«»onnementr-
Prcis: Jährlich 9 Mark. Haibj.âsoPfg. Bierteljährlich , Mark 25 Pfg. Für auswärtige
Abonnenten mit dem betreffen- *en Postauflchlag. Alte einzelne Nummer 10 Psg.
fjmimt Ästiger.
Zugleich Amtliches Hvgcrn für Ktuöt- und Lunökveis Kcrnuu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Insertion?.
PreiS:
Die ispaltige Sarmondzeils »d, deren Raum
10 Pfg.
Die Lspalt. Zeile 20 Pfg.
Sie SspaltigeZeile 30 Pfg.
Nr. 114.
-gsm—»B
Mittwoch den 16. Mai
BâNKtmachuNgen KöKigl. LaULrarysamtO.
Nachstehendes Ausschreiben wird veröffentlicht.
Hanau am 15. Mai 1888.
Der Königliche Landrath.
P. 3107 In Vertr.: Baabe.
Am 9. April d. Js, Mittags 1 Uhr, wurde auf einem Steinhaufen am Rothschild'schen Park die Leiche eines neugeborenen Kindes, männlichen Geschlechts, aufgefunden, welches nach ärztlichem Gutachten nach der Geburt sein Leben durch selbstständiges Athmen fortgesetzt hat und an Erstickung gestorben ist.
Die Leiche war in ein weißleinenes Tuch eingeschlagen und mit braunem Packpapier umwickelt.
Um Anzeige wird ersucht, falls über die Mutter des Kindes etwas bekannt sein sollte.
Frankfurt a/M. den 5. Mai 1888.
Königliches Polizei-Präsidium.
Dem am 19. September 1877 zu Großauheim geborenen Heinrich Leonhard Winterscheid, außerehelichem Sohne der Petronells Winterscheid, nunmehrigen Ehefrau des Fabrikarbeiters Ferdinand Steig- ler daselbst, ist gestattet worden, fortan den Familiennamen „Steigler" zu führen.
Hanau am 14. Mai 1888.
Der Königliche Landrath.
V. 2909 - In Vertr.: Baabe.
Mssdiceiöen Königl. UaaisMmMâft zu Mnfcfuct a. Ä. 8865 B. — N. 324/88. Das am 7. Mai ds. Js. gegen den Taglöhner Wilhelm Hack von Magdlos erlassene Ausschreiben ist erledigt.
Frankfurt a/M. den 14. Mai 1888.
J. 4077/88. Das am 28./l. d. I. gegen den Maurer Michael Wall erlassene Ausschreiben wird erneuert.
Frankfurt a/M. den 15. Mai 1888,
J. 1825/88. Gegen den unten beschriebenen Schneider Heinrich Bell aus Hachenburg, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Betrugs verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung Nachricht zu geben.
Frankfurt a/M. den 14. Mai 1888.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Beschreibung: Alter 34—35 Jahre, Größe 1,78 m, Haare blond, Kleidung: trägt Brille; besondere Kennzeichen: hat einen etwas krummen Rücken und geht nach vorn übergebeugt.
t Preußens Eisenbahnen.
Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat vor Kurzem dem Kaiser und König einen Bericht über die Gesammtentwickelung der seinem Resiort unterstellten Verwaltungszweige während der letzten 10 Jahre unterbreitet, für welchen ihm die ganz besondere Anerkennung des Kaisers zu Theil geworden ist. Ein Theil dieses Berichts ist neuerdings im Reichsanzeiger kurzinhaltlich veröffentlicht worden und es dürfte für weiteste Kreise von Interesse sein, von dem Inhalt wenigstens in den wichtigsten Theilen Kenntniß zu nehmen.
Das gewaltige, dem Ministerium für öffentliche Arbeiten unterstellte Arbeitsgebiet umfaßt die Eisenbahnen, die allgemeine Bauverwaltung, Flüsse und Kanäle, die Häfen, Meeresufer und Schifffahrtszeichen, die xKunststraßen und die staatliche Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung, mithin einen Geschäftsumfang von einer für alle übrigen Zweige des Srrmtslebens weittragenden Bedeutung. Der Schwerpunkt liegt naturgemäßst« Eisenbahnwesen, dessen großartiger Aufschwung, wie er sich täglich üKunferm ganzen Verkehrsieden darstellt, auch in den Ziffern und Mittheilungen des Berichts zu Tage tritt. Man kann diesen Theil des Berichts auch eine kurzgefaßte Geschichte der Verstaatlichung des Eisenbahnwesens nennen, welcher Schritt unserer Staatsleitung, als er vor zehn
1888.
Jahren unternommen werden sollte, die heftigsten Widersprüche zu beseitigen hatte und heute die allgemeinste Anerkennung findet.
