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Nr. 159.

Dienstag den 10. Juli

1888

Dienst-Nachrichten ans dem Kreise.

Verloren: Eine Brache, auf einer Schleife steckend; dem Wieder­bringer eine gute Belohnung. Ein Stein mit goldener Fassung. Ein Theil von einem Charivarie, eine goldene Hand darstellend. Ein schwarzer Regenschirm.

Gefunden: Zwei Kindersonnenschirme. Ein Regenschirm (auf der Post stehen geblieben). Ein brauner Damenhandschuh (linker). Ein weißes Taschentuch.

Vom Waseneister ein gefangen: am 9. d. Mts. ein schwarz­grauer Pinscher m. Geschl.

Hanau am 10. Juli 1888.

Allssckreiöen SonigL KiMi8MwatWstft zu Frankfurt a. M. 12077 B. N. 165/88. Das Ausschreiben vom 27. März d. I. gegen den Kellner Theodor Zänker von München ist erledigt.

10790 A. J. 2440/88. Ueber den Aufenthalt des Kellners Friedrich Werner von Homburg v. d. Höhe wird Auskunft begehrt.

10815 A. M. 82/88. Ueber den Aufenthalt des Wagners Adam Ballmann, zuletzt hier wohnhaft, wird Auskunft begehrt.

J. 2547/88. Ueber den Aufenthalt des Tagelöhners Georg Philipp Kern, geboren am 11. August 1864 hierselbst, wird Auskunft begehrt. B. 12070. J. 2445/88. Ueber den Aufenthalt des Dienst­mädchens Klara Krisch, geboren am 26. September 1867 zu Bieden­kopf, wird Auskunft begehrt.

A. 10799. J. 915/88. Das am 5. April 1888 erlassene Ausschreiben gegen den Koch Heinrich Ulrich Erni von Zürich wird zurückgenommen.

B. 12073. J. 4513/87. Ueber den Aufenthalt des Schuhmachers Georg Philipp Schellhaas, geboren den 5. Februar 1869 zu Wert­heim in Baden, wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M. den 6. Juli 1888.

J. 576/88. Ueber den Aufenthalt des Kellners August Rochowsky, geboren am 28. Aug. 1868 in Skarlin, wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M. den 7. Juli 1888.

T K g e s s ch a N.

Berlin, 9. Juli. DerR. u. St.-A." Nr. 176 veröffentlicht: Verordnung, betreffend die Gerichtsbarkeit über die Eingeborenen im Schutzgebiet der Neu Guinea-Compagnie.

Berlin, 9. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König wohnten gestern Morgen mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin dem Gottes­dienst in der Friedenskirche zu Potsdam bei und empfingen darauf den General-Adjutanten v. Wittich und den Kapitän zur See, Freiherrn v. Seckendorff. Um 12 Uhr ertheilten Se. Majestät den Gesandten Frei­herren v. Rotenhan und v. Zedtwitz Audienz, empfingen um 1 Uhr den General v. Winterfeld und arbeiteten darauf mit dem Regierungs - Rath v. Brandenstein. Nachmittags 3 Uhr hörten Allerhöchstdieselben einen längeren Vortrag des Generalarztes Dr. Leuthold.

Berlin, 9. Juli. Nach der heutigen Besichtigung des Lehrbatail­lons wohnte Kaiser Wilhelm der Gefechtsübung der Gardejäger und des ersten Garde-Ulanenregiments bei. Der Monarch nahm die Parade der­selben ab und versammelte dann die Offiziere beider Regimenter zur Kritik. Nach der Rückkehr in das Marmor-Palais nahm der Kaiser mehrere Vorträge entgegen und arbeitete mit dem Civil-Kabinet und dem Kriegs­minister. Dem gestrigen Diner bei den Majestäten wohnten der Ober- präsident Achenbach, der Kapitän zur See von Seckendorff, der General­arzt Dr. Leuthold und Regierungsrath v. Brandenstein bei. (Rh. K.)

Berlin, 9. Juli. (K. Z.) Fürst Bismarck wird sich in Begleitung des Grafen Rantzau nach Friedrichsruh begeben, wo er aller Wahrschein­lichkeit nach, ohne seinen Aufenthalt daselbst durch eine Badereise nach Kissingen zu unterbrechen, während des Sommers verweilen wird. Die Abreise erfolgt morgen, falls in Anbetracht der nahe bevorstehenden Ab­reise des Kaisers, Fürst Bismarck in letzter Stunde nicht noch in Berlin zurüâgehalten wird.

Berlin, 9. Juli. DemReichsanzeiger" zufolge ist General Hahnke bereits zur Dienstleistung beim Militärkabinet kommandirt.

