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Sir. 112.

Montag den 14. Mai

1888.

Amtliches.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß in Aus­führung des §.15 letzter Absatz des Reglements vom 6. Dezember 1887, betreffend die Ausführung der Gesetze vom 13. März 1878, 27. März 1881 und 23. Juni 1884 über die Zwangserziehung verwahrloster Kinder (Amtsblatt von 1888 S. 64), der an Stelle der Naturalausstattung Seitens der Ortsarmenverbände für die von der Anstalt zu bewirkende Einkleidung der Zwangszöglinge zu zahlende Geldbetrag von mir für Mädchen auf 45 Mark, für Knaben auf 60 Mark festgesetzt und diese Festsetzung durch Rescript der Herren Minister des Innern und der geist­lichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten vom 15. April 1888 genehmigt worden ist.

Cassel am 26. April 1888.

__________Der Landes-Direktor, von Hundelshausen.

Der Dienstknecht Johann Heinrich Christoph Fröhlich hat sich unter Zurücklassung seiner Familie aus Windecken entfernt und ist ander­wärts in Gefindedienst getreten. Die Familie des Fröhlich ist dadurch unterstützungsbedürftig geworden und dem Landarmenverbande zur Last gefallen. Es wird ersucht, nachdem rc. Fröhlich recherchiren zu wollen und im Ermittelungsfalle Nachricht hierher zu geben.

Hanau am 13. Mai 1888.

Der Königliche Landrath.

A. 713________In Vertretung: Baab e.____________

Aimft-Nachrichten aus dem freist.

Gefunden: Ein Säckchen mit etwas Salat (auf dem letzten Wochenmarkt liegen geblieben). Ein Henkelkorb (im Ralhhaus stehen ge­blieben). Ein kleines Portemonnaie mit einigen Pf. Ein schwarzer Sonnenschirm. Eine Mundharmonika, in ein defecktes Taschentuch ge­wickelt.

Zugelaufen: Ein kleiner grauer Doggenhund m. Geschl.

Hanau am 14, Mai 1888.___

Miissdimüßn MönigL Sfaafsanwattsdiaff za Frankfurt a. & 8687 B N. 1040/87. Das am 14. April 1888 gegen den Kellner Johann Nikolaus Karpf von Wieliczka erlassene Ausschreiben ist erledigt.

J. 1590/88. Das am 3. d. M. gegen den Ausläufer Max Sar­torius von Germersheim erlassene Ausschreiben ist erledigt.

Frankfurt a/M. den 11. Mai 1888.

J. 1589/88. Ueber den Aufenthalt des Hausirers Heinrich Pa­kras ch ins ky, geboren am 17. Mai 1866 zu Imsbach, wird Auskunft begehrt.

J. 2188/87. Das am 26. Noobr. v. Js. gegen den Arbeiter Friedrich Neber von Weivelbacherhof erlassene Ausschreiben ist erledigt.

A. 7284. J. 4102/87. Das am 10. Januar 1888 erlassene Ausschreiben gegen die Arbeiter Christian Füldner, geboren den 8. August 1846 zu Jera, Kreis Kahle, und Friedrich Wich ter mann, geboren den 22. April 1861 zu Schweinfurt in Bayern, wird erneuert.

-Frankfurt a/M. den 12. Mai 1888. ___________________________

J. 3969/87. Gegen den Metzgergesellen Heinrich Ries, geboren am 3. Januar 1863 in Rödelheim, welcher flüchtig ist, ist die Unter­suchungshaft wegen gefährlicher Körperverletzung verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und die Unterzeichnete von der erfolgten Festnahme unverzüglich in Kenntniß zu setzen.

Frankfurt a/M. den 9. Mai 1888.__

7255 A. J. 1749/88. Gegen den Taglöhner Anton Beck, geboren am 5. Juli 1858 zu Worms, welcher flüchtig ist, ist die Unter­suchungshaft wegen Unterschlagung verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich hierher Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 11. Mai 1888.

______________________Königliche Staatsanwaltschaft.____________________

L eg e s s ch ü «.

Berlin, 12. Mai. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen

des Reichs den Agenten Michele Ransei zum Vize-Konsul in Reggio zu ernennen geruht.

Berlin, 12. Mai.. Majestät der Kaiser und König arbeite­ten heute mit dem Kriegsminister und demnächst mit dem Chef des Mili- tärkabinets.

