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Dienstag den 17. Juli

Nr. 165.

Beka«ntMKchungen Königl. LaudrathsamLs.

Die Revisionstermine für die technische Revision der Maaße und Gewichte in der Stadt Hanau werden in die Zeit vom 8. bis 21. August c. verlegt.

Hanau am 16. Juli 1888.

Der Königliche Landrath ______________________Gf. Bismarck._____________________ Anssckreikien MönigL Sfaafsanwatfrdiaff zu äan-bsuri a. Ä. 10902 A. J. 2401/88. Gegen den Reisenden August Schmidt von Gorz, geb. 31. Okt. 1848, welcher flüchtig ist, ist die Unter­suchungshaft wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 13. Juli 1888.

_______________________Königliche Staatsanwaltschaft._____________________

Steckbrief.

5005 G. M. 7/88. Der Puppenmacher Philipp Heinrich Puth II., geboren am 16. Dezember 1833 zu Fechenheim, ist durch Urtheil der Strafkammer des hiesigen Königlichen Landgerichts vom 4. Juni 1888 wegen Beihülfe zum gewerbsmäß. Glücksspiel zu einer Ge­fängnißstrafe von drei Tagen rechtskräftig verurtheilt worden und hat sich dem Vollzüge dieser Strafe durch die Flucht entzogen.

Es wird ersucht, auf denselben zu fahnden, ihn im Betretungssalle zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich hierher Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 14. Juli 1888.

Königliche Staatsanwaltschaft.

Die Reife des Kaisers und die europäische Situation wird von derNat.-lib. Korr." wie folgt besprochen:Kaiser Wilhelm hat die Reise zum Besuche der Zarenhofes angetreten und die Segens­wünsche der ganzen Nation begleiten das stolze Geschwader, das gegen­wärtig die Ostsee durchfurcht. Drögen immerhin bei der Zusammenkunft der beiden Kaiser bestimmte politische Abmachungen üoer schwebende Fragen der europäischen Politik nicht zu erwarten sein, dennoch wird die Begegnung weit über die Bedeutung eines bloßen Höflichkeitsbesuches hinausgehen und sich als eine neue Bürgschaft dafür darstellen, daß unter den Herrschern der beiden großen Reiche das Bestreben besteht, die friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu erneuern, den ange­häuften Stoff von Verstimmung und Mißtrauen aus dem Weg zu räumen und die alten Bande eines persönlichen Verhältnisses wieder fest­zuknüpfen, welches seit Jahrzehnten die beiden Höfe verbunden und stets auch sehr wirksam in die große Politik eingegriffen hat. In der ganzen Welt betrachtet man die Reise Kaiser Wilhelms als eine Friedensbürg­schaft und erwartet von ihr, daß sie beitragen werde, die feindlichen aggressiven Bestrebungen, welche der russischen Politik in den letzten Jahren unter dem Einfluß der panslavistischen Wühlereien zugeschrieben wurden, in den Hintergrund zu drängen. Daß eine Wiederannäherung der beiden benachbarten Höfe nicht im geringsten einen Frontwechsel in der großen auswärtigen Politik Deutschlands in sich schließt, daß insbe­sondere unser Bundesverhältniß zu Oesterreich und Italien in unerschütter­licher Festigkeit bestehen bleiben wird, ist eine Thatsache, an der ernste Politiker nirgends in der Welt zweifeln. Es erfüllt uns mit Genug­thuung, daß man nirgends in maßgebenden Kreisen Oesterreichs oder Italiens Besorgnisse oder Mißtrauen hegt, als ob die Kaiserreise nach Petersburg den Friedensbund der Mittelmächte zu Gunsten einer neuen politischen Kombination gefährden könne. Eine Annäherung Rußlands an Deutschland muß zugleich eine solche an dessen Verbündete sein; anders ist sie nicht denkbar. Die für die nächsten Wochen beabsichtigten Kaiserreisen nach Oesterreich und Italien bilden gewissermaßen eine Er­gänzung des Besuchs in Petersburg; sie werden der Ausdruck des Ent­schlusses sein, unter allen Umständen die bestehenden Bundesverträge, die sich so wohl bewahrt haben und auf einem so festen Grund gemeinschaft­licher Interessen ruhen, unverbrüchlich aufrecht zu halten. Mit Befrie­digung wird man es in Deutschland auch begrüßen, daß Kaiser Wil­helm auch den beiden skandinavischen Königen einen Besuch abzustatten

1888.

