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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 126. Donnerstag

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örenst-Aachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Kinderschuh. Ein weißes Taschentuch (in einem Laden liegen geblieben). Ein leinener Beutel mit etwas Geld. Ein Zwicker. Zwei Denkmünzen vom Frankfurter Schützenfest. Ein kleines Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Eine anscheinend goldene Vorsteck­nadel (im Landgerichtsgebäude).

Verloren: Ein Kaffenbuch.

Hanau am 31. Mai 1888. _____________________________

Äussfeißen Kämgl. $taafsanm(t[diaff zu Frankfurt u. M. J. 1416/87. Ueber den Aufenthalt des Kaufmanns Hermann Karl Mal zahn, geb. 22./12. 1851 zu Konitz, wird Auskunft begehrt. J. 1846/88. Ueber den Aufenthalt des am 14./I. 1861 zu Frohnau (Oesterreich) geb., zuletzt in Frankfurt a/M. wohnhaften Kochs Adolf Fritsch wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M. den 30. Mai 1888.___________________________

A. 8351. — J. 1466/88. Gegen den Taglöhner Franz Kißner, geboren den 29. April 1869 zu Frammersbach bei Lohr in Bayern, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 29. Mai 1888.

_____________________Königliche Staatsanwaltschaft._____________________ 9867 A. — J. 1930/88. Gegen den angeblichen Maler Johann Bauer aus Augsburg, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich hierher Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 29. Mai 1888.

Königliche Staatsanwaltschaft.

t Ungarn und Frankreich.

Im ungarischen Abgeordnetenhause kam am 26. Mai eine Inter­pellation zur Besprechung, welche sich über die Abmahnung des Handels­ministers, die Pariser Ausstellung zu beschicken, beschwerte. Minister­präsident Tisza antwortete, daß es den Gewerbetreibenden freistehe, die Ausstellung zu besuchen, wenn sie wollen, oder daran theilzunehmen, daß er aber Jedem, der ihn um Nath fragen würde, rathen werde, nicht auszustellen. Es sei schwierig, mit voller Aufrichtigkeit dies zu begründen. „Die Herren wissen" — so sagte er wörtlich —, „daß es noch fast ein Jahr bis zur Eröffnung der Ausstellung währt. Ich glaube, daß die Ungewißheit der äußeren politischen Lage ost genug betont wurde, öfter durch Andere als durch mich, und daß die Regierung, bevor sie darüber einen Rath ertheilt, ob die Ausstellung beschickt werde, auch das bemerken muß, was geschehen könnte, wenn trotz unseres besten Willens die Verhältnisse noch verwickelter würden, oder wenn auch der allgemeine Friede und der Friede dieses Staates mit Frankreich — wie ich es wünsche — erhalten bliebe." Der Minister wies dann darauf hin, wie erregt die Gemüther in Frankreich sind und wie leicht es dort zu Excessen gegen Fremde kommen könne, und daß selbst die französische Regierung nicht dafür garantiren könne, daß dies nicht geschehen werde. Als ein Abgeordneter die Möglichkeit solcher Excesse bestritt, erinnerte er an die Beleidigungen, welche von dem Pariser Pöbel den Nationalfarben Deutschlands angethan worden. Nach einer Gegenrede ergriff der Ministerpräsident noch einmal das Wort, indem er unter anderem sagte:

„Die Herren Abgeordneten lieben es, und ich begreife das, sich auf den großen Bismarck zu berufen, denn es ist allgemein anerkannt, daß Fürst Bismarck entschieden der größte unter allen lebenden Staatsmännern ist. (Rufe links: Jedenfalls größer als die unsrigen!) Fürwahr er ist größer als wir Alle, auch größer als Sie auf jener Seite. (Heiterkeit rechts.) Aber, meine Herren, dann sollten Sie denn doch in Ihren Aeußerungen mehr übereinstimmen. Der Eine ruft mir zu: Fürst Bis­marck diktire in Ungarn, de r Andere, daß Fürst Bismarck keine Schwierig­keiten mache. Wer hat nu n Recht? (Heiterkeit.) Glauben Sie mir, ich halte die aufgeworfene Frage für viel zu wichtig, als daß man in In­vektiven die Lösung oder B eruhigung finden könnte."

den 31. Mai 1888.

Das Haus sprach darauf mit überwiegender Majorität seine Bil° ligung des Inhalts der Beantwortung aus.

