Lt->m«me»t».
Preis:
I Ehrlich 9 SDiarl. z«lbi.â.50Pfg. vierteljährlich
I Marl 25 Psg. gär auswärtige Stonnenteu
Mit dem betreffen- Mu Postausschlag, »t, einzelne Num-
»er 10 Psg.
AugteicH Amittches $rgan für Stcröt- unö Lcrrrökveis Kcrncru.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Belletristischer Beilage.
Nr. 140
Montag den 18. Juni
Ansertinns»
PreiS:
Die ispaltige Barmondzeile ob. deren Raum
10 Psg.
Die 2 spalt. Zeile
20 Psg.
Die SspaltigeZeile
30 Psg
1888.
Allsslüreiben Königs. Sfaafsanwattsdiaff zu fcan^fud a. M. 9272 A. — J. 1871/88. Ueber den Aufenthalt des Kaufmanns Moritz Blaustein von Militsch wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 14. Juni 1888.
N. 1040/87. Ueber den Aufenthalt des Kellners Nikolaus Karpf, geboren den 6./12. 1862 zu Wilitzka i/Galizien und hier wohnhaft gewesen, wird Auskunft begehrt.
J. 1532/88. Ueber den Aufenthalt des Kellners Friedrich Werner, geb. 13. Juli 1864 zu Homburg v/H., wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 16. Juni 1888.
Kaiser Kriedrichs Lebensbild.
Als wir vor wenigen Wochen an dieser Stelle das Lebensbild des I Heimgegangenen Kaisers Wilhelm in kurzen Umrissen zu zeichnen unter- I nahmen, da glaubten wir hoffen zu dürfen, daß es uns erspart bleiben I würde, gar so bald auch auf Kaiser Friedrichs Leben einen Rückblick I werfen zu müssen. Schien doch die tückische Krankheit, von der Kaiser »Friedrich befallen worden, einen relativ guten Verlauf zu nehmen, sodaß «man hoffen durfte, daß uns der Kaiser noch manches Jahr erhalten I bleiben würde. Und nun ist es doch anders und schmerzlicher gekommen, Inun ist er doch dahingegangen zu seinem kaiserlichen Vater, der ruhmge- I krönte Held zum ruhmgekrönten Helden. Haben wir schon bei der Thron- I Besteigung Kaiser Friedrichs einen Lebensabriß dieses dem Volke und der I Volksseele so nahe stehenden Mannes gegeben, so können wir auch heute I nur im engen Zeitungsrahmen die hervorragendsten Phasen dieses an I Ruhm und Ehren so reichen Lebens geben, um so mehr, als wohl fast I Jedem das Lebensbild „unseres Fritz" ziemlich klar vor Augen steht. I Ist doch Kaiser Friedrich zweifellos einer der populärsten Männer Deutsch- Ilands gewesen.
Am 18. Oktober 1831, dem Gedenktage der Völkerschlacht von I Leipzig, wurde dem Prinzen Wilhelm von Preußen ein Sohn geboren, I Friedrich Wilhelm. Prinz Fritz, der von früher Jugend an um so mehr Izu tüchtigem Lernen und militärischen Studien angehalten wurde, als I man in ihm den künftigen Thronfolger erblickte, zeigte sich schon als Kind I Don schlichter Einfachheit, Wahrhaftigkeit und jenem bürgerlich graben l und offenen Wesen, das ihm später so rasch die Herzen Aller gewann, l Am 18. Oktober 1841 wurde Prinz Friedrich zum Offizier ernannt; 11855 wurde er, nachdem er die verschiedenen militärischen Rangstufen I durchgemacht, Oberst. In die vierziger Jahre fallen des Prinzen Studien ■ in Bonn; es zeugt wiederum von des hohen Herrn Einfachheit und Lie- I benswürdigkeit, daß er an dem freien und frohen Leben der Studenten in Bonn lebhaften Antheil nahm. Am 29. September 1855 fand die Verlobung des Prinzen mit der Prinzeß Victoria von England statt, die indeß erst am 16. Mai 1857 publicirt wurde. Am 25. Januar 1858 war die Vermählung des jungen Paares, die sowohl in England, als auch in Deutschland Veranlassung zu den sympathischesten Kundgebungen Igab; namentlich die Reise nach Berlin gestaltete sich zu einem wahren Festzuge. Vom Jahre 1859 an tritt Prinz Friedrich Wilhelm mehr in den Vordergrund. Er nimmt namentlich an der inneren Politik lebhaften Antheil und es wird vielleicht noch einmal eine spätere Zeit es klar legen, daß des Prinzen bürgerfreundliches Herz vielfach Gegensätze auszugleichen, Conflicte zu beruhigen vermocht hat.
Am 2. Januar 1861 kam König Wilhelm auf den Thron und Friedrich Wilhelm ist preußischer Kronprinz. 1864 kam es zum dänischen Kriege und in diesem, obschon nicht der Kronprinz, sondern Prinz Friedrich Karl der Oberbefehlshaber war, errang Kronprinz Friedrich Wilhelm bereits seine außerordentliche, einzig in ihrer Art dastehende Beliebtheit in der Armee. Tausenden, Hunrertiausenden, Millionen, allen Deutschen steht der tapfere Kriegsheld vor Augen, die kurze Eölvatenpfeife im Munde, zu Jevem freundlich und leutselig, voll Humor, Witz, guten Einfällen, Allen voran, furchtlos, — Soldat unter Soldaten. Am 18. Mai ; 1864 war der Kronprinz zum kommandirenden General des 2. Armeekorps ernannt worden. Unb nun kam 1866 und damit des Kronprinzen Meisterstück von Königgrätz. Ihm war vorwiegend der entscheidende Sieg i
zu danken und mit diesem hatte er sich als klar blickender, energischer, | tapferer Heerführer gezeigt.
