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Nr. 141
Dienstag den 19. Juni
1888.
BetanntMschungen Röntgt LKNdrathsamts.
Unter Hinweis auf die Publikation in Nr. 130 d. Bl. wird hiermit der §. 4 der Aufsichtsmaßregeln gegen die Einführung und Weiterver- breitung der Schafräude im Regierungsbezirk Cassel dahin berichtigt, daß die dort bezeichnete Frist nicht drei sondern ach t Wochen ist.
Hanau am 15. Juni 1888.
V. 3616
M. 2349
Der Königliche Landrath Gf. Bismarck.
Bei dem Königl. Proviart-Amt zu Bockenheim sollen gleich nach Beginn der Heu- und Roggen-Ernte die Heu- und Roggenstroh-Ankäufe stattfinden.
Die Produzenten der genannten Erzeugnisse werden hiervon mit dem Anfüzen in Kenntniß gesetzt, daß das Königl. Proviant-Amt zu jeder schriftlichen und mündlichen Auskunft über Preis- und Qualitäts-Verhältnisse gern bereit ist.
Hanau am 14 Juni 1888.
Der Königliche Landrath Gf. Bismarck.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise-
Verloren: Ein Portemonnaie mit 15 M.
Entlaufen: Ein gelber Pinscher mit gestutzter Ruthe, m. Teschl.; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Zugelaufen: Ein weißer Pinscher mit braunen Abzeichen, w. Geschl.; Empfangnahme beim Wasenmeister Diehl zu Kesselstadt.
Gefunden: Ein Militairpaß für Musketier Gustav Schmidt I., geb. am 28./12. 1863 zu Niederkalbach. Ein deutsches Lesebuch. Ein Gebund Schlüssel. Ein Regenschirm. Ein weißes Taschentuch.
Hanau am 19. Juni 1888.
Polizeiverordnung, das Befahren der Kreisstraße Offenbach-Hanau mit schwerem Fuhrwerk betreffend.
Mit Zustimmung des Kreisausschusses und mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 2. Juni 1888 zu No. M. J. 13870 wird auf Grund des Art. 78 der Kreisordnung für den Kreis Offenbach verordnet, was folgt:
§. 1. Die Räder der Lastfuhrwerke, welche die Kreisstraße Offenbach-Hanau gewerbsmäßig oder regelmäßig, wenn auch nur zeitweise, mit schwerer Ladung befahren, müssen eine Felgenbreite von wenigstens 12 Eentimeter haben.
§. 2. Unter die Bestimmung sub §, 1 fallen alle Fuhrwerke, welche mit Steinen aus den Brüchen bei Dietesheim und Klein. Steinheim beladen sind, andere Fuhrwerke dann, wenn das Gewicht der Ladung 3500 Kgm. übersteigt.
§. 3. Die Eigenthümer der unter §. 1 und 2 bezeichneten Fuhrwerke, deren Räder die erwähnte Felgenbreite nicht haben, werden nach §• 366 pos. 10 des Strafgesetzbuchs mit Geldstrafe bis zu sechzig Mark oder mit Haft bis zu vierzehn Tagen bestraft.
§. 4. Vorstehende Bestimmungn treten am 1. Januar 1889 in Kraft.
Offenbach am 7, Juni 1888.
Großherzogliches Kreisamt.
Haas.
An Kaiser Iriebrichs Aahre.
Pomphaft und großaritg, würdig des dahingeschiedenen deutschen Kaisers, dehnt sie sich wieder aus, die Trauerstraße, durch welche Dein sterblicher Leib den letzten Weg wandelt, Kaiser Friedrich. Und wieder geben sie Dir das letzte Geleit, die Großen dieser Erde, wie sie es vor noch so kurzer Zeit Deinem großen Vater gegeben. Sie meinen es gut mit ihrer Beileidsbezeugung, Jene, die Dir den letzten Weg so schön schmücken, und Jene, die hinter Deinem Sarge herschreiten. Aber, o todter Kaiser, könntest Du doch Jene schauen, die da keinen großen Pomp
Dir zu Ehren entfalten können, könntest Du doch Jene sehen, die da nicht . Deinem Sarge folgen können und dürfen! Könntest Du sie sehen, die Tausende und Millionen, die im stillen Kämmerlein Dein Bild thränenden . Auges mit immergrünem Lorbeer schmückten, die heute von wahrem, tiefem Schmerz gebeugt Dir an die frische Gruft die letzten Grüße senden, könntest Du es schauen Dein Volk, wie es, stumme, bittere Klage gegen das Schicksal im Auge, trauernd ruft: Wir haben unseren besten Freund verloren! Du hast Dein Volk geliebt, so treu, so wahr, Du wußtest Dich von ihm geliebt, Du wolltest sein Glück und seine Wohlfahrt und Du fühltest die geistige Kraft in Dir, noch Großes zu vollbringen, — darum ist Dir der Abschied von dieser Welt, wenn er Dir auch Erlösung von schwerem Leid brachte, wohl schwer genug geworden. Doch schwerer noch wird Deinem Volke dieser Abschied von Dir! Hatte doch Dein Bild, Dein Sinnen, Dein Denken tiefe Wurzeln in des Volkes breiten Massen geschlagen, warst Du doch, der Du des deutschen Reiches Einheit mit gründen geholfen, so innig mit des Reiches Zukunft verknüpft, warst Du doch jedem Einzelnen im Volke durch Deine bürgerlich einfache Persönlichkeit so nahe gerückt, daß der Schmerz des patriotischen Deutschen gleich dem beim Verluste eines theuren Familiengliedes ist. Sie senken Dich heute hinab in die stille Gruft, Kaiser Friedrich, sie bergen im Schooß der Erde, was sterblich an Dir war, und mit Dir senken wir hinab gar j manche schöne Hoffnung, die durch Deines reichen Geistes Walten manch' schöne Frucht gezeitigt hätte. Ueber Deinem Grabe donnern die Kanonen, aber ihr Rollen wird übertönt vom Schluchzen Deines treuen Volkes.
