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Nr. 142. Mittwoch den 20. Juni 1888.
Rassdiceißen Kömgl. SfaafsaiinjaCffdiaff zu Frau^furi a. Ä.
N. 500/88. Der am 11. April 1888 gegen den Tagelöhner Anton Beck von Worms erlassene Steckbrief ist erledigt.
Frankfurt a/M. den 16. Juni 1888.
Steckbrief.
M. 62/88. Der Taglöhner Johann Michael Kämpf, geboren am 27. Mai 1859 zu Altnmuhr in Bayern, ist durch Urtheil der Strafkammer des hiesigen Königlichen Landgerichts vom 28. April 1888 wegen Unterschlagung und Pfandverschleppung zu einer Gefängnißstrafe von sechs Tagen rechtskräftig verurtheilt worden und hat sich dem Vollzüge dieser Strafe durch die Flucht entzogen.
Es wird ersucht, aus den rc. Kämpf zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zu verhaften, die sechstägige Gefängnißstrafe zu vollstrecken und von dem Geschehenen Mittheilung zu machen.
Frankfurt a/M. den 15. Juni 1888.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Kaiser Wilhelm n.
(Liographische Notizen.)
Am 27, Januar 1859, Nachmittags 4 Uhr, wurde dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen ein Sohn geboren, der in der Taufe am 5. März die Namen Friedrich Wilhelm Victor Albert erhielt. Tauf- pathen waren u. A. der Prinz-Regent von Preußen und Gemahlin, Prinz und Prinzeß Friedrich Carl von Preußen, die Prinzen Albrecht, Alexander, Georg und Adalbert von Preußen, der Großherzog von Sachsen-Weimar, Herzog und Herzogin von Coburg Gotha u. A, die erste und einzige Gouvernante desj-.Prinzen war bis zum vollenden 6. Lebensjahre ein Frl. von Dobeneck, jetzt Frau von Jagow. Vom Jahre 1866 an bis zur Großjährigkeit ruhte die Erziehung des Prinzen in den Händen des Dr. Hinzpeter, während als Militärgouverneur für den Prinzen zuerst Hauptmann von Schrötter, dann Premierlieutenant O'Danne und endlich Generalmajor von Gotlberg fungirte. Daß es neben der geistigen auch nicht an der körperlichen Ausbildung fehlte, dafür sorgte der bei dem neuen Palais zu Potsdam für die Kinder des Prinzen Friedrich Wilhelm angebrachte Spiel- und Tummelplatz. In allen Kindern unseres verewigten Kaiser Friedrich, und vor Allem in dem Erstgeborenen, der einst die deutsche Kaiserkrone zu tragen berufen war, wurde schon früh das Bewußtsein geweckt, daß die hohe Stellung, zu der sie durch ihre Geburt berufen waren, ihnen auch doppelt ernste Verpflichtungen auferlege und das die Hohenzollern von jeher auszeichnende Pflichtgefühl wurde den j Kindern stets als das kostbarste Erbe für's Leben mitgegeben. Auch auf. den vom verewigten Kaiser so gern gepflegten direkten Verkehr im Volkes und mit dem Volke wurde bei der Erziehung und namentlich bei dem künftigen Kaiser besonderen Werth gelegt; die beste Gelegenheit hierzu bot das dem deutschen Kronprinzen gehörige Gut Bornstedt mit seinen Be-
Lieutenant, auf der sogenannten Neueren Communication. Im Herbst 1877 bezog der Prinz die Universität Bonn, wo er zwei Jahre lang studirte. Die Studien waren sehr vielseitig und zu den Lehrern des Prinzen gehörten die besten Kräfte der berühmten Universität. Als Konkneipant gehörte der Prinz dem Korps Borussia an. Von Bonn aus nahm der Prinz an den Kölner Karnevals-Festlichkeiten im Februar 1878 theil und seiner Schulzeit, wie seiner Studentenzeit hat der hohe Herr ein freundliches Andenken bewahrt. Im März 1878 traf Prinz Wilhelm in Köln mit dem Kronprinzen Rudolf von Oesterreich zusammen, mit dem ihn bis heute Freundschaft verbindet. Weich' erschütternden Eindruck die Attentate von 1878 auf den Prinzen machten, ist wohl kaum nöthig, zu sagen.
Mit der Rückkehr des Prinzen nach Berlin tritt derselbe nun mehr in den Vordergrund. Am 14. Februar 1880 fand des Prinzen Verlobung mit Prinzeß Auguste Victoria von Schleswig Holstein in Gotha statt, deren Publikation jedoch, mit Rücksicht auf den Tod des Vaters, erst am 2. Juni d. J. erfolgte. Am 27. Februar 1881 fand die Ber mählung des jungen Paares statt, wobei sich die Feierlichkeiten für das Kaiserhaus und die Bevölkerung zu einem großen Volksfeste gestalteten. I Am 2. März erfolgte der feierliche Einzug des vermählten Paares in Potsdam, das zur Winterresidenz bestimmt war und es bis heute geblieben ist.
