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neter Conflict stattgefunden, und ein russisches Detachement ist ersterem zu Hülfe geeilt. So unbedeutend dieser Vorfall an sich sein mag, er scheint dazu beigetragen zu haben, daß den Engländern ein Licht über die Möglichkeit unmittelbarer Gefahr ausgegangen ist. So lange von russischen Truppenansammlungen an der deutsch-österreichischen Grenze die R.'de war, konnten sich die Engländer wohl minder beunruhigt fühlen; das Wieder­aufwerfen der centralasiatischen Frage reißt sie aus ihrer Sicherheit heraus und macht es erklärlich, wenn jetzt von allen Seiten auf eine Verstärkung der britischen Wehrkraft gedrungen werd.

Daß diese zu wünschen übrig läßt, ist bekannt. Das reguläre Heer (ohne die indischen Truppen) beläuft sich auf 271 000 Mann, die Miliz und das Freiwilligencorps auf 411 000 Mann ; dazu kommt ein Marine­personal von 113 280 Mann und eine Flotte, welche 46 gepanzerte Schlachtschiffe und außerdem noch 340 Schiffe aller Art (Torpedoboote, Kreuzer, Küstenvertheidiger 2C.) enthält. Die bewaffnete Macht Indiens erreicht einschließlich der Reserve, des Freiwilligencorps, der Truppen der einheimischen Fürsten und der militairisch organistrten Polizeicorps 630 000 Mann. Zu der kollossalen Ausdehnung des britischen Reiches und seiner hiermit gegebenen großen Verwundbarkeit es zählt 312 555 000 Ein wohner stehen die Streitkräfte in keinem Verhältniß. Die Regierung, von der Nothwendigkeit einer Erhöhung derselben überzeugt, hat dem Par­lamente einen Vorschlag wegen Bildung eines neuen Armeecorps vorge­legt, dessen Hauptaufgabe es sein soll, London zu schützen. Aber die militairische Bewegung ist hiermit nicht zufrieden und will einschneidendere, umfassendere Maßregeln, und es scheint, als ob das Cabinet dem allge­meinen Andrang nachzugeben bereit ist.

Die englische Heeresfrage hat auch für das kontinentale Europa Bedeutung, und so wird man auch bei uns mit Interesse den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit beobachten. Denn wenn England seine Wehrkraft verstärkt, so dient es dem Frieden. Heute, wo die Völker in Waffen starren, ist eine Stelle, welche militärische Blößen zeigt, eine größere Gefahr für den Frieden, als eine den Verhältnissen eines Landes entsprechende vollkommene Ausrüstung mit Verth.idigungsmittcln. Deßhalb würden die Ceniralmächte, welche die Aufrechterhaltung des Friedens er­streben, in einer Verstärkung der englischen Wehrkraft nichts Bedrohliches, vielmehr eine That erblicken können, welche auch den Friedensinteressen Europas zu Gute kommen kann._____________________________________

Tagesschau.

P. Aus dem Herrenhaufe. Berlin, 25. Mai. Das Herrenhaus erledigte zunächst den Bericht der Matrikelkommission, sowie lie Uebersicht von den Staatseinnahmen und Ausgaben des Jahres ] 886/87, lehnte den aus der Initiative des Abgeordnetenhauses hervor- gcgangknen Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung der Reliktenbeiträge für Elementarlehrer, gemäß dem Anträge der Kommission für den Staats­haushaltsetat, namentlich mit Rücksicht auf die wiederholten Erklärungen der Staatsregierung, daß die gesetzliche Regelung dieser Materie sich in 1 er Vorbereitung befinde, ohne weitere Debatte ab und beschäftigte sich 1 ann mit Petitionen, von denen erwähnenswerth ist, daß die Petition von Mitgliedern des Vorstandes akasemisch gebildeter Lehrer an höheren Unterrichtsanstalten der Provinz Sachsen, das Lehrerpensionsgesetz auf He nichtstaatlichen höheren Lehranstalten auszudehnen und die Gleich­stellung der Lehrer an diesen Anstalten mit denen an Staatsanstalten herbèizusühren, in Bezug auf den ersten Punkt der Staatsregierung zur Berücksichtigung überwiesen, bezüglich des zweiten Punktes aber durch den Herrenhausbeschluß vom 5. Mai d. I. auf Ablehnung des Gesetzentwurfs, betreffend das Dieusteinkommen und die Pension der Lehrer an den öffent­lichen nicht staatlichen höheren Lehranstalten, erledigt erklärt wurde. Nachdem damit die Tagesordnung erledigt war, vertagte der Präsident die Sitzung um inzwischen das Resultat der Berathung des Abgeord­netenhauses abzuwarten. Da bis nach 5Vz Uhr dasselbe nicht bekannt wurde, wird der Präsident zur nächsten Sitzung besonders einladen.

