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Nr. 116.

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Amtliches.

Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.

Auf Grund der §§. 11 und 12 des Reichsgesetzes vom 21. Ok­tober 1878, betreffend die gemeingefährlichen Bestrebungen der Social­demokratie, und des §, 1 der Verordnung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 23. Oktober 1878 werden die Nummern 3941 inkl., 4348 inkl., 51 und 52 des dritten Jahrgangs (1888) der perio­dischen Druckschrift:Basler Arbeiterfreund, Organ des Arbeiterbundes Basel. Verantwortlicher Herausgeber und Redakteur E. Wullschleger, Druck und Expedition der Vereinsbuchdruckerei Basel", verboten.

Freiburg den 5. Mai 1888.

Der Großherzogliche Landeskommissär für die Kreise Lörrach, Freiburg und Offenburg. Siegel.

BäurrtMachnngen Körrigl» Lirndrathsamts.

Nachdem in der Zusammenlegungèsache von Hanau-Bruchwiefen die neuen Wege, Gräben und sonstigen Einrichtungen soweit fertig gestellt sind, daß den Planempfängern die Schließung bezw. Ausfüllung der in Wegfall kommenden, bislang noch nicht eingezogenen Wege und Gräben gestattet werden konnte, dürfen in Zukunft nur die bei der Zusammen­legung neu ausgewiesenen Wege benutzt werden. Da Klagen laut werden, daß manche von den Planempfängern bereits umgeackerte und zu Wiese angelegte alte Wegestrecken, insbesondere auch der eingezogene alte, durch den oberen Bruch führende Fußweg Langendiebach-Hanau, nach wie vor von Passanten betreten werden, so mache ich auf die Unzulässig­keit und Strafbarkeit der Benutzung der fortgefallenen alten Wege auf­merksam und ersuche die Herren Bürgermeister der Nachbarorte, insbe­sondere der hauptsächlich betheiligten Gemeinden Bruchköbel und Langendiebach, um Bekanntmachung dieser Nachricht an die Wiesen­besitzer.

Hanau am 17. Mai 1888.

Der Königliche Landrath.

V. 3108 In Vertr.: Baabe.

Üiisfrfirei6en âönigl UaaisMMlllWllfi zu Frankfurt a. M.

J. 1304/88. Der am 12./4. 1888 gegen den Kellner Heinrich Bauer von München erlaffene Steckbrief ist erledigt.

N. 168/88. Das am 5. April 1888 gegen den Bäcker Aug. Schäfer von Roßdorf erlaffene Ausschreiben ist erledigt.

7518 A. J. 1904/86. Ueber den Aufenthalt des Taglöhners Wilhelm Herrmann von Ludwigshafen wird Auskunft begehrt.

7178 A. J. 1382/88, Ueber den Aufenthalt der Kellnerin Christine Tevesen, geboren am 2. März 1860 zu Brezell, Reg.-Bez. Düsseldorf, wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M. den 16. Mai 1888.

NR. Parteiherrschaft und Landesvertheidigung.

Obwohl England vermöge seiner insularen Lage unmittelbarer Kriegs­gefahr ungleich weniger ausgesetzt ist als die Festlandsstaaten, macht sich in der dortigen Bevölkerung eine lebhafte Besorgniß über den gegen­wärtigen Stand der Vertheidigungsmittel geltend. Und zwar bezieht sich diese Besorgniß nicht blos auf die von Alters her starke britische Land­macht, sondern auch auf die einst das Meer völlig beherrschende Flotte und die zur Unterstützung derselben bestimmten Seebefestigungen und anderen Anlagen und Anstalten. Man besorgt insbesondere, daß selbst die Hauptstadt vor einem feindlichen Angriffe nicht gesichert sei. Sowohl in militärischen und parlamentarischen Kreisen, wie in der Presse und in Versammlungen nehmen die Erörterungen über die Vertheidigungsfähig­keit Englands einen breiten Raum ein. Bei einer dieser Erörterungen ist aus dem Munde des Generals Wolseley, welcher als eine der ersten 'militärischen Autoritäten Englands gilt und in seiner dem Chef des Generalstabs ähnlichen amtlichen Stellung den Stand der britischen Kriegs­machst völlig zu übersehen in der Lage ist, eine nach mehreren Richtungen interessante Aeußerung gefallen. Zunächst sprach der General in der

Freitag den 18. Mar

1888.

denkbar offensten und bündigsten Weise seine Ueberzeugung dahin aus, daß Englands Streitkräfte zu Master, wie zu Lande auch nicht entfernt zur Erfüllung der ihnen obliegenden Aufgaben ausreichen. Er bezeichnete sodann als die vornehmste Ursache dieser zu einer ernsten Gefahr nicht nur für die Macht und den Einfluß, sondern selbst für die Sicherheit des britischen Reiches herangewachsenen Unzulänglichkeit der Wehrkraft das in England bestehende Parteireoiment. Dasselbe habe zur Folge, daß bei jedem Wechsel des Ministeriums das neue Regiment seine Stellung durch populäre und rasch wirkende Maßnahmen zu sichern sich bestrebe und taß dazu in erster Linie die Beschränkungen der Aufwendungen für Heeres- und Flottenzwecke sich eignen und daher ohne Rücksicht auf das Staatswohl im Interesse der herrschenden Partei zu erfolgen pflegen.