Die nun folgende Zeit haben wir ja Alle mit durchlebt, die Tage, in denen der Prinz Wilhelm an der Seite seines erlauchten Vaters und seines greisen Großvaters im Volke erscheint. Um alles Erwähnenswerthe zu erwähnen, müßten wir nun allzuviele Einzelheiten bringen und die meisten derselben werden unseren Lesern bekannt sein, von der Geburt des ersten Sohnes, des Prinzen Friedrich Wilhelm, unseres jetzigen Kronprinzen, bis zur Thronbesteigung Kaiser Wilhelm II. Wir aber rufen am Schluffe unserer kurzen Skizze im Sinne unserer Leser: Hoch lebe Kaiser Wilhelm II.
wohnern, wo sich wirklich die kronprinzlichen
Kinder in ungezwungener
Jugendlust mit den Genoffen von Bornstedt tummelten. Am 1. September
Kaiser Wilhelms Proklamation an Sein Volk ist kein spezialisirtes Regierungsprogramm. Die Verkündung eines solchen ist offenbar den Botschaften vorbehalten, welche an den Reichs- und Landtag gerichtet werden sollen. Die Proklamation stellt sich, ähnlich wie die Befehle vom 15. d. M. an die Armee und die Marine, als der reine, tiefempfundene Ausdruck der Gefühle dar, welche das Herz des Kaisers bei dem Regierungsantritt bewegen. Seinem Volke in der unmittelbarsten von Herz zu Herz gehenden Weise diese Gefühle auszusprechen, ist Sr. Majestät offenbar Herzensbedürfniß.
Wie der Kaiser im Allgemeinen an das von den Vorfahren gegebene Vorbild erinnert und insbesondere auch das Wort Kaiser Wilhelms „dem Volke soll die Religion erhalten werden" in bemerkenswerther Weise, wenn auch in veränderter Form, sich aneignet, so tritt er auch mit der besonderen Betonung der Fürsorge für die Armen und Bedrängten in die Fußstapfen seiner erlauchten Vorfahren. Gerade das Verständniß für die Bedeutung des aus den Schutz und die Fürsorge für die Schwachen j gerichteten praktischen Christenthums und die energische Bethätigung des-
1873 fand in der Friedenskirche bei Sanssouci die Konfirmationsfeier des Prinzen Wilhelm statt und im folgenden Jahre siedelte der Prinz nach Cassel über, wo seine Aufnahme in das Gymnasium erfolgte. Hier wurde er, der ausdrücklichen Anweisung seiner erlauchten Eltern zufolge, keineswegs anders behandelt, als die übrigen Schüler und er mußte umfassendere und gründlichere Studien machen, denn Andere. Im Sommer wohnte der Prinz auf Schloß Wilhelmshöhe und kam jeden Morgen so früh nach. Cassel herüber geritten, daß er pünktlich um 7 Uhr in der Klaffe erschien, ; Besondere Vorliebe schien der Prinz für Horaz zu haben, von dem er: mehrere Oden auswendig wußte. Am 25. Januar 1877 machte Prinz ; Wilhelm sein Abiturienten-Examen und er gab als sein künftiges Studium I . ..
Staats-Rechtswissenschaft an. Am 27. Januar 1877, dem Tage ter III. hat sonach das große Werk, das der Gründer des oeutschen Rerches g Volljährigkeit des Prinzen erfolgte seine feierliche Investitur in den Orden' noch im hohen Greisenalter unternahm, die kräftigste Förderung zu er- g zum schwarzen Adler Am 9 Februar 1877 trat Prinz Wilhelm im warten. Vertrauen um Vertrauen ist es, was König Wrlhèlm heischt, K L Garde Regiment zu Fuß ein und hiermit begann seine militärische und welches er, gestützt auf die geschichtliche Ueberlieferung des preußischen | Laufbahn Von nun an that der Prinz Dienst, wie jeder gewöhnliche Staates, bei seinem Volk zu finden sicher sein darf. Der neue Herrscher |
. selben ist ja ein charakteristisches Merkmal des Hohenzollernhauses ■ und die Gesetzesbücher wie die Regierungsakte der großen Könige aus
diesem Hause legen in zahlreichen Beispielen Zeugniß ab für die von ihnen befolgte praktische Sozialpolitik im Interesse der Schwachen und Bedrängten. Vor Allem aber ist der Schutz der- Bedrängten und Schwachen bekanntlich das Ziel der von Kaiser Wilehlm I. in Angriff genommenen und in der Kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881
mit mächtigen Strichen in ihren Grundzügen vorbezeichneten Sozialreform ^W auf der Grundlage des praktischen Christenthums. Von Kaiser Wilhelm MD