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Nr. 124.
Dienstag den 29. Mai
1888.
BeZanKtMKchungen Königl. LaKdrathsamLs.
Für den verstorbenen Bürgermeister Kronenberger in Großauheim ist der jetzige Bürgermeister Franz Otto Grün als Ortsschätzer dieser Gemeinde bestellt und in Pflichten genommen worden.
Hanau am 28. Mai 1888.
Der Königliche Landrath.
V. 3162________________In Vertr.: Baabe._____________________
Vienft-Uschrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Auf der Messe ein Portemonnaie mit etwas Geld und anderem Inhalt. Ein gehäckeltes schwarzes Frauentuch. Ein Portemonnaie mit Geld-
Vom Wasenmeister eingefangen: ein gelber Pinscher m. Geschl. Verloren: Zwei Brillen.
Hanau am 29. Mai 1888.___
Bekanntmachung.
Wir machen darauf aufmerksam, daß an unserer Gerichtstafel, an der zu öffentlichen Bekanntmachungen bestimmten Stelle der Gemeinde Ravolzhausen und in dem Anzeiger des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Cassel Behufs Grundbuchregulirung in der Gemarkung Ravolzhausen ein Aufgebot von uns erlassen ist.
Langenselbold den 3. Mai 1888.
Königliches Amtsgericht.
> 5402 Giebe^ich.
Änsfdireißen âömgt. SfaafsanwaCfsrftaff zu FmMmi a. Ä. 8134 A. — J. 1825/88. Der am 14. Mai 1888 gegen den Schneider Heinrich Bell aus Hachenburg erlassene Steckbrief ist erledigt.
Frankfurt a/M. den 25. Mai 1888.
J. 2040/88. Ueber den Aufenthalt des Hausburschen Ludwig Ommert, geboren am 28. Januar 1869 hierselbst, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 26. Mai 1888.
9750 B. — 0. 163/88. Das am 8. Mai 1888 gegen den Fuhrknecht Martin Häusler von Erlangen erlassene Ausschreiben ist erledigt.
Frankfurt a/M. den 28. Mai 1888.___________________________
7839 A. — M. 194/88. Gegen den Taglöhner Wilhelm Wagner von Fellinghausen, geb. 26. Aug. 1856, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Körperverletzung verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich Nachricht zu geben.
Frankfurt a/M. den 25. Mai 1888.
Königliche Staatsanwaltschaft.
t Frankreich nnd Rntzland sind — so möchte man glauben, wenn man neuerdings die freisinnigen und freihändlerischen Börsenblätter liest — eine verfolgte Unschuld, die man nicht entschieden genug gegen die von deutscher Seite theils soeben angeordneten, theils empfohlenen oder beabsichtigten Maßnahmen in Schutz nehmen kann.
Da hat sich z. B. das gute Herz der Freisinnigen empört über die ‘ elsaß-lothringische Ministerialverfügung wegen Einführung der Paßpflicht für alle über die französische Grenze zureisenden Ausländer, und eins ihrer Hauptorgane findet es unverständlich, wie man jetzt bei Beginn der Reisezeit den Franzosen den Besuch von Elsaß-Lothringen, sowie der 'deutschen diesseits des Rheins belegenen Gebiete erschweren kann. Wer nicht in den letzten Jahren und Wochen taub und blind gewesen ist, dem kann es doch wohl nicht entgangen sein, daß Deutschland bisher eine wahre Lammesgeduld gehabt hat gegenüber der schlechten Behandlung unserer auf französisches Gebiet getretenen Landsleute, wie gegenüber den systematischen Hetzereien der französischen Presse gegen alles, was deutschen Ursprungs ist. Erst kürzlich wurden mehrere deutsche Studenten in Belfort nicht nur von dem Pöbel, sondern sogar von Militairpersonen schimpflich behandelt und thatsächlich am Weiterreisen verhindert, und vor wenigen Tagen mußte sogar ein Deutsch r über die Grenze zurück
kehren, obwohl er mit einem vorschriftsmäßigen Paß versehen war. Ueberdies wird, wie erst neuerdings wieder konstatirt worden, von französischer Seite, so namentlich von einer Unterabtheilung der Patriotenliga, der Union patriotique de France, deren Hauptaufgabe es ist, auf die „Herausgabe" von Elsaß Lothringen hinzuarbeiten, zu mißbräuchlichen Zwecken ein reger Verkehr mit Elsaß-Lothringen unterhalten und es werden die bestehenden Bestimmungen über den Grenzverkehr durch Täuschung der Beamten umgangen. Demgegenüber ist es doch wohl hohe Zeit, sowie Pflicht der Selbsterhaltung und Selbstachtung gewesen, von unserem Hausrecht Gebrauch zu machen und für die zureisenden Ausländer den Eintritt in Elsaß Lothringen wenigstens von der Bedingung eines regelrechten Passes abhängig zu machen. Wenn die Freisinnige Zeitung meint, daß dadurch der deutschfeindlichen Presse in Frankreich nur neue Nahrung gegeben werde, so zweifeln wir nicht einen Augenblick, daß eine derartige Empfindsamkeit und an Furcht grenzende Rücksichtnahme auf die Pariser Hetzpresie von keinem Deutschen als ein genügender Grund angesehen wird, etwas zu unterlassen, was im Interesse Deutschlands geboten ist.