Sie senken herab in die stille Gruft, was sterblich an Dir war, sie senken Dich hinab und Dein hell und immer freundlich strahlendes Auge ist erloschen, schmerzdurchfurcht von allzu schwerem Leid sind Deine Züge und auch in Dein bleiches Angesicht hat der Tod seinen zerstörenden Griffel gegraben. Doch nur das Sterbliche dem Erdenschooß, Du selbst, Dein Sinn, Dein Sinnen, Denken, Trachten, das ist unser, wie es unser | war von jenem Augenblicke an, da Du die ersten Blicke in die Bolkesseele gethan und im Herzen des Volkes gelesen hattest: Treue um Treue! Du! hast uns die Treue gehalten bis zum letzten Athemzuge, wir halten Dir | die Treue bis über das Grab hinaus. Gar weit und schwer und ab-1 schüssig ist der Weg zur Unsterblichkeit. Mit goldenen Lettern steht Dein j ■Jlame, Kaiser Friedrich, im Buch der Weltgeschichte, Dir Unsterblichkeit j sichernd, stolze Denkmäler werden Deinen Namen künden, Jahrhunderte! überdauernd. Doch die Denkmäler können verwittern und die Lettern I verblassen, nur Eines bleibt und vergeht nimmer, des Volkes liebende I Erinnerung, Sie ist es, die die Unsterblichkeit macht, die Deinen Namen, I den Namen „unseres Fritz" von Generation zu Generation lebendig von | Mund zu Mund trägt, die Dir ein Denkmal setzt, größer, gewaltiger, | unzerstörbarer denn Stahl und Stein. Sie senken Deinen Leib zum Erden-1 schooß, aber uns, Deinem treuen Volke, erstehst Du aus der Gruft stolz I und männlich, ein gewaltiger deutscher Recke. Ueber Deiner tapferen I Truppen weites Feld schweift Dein Auge, sie kennen Dich Alle, die Braven, g Treuen, in deren Mitte Du Soldat unter Soldaten gewesen; freundlich! ruht Dein Blick auf der Volkesmenge, die Dir den Jubelgruß der Silber-I
Hochzeit darbringt und glücklich strahlt Dein Angesicht im trauten Familien- kreis, dem musterhaften, echt deutschen. Und wieder siehst Du vor uns, Dein bezauberndes Lächeln auf den Lippen, mit Deinem freien offenen Blick, mit Deinem unerschöpflichen, glücklichen und beglückenden Humor, der uns so oft entzückt,--nein, dessen dürfen wir nicht heut', nicht hier am offenen Grabe gedenken, zu furchtbar ist der Gegensatz. Dein Mund, er lächelt ja uns nicht mehr, Du großer Kaffer, Dein Auge ist gebrochen für immer, Dein Humor, der Ausdruck Deiner unendlichen Güte, für immer verstummt. O still, nur still du armes deutsches Herz, daß du mit deinem Schicksal zu hadern nicht beginnst!
Schlafe wohl, schlafe ruhig den ewigen Schlaf, Kaiser Friedrich! Sanfte Ruhe wird Deine Gruft umgeben, denn Dein treues Volk hält an ihr die Wacht, heute und immer. Und wenn der Thränen heißer Born versiegt, wenn ruhiger das dem Riesenschmerz hingegebene Menschenherz geworden, dann werden wohl die deutschen Männer, die es mit ihrem Vaterlande gut meinen, zu Deinem Grabe, Kaiser Friedrich, wallfahren,