In Paris hat diese Rede Tisza's großes Aufsehen gemacht und die republikanische und chauvinistische Presse zu den heftigsten Erwide­rungen und Protesten veranlaßt. Wie das Journal des Debats erfährt, hat der Minister des Aeußeren Goblet den französischen Botschafter in Wien Decrais beauftragt, bei dem Grafen Kalnocky die Rede des unga- rischen Ministerpräsidenten Tisza zur Sprache zu bringen._______________ Tagesschau.

Berlin, 30. Mai. Der „R. u. St.-A." Nr. 139 veröffentlicht: Gesetz, betreffend die Verleihung von Korporationsrechten an die Nieder­lassungen geistlicher Orden und ordensähnlicher Kongregationen der katho­lischen Kirche, vom 22. Mai 1888.

Berlin, 30. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König empfin­gen heute den Prinzen Wilhelm Radziwill.

Berlin, 30. Mai. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin fuhren um S1^ Uhr im offenen Wagen nach Berlin, im zweiten Wagen ein Flügeladjutant und Mackenzie. Später folgten die drei Prinzessinnen Töchter. Der Kaiser verweilte kurze Zeit in seinem hiesigen Palais, kehrte dann über den Ziethenplatz, durch die Voßstraße, die Königsgrützer- straße und den Thiergarten nach Charlottenburg zurück. Prinz Leopold speiste heute bei den Majestäten.

Berlin, 30. Mai. Die „Voss. Ztg." erfährt, Professor Virchow habe nach genauer, sorgfältigster Besichtigung des Halses des Kaisers feststellen können, daß die Drüsen vollständig gesund sind, was für den ganzen Stand der Krankheit sehr wichtig ist. Uèberhaupt habe Virchow sich sehr befriedigt über den von ihm gewonnenen Befund ausgesprochen.

Berlin, 30. Mai. . Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz wohnte gestern Abenv einer von den Offizieren der 2. Garde-Jnfanlerie-Brigade im Löwenbräu an der Weidendammer Brücke veranstalteten geseMen Zu­sammenkunft bei. Der Kronprinz wurde von den anwesenden 130 Offi­zieren lebhaft begrüßt, unter welchen sich auch unter andern der Divtsions- Commandeur Generallieutenant v. Schlichting, der Corps - Commandeur General v. Pape befanden, und verweilte etwa drei Stunden in lebhafter Unterhaltung mit den ihn umgebenden Offizieren. Die Offiziere über­reichten dem Kronprinzen einen eigens für ihn hergestellten Bierkrug, wel­cher mit einer Widmung versehen war.

Berlin, 30. Mai. Im Jahre 1888 werden Generalstabs- Uebungsreisen bei dem 1., 2., 4., 5,, 6., 8,, 9., 11., 14. und 15. Armee-Corps stattfinden.

Berlin, 30. Mai. S. M. Kreuzer „Möwe", Kommandant Kor­vetten - Kapitän Freiherr von Erhardt, ist am 29. Mai er. von Aden in See gegangen.

Berlin, 30. Mai. Die heutige Versammlung der für die pro- jektirte Spiritusbank verpflichteten Spritfabrikanten und Spiritushändler beschloß, den Termin zur Gründung der Bank bis zum 15. Juni zu prolongiren. Die Betheiligung der Brenner war nur etwa 75 pCt. des Contin gents.

Ans dem Wortlaut der veröffentlichten Ernennung des Groß­herzogs von Hessen und bei Rhein zum Inspekteur der 3. Armee-Jn- spection ist zu entnehmen, daß diese nunmehr aus dem 7., 8. und 11. Armeecorps zusammengesetzt ist, während an Stelle des letztern bisher das 10. Armeecorps zu der genannten Inspektion gehörte. Das 11. Armeecorps war durch Kabinetèordre vom 12. April d. I. aus dem Verbände der 4. Armee-Inspektion in den der 1. übergetreten; mit der erfolgten Ernennung des Großherzogs von Hessen zum Inspekteur der 3. Armee-Inspektion scheint demnach das 11. Armeecorps zu letzterer über­führt worden zu sein.

Die „Nordd. Allgem. Ztg." bezeichnet die Paßmaßregeln in Elsaß-Lothringen nicht als eine Repressalie gegen bestimmte Vorgänge. Bei dem gesteigerten Nationalhasse der Franzosen gegen Deutsche, den die französische Regierung behufs eigener Kräftigung eher gefördert als gemindert hat, glaube die Neichsregierung, der Sache des Friedens zu dienen, wenn sie durch Einschränkung des Grenzverkehrs gefährliche Frik­tionen möglichst ausschließe.

München, 30. Mai. Der Prinz-Regent ist heute früh von Wien hierher zurückgekehrt.