Berlin, 9. Juli. DieR. A. Ztg." meldet: Der Vizeadmiral Graf Monts ist unter vorläufiger Belassung in seiner Stellung als Chef der Marinestation der Nordsee und Ernennung zum kommandirenden Ad­miral behufs Vertretung des Admiralilätschefs zur Admiralität komman- dirt. General Albedyll wird noch im Laufe des Sommers oder Herbstes ein Armeekorps-Kommando übernehmen; für das Militärkabinet ist Gene­ral Hahnke in Aussicht genommen.

Berlin, 9. Juli. Aus Bundesrathskreisen verlautet, daß das bereits bekannte gesetzgeberische Material für die nächste Session des Reichstags noch durch mehrere Entwürfe auf dem wirthschaftlichen Gebiete erweitert werden dürfte, welche weniger durch ihren Umfang, als durch ihre Bedeutung das allgemeine Interesse beanspruchen würden, doch seien nähere Entschließungen darüber noch Vorbehalten. Neben dem Reichs­haushaltsetat würden das Alterversorgungsgesetz und das Genossenschafts­

gesetz den Hauptinhalt der Session bilden.

(KZ)

S. M. Kreuzer Nautilus ist am 8. Juli in Mozambique einge­troffen und wird am 11. wieder in See gehen.

Breslau, 8. Juli. Nach Allerhöchster Ordre vom 4. Juli schei­det das 6. Armeekorps aus dem Verbände der ersten und tritt in den Verband der zweiten Armee-Inspektion.

Hamburg, 9. Juli. (.K Z.) Das Landgericht verurtheilte heute fünf Accisebeamte wegen wiederholter Amtsverbrechnn zu Gefäng­nißstrafen von 1 bis 2 Jahren, den Hauptschuldigen, Gückstadt, zu 5 Jahren Zuchthaus, alle zu Ehrverlust. Die übrigen sechs Angeklagten wurden von zwei Monaten bis zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt, ein Beamter wurde freigesprochen.

Leipzig, 9. Juli. In dem Landesoerrathsprozeß gegen Dietz und und Genossen wurde heute das Urtheil verkündigt. Dasselbe lautet gegen Dietz auf 10 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust, gegen Frau Dietz auf 4 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust, gegen Appell auf 9 Jahre Festungshaft und 1 Jahr Gefängniß.

München, 7. Juli. Fr. Aug. v. Kaulbach hat, wie dieN. N." melden, um seine Enthebung von der Stellung als Direktor der königlichen Akademie der bildenden Künste nachgesucht. Die Veranlassung soll hauptsächlich der Gesundheitszustand des Künstlers sein, welcher ihm nicht gestattet, den Obliegenheiten seines verantwortungsvollen Amtes gleichzeitig mit einer ersprießlichen künstlerischen Thätigkeit gerecht zu werden.

Wien, 9. Juli. Aus Wiesbaden traf, nach einem Telegramm derK. Z.", heute der serbische Bischof Demetrius hier ein, sein drei­maliger Versuch, die Königin Natalie zu sprechen, ist erfolglos geblieben, jedoch gelangten die Vorschläge der Synode durch die Tante der Königin in deren Hände. Die Königin blieb hartnäckig, obwohl auch von Berlin aus die Annahme der Vorschläge durch wiederholte Depeschen angerathen worden , war. Diese Vorschläge waren das Ergebniß der Vermittlung durch die Synode, und der König unterwarf sich denselben, indem er auf die Scheidung verzichtete uno zugleich versprach, das Abkommen im Falle der Annahme durch die Königin als feierlichen Staatsakt öffentlich und mittels Unterschriften der höchsten geistlichen und weltlichen Würdenträger zu bekräftigen. Die Hauptpunkte waren: die Königin darf nur mit Er­laubniß des Königs nach Serbien zurückkehren; der Kronprinz verbleibt bis zu seiner Volljährigkeit bei der Königin, verbringt jedoch seine Ferien in Serbien; die jährliche Apanage der Kön'gin beträgt 300 000 Francs. Nachdem die Königin diese Bedingungen abgelehnt hat, wird der Kriegs­minister Protlsch sich heute oder morgen des Kronprinzen, wenn nöthig, mit Gewalt bemächtigen.

Paris, 9. Juli. Bei einem Bankett in Rennes hielt Boulanger gestern eine Rede, in welcher er die Kammer aufs Heftigste angriff. Es sei höchste Zeit, dieser Kammer und dieser unheilvollen Verfassung ein Ende zu machen. Die Stimme des Volkes müsse sich jetzt hören lassen zum Wohle der Republik, und bei den sich vorbereitenden Wahlen bestä­tigen, daß Auflösung der Kammer und Revision der Verfassung der ein­zige Wun'ch eines jeden Franzosen sei.

Marseille, 8. Juli. In der Henle hier veranstalteten Arbeiter- versamm.ung, tie über Maßregeln zur Verhinderung der Beschäftigung ausländischer Arbeiter berathen sollte, kam es bei der Bildung des Bu­reaux, wobei sich die sog. Nationalisten und die Sozialisten gegenüber-