Die Aeußerung hat in dem Lande der Parlaments- und Partei­herrschaft berechtigtes Aussehen erregt, aber sie ist in ernstlicher Weise nicht widerlegt worden. Sie trifft eben den Nagel auf den Kopf und stimmt insofern durchaus mit den deutschen Erfahrungen, als die Par­teien, welche bei uns eine Parlaments- und Parteiherrschaft anstreben, wie die Deutschfreisinnigen, die Klerikaldemokrateu, die Sozialdemokraten sich zugleich durch das Bestreben auszeichnen, sich durch Beschränkung der Aufwendungen für die Wehrkraft des Landes populär zu machen. Die Vorgänge in England bilden für uns ein warnendes Beispiel dafür, was Deutschland zu gewärtigen hätte, wenn an Stelle des starken monarchischen Regiments eine Parlamentsherrschaft träte: mit der Schwächung der Fürsorge für unsere Wehrhaftigkeit würde zugleich die Sicherheit vor Kriegsgefahr und die Aussicht auf Erhaltung des Friedens schwinden.

t In der französischen Arbeiterbewegung

haben sich jüngst Erscheinungen gezeigt, die zunächst den Staatsleitern der Republik Kopfschmerzen bereiten mögen, aber auch unsere Beachtung ver­dienen : die eine betrifft die Ursachen von Arbeitseinstellungen, die andere das Verhalten des Pariser Gemeinderaths zu den socialistischen An­sprüchen.

Die socialistische Partei Frankreichs ist in eine Anzahl Gruppen getheilt, deren Führer sich untereinander auf das bitterste befehden und das sicherste Mittel sich Anhang zu verschaffen darin erblicken, daß sie sich in der Aufhetzung der Arbeiter gegenseitig zu überbieten suchen. In der Schürung des Haffes gegen dieAusbeuter" sind sie alle einig und fast täglich kann man die Empfehlung von Dolch, Raub und Brandstiftung als die geeignetsten Mittel zur Rettung des Proletariats aus der Knecht­schaft derAusbeuter" in den Artikeln von Pariser Arbeiterblättern oder in Versammlungsberichten lesen. In wahrhaft scheußlicher Weise war von einem dieser Mittel bei der Ermordung des Grubendirektors Watrin beim Ausbruch des Strikes in Decazeville vor zwei Jahren durch Kohlen­arbeiter Gebrauch gemacht worden, welche durch Pariser Agitatoren auf­gehetzt waren. Aus dem Namen des Opfers wurde dann ein neues Wort watriniren" als Bezeichnung fürHinrichtungen" mißliebiger Aufseher und Unternehmer gebildet.

Unwillkürlich wiro man an diese Vorgänge erinnert, wenn man neuerdings liest, daß der schwebende große Strike der Glasarbeiter bei Paris vornehmlich durch das an die Fabrikanten gestellte Verlangen hervorgerusen worden ist, einen Direktor Namens Amiable aus Belgien, den Hofhund des ausbeutenden Kapitalismus, den exotischen Geier, den Galeerenaufseher rc." zu entlassen. Ein angesehenes Pariser Blatt macht selbst auf den neuen Charakter des Strike aufmerksam. Früher handelte es sich bei diesen Arbeitseinstellungen um eine Lohnerhöhung oder um eine Herabsetzung der Arbeitszeit. Jetzt aber treten diese rein materiellen Fragen immer mehr in den Hintergrund; es ist den Arbeitern hauptsäch­lich darum zu thun, ihren Willen in Betreff des Beamtenpersonals, dem sie unterstellt sind, durchzusetzen.

Minder auffällig erscheint dieser Charakter der Pariser Strikes, wenn man bedenkt, daß dec in seiner Mehrheit aus Socialisten, Com­munisten und Ultraradikalen bestehende Pariser Siadtrath den Ansprüchen der Arbeiter Vorschub leistet. Er hat beschlossen, den Strike der Glas­arbeiter mit einer Geldspende von 10 000 Francs zu unterstützen. Er hat weiter eine Maßnahme getroffen, der zufolge die Arbeitsdauer bei allen städtischen Arbeiten 9 Stunden täglich nicht übersteigen soll und nur während 5 Tagen in der Woche gearbeitet werden darf. Die nächste