P. Aus dem Abgeordnetenhaus. Berlin, 26. Mai. Das Abgeordnetenhaus hielt heute seine Schlußsitzung, in der zunächst das Schullastengesetz in der vom Herrenhause beschlossen n Fassung in nament­licher Abstimmung mit 194 gegen 121 Stimmen im Ganzen angenommen wurde. Der wiederholt zur Berathung stehende Bericht der Rechnungs­kommission über die allgemeine Rechnung des Staatshaushalts für 1884/85 wurde nach längerer Debatte im Sinne des von der Kommission jetzt gestellten Eventualantrages erledigt. Zu einer längeren Auseinandersetzung führte sodann der Bericht der Wahlprüfungskommission über die Wahlen der Abgeordneten von Puttkamer-Plauth und Döhring (1. Danziger Wahlbezirk Elbing-Marienburg), deren Ungültigkeitserklärung die Com­mission bekanntlich beantragt hat. Das Haus beschloß ganz nach dem Anträge der Commission und nahm außerdem einen Antrag des Abg. Rickert an, den vorliegenden Protest gegen diese Wahlen der Regierung zu überweisen. Die Berathung über diesen Gegenstand war indeß weit über den sachlichen Rahmen hinausgegangen, und führte zu scharfen Aus­einandersetzungen zwischen den Parteien. Es gab dann der Präsivent die übliche geschäftliche Uebersicht; der Abg. Dr. Windthorst sprach Namens des Hauses dem Präsidenten den Dank für die unparteiische

Leitung der Geschäfte aus, während anderers-its der Präsident dem H»ch für die Unterstützung, deren er sich auf allen Seiten zu erfreuen gehabt, dankte und dann mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und Köniz in welches die Mitglieder dreimal begeistert einstimmten, gegen 4/2 W die Sitzung schloß.

Um 6 Uhr Abends traten die beiden Häuser des Landtages unk dem Vorsitz des Präsidenten der Herrenhauses, Herzog von Ratibor, y einer gemeinschaftlichen Sitzung zusammen. In derselben verlas dn Vizepräsident des Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttka« die Allerhöchste Botschaft, welche ihn ermächtigt, die gegenwärtig!, Sitzungen des Landtags am 26. Mai zu schließen. Nach der Verlesung welche das Haus stehend entgegennahm, erklärte der Vizepräsisent' Staatsministeriums v. Putlkammer die Sitzung für geschlossen uns mit einem vom Präsidenten ausgebrachten Hoch auf Se. Majestät den Kaisa und König, in welches das Haus mit großer Begeisterung einstimmt!, schloß nach einigen Minuten die Sitzung.

Berlin, 26. Mai. DerR. u. St.-A." Nr. 136 veröffentlicht Verordnung über die Inkraftsetzung des Gesetzes, betreffend sie Unfall uns Krankenversicherung dec in land- uns forstwirthschaltlichen Betrieb-, beschäftigten Personen, vom 5. Mai 1886, vom 23. Mai 1888.

Berlin, 26 Mai Se. Majestät der Kaiser und König nahm heute Vormittag um 11 Uhr den Vortrag des Chefs des Militärkabinch General-Adjutanten v. Albedyll, entgegen, empfingen um 12 Uhr d« Vize-Präsisenten des Staats-Ministeriums, Staats-Minister v Puttkamri, in Audienz und um 12V- Uhr den Hofmarschall v. Liebenau.