gedenkt. Zwischen Schweden und Deutschland herrschen seit langer Zeit gute und freundschaftliche Beziehungen und es gibt kein gegensätzliches Interesse, welches dieses Verhältniß stören könnte. Mit Dänemark ist freilich eine alte Spannung und ein durch Jahrhunderte sich hinziehender nationaler Gegensatz vorhanden. Allein es hat in neuerer Zeit doch nicht an Zeichen gefehlt, daß die alte Wunde allmählich zu heilen beginnt, daß die Dänen die schweren Schläge der sechsziger Jahren zu verschmerzen, den Verlust der Herzoqthümer als unwiederbringlich zu betrachten und sich in die unabänderlichen Verhältnisse zu schicken anfangen. Stimmen, welche mit dem Hinweis auf die die beiden Länder verbindenden wichtigen wirthschaftlichen Interessen eine möglichst gute Nachbarschaft mit Deutschland als die gesundeste Politik für Dänemark empfehlen, finden in unserem nordischen Nachbarlande mehr und mehr Gehör und empfängliche Aufnahme. In Deutschland wird man diese Wandlung auf alle Weise zu fördern bereit sein und der Besuch unseres Kaisers in Kopenhagen''wird gewiß dazu beitragen, Mißstimmungen aus alter Zeit zu beseitigen. So eröffnen sich begründete Aussichten, daß die Regierung Kaiser Wilhelms H. unter Auspicien begonnen hat, aus denen man das Vertrauen auf eine Befestigung des europäischen Friedens schöpfen darf."

Tagesschau.

Berlin, 16. Juli. Mit Allerhöchster Genehmigung Sr. Majestät des Kaisers und Königs wird Ihre Majestät die verwitlwete Kaiserin und Königin Victoria fortan den Namen: Kaiserin und Königin Friedrich führen. (R. u. St.-A.)

Berlin, 16. Juli. Durch Allerhöchste Kabinets - Ordre ist der General -Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen, Königliche Hoheit, â la suite des 1. Garde-Dragoner-Regiments und 2. Chef des 3. Garde- Landwehr-Regiments, zum General-Inspekteur der 1. Armee - Inspektion (Garnison Hannover) ernannt wcÄttn.

Berlin, 16. Juli. (K. Z.) Kaiser Wilhelm ist auch auf der Fahrt durch die Ostsee mit den Geschäften der Regierung vollauf be­schäftigt. Alltäglich geht ein besonderer Postcourier von hier an ihn ab, so gestern nach Swinemünde, heute nach Memel, von wo aus jedesmal der AvisoBlitz" die Postsachen an Bord der Dacht bringt. Von morgen Abend an werden Feldjäger die Dienstsachen nach Petersburg direkt befördern.

DieStaatsbürger-Zeitung" äußert sich zu der Reise Sr. Majestät des Kaisers und Königs nach St. Petersburg wie folgt: Kaiser Wilhelm II. hat während der kurzen Zeit seit seinem Regierungsantritt bereits die unzweifelhaftesten Beweise dafür geliefert, daß er in der Er­haltung des Weltfriedens seine vornehmste Aufgabe erblickt, daß er, wie er dies ja auch in seiner Thronrede vor dem Reichstage ausgesprochen, diese Aufgabe als ein Vermächtniß ansieht, welches ihm von seinem helden­haften Großvater und seinem edelherzigen Vater Übermacht worden. Wie der greise Helvenkaiser Wilhelm I., nachdem er das vorgesteckte Ziel: Deutschlands Einigung, auf blutigen Schlachtfeldern errungen, die letzten Jahre seines thatenreichen Lebens der Erhaltung des Weltfriedens widmete, wie sein herrlicher Sohn, Kaiser Friedrich, der Dulder, auf dem Thron, als ein Friedensfürst begrüßt wurde, so hat Kaiser Wilhelm II. die Er­füllung dieser Aufgabe sich ebenfalls zum Ziele gesteckt. Obwohl noch verhältnißmäßig jung berufen, den Kaiserlichen Purpur zu tragen, hat er in der kurzen Zeit seiner Regierung bereits bewiesen, wie ernst und heilig es ihm mit der Erfüllung dieses Vorsatzes ist. Dem verheißenden Worte läßt er voll Energie und Thatkraft die erfüllende That folgen. Wie sich in seinen Worten der jugendfrische, der hohen Aufgabe, die ihm zugefallen, mit edler Begeisterung sich hingebende Sinn widerspiegelt, so zeigt sein Handeln, daß er auch die Kraft besitzt, diesen Worten die That folgen zu lassen. Wahrlich, diese Reise unseres jungen Kaisers beweist am besten, daß mit dem Uebergehen der Herrichermacht an ihn nichts geändert ist in jenen Bestrebungen, welchen Deutschland sein Aufsteigen zur ersten Macht der Welt verdankt.

Mit Stolz und froher Zuversicht sehen wir heute unseren jungen geliebten Kaiser hinausziehen, um das Band der Freundschaft zu festigen, welches die Hohenzollern mit dem mächtigen Czarenreiche verbindet. Nicht als Bittender tritt er vor den Herrscher aller-Reußen hin, sondern als