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Hanmer Anzeiger.

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Nr. 117.

Samstag den 19. Mai

1888.

BâRAtmachungen Königl. LKNdrathsamts.

Die nach Vorschrift der Gewerbeordnung für das deutsche Reich vom 1. Juli 1883 mit den Gesuchen um Genehmigung zur Anlegung von Dampskeflèln einzureichenden Zeichnungen sind häufig auf so schlechtem Papier, oft nur auf gewöhnlichem Pauspapier, ausgeführt, daß dieselben schon während der Verhandlungen über das betr. Gesuch zerriflen werden und sich bei den späteren Untersuchungen und Vergleichungen der Dampf- kesselanlagen mit diesen, den Genehmigungs-Urkunden zu Grunde liegenden Zeichnungen als unbrauchbar erweisen. Es find dah.r für die Folge bei Vermeidung alsbaldiger Zurückgabe derartige Zeichnungen entweder auf gutem haltbarem Zeichenpapier oder auf Pausleinwand auszuführen resp, aufzukleben. Soweit dies thunlich ist, müssen die Zeichnungen das in der Bekanntmachung der Königl. Regierung vom 21. April 1877 (Amtsbl. Seite 169) für die Eingaben an die Behörden vorgeschriebene Format von 33 Centimeter Höhe und 21 Zentimeter Breite haben, oder dürfen dasselbe doch nur nach einer Richtung hin überschreiten, damit sie leicht in dieses Format zusammengelegt werden können.

Das gleiche gilt hinsichtlich der den Gesuchen um Genehmigung zur Errichtung oder Veränderung von Gebäuden und gewerblichen Anlagen beizu fügenden Zeichnungen und Beschreibungen.

Hanau am 16. Mai 1888.

Der Königliche Landrath.

V. 3102____I. V.: Baabe.___________

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Zwei Gummiringe. Ein weißes Taschentuch. Eine 1 Cigarrenspitze.

Hanau am 19. Mai 1888.

Aus streiken Königl Sfaafsanmattsifiaft zu. fonfcfiicf a. Ä. B. 9134. N. 326/88. Ueber den Aufenthalt des Commis Joachim Löwy, geboren am 20. Mai 1852 zu Rèslau in Böhmen, wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M. den 17. Mai 1888. __________________________

Pfingsten 1888.

Pfingsten, dasliebliche Fest", wie es des Dichters Mund nennt, in seiner Sonnigkeit, Heiterkeit vielleicht das schönste Fest der Christenheit, ist wieder gekommen. Wir können es in diesem Jahre, nach dieses Win­ters unendlich langer Herrschaft, mehr denn je als Frühlingsfest begehen; lacht uns doch in diesem Jahre in Folge der durch den langen Winter zurückgehaltenen Vegetations. Entwickelung eine volle Blüthenpracht entgegen, blüht und duftet es doch in Flur und Feld und Wald nun in einer üppigen Fülle, als gelte es Versäumtes nachzuholen, als gelte es, das von den Unbilden des gestrengen Winters schwer heimgesuchte Menschen­gemüth nun doppelt zu entschädigen.

Es war am Tage der Pfingsten, als unter Sturmeswehen und in Gestalt feuriger Zungen sich der heilige Geist auf die Apostel Herablieb und mit der Gründung der ersten christlichen Gemeinde die Grundlage für das gewaltige, unvergängliche Gebäude des Christenthums geschaffen wurde. Groß und unendlich war das Maß von Gaben, das ein jeder ,'der zwölf Apostel zur Stunde des Pfingstfestes empfing; aber groß und unendlich ist auch heute noch der Gnadenborn, der göttliche, der durch das Weltall strömt. Der göttliche Geist, er tritt uns niemals mächtiger, unsere Brust mit mehr Andacht erfüllend entgegen, als am Pfingstfeste, fam Frühlingsfeste mit seiner schimmernden Farbenpracht. Freilich, man muß den durch die prangende Natur rauschenden, lebendigen und belebenden Geist verstehen, man muß ihn zu finden wissen, man muß empfänglich sein für die stumme und doch so beredte Sprache der Natur, für die aus jedem Baum und Strauch, aus jeder Knospe und jeder Blüthe «ns ent­gegen lachende schöpferische Kraft, die ewig waltende, nimmer versiegende.

