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Nr. 166.
Mittwoch den 18. Juli
1888.
Amtliches.
Das nachstehende Ausschreiben wird veröffentlicht.
Hanau am 15. Juli 1888.
Der Königliche Landrath
P. 4515 Gf. Bismarck.
Bekanntmachung.
Am 29. Juni d. Js., Vormittags 9 Uhr 15 Minuten, wurde im Hafen die Leiche eines unbekannten Mannes im Alter von 30 bis 40 Jahren, ca. 1,70 Mtr. groß, korpulent, mit schwarzen Haaren, gebogener Nase, bartlos, gelandet.
Die Leiche war bekleidet mit schwarzer Tuchhose und Weste, Halb- - stiefel mit Nägel beschlagen, blauwollenen Strümpfen, weißem Hemd, weiß und roth gestickten Hosenträgern. Sonstige Gegenstände wurden bei der Leiche nicht vorgefunden. Der Verlebte gehört anscheinend dem Arbeiterstande an (Schiffer, auch Flößer) und mag wohl 8 Tage im Wasser gelegen haben. Aus dem Hemde ist das Zeichen, offenbar absichtlich, entfernt.
Um Anzeige wird ersucht, falls über die Person des Verlebten etwas bekannt sein sollte.
Die Kleidungsstücke werden zur event. Anerkennung ass ervirt.
Frankfurt a/M. den 11. Juli 1888.
Ter Polizei Präsident
J.-No. III. 10139. Köller.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Entlaufen: Ein kleiner rehbrauner Mopshund mit schwarzem ' Kopf, m. Gèschl.
Verloren: Eine kleine goldene Damen-Uhr mit Nr. Q. 367 nebst filbernem Reisekettchen.
Gefunden: Ein Meffer. Ein schwarzseidener Sonnenschirm (auf der Post stehen geblieben). Ein kleines gehäckeltes Beutelchen mit etwas Inhalt. Eine schwarze Schürze mit Spitzenbesatz. Ein Paar Pantoffel. Ein einzelner Pantoffel.
Hanau am 18. Juli 1888.
Kaiser Wilhelms Meerfahrt.
Mit schwungvollen, begeisterten Worten geleitet der Schwäbische Merkur unseren Kaiser auf seiner Meerfahrt. Er schreibt:
„Vom Fels zum Meer!" Das deutsche Volk vertraut heute, da die Kaiserfahrt auf der Ostsee ihren Anfang nimmt, ein kostbaares Gut den Wogen an: das fürstliche Brüderpaar, an das es die stolzesten Hoffnungen knüpft. Sie sind, da man im Prinzen Heinrich den künftigen Admiral erwarten darf, in besonderem Sinne die Vertreter von Deutschlands Macht zu Lande und zu Wasser. Da ziehen sie hin, die frischen, jugendlichen Gestalten, vor denen noch die Zukunft liegt; ihre und des deutschen Reiches Zukunft. Der jüngere Bruder lenkt selbst das Schiff, das den älteren, den Träger der Krone, zu wichtiger Sendung an den Hof des großen nordischen Reiches tragen soll. Ein Bild, das an alte, von der Phantasie verklärte Heldenzeiten zurückdenken läßt. Da ziehen sie hin, die Söhne Friedrichs, die Enkel Wilhelms, der Gründer unseres Reichs. Mögen die Geister der Ahnen Wache halten über dem neuen Geschlecht! Ganz Deutschland sieht mit freudiger, erwartungsvoller Theilnahme nach den Wimpeln, welche heute ausflattern Un die wogende See ; nicht am mindesten herrlich das Volk im Süden, bas Volk der Hügel und Berge, das stolz ist, daß von einem seiner Felsennester der Adler den Flug nach der Nord- und Ostsee genommen; hat; das ackerbauende und gewerbetreibende Volk, das recht gut die Bedeutung der völkerverbindenden Meere kennt; das an der Entwickelung der deutschen Seemacht von den ersten, fast kindlichen Anfängen bis zur heutigen Höhe den wärmsten Antheil genommen hat. — Von Kiel geht die Kaiserfahrt aus. Bei uns im Süden hat man stets im Auge gehabt, daß das meerumschlungene Land das deutsche Schicksalsland sei, daß sein Erwerb zu bleibendem deutschen Besitz das Emporkommen Deutschlands aus Schwäche und Zerissenheit zur Einheit und Macht bedeute. In
diesem Jahre noch vollendet sich das Vierteljahrhundert, an dessem Beginn die große Stunde schlug mit der inhaltsschweren Entscheidung: Schleswig-Holstein deutsch oder dänisch, Preußen Deutschlands Führer oder vou der großen Rolle abtreten, Deutschland eine künftige Seemacht oder in aller Zukunft keine Großmacht. Der Lauf der Geschicke hat sich seitdem glücklich und glänzend erfüllt. Heute schifft der deutsche Kaiser und König von Preußen aus dem deutschen Hafen Kiel, und mit allen deutschen Gauen stimmt Süddeutschland begeistert ein in das herrliche Glückauf! Seine Blicke richten sich mit freudigem Stolz vom Fels zum Meer!"