Die Ziffern des Berichts geben ein anschauliches Bild dieser großen Entwickelung. Während Ende 1878 rund 4800 km Staatsbahnen, 3450 km Privatbahnen unter Staatsverwaltung und 9430 km Privatbahnen unter eigener Verwaltung, insgesammt 17 680 km Eisenbahnen in Preußen vorhanden waren, beträgt die Länge der im Betriebe stehenden preußischen Staatsbahnen — abgesehen von den noch in der Ausführung begriffenen Linien — Ende März 1888 rund 22 420 km, die der Privatbahnen nur noch 1 300 km. 13 390 km Privatbahnen sind in dieser Zeit Besitz und Eigenthum des Staates geworden.
Die Verwirklichung der mit dieser großen Maßregel bezweckten Vortheile für das Gemeinwohl hat im Laufe dieser zehn Jahre ein außerordentlich dankbares Arbeitsfeld geboten. Zunächst war eine einheitliche und gleichmäßige Einrichtung der Verwaltung durchzuführen, um an die Stelle der zahlreichen Verwaltungskörper der Privatbahnen eine einheitlich geordnete Staatsverwaltung zu setzen. Die unter dem 24. November 1879 von dem hochseligen Kaiser genehmigte Neuordnung: Bildung größerer Verwaltungsbezirke nach möglichst in sich abgeschloffenen Betriebsund Verkehrsgebieten beruht auf dem Prinzip der Decentralisation und persönlichen Verantwortlichkeit, sie bietet eine für das Publikum leicht erkennbare Gliederung der Instanzen für Anträge und Beschwerden. Durch Gesetz vom 1. Juni 1882 wurde ein System wirthfchaftlicher Beiräthe eingerichtet, welche durch Berathung und Begutachtung wichtiger Verkehrsangelegenheiten die Thätigkeit der Behörden unterstützen und für eine allseitige Prüfung der beteiligten Interessen Gewähr bieten; mit Hülfe derselben wurden die zahllosen und störenden Verschiedenheiten in Betrieb und Verwaltung beseitigt und diejenigen Einrichtungen getroffen, für welche erst durch die Vereinigung der Bahnen in einer Hand die Voraussetzungen gegeben waren: die einheitliche Wagendisposition, Vereinfachung der Abrechnungen, Umgestaltung der Fahrpläne, der Tarife, Herstellung direkter Expeditionen u. s. w.
Daneben kam die Erweiterung und Ergänzung des Bahnn-tzes in Betracht, um die höheren Aufgaben und Ziele der Staats Eisenbahn- Verwaltung für alle Theile des Landes und alle Interessen gleichmäßig in Wirksamkeit treten zu lassen. Im Gegensatz zu den Privatbahnen, welche sich naturgemäß den wirthschaftlich entwickelteren Gebieten zuwenden, dagegen Bahnen für Meliorationszwecke oder für die Interessen der Landesvertheidigung nicht in ihr Bereich ziehen, hatte die Staatsverwaltung bei der anzustrebenden Erweiterung des Bahnnetzes sich gerade nach dieser Richtung hin zu bethätigen.
Die Reserve- und Erneuerungsfonds der Privatbahnen, welche ihr in Höhe von 182 Millionen Mark zur freien Verfügung zugefallen waren, fanden hierbei zweckmäßige Verwendung. Es sind in den letzten 10 Jahren beinahe 6000 km neuer Bahnen mit einem Kostenaufwands von 534 Millionen Mark hergestellt worden, 73 Millionen Mark wurden auf die Fertigstellung der erworbenen Privatbahnen verwendet. Für Vervollständigung der Ausrüstung und Vermehrung der Betriebsmittel sind 368 Millionen Mark, zur Ergänzung der Bahnanlagen SS1^ Millionen Mark aufgewendet worden. In den großen Städten sind neue, den Bedürfnissen eines hochgesteigerten Verkehrs entsprechende Bahnhöfe hergestellt, 289 neue Stationen und Haltestellen eingerichtet worden. 1949 Maschinen und 34 378 Wagen find neu beschafft, Centralweichenstell Apparate, eiserner Oberbau, Stahlschienen, Anlegung großer Rangir- und Güterbahnhöse ermöglichen eine eingreifende Verbesserung und größere Sicherung des Verkehrs.
Der Betriebs-Etat der Staatsbahnverwaltung schließt für 1888/89 in Einnahme mit rund 720 Millionen Mark, in Ausgabe mit 476 Millionen Mark ab. Die Verwendung der Ueberschüsse ist gesetzlich geregelt. Obwohl die Verkehrsverhältnisse während der letzten 10 Jahre keine glänzenden waren. Hat die Staatseisenbahnverwaltung doch neben den für Verzinsung und Tilgung der Eiseubahnschuld bestimmten Beträgen noch Mehlüberschüsse im Gesammtbetrage von 330 Millionen Mark geliefert, zu denen später noch weitere 56 Millionen getreten sind. Diese Summen fanden zur Deckung anderer Staatsaufgaben, Tilgung von Staatsschulden u. f. w. Verwendung.