Das liebliche Pfingstfest ist das Fest der Reisen, der Ausflüge. Dessen mögen sich doch auch Jene erinnern, die sonder Rast und Ruh' sei es hinter ihrem Geschäft, sei es hinter ihren Büchern sitzen. Gehet hinaus Alle, Ihr, die Ihr des Tages Last und Hitze mehr als genug zu

tragen habt, schüttelt ab den Staub der Alltäglichkeit in Gottes freier Natur, tretet hinaus Ihr Armen und Reichen, Ihr Schwachen und Kranken, Ihr Gesunden und Kräftigen, für Euch Alle wölbt sich des Himmels azurnes Blau, wehet die balsamische Frühlingsluft. Und vergesset, wenn Ihr da draußen im Angesichte des gewaltigen Alls Euer Herz höher schlagen hört, nicht der daheim Gebliebenen, der an das Krankenlager Gefesselten, der Elenden und Unglücklichen. Schmückt ihnen mit Maien ihr Heim und mit Blumen und Gräsern, an Bergesrand und Tiefenhang gepflückt. Und bringt für Euch felbst von da draußen mit in's stille Heim jene beschauliche Ruhe und den Sinn für Verträglichkeit und Nächsten­liebe, den tausend Stimmen in geheimnißvoller Sprache so mächtig grad am Pfingstfeste predigen.

Der stille Friede, die freudige, festliche Ruhe, die sich am Pfingst­morgen auf die Erde senkt, sie lassen auch unser öffentliches, unser poli­tisches Leben für eine kurze Zeit zur Ruhe kommen. Auch wir wollen uns heute auf keine hochpolitischen Erörterungen einlassen und am heutigen Tage des Friedens den Wunsch und die Hoffnung aussprechen, die unsere verehrten Leser zweifellos mit uns theilen, daß uns des Friedens Seg­nungen noch recht lange erhalten bleiben mögen. Und bei diesem Gedanken richten sich unsere Blicke auf den Fürsten und Hort des Friedens, auf Kaiser Friedrich, der noch immer mit schwerer Krankheit kämpfend gewiß mit Sehnsucht des Frühlings Nahen erwartet hat. Möge auch ihm, dem des ganzen deutschen Volkes Herz in Liebe und Treue entgegen schlägt, das Pfingstfest neuen, frifchen Lebensmuth bringen und die fortschreitende Genesung. Das ist wohl der Gedanke Aller, die heute das heilige Pfingst­fest begehen und diesen Wunsch möge des Lenzes duftiger Blüthenhauch nach der Kaiserlichen Residenz zum Schloß des edlen Fürsten tragen.

Wir aber mögen auch diesmal nicht unserem Brauche untreu werden und rufen allen unseren Lesern zu:

_________________Recht frohe Feiertage!________________

Tafitsschkn.

Berlin, 18. Mai. DirR. u. St.-A." Nr. 130 veröffentlicht: Gesetz, betr. die weitere Herstellung neuer Eisenbahnlinien für Rechnung des Staates und sonstige Bauausführungen und Beschaffungen zur Ver­vollständigung und besseren Ausrüstung des Staatseisenbahnnetzes, sowie die Betheiligung des Staates an den Baukosten einer Eisenbahn von Sig­maringen (Inzigkofen) nach Tuttlingen, vom 11. Mai 1888.

Berlin, 18. Mai. DerR. u. St.-A." enthält nachfolgendes Bulletin:

Charlottenburg, 18. Mai, Vormittags 9 Uhr. Se. Majestät der Kaiser und König sind in den letzten Tagen ganz fieberfrei gewesen. Die Schlingbeschwerden sind fast verschwunden, die Absonderung ist ge­ringer. Das Allgemeinbefinden ist so befriedigend, daß Se. Majestät einen großen Theil des Tages im Freien zubringen. Die Kräfte nehmen sicht­lich zu. Mackenzie. von Wegner. Krause. Hovell. Leyden. Barde­leben.

Berlin, 18. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König brachten heute den größeren Theil des Vormittags im Freien zu und erledigten dort mit dem General-Adjutanten v. Winterfeld Regierungsgeschäfte.

Berlin, 18, Mai. Kaiser Friedrich nahm von 2V2 bis 31/* Uhr den Vortrag des Ministers v. Lucius entgegen und empfing den Fürsten von Putbus. Ueber eine halbe Stunde besuchte er die sogenannte Goldene Gallerte", wo die Vorbereitungen zur Hochzeit des Prinzen Heinrich getroffen werden. 9 Uhr Abends. Der Kaiser hatte heute einen recht guten Tag; erbrachte die Nachmittagsstunden von 6 bis 71/» Uhr abermals im Schloßpark zu, wo er theils spazieren fuhr, tbeils im Zelte verweilte. Der Abendbesuch der Aerzte fand gleichfalls im Zelte statt. Der Kaiser versuchte, als er den Park verließ, die Treppe zum Schloß hinaufzusteigen, was auch, indem der Kaiser sich auf das Trep­pengeländer stützte, gelang. (F. N )

Berlin, 18. Mai. Nachdem das Herrenhaus in dem Gesetzent­wurf, betreffend die Erleichterung der Volksschullasten, den von dem Hause der Abgeordneten angenommenen §. 7 (Aenderung der Verfassung) nicht angenommen hat, also eine zweite Abstimmung nach 21 Tagen über den Gesetzentwurf wegfällt, ist derselbe in seiner veränderten Fassung dem Hause der Abgeordneten wieder zugegangen. Die nächste Plenarsitzung