Berlin, 27. Mai. Aus Schloß Charlottenburg erfährt das3 Mont.-Bl", daß das Befinden des Kaisers auch heute ein ganz jufrieben stellendes ist , Der hohe Patient hatte eine leidliche Nacht; doch war bei Schlaf des Oesteren durch Ecker Absonderung gestört, die zwar dickflüssig!! geworden ist, indessen doch zuweilen Hustenreiz veranlaßt. Heute Morgri war der Kaiser schmerzfrei und bei guter Stimmung, stand bald nach btt Aerzte-Konsultation auf und erledigte Regierungègrichäfte. Der Appriil ist andauernd gut. Ueber eine Ausfahrt zu heute Nachmittag sind keim Bestimmungen getroffen; jedenfalls haben die Aerzte keine Bedenken dag!- gen, falls die Witterung die Ausfahrt gestattet.

Die leichte Entzündung der Wunde, deren Ursache als eine off ent. Frage galt, stammt möglicherweise vom Druck der Kanüle. Jedenfalls knüpfen sich keinerlei ernste Befürchtungen an diese an sich unerheblich! Erscheinung.

Die Fürsorge der behandelnden Aerzte in Verbindung mit den Ei fahrungen uns Beobachtungen, die bei den jüngsten Ausfahrten des Kai fers gemacht wurden, hat Veranlassung gegeben, in dem gewöhnlich zm Ausfahrt benutzten Wagen eine Waschvorrichtung, ähnlich derjenigen « den Cisenbahncoupè's, entringen zu lassen, um, falls bei längeren Aus führten eine Reinigung der Kanüle nöthig werden sollte, sofort alles B thige bei der Hand zu haben.

Die Reise der Kaiserin nach Westpreußen, die angeblich schon mor­gen, Montag, geplant war, ist aufgeschoben. Sie findet keinesfalls mor­gen, wahrscheinlich sogar erst in den ersten Tagm des Juni, nach bei Ukbersiedelung des kaiserlichen Hoflagers nach Schloß Friedrichkron, statt

Von anderer Seite wird demselben Blatt geschrieben: Der Kais« verließ das Bett heute Morgen um V-12 Uhr. Obgleich er sich bei schlechten Wetters wegen den Aufenthalt im Parke versagt hat, wurd- doch für Nachmittags 5 Uhr eine Ausfahrt angesetzt. Um VH Uhl erschien der Kronprinz zum Besuche im Schlosse.

Gestern Morgen fuhr die DampfyachtAlexandria" an bet Wasserfeste des Schloßparkes vor. Auf diesem Fahrzeug gedenkt bet Kaiser seiner Zeit nach Potsdam überzusiedeln. Die in weißer Fark gehaltene Jacht, deren schmucke Bemannung in weißen Hemden ml blauen Kragen und weißem Strohhut einen stattlichen Anblick gewährt besitzt eine besonders hoch herausgebaute Kajüte, so daß sie für bei Kaiser schöne nnd bequeme Räume darbietet. Der Kronprinz gebens! heute Nachmittag auf dieser Jacht nach Potsdam zu dampfen.

Heute fand kein Gottesdienst in der Schloßkapelle statt.

Trotz dem kühlen Wetter ist ein zahlreiches Publikum vor bew Schloß versammelt, ersichtlich in der Hoffnung, den Kaiser am Fenster erscheinen zu sehen.

Berlin, 26. Mai. Schloß Friedrichskron rüstet sich, seinen Be­sitzer würdig zu empfangen. Hunderte fleißige Hände sind bemüht, bii Wohnräume für die Kaiserliche Familie in Stand zu setzen und den Pst vatgarten links vom Palais in Ordnung zu bringen Bereits hat mal die sämmtlichen Zimmer telegraphisch miteinander verbunden; auch bi Aufstellung eines Gartenzeltes für den Kaiser ist bereits in Angriff ge nommen.

Berlin, 26. Mai. Die Sammlungen des Komitd's für die Uebel schwemmten ergaben bis zum 25. Mai 3 032 200 Mark.

Berlin, 26. Mai. DiePost" knüpft an ihren jüngsten Artin über Zollrepressalien gegen Rußland an, welcher verschiedentlich eine fällst Auslegung erfahren habe. DiePost" wollte damit nur die Berechtig»" der deutschen Zollverwaltung beweisen, jeden Augenblick zu Repressalie