Brauchen wir noch 1870 zu gedenken, jener Zeit, die noch in leb-1 hafter Erinnerung der Zeitgenossen steht? Immer neue Lorbeeren pflückte 8 der Sieger von Weißenburg, Wörth, Paris, Sedan, Metz und immer i aus's Neue jubelten ihm die Truppen zu und nicht nur die norddeutschen, I sondern auch die süddeutschen, deren Herzen er ebenso rasch zu gewinnen I wußte. Als Kronprinz des deutschen Reiches kehrte er heim an der Spitze I der Truppen.
Es folgen nun die Jahre der Muse, der Ruhe, in denen indeß der I deutsche Kronprinz keineswegs ein Schlaraffenleben führte. Als Begleiter | Kaiser Wilhelms erscheint er bei fast allen Reisen desselben; so bei der | Dreikaiserzusammenkunft, so bei den Manövern. Mit besonderem Takt | vertritt er Kaiser Wilhelm im Trauerjahr 1878, glänzend verläuft seine 8 Reise nach Spanien und noch einmal erscheint er in Bayern zur Bestattung g des unglücklichen Königs Ludwig. Im Jahre 1883 endlich feierte das | ganze deutsche Volk die kronprinzliche Silberhochzeit und wiederum fehlte I es nicht an reichlichen Beweisen der Liebe und Verehrung für das Kron- B prinzenpaar.
Und nun naht die traurige Zeit, die Zeit des schmerzvollen Duldens. 8 Anfang 1887 hieß es, daß der deutsche Kronprinz halsleidend sei, doch ■ glaubte Niemand an eine ernste Wendung der Krankheit. Wie es sin g Wirklichkeit gekommen, was Kronprinz Friedrich Wilhelm, was Kaiser g Friedrich erduldet hat, alle jene Phasen der traurigen Krankheitsgeschichte, H sie sind ja bekannt und heute stehen wir trauernd vor Kaiser Friedrichs g Bahre.
Kaiser Friedrichs Lebensbild, es stellt sich als das eines echten g deutschen Mannes dar, eines echt königlich und dabei doch ■ gut bürgerlich « denkenden Herrschers, eines Mannes, dessen Gestalt für immer in des S Volkes Herzen eingeprägt ist. Wir werden des ritterlichen Helden nimmer g vergessen, wir nicht und die kommenden Geschlechter.
Armeebefehle.
Berlin, 16. Juni. Kaiser Wilhelm II. hat folgenden Armeebefehl erlassen:
Während die Armee soeben erst die äußeren Trauerzeichen für ihren auf alle Zeiten in den Herzen fortlebenden Kaiser und König Wilhelm I., Meinem hochverehrten Großvater, ablegte, erleidet sie durch den heute Vormittag 11 Uhr 15 Minuten erfolgten Tod Meines theueren, inniggeliebten Vaters, des Kaisers und Königs Friedrich III. Majestät, einen neuen schweren Schlag. Es sind wahrlich ernste Trauertage, in denen Mich Gottes Fügung an die Spitze der Armee stellt, und es ist in der That ein tiefbewegtes Herz, aus welchen Ich das erste Wort an Meine Armee richte. Die Zuversicht aber, mit welcher Ich an die Stelle trete, in die Mich Gottes Wille beruft, ist unerschütterlich fest, denn Ich weiß, welchen Sinn für Ehre und Pflicht Meine glorreichen Vorfahren in die Armee gepflanzt haben, und Ich weiß, in wie hohem Maße sich dieser Sinn immer und zu allen Zeiten bewährt hat. In der Armee ist die feste unverbrüchliche Zugehörigkeit zum Kriegsherrn das Erbe, welches vom Vater auf den Sohn, von Generation zu Generation geht, und ebenso verweise Ich auf Meinen euch allen vor Augen stehenden Großvater, das Bild des glorreichen und ehrwürdigen Kriegsherrn, wie es schöner und zum Herzen sprechender nicht gedacht werden kann, auf Meinen theueren Vater, der sich schon als Kronprinz eine Ehrenstelle in den Annalen der Armee erwarb, und auf eine lange Reihe ruhmvoller Vor- i fahren, deren Namen hell in der Geschichte leuchten und deren Herzen! warm für die Armee schlugen. So gehören wir zusammen, Ich und die I Armee, so sind wir für einander geboren und so wollen wir unauflöslich fest zusammenhalten, möge nach Gottes Willen Friede oder Sturm sein. Ihr werdet führ jetzt den Eid des Treue und des Gehorsams schwören — und Ich gelobe stets desfin eingedenk zu sein, daß die Augen meiner Vorfahren aus s jener Welt auf Mich hernieder sehen, und daß Ich ihnen dermaleinst I Rechenschaft über den Ruhm und die Ehre der Armee abzulegen haben werde.
Schloß Friedrichskron den 15. Juni 1888.
________ ___ Wilhelm