Für die Russen gehen aber die freisinnigen und freihändlerischen Blätter sogar noch etwas mehr in's Zeug, wohl weil sie hierbei ihre schon längst bankerott gewordenen freihändlerischen Grundsätze vertreten können. Welche Nachtheile Deutschland bisher durch die russische Zollpolitik und andere wirlhschaftliche Maßnahmen erlitten hat, dafür scheinen sie gar kein Gefühl zu haben. Wenn von gewissenhaften Blättern fortdauernd auf die Gefahren aufmerksam gemacht wird, welche der Besitz russischer Werthe für den deutschen Capitalisten hat, so wird das nur als ein politisches Manöver ausgegeben, für welches es in den objektiven Verhältnissen keinerlei Begründung geben soll. Neuerdings ist nun wieder von unterrichteten Blättern die Aufmerksamkeit auf das Anwachsen der Einfuhr von russischem minderwerthigen Getreide gelenkt und darauf hingewiesen worden, daß Deutschland in dem §. 6 des Zolltarifs vom 12. Juli 1879 das Mittel besitzt, sich der von Rußland ausgehenden Benach- theiligungen zu erwehren. In diesem Paragraphen heißt es: „Waaren, welche aus Staaten kommen, welche deutsche Schiffe oder Waaren deutscher Herkunft ungünstiger behandeln als gegenüber anderen Staaten, können .....mit einem Zuschläge bis zu 50 Prozent des Betrages der tarifmäßigen Eingangsabgabe belegt werden." Sofort erklären die Freisinnigen und Freihändler diesen Paragraphen Rußland gegenüber nicht für anwendbar. Thatsache aber ist es, daß Rußland sowohl für Kohlen und Cokes wie Roheisen an der europäischen Grenze höhere Zölle erhebt, wie wenn diese Waaren zur See eingehen, d. h. daß Rußland Waaren deutscher Herkunft ungünstiger behandelt wie englische. Sofort aber sind auch hier Einwände bei der Hand: diese ungünstige Behandlung richte sich keineswegs gegen die Deutschen allein, sondern gegen alle Ausländer, welche über, die russische Westgrenze ihre Waaren dort einführen. Daß aber thatsächlich Deutschland allein dadurch betroffen wird, übersetzen die Freisinnigen in ihrer bekannten Gutmüthigkeit vollständig.
Mit anderen Worten, die Freisinnigen und Freihändler haben ein ganzes Füllhorn von Entschuldigungen und Rechtfertigungen für Rußland und Frankreich, so sehr auch die geringe Rücksichtnahme dieser Länder auf Deutschland auf der Hand liegt, wogegen sie jede stärkere Aeußerung des nationalen Bewußtseins und des nationalen Interesses auf deutscher Seite bei der ihnen angeborenen Neigung zur Opposition gegen die Stelle, welche das nationale Interesse und die nationale Ehre bisher mit ebenso großem Geschick wie Erfolg vertreten hat, tadeln und zu den heftigsten Angriffen gegen die eigene Regierung benutzen. Aehnliche Erscheinungen sind bisher weder in Frankreich noch in Rußland beobachtet worden.
T K g e s s H k U.
Berlin, 28. Mai. Der „R. u. St.-A." enthält nachfolgendes Bulletin:
Charlottenburg, 28. Mai, Vormittags 9 Uhr. Se. Majestät der Kaiser und König fühlten Sch vorgestern etwas ermüdet. Im Uebri- gen war das Befinden in der letzten Woche im Ganzen aut. Kein Fieber. Appetit und Kräftezustand sind befriedigend. Mackenzie, von Wegner. Krause. Hovell. Leyden. Bardeleben.
Berlin, 28. Mai. Der Kaiser verweilte von 2 bis 4*/s U^f im Parke und begab sich darauf mit der Kaiserin im offenen Wagen nach