Koburgers verlangen würde und Deutschland gebe dazu seine Zustimmung, jedoch unter Bedingungen, welche dem Zaren nicht gefallen und ihn im Enlschluffe befestigen, Deutschland keinerlei Zugeständnisse zu machen. Dazu bemerkt dieNotdd. Allq. Ztg.", daß die deutsche Politik von Anfang an im Sinne des Berliner Vertrages gegen die Abenteuer des Koburgers protestirt und hieran niemals eine Bedingung Rußland gegen­über geknüpft habe; die Bedingung sei eine kindische Erfindung; der Ber­liner Vertrag, welchem Deutschland präsidirt habe, sei ein bindendes Ab­kommen und die koburgische Okkupation stehe mit den Grundsätzen des­selben in Widerspruch.

Berlin, 20 Juli. (K. Z.) Mit aufrichtiger Genugthuung sind hier die Berichte über den ebenso glänzenden wie herzlichen Empfang ausgenommen worden, der unserm Kaiser auf russischem Boden bereitet worden ist. Auch die russische Presse scheint ihre anfängliche Zurück­haltung schließlich aufgegeben und den kaiserlichen Gast warm begrüßt zu haben. Einen bedeutenden Eindruck muß auf die Petersburger Be­völkerung das kaiserliche deutsche Geschwader gemacht haben, wie aus den bemerkenswerthen Aeußerungen der sonst so deutschfeindlichen Nowoje Wremja deutlich hervorgeht.

Berlin, 19. Juli. (K. Z ) In Börsenkreisen ist der Versuch gemacht worden, die Kaiser - Zusammenkunft in Petersburg dadurch auszubeuten, daß man die daran geknüpften berechtigten Erwartungen übertrieben hat. Sichtlich ist die Reise unseres Kaisers nach Petersburg eine thatsächliche Bestätigung der von feindlicher Seite so oft abgeleugneten friedlichen Gesinnungen Deutschlands; zuversichtlich darf man hoffen, das dies in den höchsten maßgebenden russischen Kreisen richtig so ge­deutet werde, und daß das freundliche und vertrauensvolle Entgegen­kommen Deutschlands in herzlicher Weise beantwortet werde. Beides berechtigt zu der Hoffnung, daß man die Kaiserzusammenkunft als eine starke Bürgschaft für die Aufrechterhaltung des Friedes deuten dürfe; aber weiter sollte man in diesem Augenblicke nicht gehen, und wenn man davon spricht, daß Maßregeln auf politischem und auch financiellem Ge­biete nahe bevorständen, welche zum Beweise innigen Zusammengehens Rußlands mit Deutschland dienen könnten, so ist dies eine Uebertreibung, die auf eiteln, jeder thatsächlichen Unterlage entbehrenden Vermuthungen beruht. So ist z. B. von einer Aufhebung des Verbots der Beleihung russischer Werthe in unterrichteten Kreisen niemals die Rede gewesen, und diejenigen, die ein solches Gerücht verbreitet oder demselben Glauben bei- gemiffen haben, handelten entweder unwiffend oder unehrlich. Auch russische Zeitungen haben dieses Gerüchts Erwähnung geri an und darin einen Beweis erblicken wollen, daß Deutschland das Bedürfniß der russischen