Ueber die Empfangsfeierlichkeiten wird dem „B. T." aus Petersburg gemeldet: Für die Dauer der Entrevue wird die Hoftrauer abgelegt, doch unterbleiben trotzdem alle rauschenden Festlichkeiten. Am Donnerstag Abend nach dem Galadiner soll eine großartige Illumination des Peterhofer Parkes stattfinden; für Freitag ist der Besuch in Petersburg in Aussicht genommen, für Samstag große Parade im Lager von Kraßnoje-Selo. Vor der Abfahrt der hohen Gäste am Sonntag wird auf der Rhede vor Kronstadt eine Flottenparade stattfinden. Die feierliche Einholung Kaiser Wilhelms findet Donnerstag Mittag nahe vor Kronstadt statt; Donnerstag beim Morgengrauen nimmt das deutsche Geschwader in der Höhe von Holland einen russichen Lootsen an Bord. Während die Begrüßung beider Kaiser auf hoher See vor sich geht, eilen die begleitenden Schiffe nach Kronstadt und reihen sich dort in eine breite Schiffsgasse. Diese beginnt bei Fort Kronschlott. Die eine Seite dieser Schiffsgasse besteht aus den russischen, die andere aus den deutschen Kriegsschiffen. Sämmtliche Schiffe sind in Parade-Gala, die Matrosen befinden sich in den Raaen, sobald später das Schiff, an Bord dessen beide Kaiser sich befinden, diese Gasse passirt hat, donnert der Salut der Kanonen, die Hurrahs schallen von den Schiffen und den Forts. Darauf findet die Landung in Peterhof statt und bald darauf Gala- Diner ebendaselbst. Der frühere russische Botschafter in London, Graf Peter Schuwaloff, der Bruder des hiesigen Botschafters ist heute aus Franzensbad hier eingetroffen und reist morgen nach Petersburg weiter.
Der deutsche Handel mit Süd-Australien.
Ein amtlicher Bericht beschäftigt sich mit den Beziehungen, welche in neuerer Zeit der deutsche Handel mit Süd-Australien angeknüpst, und bezeichnet es als bemerkenswerth, daß während der drei letzten besonders schlechten Jahre, wo der Handel mit Großbritannien einen großen Rückgang zeigte, derjenige mit Deutschland von Jahr zu Jahr zunahm. Die Haupteinfuhrartikel aus Deutschland waren: Pulver, Bier, Bücher, Cement, Möbel, Glaswaaren, Leim, Hopfen, Pianos, Roheisen, Draht, Präserven, Zündhölzer, Milch, Mineralwasser, Nägel, Cognac, Nähmaschinen, Spirituosen, Stärke, Zucker, Taback, Cigarren. Große Beliebtheit hat sich deutsches Roheisen und Cement auf den südaustralischen Märkten gewonnen, auch sei zu bemerken, daß die Weltausstellung des Jahres 1887 dazu beigetragen habe, den Handel mit Deutschland zu beleben und zu heben, da die deutschen Ausstellungsgegenstände Anerkennung und gute Aufnahme gefunden hätten. Der Bericht hebt am Schluß hervor, daß die direkte Ausfuhr von Süd-Australien nach Deutschland noch nicht über das Anfangsstadium hinaus wäre. Die australischen Verschiffer und Rheder wären zu sehr an den Londoner Weltmarkt gewöhnt, und es läge nicht in ihrem Interesse, neue Absatzgebiete aufzusuchen, da dies anfänglich stets mit Verlusten verknüpft ist. Größere Ankäufe australischer Produkte deutscherseits und der Beweis, daß gute Preise auf deutschen Märkten zu erlangen sind, könnten allein dahin wirken, daß die Aufmerksamkeit der Exporteure auf diese Märkte gelenkt wird und sie veranlassen, nach dort konsignationsweise zu verladen. Produkte dieses Landes sind: alle Metalle, wie Kupfer, Silber, Gold rc. und deren Erze, Rinds- und Schafstalg, Schafwolle, Weizen, Mehl, Korke, Känguruh-, Schaf-, Opossum- und Kaninchenfelle, Wein u. s. w. Wolle und Weizen sind von vorzüglicher Qualität. Der Schifffahrtsverkehr war im letzten Jahre äußerst schwach. Er wird jedoch Angesichts der Aussicht auf großen Export sich bald beleben. Bei Weitem der größere Theil der Ausfuhr und Einfuhr wird jetzt durch Dampfer bewirkt. Vier bedeutende Dampferlinien unterhalten einen regelmäßigen Verkehr mit Europa. Unter diesen behauptet der Norddeutsche Lloyd eine angesehene