Berlin, 12. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Das Be­finden des Kaisers macht gegenwärtig erfreuliche Fortschritte. In Folge des Fieberabfalls und reichlicher Nahrungsaufnahme nehmen die Kräfte zu, das Aussehen ist frischer und gesünder. Der gestrige kleine Gang durch's Zimmer gelang ohne jede Anstrengung und Pulsbeschleunigung. Der Schlaf ist trotz der noch immer reichlichen Absonderung meist tief und erquickend, so daß der Kaiser schon in früher Morgenstunde sich aus­geruht hat und sich zum Verlassen des Bettes genügend gekräftigt fühlt, was aber erst nach dem Besuche der Aerzte geschieht.

Berlin, 13. Mai. Aus Schloß Charlottenburg erfährt dasD. M.-Bl.", daß die günstigere Wendung im Befinden des Kaisers von Be­stand ist. Der hohe Patient war gestern ungewöhnlich munter und geistig wie körperlich rege. Nach mehreren Gehversuchen und längerem Ver­weilen im Lehnstuhle, wobei der Kaiser nach längerer Pause zum ersten Male wieder einige Tageszeitungen las, begab sich der Monarch in den späteren Nachmittagsstunden zum Ausruhen wieder zu Bette. Die Körper­temperatur war etwas gestiegen, allerdings nur unwesentlich bis 38,2, so daß von einem eigentlichen Fieber nicht gesprochen werden kann. Trotz dieser Temperaturerhöhung fühlte sich der hohe Patient so wohl, daß er gegen 8 Uhr nochmals aufstand, wobei er jede Hilfeleistung zurückwies. Der Kaiser vermochte sich allein zu erheben und ohne jede Unterstützung eine kurze Promenade im Zimmer zu machen; dann setzte sich der hohe Patient zu seiner Familie an den Tisch und nahnt im Kreise der Seinigen einen kleinen Abendimbiß ein. Später las der Kaiser noch und suchte erst nach 9 Uhr sein Lager wieder auf. Die Nacht war außerordentlich gut; die Eiterabsonderung ist wesentlich geringer geworden, und da auch der Husten wenig belästigte, so schlief der Kaiser so fest und ruhig, wie seit lange nicht. Heute Morgen war der Patient völlig fieberfrei, hatte Normaltemperatur, gute Stimmung, einigen Appetit und erhöhtes Kräfte- gefühl. Er stand denn auch schon ziemlich früh auf, machte wiederholt erfolgreiche Gehversuche und erledigte dann in seinem Arbeitszimmer, im Lehnstuhl sitzens, verschiedene Regierungsgeschäfte. Die unfreundliche Witterung verbietet, wie es ja selbstverständlich ist, auch heute, daß der Kaiser in die frische Luft gebracht werde. Die größte Schonung des hohen Rekonvalescenten ist nach wie vor geboten. Das nächste Bulletin erscheint voraussichtlich erst Dienstag.

Sir Morell Mackenzie hat gestern unserem großen Pathologen Dr. Virchow einen Besuch abgestattet uns mit ihm den Verlauf der Krankheit des Kaisers eingehend besprochen. Virchow wird wahrscheinlich, wie er schon mehrmals gethan, mikroskopische Untersuchungen von Partikelchen aus dem Kehlkopf des Kaisers bezw. von Eiterabsonverungen vornehmen. Die Kaiserin dürfte den deutschen Gelehrten demnächst empfangen, und bei diesem Anlässe ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß Dr. Virchow auch den Kaiser sieht.

Berlin, 12. April. Kaiserin Viktoria besuchte, wie dieK. Z." schreibt, heute Vormittag, am belebtesten Markttage der Woche, zwei Markthallen. Der Oberbürgermeister, der Stadtverordnetenvorsteher, der Polizeipräsident, Stadtsyndikus Eberty, Stadtbaurath Blankenstein und verschiedene Stadträthe uns Stadtverordnete empfingen die hohe Frau, welche in Begleitung der Prinzessin Viktoria und des Oberhofmeisters Grafen Seckendorff erschienen war, mit ihren Amtsketten am Eingänge der Centralmarkthalle. Von oben her betrachtete die hohe Frau dann das Gewühl zu ihren Füßen und die aufgehäusten Vorräthe der Ver- proviantirung Berlins. Bis zum Hallenbahnhof durchschritt die hohe Frau die vom Publikum dicht besetzte Galerie. Nach einer Viertelstunde bestieg die Kaiserin mit der Prinzessin-Tochter wieder ihren Wagen und begab sich nach der Markthalle in der Linden straße.

Berlin, 12. Mai. Die Wildschadenkommission beschloß folgendes : Der Wil. schaden, welchen Elch , Roth-, Dam- oder Schwarzwild außerhalb umschlossener Gehege verursacht, soll zur Hälfte von Wildschadenverbänden, zu einem Viertel vom Jagdpächter und zu einem Viertel von den Grunv-